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Merkur. Helligkeit -1 ,m39, Durchmesser 5,32" (29.6.2016 1:50 MESZ)
Venus. Helligkeit -3 ,m91, Durchmesser 9,69" (29.6.2016 1:50 MESZ)
Mars. Helligkeit -1 ,m45, Durchmesser 16,56" (29.6.2016 1:50 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 140 vom 24.6.2011
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 24.6.–8.7.2011

28.6. 7:20 MESZ   Pluto in Opposition
30.6. 8:18 MESZ   Mond bei Venus, Mond 25' südlich
1.7. 10:54 MESZ   Neumond
4.7. 16:54 MESZ   Erde im Aphel
8.7. 8:29 MESZ   Mond Erstes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
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Supernova im letzten Newsletter:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/30/8/138.sn5lm.asp#1
1. Kandidat für Vorgängerstern:
www.astronomerstelegram.org/?read=3431
2. Kandidat für Vorgängerstern:
arxiv.org/abs/1106.3551
 
 
Lichtkurve der Supernova 2011dh (grün: Photometrische Messungen im V-Band, schwarz: visuelle Helligkeits-schätzungen).

Die Supernova 2011dh in der Spiralgalaxie M 51 wurde am 31.5.2011 vor dem Maximum mit einer Helligkeit von 14m entdeckt und erreichte in den letzten Tagen eine Helligkeit von 12 ,m5. Damit dürfte das Helligkeitsmaximum erreicht sein und die Supernova in den nächsten Wochen langsam schwächer werden. Derzeit ist die Supernova auch mit kleinen Fernrohren ab etwa 4 Zoll Öffnung sichtbar.

Der auf Aufnahmen des Hubble Space Telescope identifizierte mutmaßliche Supernova-Vorläuferstern war offenbar ein entwickelter Riesenstern mit etwa 26 Sonnenmassen und dem 280-fachen Durchmesser der Sonne. Vor der Supernovaexplosion war der Stern mit 22m nur schwach aus der Entfernung von 21 Millionen Lichtjahren sichtbar.

Unterdessen hat sich eine interessante Kontroverse um den Vorgängerstern entwickelt: Nachdem sich mehrere Arbeiten für den auf zwei alten Hubble-Aufnahmen sichtbaren 21m-Stern am Ort der Supernova stark machten, gibt es jetzt wieder Zweifel. Denn die bisherige Lichtkurve von Supernova 2011dh spricht eher für die Explosion eines kompakteren Sterns: vielleicht eines Begleiters des Hubble-Objektes. Wenn die Supernova verblasst, wird man sehen, ob dieses noch vorhanden ist.

Wolfgang Vollmann & Daniel Fischer

 
 
Venus und Mond am 30.6. um 8:30 MESZ.

Der Morgen des 30. Juni 2011 ist Schauplatz einer engen Begegnung des Mondes mit dem hellsten Planeten. Die sehr schmale Mondsichel kurz vor Neumond ist nur 1,8% beleuchtet und erscheint mit einer Helligkeit von –5 ,m4. Im Gegensatz dazu strebt Venus ihrer oberen Konjunktion zu und ist zu 98% beleuchtet, bei einer scheinbaren Winkelausdehnung von nur noch 10" und einer Helligkeit von –3 ,m9. Kurz vor Sonnenaufgang beträgt der Abstand der beiden Himmelskörper weniger als 2° und verringert sich bis 8:30 MESZ auf 25' (Mond südlich Venus). Dieser Abstand gilt allerdings vom Mondmittelpunkt bis zur Venusmitte.

Die Distanz zwischen Mondrand und Venus beträgt nur noch ca. 10', hängt aber – genau wie der genaue Zeitpunkt des geringsten Abstands – wegen der Parallaxe vom Beobachtungsort ab: So beträgt diese Minimaldistanz in Wien ca. 8', in Kiel jedoch ca. 14'. Mit einem guten Fernglas sollte das Ereignis in knapp 13° Entfernung zur Sonne auch am Taghimmel sichtbar sein. Bei der Beobachtung muss man allerdings sorgfältig darauf achten, dass nicht aus Versehen die Sonne ins Gesichtsfeld gerät.

