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Sonne. Helligkeit -26 ,m7, Durchmesser 31' 27,59" (4.7.2016 11:10 MESZ, Sonnenbild: 4.7.2016 8:00 MESZ)
Mond. Helligkeit -0 ,m1, Durchmesser 32' 34,46" (4.7.2016 11:10 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 146 vom 30.9.2011
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
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MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 30.9.–14.10.2011

1.10. 9:06 MESZ   Mars bei M 44, Mars 26' südlich
4.10. 5:15 MESZ   Mond Erstes Viertel
8.10. 19:09 MESZ   Draconiden (DRA), Dauer: 6.10.–10.10., ZHR: var
10.10. 1:44 MESZ   Mond bedeckt κ Psc 4 ,m9
12.10. 4:06 MESZ   Vollmond
13.10. 23:13 MESZ   Saturn in Konjunktion
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
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Digitalfoto aus München/Nord, 26.9., 22:20 MESZ, 24mm-Objektiv bei f/2, 5DMk2, ISO 800, 13s. »Das Nordlicht war auch visuell sichtbar, leider verhinderte die Luftfeuchte eine noch bessere Sichtung.« [Franz-Peter Pauzenberger]
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26.9., 23:17 MESZ, 18mm-Objektiv bei f/3,5, Canon EOS 1000D, ISO 800, 15s [Michael Wendl]

Es war das hellste und farbintensivste Polarlicht in Mitteleuropa seit fast einem Jahrzehnt, und für viele Sternfreunde war es auch das erste: Ein schwerer geomagnetischer Sturm hat am Abend des 26. September den nördlichen Himmel über Deutschland und selbst Österreich mehrere Male in ein auffälliges Dunkelrot getaucht. Allerdings – wie bei Polarlichterscheinungen in unseren Breiten die Regel – nur sporadisch, mit langen Pausen dazwischen. So hatte Pech, wer durch erste Berichte vom frühen Abend alarmiert, nach erfolglosem Bemühen aufgab – und so die hellste Phase überhaupt gegen 23:15 MESZ verpasste.

Ursache des aufgewühlten Erdmagnetfelds, das sich in der folgenden Nacht längst wieder beruhigt hatte, war das Auftreffen eines koronalen Massenauswurfs der Sonne um 14:15 MESZ gewesen, was die Magnetosphäre stark komprimiert hatte: Ab etwa 15:00 MESZ hatte das solare Plasma eindringen können. Und begonnen hatte alles mit einem Flare der Stärke X1.9 in der gewaltigen Sonnenfleckengruppe AR 1302 am 24. September um 11:40 MESZ, als diese noch nahe am Sonnenrand stand: So erwischte der Korona-Auswurf die Erde nur streifend. Inzwischen hat die Gruppe, die, sicher gefiltert, mit dem bloßen Auge sichtbar ist, die Mitte der Sonnenscheibe passiert, ohne dass es zu weiteren heftigen Flares gekommen ist – aber noch darf man auf der Hut sein.

Daniel Fischer

 
 
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Infos und Veröffentlichungen:
www.imo.net/draconids2011
Beobachtung aus der Luft:
draconids.seti.org
Weitere Links:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/30/8/138.sn5lm.asp#10
 
 
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Von hier kommen die Draconiden:
Hoch im Nordwesten steht der Radiant im »Kopf« des Drachen, während auf der anderen Seite des Himmels der fast volle Mond kulminiert. [nach International Meteor Organization, interstellarum]

Mit Spannung warten Meteorfreunde auf den Abend des 8. Oktober, wenn sich gegen 22:00 MESZ entweder ein substanzieller scharfer Ausbruch des Stern­schnuppen­stroms der Draconiden ereignen wird, leider an mondhellem Himmel, oder aber so gut wie gar nichts passiert. Bis zum Schluss lagen die Prognosen mehrerer namhafter Meteor-Theoretiker – jeweils mit Erfolgen in der Vergangenheit – um Zehnerpotenzen auseinander: Wird es nun eine Zenitstundenrate von knapp 1000 geben, was schon fast ein Meteorsturm wäre, von 600, von 125, was mit guten Perseiden und Geminiden mithalten würde, von 40 bis 50 – oder von nur 5, was unter den sporadischen Meteoren kaum mehr auffiele? Bei jedem Periheldurchgang alle 6,6 Jahre setzt der verantwortliche Komet 21P/Giacobini-Zinner neuen Staub frei, der unter dem Einfluss der Schwerkraft der Planeten und des Strahlungsdrucks der Sonne als sogenannte Dust Trails eigene Wege im Sonnensystem geht. Die Trails, denen die Erde dieses Jahr begegnet, stammen aus den Jahren 1900 (übrigens dem Entdeckungsjahr des Kometen) und 1907, durch die die Erde auch 1933 und 1946 flog: Damals kam es zu großen Meteorstürmen mit bis zu 10000 Meteoren pro Stunde, so weit sich die damals noch nicht standardisierten visuellen Beobachtungen rekonstruieren lassen.

