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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 163 vom 25.5.2012
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 25.5.–8.6.2012

4.6.10:47 MESZpartielle Mondfinsternis, in Mitteleuropa unsichtbar
4.6.13:12 MESZVollmond
6.6.3:09 MESZVenus in Unterer Konjunktion
6.6.6:49 MESZVenustransit (Ende)
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
LINKS ZUM ARTIKEL
Livecam für den Venustransit:
www.interstellarum.de/venustransit.asp
Großes Transit-Blog:
transitofvenus.nl
Weiteres Transit-Portal:
transitofvenus.org
 
 
Tipp der Redaktion
interstellarum 82:
Von Venus zu den Exoplaneten
www.oculum.de/interstellarum/ausgabe.asp?Nummer=82
 
 
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Animation des Venustransits am 6.6.2012. Je nach Beobachtungsort auf der Erde verschieben sich die Ein- und Austrittszeiten (in MESZ) um mehrere Minuten! [interstellarum]

Besser als am 8. Juni 2004 hätten die Bedingungen kaum sein können: Ein Himmelsereignis, das es seit 1882 nicht mehr gegeben hatte, war in Europa in voller Länge zu sehen, und fast überall herrschte perfektes Wetter. Diese Messlatte kann der zweite und letzte Venus-Durchgang vor der Sonnenscheibe des 21. Jahrhunderts schon aus geometrischen Gründen nicht mehr erreichen: Er beginnt lange vor Sonnenaufgang in Europa, und nur das Ende kann im Prinzip gesehen werden – wobei der Austritt der Venus aber beispielsweise in Köln in nur 10° Höhe stattfindet. Trotzdem lohnt das sehr frühe Aufstehen, denn erst in 105,5 Jahren wird sich das Schauspiel wiederholen, das zwar als solches nicht mit der Dramatik einer Sonnenfinsternis mithalten kann, dafür aber so eng mit der Geschichte – und atemberaubenden Geschichten – der Astronomie verwoben ist wie wenige andere Himmelsphänomene. Denn die seltenen Venusdurchgänge, auf deren Möglichkeit erstmals Johannes Kepler aufmerksam geworden war, boten sich als geradezu ideales Werkzeug an, die Dimensionen des Sonnensystems endlich absolut zu vermessen, was bei den vier Durchgängen des 18. und 19. Jahrhunderts so manchen Astronomen auf abenteuerliche und manchmal auch tödliche Weltreise schickte.

Kontaktzeiten des Venustransits am 6.6. 1

Ort Sonnenaufgang Azimut 3. Kontakt 4. Kontakt Höhe Sonne bei Austritt
Hamburg 4:53 MESZ 48° 6:37:15 MESZ 6:54:56 MESZ 15°
Potsdam 4:48 MESZ 49° 6:37:19 MESZ 6:54:59 MESZ 16°
Bonn 5:21 MESZ 51° 6:37:24 MESZ 6:55:07 MESZ 12°
Nürnberg 5:11 MESZ 52° 6:37:30 MESZ 6:55:11 MESZ 14°
Wien 4:56 MESZ 53° 6:37:33 MESZ 6:55:13 MESZ 17°
Zürich 5:31 MESZ 54° 6:37:36 MESZ 6:55:19 MESZ 12°
1Occult 4.0.9 von D. Herald