Hans-Georg Purucker

 
 
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Gesamtlichtkurve:
lpod.wikispaces.com/June+17%2C+2011
 
 
 
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Der »ringförmige« Finsterniseindruck kommt in dieser Aufnahme zur Finsternismitte gut zur Geltung. 300mm-Teleobjektiv bei f/5,6, Nikon D700, ISO 1600, 5s. [Thomas Rattei]

Die totale Mondfinsternis am 15. Juni verschwand leider für viele Beobachter hinter den Wolken. Es gab aber doch einige, besonders im südlichen und östlichen Teil des deutschen Sprachraums, die Glück hatten, das Himmelsschauspiel zu bewundern. Viele Beobachter mit besonders dunklem Himmel zur Totalitätsmitte (etwa in Südafrika und Westasien) beschrieben die Mondfinsternis zur Finsternismitte als »ringförmig«, mit hellem Ring und dunklem Fleck in der (Umbra-)Mitte. Die Helligkeit auf der Danjon-Skala (vgl. interstellarum 76) wurde zur Mitte der Finsternis zu 1 (aber nicht 0!) abgeschätzt, d.h. die Vulkanausbrüche der letzten Zeit, die eine Mondfinsternis sehr dunkel erscheinen lassen, erzeugten keinen dramatischen Effekt.

Die besten Aufnahmen der Mondfinsternis erscheinen in interstellarum 77 (Erscheinungstermin 15. Juli) in einer Sondergalerie, die interstellarum-Sternstunde nimmt gerne gelungene Mondfinsternis-Videos entgegen.

Hans-Georg Purucker

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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CfA-Pressemitteilung:
www.cfa.harvard.edu/news/2011/pr201118.html
Veröffentlichung des Schwedischen Forschungsrates:
idw-online.de/de/news428082
Röntgenbeobachtungen:
arxiv.org/abs/1002.1865
 
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15 Jahre Entwicklung der Supernova 1987A in der Großen Magellanschen Wolke, von 1994 bis 2009: Der Ring aus altem Gas leuchtet an immer mehr Stellen auf, die Exoplosionswolke im Inneren expandiert und wird erst schwächer – und jetzt wieder heller. Die Sequenz von Hubble-Aufnahmen wurde stark nachbearbeitet, um die Details zu verdeutlichen. [Stockholm University]

Seit bald 25 Jahren hält die Supernova 1987A in der Großen Magellanschen Wolke ihre Beobachter in Atem: Noch nie konnte die Entwicklung einer Sternexplosion aus solcher Nähe und in allen Wellenlängen verfolgt werden, kaum ein astrophysikalisches Phänomen entwickelt sich so rasant – und für Überraschungen sorgte die SN 1987A immer wieder. Die größte war wohl ein Ring in einigem Abstand um den explodierten Stern, der hell zu leuchten begann, als er vom UV-Licht der Supernova getroffen wurde: Gas, das der Vorgänger etwa 20000 Jahre vor seinem Ende abgesondert und das sich kurioserweise in Ringform angeordnet hatte. Nach einigen Jahren begannen die schnellsten Ejekta der Explosion diesen Ring zu treffen, der an immer mehr Stellen viel heller aufzuleuchten begann: Inzwischen ist fast schon jede Stelle getroffen worden. Eine Folge dieser Wechselwirkung ist u.a. ein starker Anstieg von Röntgenstrahlung, den seit Jahren der Satellit Chandra verfolgt. Und genau diese Röntgenstrahlung ist es nun offenbar, die die Explosionswolke im Inneren mit neuer Energie versorgt.

Der Großteil des 1987 ausgeschleuderten Gases hat den Ring noch nicht erreicht, und der langsam expandierende Supernovarest war im Laufe der Jahre zunächst blasser geworden. Seit etwa einem Jahrzehnt steigt seine Helligkeit jedoch wieder: Die Energie des radioaktivem Zerfalls von Titan-44, die ihn bisher nachleuchten ließ, kommt dafür nicht in Frage, und auch ein eventuell bei der Explosion entstandener Neutronenstern – für den es bisher keinerlei Anzeichen gibt – passt nicht. Dagegen lässt sich die Helligkeitsentwicklung der Supernova-Wolke anhand der bekannten Röntgenemission des Rings als einziger zusätzlicher Energiequelle exzellent modellieren. Da dieser Energieeintrag die Wolke nur von außen und nur in der Ebene des strahlenden Rings trifft, stehen neue interessante Entwicklungen bevor: In dem Maße wie sich die Wolke ausdünnt, kann die Röntgenstrahlung tiefer eindringen und andere Zonen der Ejekta noch einmal aufleuchten lassen – die alte Explosionswolke wird geradezu tomografiert. Das geht natürlich nur so lange gut, bis das Gros der Ejekta mit dem Ring kollidiert: Dann beginnt wieder ein neues Feuerwerk, während sich die Supernova 1987A endgültig in einen Supernova-Überrest verwandelt.