Nur: Damals waren diese Dust Trails noch jung, und die Erde flog mitten hindurch – jetzt haben sie sich weiter entwickelt, und die Erde streift sie auch nur. Da genau solch eine Situation noch nie vorgekommen ist, sind die Modellrechnungen für das Hauptmaximum der Draconiden 2011 nur unzureichend abgestützt: Insbesondere sind sich die Modellrechner uneins, wie breit die ein Jahrhundert alten Dust Trails inzwischen geworden sind und ob die Erde jetzt noch substanzielle Staubmengen antreffen oder aber sie weitgehend verfehlen wird. Erst recht unklar ist das Schicksal anderer Dust Trails von 1866 bis 1894, die bereits gegen 19:00 bis 21:00 MESZ für ein kleineres Maximum sorgen könnten: Beobachtungen der 1946er Draconiden deuten darauf hin, dass die Staubteilchen speziell dieses Kometen höchst zerbrechlich sind, vielleicht haben sich so alte inzwischen ganz aufgelöst. Beobachtungen der Draconiden 2011 – und zwar nicht nur am 8. sondern um des Kontexts willen auch am 7. und 9. Oktober – haben also einen großen Wert für die Wissenschaft: Trotz des hellen Mondes (keine vier Tage vor Vollmond zu 91% beleuchtet), der beim Hauptmaximum am 8. z.B. über Deutschland rund 33° hoch stehen wird, sollten sich visuelle und Videobeobachtungen lohnen.

Daniel Fischer

 
 
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Lichtkurve von Mira 2011. Erstellt mit dem AAVSO Light Curve Generator (www.aavso.org/lcg)

Mira – Omikron Ceti – der Prototyp der langperiodisch veränderlichen Mirasterne, erreichte in den letzten Septembertagen ein ungewöhnlich helles Maximum. Sigismondi und Hoffleit untersuchen die beobachteten Miramaxima der Jahre 1596 bis 2000. Sie kommen zum Ergebnis dass nur etwa alle 21 Jahre Mira im Maximum heller als α Ceti leuchtet. Miras Maxima werden durchschnittlich 3 ,m4 hell und treten alle 11 Monate ein. Diesmal wurde Mira um den 15.9. heller als α Ceti. Nachdem der Abstieg vom Maximum zum Minimum mit 7 Monaten viel länger dauert als der Aufstieg zum Maximum mit 4 Monaten, wird Mira noch längere Zeit gut mit freiem Auge zu sehen sein. Die Helligkeit kann neben α Ceti (2 ,m5) auch mit γ Ceti (3 ,m5) und δ Ceti (4 ,m1) verglichen werden.

In der Studie wurde auch die Frage untersucht, warum Mira erst so spät, im Jahr 1596 durch David Fabricius, entdeckt wurde. Für Fabricius war es im Entdeckungsjahr offenbar Jupiter in der Nähe von Mira, der die Aufmerksamkeit auf sich zog. 12 Jahre später als Jupiter wieder in dieser Himmelsregion stand bemerkte Fabricius, dass Mira ebenfalls wieder sichtbar war. Auch 2011 kann Jupiter als Wegweiser zu Mira dienen: am 1.10. befindet sich der Planet 16° nördlich von Mira.

Die visuelle Beobachtung des Lichtwechsels der Mirasterne über lange Zeit hat wissenschaftlichen Wert und erlaubt Analysen über die Entwicklung der Sterne. Beobachtungen nehmen AAVSO und BAV gerne entgegen.