Heute gibt es dank Radar und Satellitenfunk weit genauere Methoden zur Entfernungsmessung im Sonnensystem, aber die alten Techniken – mit der Messung der Zeitpunkte, wann die Venus den Sonnenrand von innen berührt, oder durch direkte Astrometrie – werden heute noch gerne von Amateurastronomen nachvollzogen. Das wissenschaftliche Interesse ist aus einem völlig anderen Grund neu erwacht: Der Durchgang der Venus vor dem Sonnenscheibchen entspricht dem Transit eines Exoplaneten vor seinem Stern, dessen Licht eine etwaige Atmosphäre durchleuchtet und einen winzigen spektralen Effekt auf das Gesamtlicht hat. Die Venus hat eine Atmosphäre bekannter Zusammensetzung, und entsprechend sollte sich das Sonnenspektrum während des Durchgangs minimal verändern: Dieser Effekt soll etwa mit dem Hubble Space Telescope nachgewiesen werden, das dazu 7 Stunden lang immer wieder einen bestimmten Krater auf dem fast voll beschienenen Mond anpeilt. Während des Ein- und Austritts der Venus wiederum wird deren Atmosphäre direkt von einer ganzen Reihe Standorten aus durch spezielle Filter fotografiert: Sie bricht das Sonnenlicht Richtung Erde und macht sich als »Aureole« bemerkbar. Deren genaue Form wiederum verrät etwas über Schichten der oberen Venusatmosphäre, die keiner anderen Technik zugänglich sind – und auch Amateurastronomen können hier nützliche Bilder beisteuern. Während die Venus vor der Sonnenscheibe so fotografiert werden muss wie ein typischer dicker Sonnenfleck, sind für den Aureolen-Nachweis bis zu 10-mal längere Belichtungen nötig.


interstellarum lädt zur Einsendung von Transitbildern und -videos aller Art ein!

Bitte senden Sie uns ihre besten Aufnahmen des Transits direkt über unsere Uploadseiten. Möglichst zeitnah eingesendete Aufnahmen haben die Chance, in interstellarum 83 (Erscheinungstermin 20.7.2012) veröffentlicht zu werden.

Sind Ihnen Videos vom Venustransit geglückt? Senden Sie uns diese über den Videoupload auf unseren Server. Wir zeigen eine Auswahl der schönsten Ergebnisse in interstellarum 83 und der interstellarum Sternstunde!
 

Daniel Fischer

 
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Der Sonnenring kurz vor dem Schließen über dem chinesischen Xiamen – mit der Chromosphäre zwischen den Sichelspitzen! [James Kevin Ty]

Am Ende hatte die Wetterstatistik Recht gehabt: In Ostasien, wo am Morgen des 21. Mai die Antumbra des Mondschattens erstmals die Erde berührte und der lange Streifen der ringförmigen Sonnenfinsternis begann, lagen Zonen mit Regen und glasklarem Himmel dicht nebeneinander, während am Abend des 20. Mai im Westen der USA – die Finsternis hatte im Nordpazifik die Datumsgrenze überquert – fast überall beste Sichtbedingungen herrschten. Seitdem ihr direkter Saros-Vorgänger 1994 quer übers Land gezogen war, hatte es in den USA keine ringförmige Sonnenfinsternis mehr gegeben, und die letzte totale war gar 1979 gewesen: Daher wurde die Ringfinsternis jetzt vielfach als Generalprobe für die nächste totale Sonnenfinsternis 2017 aufgefasst. Ein Misserfolg war für sie die Berichterstattung in den Massenmedien, welche wieder einmal die einfachsten Beobachtungshinweise durcheinanderbrachten, ein Erfolg dagegen für die Finsternis-Meteorologie: Die wenigen von Wolken bedrohten Segmente des Annularitätsstreifens waren schon einige Tage im Voraus gut bekannt. Und überzeugen konnten auch etliche Webcasts aus Japan und mehreren US-Bundesstaaten, die mitunter das Erlebnis ringförmige Sonnenfinsternis auch in den ausgesparten Rest der Welt tragen konnten: Im Gegensatz zu totalen Finsternissen, die sich am ganzen Himmel abspielen und viele Sinne ansprechen, gelingt dies bei dieser Art Naturphänomen tatsächlich ganz gut.