Daniel Fischer

 
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Dawn-Nachrichten:
www.dawn.mps.mpg.de/index.php?id=16
Die neuesten Bilder:
www.nasa.gov/mission_pages/dawn/news/dawn20110623.html
Die Missionsphasen:
www.planetary.org/blog/article/00003020
 
 

Nach vierjähriger Anreise mit seinem Ionenantrieb nähert sich die NASA-Sonde Dawn seit Anfang Mai vorsichtig ihrem ersten Ziel, dem großen Asteroiden Vesta: Lange gab es keine Bilder zu sehen, was unter Planetenfans schon gewisses Unbehagen auslöste, aber seit Mitte Juni hat sich das mit einem Schlag geändert: Erst wurde ein Videoclip aus 20 Aufnahmen vom 1. Juni aus 481000km Distanz veröffentlicht, dann ein Einzelbild vom 14. Juni. Mit Letzterem war eine Art unsichtbare Hürde genommen, denn nun sind die Aufnahmen bereits schärfer als was sowohl Hubble Space Telescope als auch andere Techniken von der Erde aus zeigen. Schon das Video hatte einen dunklen Fleck nahe des Äquators erkennen lassen und Andeutungen eines riesigen Kraters am Südpol von Vesta, den man schon von den Hubble-Aufnahmen her kannte. Wenn Dawn am 16. Juli 2011 in eine erste weite Umlaufbahn um Vesta einschwenkt, kann erstmals ein substanzieller Körper des Sonnensystems aus großer Nähe erforscht werden, der quasi als eingefrorener Protoplanet betrachtet werden kann, während sich die Sonde immer näher an ihr Ziel heran schraubt.

Die deutschen Dawn-Forscher sind sich sicher, dass sich der Asteroid Vesta nach seiner Entstehung vor 4,6 Milliarden Jahren kaum verändert hat: »Wir fliegen sozusagen in die Morgendämmerung des Sonnensystems« sagt etwa Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin: So erklärt sich auch der Name der Mission. Während sich andere große Asteroiden vor etwa 4,6 Milliarden Jahren zu den Planeten unseres Sonnensystems zusammenballten, blieb Vesta in ihrer Entwicklung stehen, als kleiner, »unfertiger« Planet sozusagen. Dawns Kamerasystem soll nun erstmals hochaufgelöste Informationen über mineralogische Zusammensetzung und Beschaffenheit der Oberfläche liefern und das Erstellen topographischer Karten ermöglichen. »Aus der Anzahl der Krater werden wir auf das Alter der Asteroidenoberfläche schließen können« verspricht dabei Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der sich ebenso wie Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin mit seinem Team an der Auswertung der Kamera-Bilder beteiligt. Auch Erkenntnisse über die vulkanische Entwicklung von Vesta sind zu erwarten: als Kontrapunkt zur Untersuchung der vielen Meteoriten, die diesem Himmelskörper zugeschrieben werden können.

Daniel Fischer

 

Im Sprachgebrauch der Europäischen Südsternwarte ist es immer noch ein Teleskop der »40-Meter-Klasse«, aber es schmerzt schon: Aus Kostengründen hat sich der ESO-Rat entschieden, den Durchmesser des Hauptspiegels des European Extremely Large Telescope (E-ELT) von den seit etwa 5 Jahren vorgesehenen 42m auf 39,3m zu reduzieren, den Sekundärspiegel gar von 5,9m auf 4,2m, und das Öffnungsverhältnis wird deutlich »schneller«. Damit verringert sich wiederum die Größe des Schutzbaus, und alles zusammen schlägt sich als Senkung der Gesamtkosten um fast ein Fünftel, von 1,275 auf 1,05 Milliarden Euro des Jahres 2011, nieder. Das aber sieht die ESO als entscheidend an, um das Projekt überhaupt noch, und in einem vertretbaren Zeitrahmen, realisieren zu können: Auch jetzt noch sind 250 Mio. Euro extra – verteilt auf die Mitgliedsstaaten – und eine jährliche 2%ige Erhöhung der Beiträge über das Übliche hinaus erforderlich, aber die Zusagen dafür treffen nun fast im Wochenrhythmus ein: Nach Tschechien am 3. Juni hat sich am 16. Juni auch Schweden – das einst von einem nationalen 50m-Teleskop träumte – bereit erklärt. Angesichts dessen spricht die ESO nun von einem »soliden Finanzierungs-Szenario«.