Wolfgang Vollmann

 
 
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Aktuelle Helligkeits-Schätzungen:
tech.groups.yahoo.com/group/CometObs
Helligkeits-Tabelle:
kometen.fg-vds.de/obsaktinh.htm#9P1
Bilder-Galerie:
www.kometenaktuell.de
 

Wie von den Kometenexperten des Projekts vorhergesagt, ist der Komet Elenin völlig unsichtbar durch das Gesichtsfeld des SOHO-Koronographen LASCO C3 gezogen – oder was von ihm nach dem plötzlichen Zerfall im August noch übrig ist. Auch der dabei freigesetzte Staub reichte nicht, um genügend Sonnenlicht in die betagte Korona-Kamera zu streuen – kein gutes Zeichen für eine wie auch immer geartete Sichtbarkeit im Oktober, wenn die Überreste wieder an Elongation gewinnen. Ganz anders der Komet Garradd: Er hat bereits die Grenze zur 6. Größe überschritten, die ihm eigentlich erst für den Winter prognostiziert war – und ist während eines Stromausfalls in Simbabwe am 26. September schon einmal mit dem bloßen Auge gesichtet worden. Meist werden aber noch – kleine – Feldstecher benötigt, die derzeit eine Helligkeit von etwa 6 ,m8 liefern.

Daniel Fischer

 

An diesem Wochenende wandert der Rote Planet »durch« den Sternhaufen Praesepe. Gegen 4 Uhr morgens stehen beide ca. 20° über dem Horizont und man kann Tag für Tag die Bewegung von Mars mitverfolgen. Mars ist zur Zeit 1 ,m3 hell, sein Durchmesser beträgt aber nur ca. 5". Am Vormittag des 1. Oktober ist die Entfernung zum Zentrum von M 44 mit 26' (südlich) am geringsten. Die Annäherung kann visuell bereits mit bloßem Auge und Ferngläsern verfolgt werden, für Astrofotografen ergeben sich reizvolle Motive. Senden Sie uns ihre besten Aufnahmen!

Hans-Georg Purucker

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG

Unkontrolliert abstürzende schwere Satelliten halten diesen Herbst die Raumfahrtagenturen wie die Öffentlichkeit in Atem: Eben erst ist am 24. September der Upper Atmosphere Research Satellite der NASA mit 6t sang- und klanglos mitten im Pazifik verschwunden, da steht bereits gegen Anfang November der Fall des deutschen Röntgensatelliten ROSAT bevor. Beide »Wiedereintritte« (Reentries) erregen vor allem deshalb Aufsehen, weil sie eine heute geltende Regel verletzten: Danach darf die Wahrscheinlichkeit höchstens 1:10000 betragen, dass irgendein Mensch von einem Teil des Satelliten getroffen wird, das den Boden erreicht (also 1:70 Milliarden, dass es einen bestimmten Menschen trifft). Diese Vorgabe galt bei den Starts von UARS und ROSAT 1991 bzw. 1990 noch nicht: Bei ihnen betrug bzw. beträgt das Risiko für einen Personenschaden 1:3200 bzw. sogar 1:2000. Verantwortlich für die relativ größere Gefahr durch den kleineren ROSAT – von dem bis zu 30 Teile mit 1,6t Gesamtmasse am Boden erwartet werden – ist vor allem sein schweres und gut hitzegeschütztes Röntgenteleskop. Irgendwo zwischen 53°N und 53°S wird es passieren. Und wie auch der UARS kann ROSAT schon lange nicht mehr gesteuert werden und hätte ohnehin kein Triebwerk für einen kontrollierten Reentry an Bord gehabt: Umso wichtiger ist daher die sorgfältige Verfolgung seiner Bahn, die derzeit noch rund 270km hoch ist aber täglich um mehr als einen Kilometer sinkt.