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Ende der Ringphase über dem Shasta-Trinity National Forest in Nordkalifornien. [Ullrich Dittler]

Dabei sind ringförmige Sonnenfinsternisse weit mehr als nur ein Sonderfall partieller, wie es selbst Astronomen manchmal missverstehen: Wenn sich der Mond fast ganz vor die Sonnenscheibe geschoben hat und nur noch eine Photosphären-Sichel mit weit übergreifenden Hörnerspitzen übrig bleibt, erscheint zwischen diesen ein kurzes Stück der dicht über der Photosphäre liegenden Chromosphäre – was wegen der grellen Sichel nur fotografisch beobachtet werden kann, inklusive auch der innersten Korona direkt darüber. Einen besonderen Glückstreffer landete dieses Mal in China der philippinische Astrofotograf James Kevin Ty, für den eine Wolke kurz den Großteil der Sichel abdeckte: Eine so kontrastreiche Chromosphäre wie auf seinen Bildern ist bei einer ringförmigen Finsternis selten abgelichtet worden. Nachweisen konnten sie aber auch dieses Mal wieder mehrere andere Astrofotografen beiderseits des Pazifiks. Von diesen hatten sich die meisten Orte in Japan oder im Westen der USA ausgesucht, wo die Sonne relativ hoch stand, um bei den Kontakten das Perlschnurphänomen möglichst scharf abbilden zu können – der Südrand des Grand Canyon erwies sich dabei ein besonderer Magnet. Einige wagten sich aber auch an das exakte Ende des Finsternisstreifens in Texas, wo der Feuerring auf dem Horizont aufsetzte, und auch hier war vielen das Wetterglück hold.

Daniel Fischer

 

Zwei sonnenferne Kometen von besonderem Interesse machen von sich reden: 17P/Holmes, der 2007 einen gewaltigen Ausbruch erlebte, vollzog vermutlich Mitte Mai in 4,4AE Sonnenabstand einen Helligkeitssprung um etwa 1,m3, was angesichts seiner offensichtlichen Zerbrechlichkeit zu weiteren Beobachtungen anspornt – mit wenig mehr als 20m allerdings eine Herausforderung.

Der Komet C/2011 L4 (PANSTARRS), der im Frühjahr 2013 nullte Größe erreichen könnte, entwickelt sich weiterhin gut und zeigte im Mai eine kompakte Koma, die auf aktive Staubproduktion selbst in der aktuellen Sonnenentfernung von 4,6AE hinweist. Beide Beobachtungen wurden von Amateurastronomen mit dem fernsteuerbaren 2m-Faulkes-Teleskop in Australien gemacht; mit ca. 15m ist PANSTARRS auch schon kleineren Teleskopen zugänglich.

Daniel Fischer

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
Entdeckung:
www.aavso.org/aavso-special-notice-283
Beobachtungen und Bilder:
www.rochesterastronomy.org/sn2012/sn2012cg.html
 

Derzeit steigt ihre visuelle Helligkeit ungefähr linear mit einer Größenklasse alle drei Tage – am 23. Mai war sie bereits bei etwa 13,m0 angekommen: die Supernova 2012cg in der Virgo-Galaxie NGC 4424.

Entdeckt worden war die Sternexplosion von der Lick Observatory Supernova Search (LOSS) am 17. Mai, damals noch mit nur rund 17m: Erste Spektren identifizierten sie als Supernova des Typs Ia – und zwar etwa zwei Wochen vor der maximalen Helligkeit! Gemäß typischer Lichtkurven solcher Sternexplosionen sollte SN 2012cg noch 1–2 Größenklassen bis zum Maximum zulegen.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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Das neue 2-Meter-Teleskop auf dem Wendelstein – umlagert von Gästen während der Einweihung am 21. Mai. [Universitäts-Sternwarte München]
 
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Das GREGOR-Teleskop auf Teneriffa (nicht im Bild der 20m hohe Turm, auf dem es steht). [Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik]

Die Astronomie ist ein so internationales Unterfangen geworden, dass neue Forschungsteleskope in primär deutscher Regie auffallen: Das ist der Fall mit dem neuen 2m-Teleskop der Universitätssternwarte München, das am 21. Mai auf dem Wendelstein seiner Bestimmung übergeben wurde: Damit ist das Alfred-Jensch-Teleskop im thüringischen Tautenburg mit seinem 2m-Hauptspiegel nicht mehr das mit Abstand größte Fernrohr in Deutschland, welches es seit 52 Jahren war.

Und just am selben Tag wurde auf Teneriffa das Sonnenteleskop GREGOR unter Federführung des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik eingeweiht, das zwar schon ab März 2009 mit einem »nur« 1m großen Testspiegel gearbeitet hatte, nun aber den endgültigen 1,5m-Spiegel besitzt. Das macht es unter allen Sonnenteleskopen immerhin zum derzeit drittgrößten, und dank einer ausgeklügelten Adaptiven Optik sollte GREGOR seine Öffnung auch voll ausnutzen können. Dabei geht es um hochgenaue Messungen des magnetischen Feldes und von Gasströmungen in der solaren Photosphäre und Chromosphäre mit einer räumlichen Auflösung besser als 70km.

Das neue Teleskop mit offener Struktur, komplett herunterfahr- oder besser faltbarer Kuppel, alt-azimutaler Montierung, Adaptiver Optik und einer Auswahl von neu entwickelten wie auch bewährten wissenschaftlichen Postfokusinstrumenten ersetzt ein 45cm-Teleskop, das nach insgesamt 40 Jahren außer Betrieb gegangen ist. Auch das neue Wendelstein-Teleskop stellt eine Verbesserung dar: An seiner Stelle arbeitete von 1989 bis 2008 ein 80cm-Spiegel. Das mit einiger Mühe auf den 1800m hohen Berg bei Rosenheim installierte 2m-Teleskop mit 15m Brennweite soll nach Abschluss einer Justierungs- und technischen Optimierungsphase im Sommer den Beobachtungsbetrieb aufnehmen. Noch in diesem Jahr werden Beobachtungen für ein Projekt zur Untersuchung der Dunklen Energie in Zusammenarbeit mit dem Hobby-Ebberly-Teleskop in Texas beginnen: Während sich dieses 10m-Teleskop um Spektroskopie ferner Galaxien kümmert, liefert das neue Teleskop auf dem Wendelstein die zum Abgleich erforderlichen Bilder.

Daniel Fischer

 
 

Die Sonne bewegt sich langsamer durch das interstellare Medium, als bislang angenommen. Durch die verlangsamte Geschwindigkeit staut sich die Heliopause zwar zu einer Art Bugwelle auf, eine dichte Schockfront entsteht – entgegen bisherigen Annahmen – jedoch nicht.

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Die Heliosphäre beschreibt den nahezu fremdpartikelfreien Raum um das Sonnensystem. Im Bereich der Randstoßwelle (Termination Shock) beginnen sich die Partikel des Sonnenwindes und des interstellaren Mediums zu vermischen. Partikel, die nicht in die magnetische Blase eindringen können, stauen sich als Bugwelle, bilden aber keine Schockfront. [Southwest Research Institute]