Den entscheidenden Schub hatte das E-ELT durch den ESO-Beitritt Brasiliens erhalten, dessen »Eintrittsgeld« maßgeblich in das Projekt fließen wird: Noch diesen Dezember wird das endgültige grüne Licht für das kühne Projekt erwartet, gefolgt vom Baubeginn Anfang 2012 und der Fertigstellung nach 10 bis 11 Jahren; beim alten Preis wären es mindestens 16 Jahre geworden. Wird das E-ELT um 2022 das weltweit erste optische Teleskop der 25m- bis 40m-Kategorie sein? Im Idealfall wären die beiden kleineren amerikanischen Konkurrenten GMT und TMT zwar schon vor 2020 fertig, doch beide Projekte haben jeweils – trotz zum Teil enormer Privatspenden – erst einen Bruchteil ihrer Baukosten zusammen. Mit seinen 39,3 Metern kann das E-ELT immer noch 15 Mal mehr Licht sammeln als die größten heute verfügbaren optischen Teleskope, und eine Fülle bislang unmöglicher Projekte wird ermöglicht, oft in Koordination mit dem wohl ebenfalls erst um 2020 startenden James Webb Space Telescope. Doch einige spezielle Anwendungen, bei denen für extrem scharfe Abbildungstechniken jeder Meter Spiegeldurchmesser zählt, dürften leiden: Dazu gehören ausgerechnet die ungemein populären Versuche, erdähnliche Planeten fremder Sterne direkt abzubilden.

Daniel Fischer

Großes Aufsehen haben Sonnenforscher auf einer Tagung erregt: Drei unabhängige Methoden sagen jeweils voraus, dass das übernächste Maximum der Sonnenaktivität noch deutlich schwächer als das kommende geraten und womöglich ganz ausfallen wird. Zwei basieren auf dem Fehlen mutmaßlich notwendiger »Vorläufer« des 25. Zyklus in helioseismologischen Daten der Sonne bzw. der Gestalt ihrer Korona, die dritte auf einer kontinuierlichen Abnahme der Magnetfeldstärke in den Sonnenflecken, die linear extrapoliert zu deren komplettem Verschwinden um 2022 führen würde. Doch weder für diese dramatische Extrapolation noch die Notwendigkeit der Vorläufer gibt es eine zwingende physikalische Rechtfertigung, und die empirische Datenbasis ist meist gerade mal einen Zyklus lang: Mehr und mehr Kritiker melden sich bereits zu Wort, die daran zweifeln, dass über den laufenden Zyklus hinaus überhaupt Prognosen möglich sind.

Daniel Fischer

 

Für einen planetaren Körper entwickelte sich Mars rasend schnell. Innerhalb von lediglich zwei bis vier Millionen Jahren nach der Geburt des Sonnensystems erreichte er schon seine endgültige Größe. Andere terrestrische Planeten wie beispielsweise unsere Erde, benötigten für ihr Wachstum, hervorgerufen durch Kollisionen mit Kleinkörpern und Planetesimalen, ungleich länger. Zumindest in ihren frühen Wachstumsphasen aber unterschieden sich die Protoplaneten Mars und Erde nicht sonderlich voneinander. Allerdings blieb Mars im weiteren Verlauf quasi in seiner Embryonalphase stecken und konnte nicht durch Kollisionen mit anderen frühen Körpern weiter an Größe hinzugewinnen. Die Zeitspanne, die bis zum Erreichen seiner jetzigen Größe verstrich, ließ sich durch Analyse des Hafnium-Wolfram Verhältnisses, sowie der Wolfram-Isotopenzusammensetzung in Gesteinsproben ermitteln. Mit dieser Information konnte anhand numerischer Simulationen nachvollzogen werden, dass Mars schon innerhalb der ersten 2 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems wenigstens die Hälfte seiner gegenwärtigen Größe entwickelt haben muss. Doch warum war nach so kurzer Zeit die Wachstumsphase unseres Nachbarplaneten schon beendet?