Wie schwierig das sein kann, hat der Fall des UARS nachdrücklich bewiesen: Sein letzter Erdumlauf lag so unglücklich nur über Wasser, dass er von keiner Radaranlage des weltumspannenden amerikanischen Netzes mehr erfasst wurde. Dieses betreibt nicht etwa die NASA selbst (die praktisch hilflos ist, wenn ein Satellit nicht mehr selbst sendet), sondern das US-Verteidigungsministerium, das sich wiederum nicht gerne in die Karten schauen lässt. So wird auch keine Auskunft gegeben, wie der nahezu maximal entlegene Absturzpunkt des UARS nach drei Tagen urplötzlich auf eine Zeitminute und 15km genau angegeben werden konnte, nachdem eben noch zigtausende Kilometer und eine Stunde Unsicherheit geherrscht hatten. Unabhängige Satellitenexperten sind sich praktisch sicher, dass direkte Beobachtungen der verglühenden Trümmer durch Infrarot-Frühwarnsatelliten die Datenquelle sind, über die das Pentagon allerdings am liebsten gar nicht spricht. Man darf gespannt sein, wie die ROSAT-Eigner DLR und Bundesregierung über das konkrete Ende des einzigen großen nationalen Astronomiesatelliten in etwa 6 Wochen informieren werden: Auch sie müssen sich letztlich weitgehend auf das amerikanische Militärradar verlassen. In ein paar Jahren könnte das übrigens anders sein, wenn der ESA-Ministerrat dem Aufbau eines vergleichbaren Netzwerks unter ziviler Kontrolle zustimmen sollte.

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1109.3432
Illustrationen:
kepler.nasa.gov/news/nasakeplernews/index.cfm?FuseAction=ShowNews&NewsID=152
Weitere Arbeit zu Kepler-16:
arxiv.org/abs/1109.3198
 
 
Das Kepler-16-System im richtigen Maßstab, wobei aber die Himmelskörper – auch Sonne, Jupiter und Saturn unten zum Vergleich – gegenüber ihren Orbits 20-fach vergrößert dargestellt sind. Die Kreisförmigkeit der Planetenbahn und die Exzentrizität des Orbits der Sterne umeinander (um den gemeinsamen Schwerpunkt »+«) sind direkt zu erkennen. [Doyle et al.]

Natürlich nennt ihn jeder Tatooine, nach der Heimatwelt von Luke Skywalker aus dem Star-Wars-Universum, und nicht Kepler-16(AB)-b, wie er ganz korrekt heißt: den ersten Exoplaneten, der eindeutig auf einer stabilen Bahn um einen Doppelstern kreist und an dessen Himmel daher zwei Sonnen dicht nebeneinander scheinen. Als solcher ist der Planet unter den knapp 700 inzwischen bekannten Planeten anderer Sterne nicht weiter interessant: etwa Saturns Masse, dichter zwar als dieser Planet aber sicherlich ein Gasball, und zu kalt für flüssiges Wasser. Aber die Konstellation ist bemerkenswert: Wir – d.h. der Photometrie-Satellit Kepler – schauen so präzise von der Seite auf das System, dass nicht nur gegenseitige Bedeckungen der Sterne beobachtet werden, sondern auch Vorübergänge des Planeten vor beiden. Zugleich stört die Anwesenheit des Planeten die Bahn der Sterne umeinander etwas, woraus sich wiederum die Masse des Planeten – eindeutig weniger als Jupiter – abschätzen lässt: Zusammen mit dem geringen Lichtabfall während seiner Vorübergänge vor den Sternen beweist dies eindeutige seine Natur als »Zirkumbinär-Planet«. Und das ganze System ist durch die gegenseitigen Bedeckungen und Transits außergewöhnlich gut beschrieben.

Die beiden Sterne haben 20% und 69% der Sonnenmasse und 23% bzw. 65% des Sonnendurchmessers sowie einen exzentrischen Orbit von 41 Tagen um den gemeinsamen Schwerpunkt, während beide von dem Planeten mit 1/3 Jupitermasse und 3/4 Jupiterdurchmesser alle 229 Tage auf einer beinahe kreisförmigen Bahn umrundet werden. Die physischen Parameter von Zwergsternen wurden übrigens noch nie so präzise bestimmt wie in diesem Fall, der damit die Stellar- wie Planetentheoretiker gleichermaßen fasziniert. Da die Sternbahnebene und die Umlaufebene des Planeten so exakt auf einander abgestimmt sind und überdies die Rotationsachse von Kepler-16A senkrecht darauf steht, liegt eine gemeinsame Entstehung aus derselben Gas- und Staubscheibe nahe, auch wenn ein Einfang des Planeten und eine spätere Zirkularisierung seiner Bahn nicht ganz ausgeschlossen sind. Und das System ist stabil, wie eine numerische Integration in die Zukunft demonstriert hat: Die Bahnparameter schwanken kaum. Eine wohnliche Welt ist Kepler-16(AB)-b allerdings nicht: Seine Temperatur schwankt während des Orbits der beiden Sterne umeinander um 30° und liegt nie über –70°C. Vage Hinweise auf zirkumbinäre Planeten gab es schon ein paar, aber dies ist der erste Fall, bei dem Transits keine Zweifel mehr lassen. Und unter den vielen neuen Kepler-Kandidaten extrasolarer Planetensysteme scheint es mindestens drei wenn nicht ein Dutzend weitere solche Systeme mehr zu geben.

Daniel Fischer

 
 
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aktuelle Arbeit:
arxiv.org/abs/1102.4342
 
 

Den Sternen des Universums ist abhängig von ihrer Masse jeweils ein unterschiedliches Ende vorherbestimmt. Die Schwergewichte unter ihnen vergehen in einer gewaltigen Explosion, bei der der Stern selber komplett vernichtet wird, der Supernova. Grundsätzlich unterscheidet man historisch grob zwei Typen dieser ultimativen Detonation. Entscheidend bei der Einteilung ist der Mechanismus, nach dem der Stern zur Supernova wird. Dabei können auch Überreste sehr viel leichterer Sterne in einer Supernova involviert sein. Weiße Zwerge beispielsweise, die in einem Binärsystem Material von ihrem Begleiter akkretieren, sterben in einer thermonuklearen Supernova vom Typ 1a: Dabei überschreitet der Weiße Zwerg eine kritische Massengrenze, die so genannte Chandrasekhar-Masse von etwa 1.38 Sonnenmassen und wird instabil. Es bilden sich im Innern des Zwergs Inseln, in denen eine thermonukleare Verbrennung einsetzt. Man spricht in diesem Zustand auch von der »Subsonischen Deflagration«. Diese thermonuklearen Verbrennungen breiten sich nach außen aus und gehen dann in eine Detonation über. Der Weiße Zwerg befindet sich zu diesem Zeitpunkt im deflagration-to-detonation transition-Stadium (DDT). Durch den im Vergleich zur Deflagration viel höheren Explosionsdruck in der Detonation entsteht schließlich eine schockgetriebene, supersonische Detonationswelle – der Motor der Supernova. Die dabei frei werdenden Leuchtkräfte betragen knapp 5 Mrd. Sonnenleuchtkräfte!

Denkbar wäre auch eine Überschreitung der Chandrasekhar-Masse durch Verschmelzung zweier Weißer Zwerge. Im Allgemeinen wird jedoch die erste Möglichkeit favorisiert. Und schon beginnen die Probleme, denn was alles so einleuchtend sein könnte, hat doch zwei wesentliche Schönheitsfehler. Stimmt die Akkretionshypothese, sollten während der Supernova unter anderem auch kleinere Mengen von Wasserstoff und Helium nachweisbar sein. Beides sollte von Materie stammen, die nicht vom Weißen Zwerg akkretiert wurde, bzw. sollten Überbleibsel des durch die Nova zerstörten Begleiters sein. Bei den meisten Typ 1a-Novae war dies nicht der Fall. Häufig konnte nach der Nova auch keine Spur mehr des Spendersterns gefunden werden. Was war also geschehen? Stimmt vielleicht unser Verständnis von den Abläufen einer Supernova nicht? Vermutlich liegt des Rätsels Lösung in der Rotationsrate des Weißen Zwergs verborgen. Denn während der Zwerg durch Akkretion massereicher wird, erhält er gleichzeitig auch ein höheres Drehmoment, welches die Rotationsrate beschleunigt. Dreht er sich im weiteren Verlauf nun schnell genug, so zeigen Simulationsrechnungen, kann es dem Weißen Zwerg gelingen, die Chandrasekhar-Massen-Grenze zu überschreiten, ohne in einer Supernova zu vergehen. Die Fliehkräfte wirken also der Gravitation entgegen, der Kollaps wird zunächst vermieden. Stoppt die Gewichtszunahme, wird sich auch die Rotation über eine gewisse Zeitdauer verringern. Der »Spin down«-Effekt tritt ein und die Fliehkräfte können der Gravitation nicht mehr ausreichend entgegenwirken. Bis es aber so weit ist, ist eine »Zeitverzögerung« bis zur Explosion von bis zu Milliarden von Jahren eingetreten. Genügend Zeit also, um den Begleitstern altern zu lassen und ebenfalls zum Weißen Zwerg zu werden. Alles umgebende detektierbare Material hätte sich ebenfalls aufgelöst.

Durchschnittlich lassen sich in der Milchstraße drei Typ 1a-Novae beobachten. Wenn allerdings ein typischer Super-Chandrasekhar-Masse Weißer Zwerg hunderte Millionen von Jahren zum Abbremsen benötigt, sollte es in der Galaxis mehrere Dutzend Pre-Explosions-Systeme innerhalb eines Radius von einigen tausend Lichtjahren um die Erde geben. Wie alle Weißen Zwerge sind auch die schwereren unter ihnen nur sehr schwer mit konventioneller Technik aufzuspüren. Es muss also auf Systeme wie Pan-STARRS oder das Large Synoptic Survey Teleskop gewartet werden, um sie zu finden.

Lars-C. Depka

 
 
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Die Kontroverse:
www.nature.com/news/2011/110922/full/news.2011.555.html
Die Entdeckung:
www.oculum.de/newsletter/astro/000/70/2/72.np3da.htm#4
Ursprüngliche Veröffentlichung:
arxiv.org/abs/0811.1994
 

Bei einem so prestigeträchtigen Gebiet der Astronomie wie der direkten Abbildung des Planeten einer fremden Sonne können schon mal Emotionen mit harten Fakten kollidieren: So geschieht es schon seit fast einem Jahr mit dem angeblichen Planeten des Sterns Fomalhaut, den das Hubble Space Telescope 2004 und 2006 im sichtbaren Licht(!) aufgenommen zu haben schien. Denn auf einer neueren Hubble-Aufnahme – aus technischen Gründen leider mit einer weniger scharfen Kamera des Weltraumteleskops und von einem konkurrierenden Astronomen aufgenommen – befindet sich der Lichtpunkt offenbar an einer ziemlich »falschen« Stelle. Auf einer solch verbogenen Bahn müsste er die Staubscheibe um Fomalhaut stark gestört haben, was aber nicht der Fall ist: Während sich der ursprüngliche Entdecker und sein Kritiker inzwischen auf Tagungen beschimpfen, warten nun alle auf ein viertes HST-Bild, das schon für den nächsten Sommer eingeplant ist und die Sache entscheiden könnte. So oder so bleibt zu klären, wieso das ominöse Objekt im Sichtbaren derart hell, im Infraroten aber unsichtbar ist …

Daniel Fischer

 

Der große Asteroid, der vor 65 Mio. Jahren die Erde traf und nach verbreiteter Auffassung maßgeblich für das große Artensterben am Ende der Kreidezeit verantwortlich war, wird seit einigen Jahren der »Familie« um den Asteroiden (298) Baptistina zugeschrieben, die bei einer gewaltigen Kollision im Hauptgürtel zur Entstehung von hunderten Asteroiden von mindestens 10km Durchmesser (und noch viel mehr kleineren) führte – und einer davon wäre der Täter gewesen. Ging man damals von einer Entstehung der Familie vor 160 Mio. Jahren aus, so zeigen jetzt Beobachtungen des IR-Satelliten WISE an den Trümmern, dass die Kollision wohl erst 80 Mio. Jahre zurück liegt: zeitlich zu nahe an dem Erdimpakt? Keineswegs, sagt der Autor der Kollisionshypothese: Nach neueren geochemischen Erkenntnissen sei der Impaktor – der den Chicxulub-Krater in Mexiko hinterließ – mit 5km nur halb so groß wie bisher vermutet gewesen, und da würde das mit dem schnellen Transport über eine Resonanz im Asteroidengürtel zur Erde womöglich sogar besser klappen. Jetzt muss wohl neu gerechnet werden.

Daniel Fischer

 
 
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Aktualisierte Spitzer-Arbeit:
arxiv.org/abs/1105.0415
Revidierte MOST-Arbeit:
arxiv.org/abs/1104.5230
Die (Ex-)Kontroverse:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/30/6/136.st5td.asp#6
 

Die erste »Super-Erde« im Transit vor einem sehr hellen Stern: Der Exoplanet 55 Cnc e sorgte gleich für Aufsehen, vor allem weil sich seine Durchmesserbestimmungen mit zwei Satellitenteleskopen erheblich widersprachen. Inzwischen steht fest: Die MOST-Forscher haben bei der Datenanalyse einen schweren Fehler gemacht, und die Spitzer-Forscher – die auch noch mal genauer gerechnet haben – hatten Recht. Der Planet hat wirklich 2 Erddurchmesser und 8 Erdmassen und etwas weniger als die Dichte der Erde. Etwa zu einem Fünftel dürfte 55 Cnc e aus leichten Bestandteilen wie Wasser bestehen – das aber in der extremen Hitze, der der Planet (mit einer Jahreslänge von weniger als 18 Stunden!) ausgesetzt ist, in einem überkritischen Zustand zwischen flüssig und gasförmig sein und vermutlich ständig abdampfen dürfte. Wie solch ein Planet entstanden ist, bleibt noch zu klären.

Daniel Fischer

 

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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Alle Termine für Sternfreunde:
www.interstellarum.de/termine.asp
 
 

Termine vom 30.9.–14.10.2011

29.9.–2.10. 27. Internationales Teleskoptreffen (ITT), Emberger Alm, 9761 Greifenburg, Österreich, Kärnten Gerhard Riedl, 0043/4712/796, g.riedl1@gmail.com, www.embergeralm.info/stella
29.9.–3.10. 6. Astronomie Tage Ostfriesland (ATO), 26639 Wiesmoor/Zwischenbergen www.astronomie-club-ostfriesland.de/Seite2.html
30.9.–1.10. Hofer Sternfreunde- und Teleskoptreffen, 95032 Hof Sternwarte Hof, Egerländer Weg 25, 95032 Hof, 09281/84220, Andreas.S.Schmidt@physik.uni-muenchen.de, vhs.hof@bnhof.de, www.sternwarte-hof.de, www.astro-foerderverein.de/Einladung_Sft_2011.pdf, www.astro-foerderverein.de/Anmeldeformular2011.pdf
30.9.–2.10. 11. Almberg-Teleskoptreffen (ATM) in Mitterfirmiansreuth (94158 Philippsreut) Andreas Hattinger, Passauer Str. 10b, 94161 Ruderting, 0171/8802039, andreas.hattinger@gmx.net, www.almberg-treffen.de
1.10. 20. Zumstein-Teleskoptreffen, Gurnigel Passhöhe, CH-3099 Rüti b. Riggisberg Michel Figi, Foto Video Zumstein AG, Casinoplatz 8, CH-3011 Bern, Tel. 0041/31/3109080, astro@foto-zumstein.ch, www.foto-zumstein.ch/astronomie_events.php?shownews=23
6.–8.10. 11th European Symposium for the Protection of the Night Sky, 49082 Osnabrück Museum am Schölerberg, www.lichtverschmutzung.de/symposium_2011
6.10.–15.2.2012 Ausstellung "The World at Night" (TWAN), 4040 Linz, Österreich Ars Electronica Center (AEC) Linz, Dietmar Hager, contact@stargazer-observatory.com, www.aec.at

Dieses Wochenende eignet sich wegen der stabilen Hochdruckwetterlage und Neumond besonders gut zum Beobachten. Wer nachts nicht alleine losziehen möchte, kann dies auf mehreren Teleskoptreffen im deutschsprachigen Raum gemeinsam mit anderen Sternfreunden tun:

• In Österreich findet vom 29.9. bis 2.10. das ITT auf der Emberger Alm, bei Greifenburg in Kärnten statt.
• Der Astronomie Club Ostfriesland lädt gegen geringe Gebühr zu den Astronomie-Tagen Ostfriesland (ATO) ein (29.9.–3.10.).
• Die Sternwarte Hof veranstaltet das 10. Hofer Teleskop-Treffen am 30.9. Alle Teilnehmer treffen sich um 18.30 Uhr in der Sternwarte und fahren danach zur gemeinsamen Beobachtung ins freie Feld. Am 1.10. findet das 10. Hofer Sternfreundetreffen in der Sternwarte statt (Tagungsbeitrag, Anmeldung erforderlich).
• Vom 30.9. bis 2.10. findet das Almberg-Treffen in Mitterfirmiansreuth im Bayerischen Wald statt.
• In der Schweiz lädt die Firma Foto Video Zumstein zum 20. Zumstein Teleskoptreffen auf den Gurnigel/BE (Anmeldung erforderlich).

Näheres in unseren Terminen (oben).

Hans-Georg Purucker

 
 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1109.4621
Yale Pressemitteilung:
opac.yale.edu/news/article.aspx?id=8898
Die Planet Hunters:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/20/6/126.fw4al.asp#12
 

Seit Ende letzten Jahres sind über 40000 Freiwillige als »Planet Hunters« damit beschäftigt, die bereits öffentlich gemachten Lichtkurven des Kepler-Projekts durch puren Augenschein nach möglichen Planetentransits zu durchforsten, die der automatischen Prozedur der Experten entgangen sind – und die ersten beiden nahezu sicheren Kepler-Planeten aus Amateurhand sind nun vorgestellt worden: Leider sind deren Sonnen zu lichtschwach, um per Messung der Radialgeschwindigkeit die Planetennatur der beiden Funde endgültig zu beweisen, aber die Wahrscheinlichkeiten, dass hier etwas Planetendurchgänge vortäuscht, liegt nur bei 3 Promille bzw. 5 Prozent. Beide Kandidaten waren auch von der automatischen Kepler-Software zunächst als verdächtig eingestuft worden, dann aber aus verschiedenen Gründen durchs Raster gefallen. Umgekehrt fanden die Planet Hunters aber immerhin 2/3 der automatisch detektierten Planetenkandidaten wieder: Solches »Crowdsourcing« ist also eine gute Ergänzung für die Software-Suche – und der Vergleich der Software- und Hunters-Funde mag auch etwas über subtile Selektionseffekte bei beiden Methoden verraten.

Daniel Fischer

 

Das nächste Norddeutsche Astrofotografentreffen wurde wegen der Terminkollision mit der Bochumer Herbsttagung (BoHeTa) vom 12. auf den 19.11.2011 verschoben. Austragungsort des Herbst-NAFTs ist dieses Mal die Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover e.V. Ein festes Programm gibt es hier ebensowenig (man trägt sich einfach in eine Liste vor Ort ein, wenn man Bilder zeigen möchte) wie eine Begrenzung der Teilnehmerzahl.

Manfred Holl

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 30.9.–14.10.2011 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
1.10. 0:45 Phoenix Die ersten Raumfahrer 45min.
1:30 Phoenix Aufbruch ins All (1): Wettlauf der Supermächte 45min.
2:15 Phoenix Aufbruch ins All (2): Von der Raumstation zum Mars? 45min.
3:00 Phoenix Katastrophen der Raumfahrt 45min.
3:45 Phoenix Astronauten-Leben 45min.
4:30 Phoenix Auf zur Kometenjagd 45min.
5:15 Phoenix Wie der Satellit die Welt veränderte 45min.
6:00 Phoenix Mission Mars (1): Männer im Härtetest 45min.
6:45 Phoenix Mission Mars (2): Isoliert in der Kapsel 45min.
3.10. 1:30 ZDF Leschs Kosmos: Das Mysterium des Duschvorhangs 15min. 4.10.: ZDF neo, 5:15
5.10. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Was ist eine galaktische Fontäne? 15min. 6.10.: 1:45, 8:15
7.10. 19:45 ARD Wissen vor 8: Wie kommt es zu Ebbe und Flut? 3min.
10.10. 1:30 ZDF Leschs Kosmos: Vor dem Start zum Mars 15min. 11.10.: ZDF neo, 5:15
11.10. 19:45 ARD Wissen vor 8: Was ist die Milchstraße? 3min.
12.10. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Was ist ein schwarzer Körper? 15min. 13.10.: 1:45, 8:15
13.10. 14:02 ZDF info hitec: Schrottchaos im Weltraum 30min. 14.10.: 5:30

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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DAS ABONNEMENT:
www.interstellarum.de/jahresabo.asp
LESER WERBEN LESER:
www.interstellarum.de/freundschaftsabo.asp
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www.interstellarum.de/onlineshop.asp
UNSER HEFTARCHIV:
www.interstellarum.de/archiv.asp
 

interstellarum 78 (Oktober/November 2011) ist seit dem 16.9. am Kiosk und in unserem Shop erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

Lichter des Nordens: Polarlichter beobachten und fotografieren
Suchprogramme: Jagd auf erdnahe Kleinplaneten
Planetensystem: Schwache Monde aufspüren
Deep-Sky: Zwischen Cepheus und Cassiopeia
Astrofotografie: Weg mit dem Farbstich
Selbstbau: Eine Montierung für das Fernglas

 

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