Das Sonnensystem befindet sich im Inneren einer gigantischen Blase geladener Partikel und magnetischer Felder, die in der Astrophysik als Heliosphäre bezeichnet wird. In diesem weiträumigen interplanetaren Bereich verdrängt der Teilchenstrom der Sonne die interstellare Materie bis hinaus zur sogenannten Heliopause. Nur elektrisch neutrale Atome aus dem interstellaren Medium dringen in sie ein. Neben diesen wenigen Partikeln stammt fast die gesamte Teilchenmenge in der Heliosphäre vom Sonnenwind, den unser Gestirn mit bis zu 800km/s stetig ins All verströmt. Der Bereich, in dem die Heliosphäre mit interstellarem Staub und Gas kollidiert, markiert die äußere Grenze des Sonnensystems, die Heliopause. Seit mehr als 20 Jahren ging man nun davon aus, dass die Geschwindigkeit, mit der die Sonne und ihre Heliosphäre durch das interstellare Medium pflügen so beträchtlich ist, um eine regelrechte Stoßwelle an Teilchen, die die Heliosphäre nicht durchdringen können, vor ihr aufzubauen. Solche Schockwellen sind durchaus nichts Ungewöhnliches, und auch schon als sogenannte »Astrosphären« um andere Sterne der Milchstraße beobachtet worden. Anhand der Vermessung der Heliopause lassen sich nun Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit anstellen, mit der die Sonne ihre Bahn um das Galaktische Zentrum zieht. Sie bewegt sich dabei relativ zu dem Teilchenstrom und die verdrängten Teilchen fließen seitlich an der magnetischen Blase ab, ganz ähnlich dem Wasser, das durch einen Schiffsbug verdrängt wird. Die genauen Vorgänge hängen dabei von der Geschwindigkeit ab, mit der sich die Sonne durch den Raum bewegt, so dass Ausgestaltung der Heliopause und Geschwindigkeit des Sonnensystems in engem Zusammenhang zu setzen sind. Im Ergebnis steht nun »nur« noch eine Geschwindigkeit von rund 84000km/h gegenüber dem Wert von 94700km/h, der seinerzeit anhand von Ulysses-Daten ermittelt wurde. Durch die limitierte Geschwindigkeit resultiert gleichzeitig auch eine Verringerung der Kompression der Heliopause um etwa ein Viertel und liefert somit den Grund, weswegen die Idee einer Stoßfront als Grenze des Sonnensystems in der bisherigen Form wohl nicht mehr zu halten sein wird.

Lars-C. Depka

 

Gewaltige Helligkeitsausbrüche »normaler« Sterne, die sonst kaum etwas von der Sonne unterscheidet, geben der Astrophysik schon seit 120 Jahren Rätsel auf, waren aber wegen ihrer extremen Seltenheit kaum zu erforschen. Als Abfallprodukt der Kepler-Mission zur Exoplanetenjagd gibt es jetzt eine erste große Statistik: Bei der ständigen Photometrie von 83000 Sternen wurden in 120 Tagen 365 »Superflares« von 148 verschiedenen Quasi-Sonnen gesichtet – macht im Schnitt einen pro Stern alle 350 Jahre. Die Sonne erlebt solche Ausbrüche von der bis zu 1000-fachen Energie der größten Sonnenflares nicht, und eine führende Hypothese war, dass »heiße Jupiters« nötig sind, um das Magnetfeld von Sternen für Superflares hinreichend zu verdrillen. Doch Kepler fand bei keinem einzigen der 148 Sterne einen Planeten: Der Mechanismus für die Superflares – der etwa jeden 500. sonnenähnlichen Stern zu ereilen scheint – ist wohl ein anderer.

Daniel Fischer

 

Planeten mit einigen wenigen Erdmassen gibt es im Sonnensystem nicht, aber in anderen Planetensystemen sind sie nicht selten – und nun ist es mit dem Spitzer Space Telescope (trotz lange aufgebrauchten Kühlmittels) erstmals gelungen, die thermische Emission einer heißen Supererde direkt zu messen: als winzige Abnahme der Gesamtstrahlung aus dem 55-Cancri-System, wenn der innerste von dessen fünf Planeten hinter dem Stern verschwindet. Der rund 2400 Kelvin heiße 55 Cnc e erweist sich dabei als sehr dunkel – und der gebunden um den Stern laufende Planet ist unfähig, die Temperatur von der heißen Tag- auf die Nachtseite zu transportieren. Die Interpretation der Beobachtungen ist leider nicht eindeutig: Vielleicht ist der 8-Erdmassen-Planet ein enormer Felsbrocken mit einer nur geringen Atmosphäre – oder aber eine exotische Wasserwelt mit einem überkritischen Ozean und einer Lufthülle, die aus anderen Gründen keine Wärme abtransportieren kann. Nur ein Zwischenschritt bei Verständnis der Supererden also – und ein Beleg, dass derzeit nur Spitzer in diesem speziellen Sektor der Exoplanetologie glänzen kann.

Daniel Fischer

 

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 25.5.–8.6.2012

DatumVeranstaltungAnsprechpartner
2.6.–3.6.15. Tagung der VdS-Fachgruppe »Kleine Planeten«, Archenhold-Sternwarte, 12435 Berlinkpt2012@astw.de, www.astw.de/kpt_2012
2.6.2. Norddeutsches Sternwartentreffen, Sternwarte Lübeck, 23564 Lübeck-Eichholzwww.astronomie-nord.de
2.6.–9.6.Jugendaustausch mit Russland und Norwegen zum VenustransitSusanne M. Hoffmann, 05121/3032296, service@fnj-online.de
2.6.–3.6.Venus Transit Conference, Tromsø NorwegenAmelie Matt, ameliematt@yahoo.no, site.uit.no/venus2012
 

Gewerbliche Termine vom 25.5.–8.6.2012

DatumVeranstaltungAnsprechpartner
3.6.Tag der offenen Tür bei Meade, 46414 RhedeMeade Europe, Gutenbergstr. 2, 46414 Rhede, 02872/8074-0, www.meade.de
 
 
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Leica Trinovid-Ferngläser:
de.leica-camera.com/sport_optics/trinovid_binoculars/trinovid_42
 
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Das neue Leica Trinovid 42 ist mit den Vergrößerungen 8× und 10× erhältlich.

Die Leica Camera AG in Solms erweitert mit dem Trinovid 8×42 und dem Trinovid 10×42 ihr Fernglasangebot um zwei Modelle. Die Geschichte der Trinovid-Ferngläser reicht bis 1957 zurück, das Vorgängermodell wurde als dritte Generation der Trinovid-Reihe bis 2007 gebaut. Mit der Neuauflage der 42er-Modelle kehrt damit ein Klassiker unter den Ferngläsern zurück. Wie der Hersteller betont, handelt es sich aber nicht nur um eine Neuauflage, sondern um eine konsequente Weiterentwicklung mit modernen Werkstoffen und Techniken. Das Gehäuse besteht aus Magnesium-Druckguss, die Innenfokussierung erfolgt am Mitteltrieb. Das stickstoffgefüllte Gehäuse ist bis 5m druckwasserdicht und mit einer Spezialarmierung geschützt.

Die Dioptrienverstellung von ±4dpt geschieht ebenfalls am Mitteltrieb. Die Augenmuscheln sind in vier Rastpositionen verstellbar, wobei die Lage der Austrittspupille (15,5mm bei 8× bzw. 16mm bei 10×) auch für Brillenträger nutzbar ist. Der einstellbare Augenabstand reicht bei beiden Modellen von 55mm bis 75mm. Die Optik trägt eine HDC-Mehrschichtvergütung, die Dachkantprismen sind phasenkorrigiert. Die Naheinstellgrenze liegt bei 3,5m. Neben der optischen Leistung betont Leica auch die kompakte Bauform und das geringe Gewicht von ca. 800g. Im Lieferumfang sind ein konturförmiger Neopren-Trageriemen, Okularschutzdeckel, Objektivschutzdeckel und eine Bereitschaftstasche enthalten. Als Preise werden 1300€ (8×42) und 1350€ (10×42) genannt.

Frank Gasparini

 
 
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Norddeutsches Astrofotografentreffen:
www.naft.de
GvA-Hamburg:
www.gva-hamburg.de
 
Gespanntes Warten auf den kommenden Vortragsblock im Gemeindesaal der Festen Burg in Hamburg-Neu-Allermöhe. [Manfred Holl]

Die GvA-Hamburg war dieses Mal der Ausrichter des Frühjahrstreffens der norddeutschen Astrofotografen und hatte in das Gemeindezentrum Feste Burg in Hamburg-Neu-Allermöhe eingeladen. Rund 30 Sternfreunde fanden daraufhin den Weg in Hamburgs Osten und bekamen zahlreiche astrofotografische Höhepunkte geboten. Gegen 14 Uhr eröffneten Konstantin von Poschinger und Hartwig Lüthen mit kurzen Ansprachen den offiziellen Teil. Im ersten Vortrag sprach Stefan Rust über die in Hamburg immer mehr zunehmende Lichtverschmutzung und hatte Bilder von Deep-Sky-Objekten dabei, die er aus dem heimischen Garten und beim Teleskoptreffen auf dem Aschberg aufgenommen hatte. Bessere Aufnahme-Bedingungen fand er während zweier Astroreisen nach Portugal 2010 und 2011 vor. Bruno Mattern und Frank Wierny stellten danach ihre Sternwarten und Ausrüstungen vor und zeigten eine Auswahl ihrer Deep-Sky-Fotos.

Nach einer längeren Pause, die zur Stärkung und zum Informationsaustausch genutzt wurde, begann der zweite Vortragsblock mit einem Beitrag von Konstantin von Poschinger, der zahlreiche CCD-Aufnahmen u.a. aus der GvA-Außensternwarte in Handeloh vorführte. Außerdem stellte er seine Aufnahmetechnik und das Programm »CCD inspector« als Fokussierhilfe vor. Das war eine gute Überleitung zum nächsten Vortrag, in dem Hartwig Lüthen das Programm Autostakkert erklärte. Er bearbeitete live ein Jupitervideo, das am 14-Zöller der GvA-Außensternwarte in Handeloh entstanden waren und verglich am Ende die Ergebnisse der Bearbeitung eines ausgewählten Mondvideos mit den verschiedenen Programmen Giotto, Avistack, Registax und Autostakkert. Nach der nächsten Pause ging es weiter mit einem zweiteiligen Vortrag von Mathias Levens über den Bau einer Gartensternwarte mit Säule. Im zweiten Teil folgte ein Bericht über eine Reise mit den Hurtigrouten im Oktober 2011, wo ihm fantastische Aufnahmen von Polarlichtern gelangen, die er rund um die Lofoten auf der MS Finnmarken erhielt. Jürgen Mensing hatte sich im Februar 2012 in eine Region 25km nördlich von Tromsø begeben und konnte dort ebenfalls viele beeindruckende Fotos von Polarlichtern aufnehmen. Das nächste Norddeutsche Astrofotografentreffen wird am 3. November in Neumünster stattfinden.

Manfred Holl

 
 
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Norddeutsches Sternwartentreffen:
astronomie-nord.de/norddeutsches-sternwartentreffen.html
Sternwarte Hamburg-Bergedorf:
www.hs.uni-hamburg.de/DE/Oef/Inf/TdoT/tdot12.html
 

Die beiden ersten Juni-Wochenenden bieten im Norden zwei interessante Veranstaltungen: Am 2. Juni gibt es ab 11 Uhr auf der Sternwarte Lübeck das 2. Treffen norddeutscher Sternwarten (NST), bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kurzvorträgen über die Arbeit auf ihrer Sternwarte berichten können.

Eine Woche später gibt es am 9. Juni von 15 bis 23 Uhr auf der Sternwarte Hamburg-Bergedorf einen Tag der offenen Tür. Neben der Vorstellung aktueller Forschungsaufgaben, können die Instrumente der Sternwarte besichtigt werden, außerdem gibt es ein umfangreiches Kinderprogramm.

Manfred Holl

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 25.5.–8.6.2012 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
29.5. 19:30 Phoenix 1969 – Der Aufbruch zum Mond 15min.
21:30 Phoenix 1986 – Die CHALLENGER-Tragödie 15min.
30.5. 4:20 Phoenix Armageddon – Der Einschlag (1+2) 2×45min.
22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Warum ist das Universum so dunkel? 15min. 30.5.: 1:45, 10:15
31.5. 1:30 ZDF neo Das Universum ( Teile 5 – 8): Eine Reise durch Raum und Zeit 4×45min.
7:30 SWR Joseph Fraunhofer und die Spektrallinien 15min.
7:45 SWR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Das Foucaultsche Pendel 15min.
14:40 arte Die Rückkehr zum Mond 45min. 3.6.: 6:30
15:25 arte APOLLO 11 – Abenteuer live! 80min.
1.6. 4:05 Phoenix APOLLO 13 25min.
4:30 Phoenix Sternwarte in der Wüste 5min.
4:35 Phoenix Blick in die Sterne 40min.
6:00 Phoenix Die Hunde-Kosmonaten von Baikonur 45min.
2.6. 7:00 SWR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: 9 Ausgaben 9×15min.
4.6. 1:55 ZDF Leschs Kosmos: Asyl im Kosmos 15min. ZDF neo: 7.6.: 2:35
6.6. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Kann man mit Lichtgeschwindigkeit reisen? 15min. 7.6.: 1:45, 10:15
7.6. 11:30 Phoenix Tage, die die Welt bewegten: Der Prozess gegen Galileo Galilei und Juri Gagarin – Der erste Mensch im All 55min.
12:25 Phoenix Tage, die die Welt bewegten: u.a.: Die Explosion der CHALLENGER

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Livecam:
www.interstellarum.de/venustransit.asp
 

Wenn das Wetter mitspielt, können Sie auf unseren Internetseiten am 6.6.2012 den kompletten Venustransit per Livecam miterleben. Der Astrofotograf und interstellarum-Autor Thomas Rattei ist in Tromsø, Norwegen für uns vor Ort und stellt seine Bilder vom Transit live zur Verfügung.

Durch die im Norden herrschende Mitternachtssonne können Sie den Durchgang in seiner vollen Länge auf unseren Webseiten ab ca. 0:08 MESZ miterleben! Dabei sehen Sie nicht nur das stets aktuelle Bild auf der sich selbst aktualisierenden Webseite, sondern können ebenso eine automatisch aus allen vorherigen Fotos generierte Animation abrufen oder im Archiv auf alle Einzelbilder zugreifen.

Venustransit-Livecam

Die Webseite für unsere Livecam ist bereit für den Venustransit am 6.6. in voller Länge: www.interstellarum.de/venustransit.asp.

 
 
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Subskriptions­angebot:
www.interstellarum.de/ruekl.asp
 

der Mondatlas von Antonín Rükl gilt seit Jahrzehnten als Standardwerk für Mondbeobachter. Viele Jahre jedoch ist dieser epochale Atlas schon nicht mehr erhältlich, deutsche Mondfreunde warten seit über 10 Jahren auf eine Neuauflage.

Nun jedoch ist ein Ende der Durststrecke in Sicht: Antonín Rükl wird eine aktualisierte Neuauflage des Atlas erstellen, wenn sich genügend Interessenten für eine Subskription (Vorab-Bestellung) finden. Nutzen Sie diese einmalige Möglichkeit zum Erwerb dieses Standardwerks zum einmaligen Vorteilspreis bei Bestellung bis 31.7.2012.

Informationen, Beispielseiten, Bestellung

Um mehr über unser Angebot erfahren, besuchen sie bitte unsere Subskriptionsseite.

 
 
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DAS NEUE ABONNEMENT:
www.interstellarum.de/jahresabo.asp
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www.interstellarum.de/onlineshop.asp
AKTUELLE AUSGABE:
www.interstellarum.de/aktuell.asp
UNSER HEFTARCHIV:
www.interstellarum.de/archiv.asp
 

interstellarum 82 (Juni/Juli 2012) ist seit dem 18.5. am Kiosk und in unserem Shop erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

• Von Venus zu den Exoplaneten: Wie Planetentransite die Forschung antreiben
• Venustransit: Das Jahrhundertereignis am 6. Juni
• Deep-Sky: 100 Quadratgrad in der Sommer-Milchstraße
• Astrofotografie: Ein Atlas der Sternspektren
• Exoplaneten: Beobachtungen mit Mini-Teleskop

 

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