Gründe dafür liegen in der überraschenden Agilität der beiden größten Gasriesen unseres Sonnensystems, die sich sehr viel schneller als die terrestrischen Planeten bildeten. Sowohl Jupiter als auch Saturn wanderten nach Modellrechnungen aus ihren weiter außen liegenden Entstehungsgebieten nach innen. Jupiter brachte das bis auf 1,5AE an die Sonne heran, bis er vermutlich von Saturn gestoppt wurde. Forscher vermuten eine dichte Begegnung der beiden Gasriesen. Ihr gegenseitiger Einfluss auf die Umgebung verdrängte das noch vorhandene Gas und führte schließlich zu einer entgegengesetzten Planetenbewegung. Die Zeit, die Jupiter im inneren Sonnensystem verbrachte, ist auch der Grund für die Kleinwüchsigkeit des Mars. Seine Anwesenheit bei ca. 1,5AE Abstand von der Sonne zerstreute dort das Gesteinsmaterial, aus dem sich später Mars formen sollte. Nach dem Besuch des Schwergewichts unter den Planeten war einfach nicht mehr genug Baumaterial vorhanden, um aus Mars einen gestandenen Himmelskörper nach dem Vorbild der Venus oder Erde zu gestalten.

Lars-C. Depka

 
 
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Caltech-Mitteilung:
media.caltech.edu/press_releases/13425
 

Sie sind zehnmal heller als eine typische Supernova des Typs Ia, strahlen anfangs ungewöhnlich viel UV-Licht aus, und ihre Helligkeit fällt anschließend schneller als durch Radioaktivitätsheizung zu erklären wäre: Bereits sechs Fälle dieser bisher übersehenen Art von wasserstofffreier Sternexplosion sind jetzt identifiziert worden, die meisten Funde der Palomar Transient Factory, die schon über 1000 Supernovae entdeckt hat und damit für das Aufspüren seltener Exoten prädestinert ist. Zwei Erklärungen schlagen die Entdecker des Phänomens vor: Vorgängersterne mit 90 bis 130 Sonnenmassen, die vorher heftig pulsierten und viel Gas in den Raum verloren, in das die Ejekta der Supernova dann rammen. Oder einen Magnetar im Zentrum, einen Neutronenstern mit ungewöhnlich starkem Magnetfeld, als Energielieferant. Was auch immer diese speziellen Supernovae antreibt (die vorerst nach ihrem Prototypen »SN 2005ap-like« bezeichnet werden): Dank ihrer Absoluthelligkeit um –22M, die sie lange halten, sind sie noch bei hohen Rotverschiebungen zu entdecken.

Daniel Fischer

 

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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Alle Termine des aktuellen Heftzeitraums:
www.interstellarum.de/termine.asp
 
 

Termine vom 24.6.–8.7.2011

25.6. Norddeutsches Sternwartentreffen, Regionale Volks- und Schulsternwarte e.V, 25436 Tornesch b.huebner@astronomie-tornesch.de, www.astronomie-tornesch.de
27.6.–1.7. 4th International Symposium for Dark-Sky Parks, Spanien Parc Astronomic Montsec, Katalonien, Spanien, 0034/973/455246, darksky@montsec.cat, www.darkskyparks.org
1.–3.7. 6. Sächsisches Sommernachtsteleskoptreffen (STT), 01616 Strehla Sternwarte Riesa e.V., Stefan Schwager, 0173/8076841, SternwarteRiesa@web.de, www.sternenfreunde-riesa.de/jahresplan.php
 
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euro-EMC:
www.euro-emc-astro.de
 
Die Astrohocker von euro-EMC können auf unterschiedliche Sitzhöhen eingestellt werden.

Die visuelle Detailwahrnehmung bei teleskopischer Beobachtung erfordert eine möglichst entspannte und ruhige Haltung des Beobachters am Okular. Idealerweise geschieht dies im Sitzen auf einem höhenverstellbaren Stuhl, der optimal an die erforderliche Einblickhöhe angepasst werden kann. Die Firma euro-EMC hat sich daher dieses Themas angenommen und eine Serie von höhenverstellbaren Sitzmöbeln entwickelt. Die Astrohocker sind in vier Modellen erhältlich, die einen Sitzhöhenbereich von minimal 29cm (Größe 0) bis maximal 78cm (Größe 3) abdecken.

Mittels einer optionalen Auflage aus Hartschaum kann die Größe jedes Hockers noch um 10cm erweitert werden und bietet zusätzlichen Sitzkomfort hinsichtlich Polsterung und Isolierung. Gemeinsam Merkmale aller Hocker sind der glasfaserverstärkte Kunststofffuß und die Mittelsäule mit Gasfeder, die eine stufenlose Anpassung der Sitzhöhe erlaubt. Seit der Vorstellung der Astrohocker auf der ATT in Essen, wurde das umfangreiche Programm etwas gestrafft: Alle Größen werden jetzt standardmäßig mit niedrigen Stuhlgleitern geliefert, die Hockergrößen 2 und 3 können optional auch mit hohen Gleitern oder Rollen ausgerüstet werden (Erhöhung jeweils plus 4,5cm). Der Preis beträgt einheitlich für alle Modelle 135€, für die Sitzauflage werden 18€ berechnet.

Frank Gasparini

 
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Johannes Stübler, Nationaler AWB-Koordinator Österreich und Babak Tafreshi, Gründer von TWAN

The World At Night (TWAN) ist ein Projekt zur Erstellung und Sammlung von nächtlichen Fotografien und Zeitraffer-Videos von historisch oder ästhetisch besonders interessanten Orten dieser Erde vor dem Hintergrund des Sternenhimmels. TWAN versteht sich als Brücke zwischen Kunst, Humanität und Wissenschaft und hebt insbesondere den globalen Aspekt hervor, mit dem Ziel, die Menschheit über Kulturen und Religionen hinweg für eine friedlichere Welt zu einen. An der Arbeit beteiligen sich die weltweit besten Astrofotografen. Im internationalen Jahr der Astronomie 2009 war TWAN von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) und der IAU (International Astronomical Union) als »Special Project« anerkannt. Die Ergebnisse werden regelmäßig auf Wanderausstellungen präsentiert, bzw. sind auf der Webseite dokumentiert.

Die weltweit erste digitale Ausstellung von TWAN Fotografien findet vom 15. September bis 27. Oktober 2011 in Linz im Ars Electronica Center (AEC) statt. Dort können im Deep Space Projektionsraum die Fotografien und Videoaufnahmen mittels acht synchronisierter Hochleistungs-Full-HD-Projektoren im Format 16m×9m bzw. unter Einbindung von weiteren Bodenprojektoren im Format 16m×18m präsentiert werden. Weitere synchronisierte Full-HD-Beamer stehen im Konferenzsaal für Panoramaprojektionen und im Foyer im Tiefparterre zur Verfügung. Die Besucher werden überdies die Möglichkeit haben, sich auf interaktiven Internet-Terminals über TWAN und »Astronomers Without Borders« (AWB) informieren zu können. Zur Eröffnung wird Babak Tafreshi, Wissenschaftsjournalist, Fotograf und Gründer von TWAN, dem ersten offiziellen Projekt von AWB, in Österreich sein.

Frank Gasparini

 

Das Erdbeben und der Tsumani am 11. März 2011 hat nicht nur viele Menschen in der Region getötet oder obdachlos werden lassen und zur größten Kernkrafthavarie seit Tschernobyl geführt, auch das erst 1991 eröffnete Hoshi no Mura Observatorium in Tamura, Präfektur Fukushima, nur 33km vom Unglücksort entfernt, wurde durch die enormen Erschütterungen arg in Mitleidenschaft gezogen. Größter Schaden: Die Gabelmontierung des 65cm-Spiegels der Sternwarte ist aus der Verankerung gerissen und zerbrochen, das Spiegelteleskop hat den Boden durchschlagen und ein 1,20m großes Loch hinterlassen. Auch die Kuppel ist stark beschädigt, aber noch dicht. Geschätzte 70 Millionen Yen, umgerechnet ca. 610000 Euro, wird eine Reparatur der Sternwarte kosten.

Hiroaki Ohno, der 62jährige Leiter der Sternwarte, weiß aber, aus der Not eine Tugend zu machen. Er reist ungeachtet der Strahlengefahr quer durch das Katastrophengebiet und macht dort an klaren Abenden öffentliche Führungen an einem kleinen transportablen Instrument der Sternwarte, um den betroffenen Menschen wenigstens etwas Abwechslung zu bringen. Übrigens gibt es gibt auch den Hauptgürtel-Asteroiden (3915) Fukushima. Er wurde am 15. August 1988 von zwei japanischen Astronomen (Masayuki Yanai und Kazuo Watanabe, Sternwarte Kitami, IAU-Code 400) entdeckt, aber nicht nach dem Ort, sondern nach dem Hydrodynamikprofessor Hisao Fukushima, Professor für Hydrodynamik an der Hokkaido University, benannt. Er ist Amateurastronom mit Schwerpunkt Astronomiegeschichte.

Manfred Holl

 

Erinnern Sie sich an »Mitreden-U«, den Umweltdialog zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, bei dem im Frühjahr 2010 die Bürger aufgerufen waren wichtige Umweltthemen in die Diskussion einzubringen? Vom 17. Februar bis 26. März wurde ein öffentlicher Online-Dialog angeboten, bei dem »Lichtverschmutzung auf ein Minimum begrenzen«, initiiert von Herrn Christian Reinboth, von sämtlichen eingereichten Themen die meisten Unterstützungen erhielt. Seit 20. Juni liegt nun der Entwurf des Fortschrittsberichts zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Öffentlichkeit vor und kann auf der entsprechenden Webseite der Bundesregierung diskutiert werden. Das Thema »Lichtverschmutzung« sucht man in dem Bericht leider vergebens. Bedauerlich, dass hier die Chance vertan wurde, dem Thema seine gebührende Beachtung zu schenken. Die wahrscheinlichen Auswirkungen von zunehmender nächtlicher Beleuchtung auf die menschliche Gesundheit und die wissenschaftlich belegten Beeinträchtigungen der Fauna zeigen, dass hier wichtiger Handlungsbedarf besteht und nicht ausschließlich einige Astronomen davon betroffen sind. Spätestens seit der aktuellen Debatte um den Umbau der Energieversorgung, sollte jedoch jedem klar sein, dass die Energieeinsparung (u.a. durch Reduzierung der Beleuchtung) ein immenses Potenzial besitzt, in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und naturschutzfachlicher Sicht.

Frank Gasparini

 
 
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8. PaS:
www.avgb.de
1. Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen:
www.sky-photos.de/ntp-2011/
 

Nachdem der PaS (Praktischer astronomischer Samstag) am 17.3.2011 aus organisatorischen Gründen abgesagt werden musste, soll er nun am 15.10.2011 am selben Ort an der Sternwarte Neuenhaus stattfinden. Dem ersten Treffen der norddeutschen Sternwartenvertreter am 25.6.2011 folgt am 1.10.2011 in Bremervörde die 1. Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen.

Manfred Holl

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 24.6.–8.7.2011 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
24.6. 17:05 N 24 Fünf Jahre auf dem Mars 55min.
27.6. 01:10 ZDF Leschs Kosmos: Die Bananenflanke 15min. ZDF neo: 28.6.: 1:05, 5:15
21:30 3sat hitec: Space Shuttle – Das Ende einer Ära 30min.
29.6. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Brauchen wir die Kernfusion? 15min. 30.6.: 1:45, 8:15
1.7. 01:30 Phoenix Allein im All? 40min.
02:10 Phoenix Kometen – Boten aus dem All 45min.
02:55 Phoenix Mond zu verkaufen 45min.
03:40 Phoenix Der Mond 45min.
04:25 Phoenix Die Sonne 45min.
4.7. 01:20 ZDF Leschs Kosmos: Harry und C O 15min. 5.7.: ZDF neo: 1:10
03:40 Phoenix Flucht in die Freiheit: APOLLO 13 20min.
5.7. 19:00 Eins Plus Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Wernher von Braun und die Rakete 15min. 6.7.: 9:30
22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Warum drehen sich die Himmelskörper? 15min. 30.6.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Zur Umfrage Astrofotografie:
www.umfrageprofi.de/vote/v_index.php?fbid=czo2OiIxMDAzNzciOw==
 

Sind Sie Astrofotograf? Dann bitten wir Sie um Ihre Meinung! In der ersten groß angelegten Umfrage zur Astrofotografie in deutscher Sprache wollen wir wissen, womit, wie und mit welchen Hilfsmitteln Sie Ihre Aufnahmen erstellen. Ganz gleich ob DSLR, CCD-Kamera oder Webcam: Machen Sie mit!

Die Umfrage ist anonym und kostenlos. Die Ergebnisse werden im interstellarum Themenheft Teleskope 2011 veröffentlicht, das diesmal den Schwerpunkt Astrofotografie hat. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme!