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Jupiter. Helligkeit -1 ,m95, Durchmesser 34,71" (25.6.2016 15:50 MESZ)
Saturn. Helligkeit 0 ,m13, Durchmesser 18,21" (25.6.2016 15:50 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 138 vom 10.6.2011
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 10.6.–24.6.2011

10.6. 5:12 MESZ   Saturn bei γ Vir, Saturn 16' südlich
13.6. 1:44 MESZ   Merkur in Oberer Konjunktion
15.6. 20:22 MESZ   Totale Mondfinsternis
15.6. 22:14 MESZ   Vollmond
21.6. 19:17 MESZ   Sommeranfang
23.6. 13:48 MESZ   Mond Letztes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
LINKS ZUM ARTIKEL
Bilder & Helligkeiten:
www.rochesterastronomy.org/sn2011/sn2011dh.html
Supernova-Typ:
www.astronomerstelegram.org/?read=3413
Vorgängerstern:
www.astronomerstelegram.org/?read=3401
 
 
Eine der ersten unabhängigen Entdeckungsaufnahmen von SN 2011dh gelang dem Bochumer Medizinprofessor Thomas Griga am 1. Juni um 23:13 UTC in Schwerte mit einem AOM 12"-RCT und SBIG STL11000M. [Thomas Griga]

Kaum eine Galaxie dürfte ein so populäres Fotomotiv und auch Gegenstand visueller Beobachtung sein wie Messier 51 – die Strudelgalaxie, engl. »Whirlpool Galaxy«: Da ist es kein Wunder, dass die Supernova 2011dh, die in einem ihrer Spiralarme am 31. Mai aufleuchtete und derzeit etwa 13 ,m9 hell ist, zahlreiche Male unabhängig entdeckt wurde, obwohl die ersten Meldungen schon lange vor ihrer offiziellen Bekanntgabe durch das Central Bureau for Astronomical Telegrams der IAU kursierten. Dort werden vier Entdecker anerkannt, in der Reihenfolge des Eingangs ihrer Meldungen: Knapp an der Spitze liegt Tom Reiland aus den USA, der die Supernova in der Nacht zum 2. Juni mit einem 53cm-Reflektor gesehen hatte. Schon auf Platz 2 kommt Thomas Griga aus Deutschland mit einem Foto, das einige Stunden vor Reilands Sichtung entstanden war, gefolgt von Amedee Riou und Stephane Lamotte Bailey in Frankreich mit weiteren Bildern aus derselben Nacht. Riou konnte die Supernova auch schon auf einem schlechten Bild vom 31. Mai wiederfinden, und vom Abend dieses Tages existieren auch weitere Aufnahmen mit Supernova, während sie am Morgen dieses Tages eindeutig noch fehlte: Der Ausbruch muss zwischen 4:25 UTC und 20:10 UTC erfolgt sein.

Mehrere Astronomen haben bereits die Amateure der Welt aufgerufen, nach weiteren M 51-Bildern in ihren Archiven vom 30. Mai bis 2. Juni zu suchen, um die frühe Lichtkurve der SN 2011dh noch besser nachzeichnen zu können: interstellarum nimmt entsprechende Funde zur Weiterleitung gerne entgegen! Auf Archivbildern des Hubble Space Telescope wurde derweil möglicherweise der explodierte Stern identifiziert: Der Kandidat hat 21 ,m8 im Visuellen und ist oder war ein sehr leuchtkräftiger gelber Riesenstern mit 18 bis 24 Sonnenmassen, der typische Vorgänger einer Kernkollaps-Supernova des Typs II. Dieser grundlegende Typ stand bereits in der Nacht zum 3. Juni fest, nachdem Astronomen, die gerade mit einem der Keck-Teleskope arbeiteten, ein erstes Spektrum der zu dem Zeitpunkt noch nicht offiziellen Supernova aufgenommen hatten – von deren Existenz sie aus Amateurkreisen (konkret: durch eine Twitter-Notiz dieses Autors) erfahren hatten. Weitere Spektren und die Helligkeitsentwicklung seither – mit einem anfänglichen Rückgang und dann einem erneuten Anstieg – scheinen die SN 2011dh dabei in die exotische Supernova-Klasse IIb zu stellen, bei der der explodierte Stern zuvor einen Großteil seiner Wasserstoffhülle eingebüßt hatte. Das macht es um so interessanter, ihre weitere Entwicklung zu dokumentieren. Mittlerweile (Stand 10.6. 12:00 MESZ) hat die Supernova im Visuellen und V-Band eine Helligkeit um 13 ,m0 erreicht.

Daniel Fischer

 
 
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Aktuelle Zeichnungen und Fotos der Sonne:
www.sonneaktuell.de
Neuigkeiten beim Weltraumwetter:
www.spaceweather.com
 
 
 
 

In den letzten Tagen konnten einige Protuberanzen und Flares mit Amateurteleskopen im Hα-Bereich beobachtet werden und führten z.B. am 4.6. in Norddeutschland zu Polarlichtsichtungen. Koronale Massenauswürfe (CME) als Folge der erhöhten Sonnenaktivität führten in den Medien teils zu übertriebenem Wirbel.

Diese Auswürfe erreichten nur eine mittlere Stärke (Klasse M) und waren nicht Richtung Erde gerichtet. Am 28. Okt. 2003 gab es z.B. mit einem X17-Flare ein ca. 100× stärkeres Ereignis und dieses war, außer schönen Polarlichtern, ohne nennenswerte negative Folgen für die Erde.

Hans-Georg Purucker

 
 
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Ablauf einer Mondfinsternis:
www.mondfinsternis.org/mondfinsternis-ablauf.htm
 
 
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Bereits bei seinem Aufgang wird sich in den meisten Orten des deutschen Sprachgebiets am 15. Juni ein bereits partiell verfinsterter Mond (Eintritt in den Kernschatten um 20:22 MESZ) zeigen. Beobachter im Nordwesten Deutschlands sehen beim Aufgang sogar schon den total verfinsterten Mond, denn um 21:22 MESZ ist bereits der gesamte Mond in den Kernschatten eingetaucht. Der Beginn der Mondfinsternis mit dem Eintritt in den Halbschatten um 19:23 MESZ ist in Mitteleuropa übrigens noch nicht zu beobachten.

Die Besonderheit an dieser Finsternis ist, dass sich der Mond diesmal fast zentral durch den Erdschatten bewegt und deshalb mit 1h 41min eine sehr lange Totalität zu beobachten sein wird. Die Magnitude der Finsternis, d.h. das Maß der Eindringtiefe des Mondes in den Kernschatten beträgt 1,71 (Maximalwert 1,825).

Die Totalität endet um 23:03 MESZ, ca. eine Stunde später um 0:02 MESZ verlässt der Mond den Kernschatten vollständig. Um 1:01 MESZ ist die erste Mondfinsternis dieses Jahres dann beendet.

Hans-Georg Purucker

 
 
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Seite zu P Cygni von Jim Kaler:
stars.astro.illinois.edu/sow/pcyg.html
BAV-Aufruf:
www.bav-astro.de/BAV-news.php?kennung=p-cyg
Internationale Beobachtungskampagne (PDF):
www.bav-astro.de/spektroskopie/P_Cyg_report_AAVSO_Newsletter.pdf
 

P Cygni ist einer der leuchtkräftigsten Sterne der Galaxis. Aus mehr als 6000 Lichtjahren Entfernung leuchtet der LBV (Leuchtkräftige Blaue Veränderliche – siehe Hauptartikel in interstellarum 76) derzeit mit 4 ,m8 bis 5 ,m0 und ist einer der entferntesten mit freiem Auge sichtbaren Sterne.

Bernd Hanisch, Ernst Pollmann und weitere spektroskopische Beobachter überwachen das Objekt seit vielen Jahren. Zur Bestimmung der Helligkeit sind weitere Beobachtungen besonders in dieser Sichtbarkeitsperiode erwünscht. Helligkeitsmessungen mit DSLR, CCD oder PEP erreichen Genauigkeiten besser als 0 ,m05 und sollen an die BAV oder AAVSO gesandt werden.

P Cyg ist unweit von γ Cyg bei R.A. 20h 17,8min, Dekl. +38° 2' zu finden und im Sommer die ganze Nacht sichtbar.

Wolfgang Vollmann

 
 
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Erste Bahn:
www.minorplanetcenter.net/mpec/K11/K11L33.html
 

Noch ist seine Bahn ziemlich ungenau und die Helligkeitsentwicklung von Kometen notorisch schwer vorauszusagen, aber die Aufregung, die seit Mittwochnacht in der internationalen Kometenszene ausgebrochen ist, rechtfertigt eine Vorwarnung: C/2011 L4 (PANSTARRS), also eine Entdeckung des Himmelsdurchmusterers auf Hawaii, erreicht nach der ersten Analyse sein Perihel im April 2013 in nur 0,33AE Sonnenabstand und könnte dabei 1. Größe (wenn nicht noch mehr) erreichen. Es könnte aber auch sein, dass die Helligkeit des möglicherweise dynamisch jungen PANSTARRS viel langsamer zunimmt und er nur 5m erreicht. Die Helligkeitsspitze Mitte des Monats wird jedenfalls scharf ausfallen – und dann steht der Komet in der deutschen hellen Abenddämmerung nur wenige Grad hoch, bevor er schon untergeht. Auch auf den Kanarischen Inseln ist die Sichtgeometrie kaum besser, erheblich vielversprechender dagegen in Namibia: Hier kann PANSTARRS – immer die aktuelle Bahn vorausgesetzt – am Abend Anfang April noch fast 20° hoch gesehen werden und selbst im Perihel noch knapp 10° hoch; danach verschwindet er schlagartig vom Südhimmel.

Daniel Fischer

 
 
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Bericht & Bilder:
remanzacco.blogspot.com/2011/06/outburst-of-174pecheclus.html
 

Ein seltenes Phänomen im Sonnensystem kann derzeit fotografisch bereits mit mittleren Amateurteleskopen verfolgt werden: Der Zentaur – also ein aus dem Kuiper-Gürtel näher an die Sonne geratener Eisball – 174P/Echeclus alias (60558) 2000 EC98 erlebt einen seiner seltenen Ausbrüche, die ihn in einen Kometen verwandeln. Zu sehen ist eine zentrale Kondensation mit 18m, die von einer spiralförmigen Koma und einer Art Jet umgeben ist: Echeclus sieht so aus, wie der Komet 29P beim Beginn eines seiner viel häufigeren Ausbrüche. Dank moderner CCD-Technik lassen sich die Details bereits mit einem 15cm-Refraktor sichtbar machen.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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ESO-Pressemitteilung:
www.eso.org/public/germany/news/eso1119
Rolle des UK:
www.stfc.ac.uk/News+and+Events/34879.aspx
Rolle Deutschlands:
www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3891
 

Es hat 2,6 Meter Hauptspiegeldurchmesser und eine Kamera – OmegaCAM – mit 32 CCDs und zusammen 268 Millionen Pixeln: Das VLT Service Telescope (VST) auf dem Cerro Paranal unterstützt ab jetzt das benachbarte Very Large Telescope, wie es bereits seit einiger Zeit auch das Infrarot-Teleskop VISTA tut. Seine Aufgabe ist die schnelle Durchmusterung großer Himmelsfelder, um für das VLT mit seinem winzigen Gesichtsfeld interessante Motive zu finden: Derzeit ist es das größte Teleskop für sichtbares Licht, das komplett für Himmelsdurchmusterungen reserviert ist. In den kommenden Jahren wird das VST mehrfach große Bereiche des Südhimmels abtasten, wobei die Bilder sofort frei verfügbar sein werden.

Diese Durchmusterung des Himmels in großem Stil ist aber nicht nur als Vorläuferbeobachtung für die großen Teleskope wichtig, sondern erfüllt auch eigene Zwecke: Drei spezielle Projekte – zwei unter britischer Leitung – sind in den kommenden fünf Jahren geplant, zur Kartierung der Milchstraße ebenso wie zur Bestimmung kosmologischer Größen. Dabei wird der Datensatz automatisch auf bestimmte Signaturen wie etwa durch Gravitationsfelder verzerrte Abbilder weit entfernter Milchstraßen und Galaxienhaufen abgesucht. Mithilfe der neuen Kamera können die Astronomen nun rund zehnmal tiefer in das Universum blicken als bei bisherigen Untersuchungen dieser Art. An der Entwicklung und dem Bau der OmegaCAM waren deutsche, niederländische und italienische Forschungsinstitute beteiligt: Das Institut für Astrophysik der Universität Göttingen war dabei federführend für die Instrumentenmechanik, die optische Auslegung sowie die Installation. Rund 30 Terabyte Daten pro Jahr soll sie im Vollbetrieb produzieren, für deren effiziente Verwaltung eigene Software entwickelt werden musste.

Daniel Fischer

 
Der klarste Hinweis auf einen bisher übersehenen Spiralarm der Milchstraße, der ihr eine symmetrische Gestalt verleiht (rechts oben). Das Bogenstück AB, das den Scutum-Centaurus-Arm erheblich verlängert, macht sich durch Wasserstoffgas mit einer deutlich vom Rest der Milchstraße (Kohlenmonoxid-Emission, farbig) abweichenden Geschwindigkeit relativ zur Sonne bemerkbar (21cm-Strahlung, grau). Die schwarze Linie entspricht der Signatur einer logarithmischen Spirale, die den nunmehr komplettierten Arm gut beschreibt. [Dame & Thaddeus]

Kaum etwas ist in der Astronomie so schwer zu ergründen wie die großräumige Struktur unserer eigenen Milchstraße: Noch nicht einmal über die Zahl ihrer Spiralarme besteht Einigkeit. Seit sich herausgestellt hat, dass die Milchstraße einen nicht unerheblichen zentralen Balken besitzt, ist ein zweiarmiges Modell zumindest plausibler geworden: Bei vielen Balkengalaxien sieht man zwei Arme, die von beiden Enden des Balkens ausgehen. Nicht nur die Position der Sonne mitten in der Scheibe erschwert die Untersuchung des Spiralmusters sondern auch die schiere Unmöglichkeit, direkte Entfernungen zu denjenigen Bestandteilen der Arme zu bestimmen, die sich quer durch die Galaxis verfolgen lassen. Was sich dagegen einfach messen lässt, sind – über den Dopplereffekt – Relativgeschwindigkeiten zu Gaswolken in den Armen, deren Radiostrahlung die gesamte Milchstraße durchdringt: Mithilfe eines Modells der galaktischen Rotation lassen sich die einzelnen Wolken dann im dreidimensionalen Raum platzieren. Mit genau dieser Methode ist nun der bisher sonnenfernste Spiralarm der Milchstraße aufgespürt worden, weit jenseits des galaktischen Zentrums: Im Prinzip wäre er schon in historischen Daten von 1974 und 1998 zu erkennen gewesen, ist damals aber stets übersehen worden.

Dazu trug sicher bei, dass dieser Arm gegenüber der Hauptebene der Milchstraße etwas verkippt ist, da er ihrer generellen Verbiegung folgt. Man muss die Daten – einer neueren Himmelsdurchmusterung in der 21cm-Emissionslinie des interstellaren Wasserstoffs von 2005 – aber nur in der richtigen Weise auftragen, dann tritt der neue Arm deutlich hervor. Und es zeigt sich, dass er eine perfekte Fortsetzung des schon lange bekannten Scutum-Centaurus-Arms bildet, wenn man dessen logarithmische Spiralgestalt einfach fortsetzt; zu irgendeiner anderen bekannten Armstruktur passt er nicht. Noch gibt es wenige Untersuchungen an dem neuen Arm, und viel Teleskopzeit wird erforderlich sein, um ihn genau zu beschreiben. Aber an 10 von 220 Punkten entlang des Bogens war – mit einem winzigen Radioteleskop in Cambridge, Mass., mit nur 1,2m Durchmesser – bereits Kohlenmonoxid in Gestalt ausgewachsener Molekülwolken nachweisbar, deren Anwesenheit einen echten Spiralarm auszeichnet. Das neue Bild der Milchstraße erscheint damit verblüffend einfach und symmetrisch: Der verlängerte Arm wäre das genaue Gegenstück zum bekannten Perseus-Arm, neben dem die Sonne sitzt. Und die Autoren geben der Hoffnung Ausdruck, dass es nach weiteren zehn Jahren Forschung eine allgemein akzeptierte Vorstellung von der Gestalt der Milchstraße geben könnte.

Daniel Fischer

 
 
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ESO-Pressemitteilung:
www.eso.org/public/germany/news/eso1117
 

Was hat ein extrem massereicher Stern fernab jedes Sternhaufens zu suchen, wo nach allgemeiner Auffassung einzig genügend interstellare Materie kollabieren kann, um so etwas entstehen zu lassen? Der Stern VFTS 682 befindet sich in der Großen Magellanschen Wolke, in Projektion 95Lj vom berühmten Sternhaufen R136 im Tarantel-Nebel entfernt, der einige vergleichbare Objekte enthält. Über die wahre Natur von VFTS 682 ist man sich erst jetzt klar geworden, nachdem das komplizierte Muster der Lichtextinktion durch Staub in seiner Umgebung modelliert werden konnte: Er hat nicht »nur« 300000 bis 800000 sondern 2 bis 5 Millionen »Sonnenleuchtkräfte«, was einer Masse von etwa 150 Sonnen entspricht. Mit gut 50000 Kelvin ist der wasserstoffreiche Wolf-Rayet-Stern auch unerwartet heiß – und seine Helligkeit schwankt innerhalb von Jahren um 10%, was für Wolf-Rayet-Sterne sehr ungewöhnlich ist.

Ansonsten ähnelt VFTS 682 aber mehreren Mitgliedern von R136, namentlich R136a3 mit 3,8 Mio. Sonnenleuchtkräften. Doch wie ist er an seinen isolierten Platz gelangt? Ein Szenario wäre die Entstehung vor Ort, was aber ein erhebliches Überdenken der Bildungsprozesse massereicher Sterne erfordern würde. Oder aber der Stern ist einst in R136 entstanden und durch gravitative Wechselwirkung mit einem Nachbarn herausgeschleudert worden. In diesem Fall wäre es immerhin der massereichste bekannte »weglaufende« Stern, auch das nicht leicht zu erklären. Eines – nicht so fernen – Tages dürfte VFTS 682 noch einmal in besonderer Weise auf sich aufmerksam machen: Wolf-Rayet-Sterne mit ihren Eigenschaften gelten als die Verursacher der langen Gamma-Ray Bursts.

Daniel Fischer

Wird es am Abend des 8. Oktober einen großen Ausbruch der Draconiden-Meteore geben, einen kleinen Sturm gar – oder passiert fast gar nichts? Vier Monate vorher fallen die Prognosen auseinander wie noch nie vor einem bedeutenden Meteorereignis: Ein französischer Spezialist geht von einer Zenitstundenrate von 600 aus und bereitet seit Monaten aufwändige Beobachtungen aus mehreren Flugzeugen vor, in Kanada war auf der Konferenz kürzlich sogar von 1000 Meteoren die Stunde die Rede (von denen viele allerdings wegen hellen Mondlichts unsichtbar bleiben würden) – aber ein russischer Experte, wie der Franzose durch gute Prognose-Erfolge in der Vergangenheit ausgezeichnet, hat seine Vorhersage von maximal 50 gegenüber interstellarum auf nur noch 5 Meteore die Stunde herunter korrigiert. Klar ist nur, dass die Erde die interplanetare Staubwolken des Verursacherkometen dieses Jahr lediglich streifen wird, Draconidenstürme wie 1933 und 1946 mit 10000 Meteoren die Stunde also ausgeschlossen sind. Und die Staubdichte am Rand der Wolken extrapolieren die Theoretiker dieses Mal sehr unterschiedlich …

Daniel Fischer

 

Schon seit einer Weile wird der Planet des berühmten Sterns mit der großen Staubscheibe als kleiner Lichtpunkt im Infraroten direkt verfolgt, und bislang galt er als der Verursacher der markanten Verbiegung der zirkumstellaren Scheibe von β Pictoris. Weitere scharfe Aufnahmen von Stern und Planet konnten nun aus Bilddaten des Very Large Telescope von 2008 bei 5µm Wellenlänge rekonstruiert werden, die die Bahn des Planeten wieder genauer bestimmen lassen. Und siehe da: Wir sehen seinen Orbit exakt von der Seite – womit er aber nicht der Verursacher der ausgeprägtesten Scheibenbiegung um 5° sein kann, die man ihm bislang zuschrieb. Entweder funktionieren diese Scheibeneffekte deutlich komplizierter als bisher gedacht – oder es sind noch weitere unsichtbare Planeten im Spiel.

Daniel Fischer

 
 
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ESO-Ankündigung:
www.eso.org/public/announcements/ann11031
 

Das A und O der optischen Interferometrie – der wellengenauen Zusammenführung des Lichts mehrerer Teleskope, um extrem hoch aufgelöste Informationen über ein Himmelsobjekt zu gewinnen – ist der Nachweis von Interferenzstreifen: Sie zeigen, dass der komplexe optische Aufbau funktioniert, und enthalten auch die gesuchte Information. Jetzt ist es mit dem Very Large Telescope Interferometer gelungen, ein so schwaches Objekt zu beobachten, dass die Interferenzstreifen zunächst unsichtbar bleiben: Bei dieser »blinden« Technik wird die Anlage an einer hellen Quelle optimiert und dann schnell auf das schwache Ziel geschwenkt. Erst in der Summe der Daten tauchen die Interferenzstreifen wieder auf und können analysiert werden: Damit werden dem VLTI schlagartig eine Vielzahl weiterer Objekte zugänglich, die Grenzgröße verbessert sich um 1 oder 2 Magnituden.

Daniel Fischer

 

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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Alle Termine des aktuellen Heftzeitraums:
www.interstellarum.de/termine.asp
 
 

Termine vom 10.6.–24.6.2011

10.–11.6. Antares-Starparty, Sternwartengelände A-3074 Michelbach, Niederösterreich Verein der niederösterreichischen Amateurastronomen, A-3100 Sankt Pölten, 0043/676/5711924, antares-info@aon.at, www.turbo.at/antares
10.–14.6. 30. Planeten- und Kometentagung, 86450 Violau bei Augsburg Wolfgang Meyer, Martinstr. 1, 12167 Berlin, www.planetentagung.de
17.–19.6. 14. Tagung der VdS-Fachgruppe »Kleine Planeten«, Starkenburg-Sternwarte 64646 Heppenheim www.kleinplanetenseite.de
18.6. Anmeldeschluss für Norddeutsches Sternwartentreffen am 25.6., Regionale Volks- und Schulsternwarte e.V, 25436 Tornesch b.huebner@astronomie-tornesch.de, www.astronomie-tornesch.de
Die Optik des neuen Sky-Watcher 150/1050 ED APO ist in einem Carbon-Tubus verbaut.

Die Firma Sky-Watcher erweitert ihre Produktpalette mit dem 5-Elemente WidePhoto APO-Refraktor mit 150mm Öffnung. Bei dem Objektiv (Brennweite 1050mm, f/7) handelt es sich um einen heute weit verbreiteten 3-linsigen Bautyp mit einem APO-Element (FPL53), welches laut Hersteller in eine voll justierbare und temperaturkompensierte Fassung eingebaut wird. In Verbindung mit einem speziell für das Objektiv gerechneten, 2-linsigen Bildfeldebner entsteht daraus ein 5-Elemente-System. Der Bildfeldebner wird am Okularauszug verschraubt und bietet ein kameraseitiges M62×1-Außengewinde, das passende Kamera-Adapter aufnehmen kann. Der freie Durchlass des multivergüteten Bildfeldebners beträgt 55mm, so dass auch Vollformat-Sensoren vollständig ausgeleuchtet werden sollen.

Der 2-linsige Bildfeldebner wird am Okularauszug angeschraubt.

Am Carbon-Tubus mit Innenblenden-System und einschiebbarer Tauschutzkappe ist ein 3"-Linear Power-Okularauszug verbaut. Gegenüber herkömmlichen Crayford-Auszügen ist dieser Typ durch eine seitlich gelagerte Edelstahlschiene und zusätzliche Kugellager stabilisiert. Der Auszug soll damit 5kg Zuladung ohne seitliches Verkippen tragen können. Er ist mit einem Feingetriebe ausgestattet und erlaubt auch eine 360° Rotation. Die Länge des 11,5kg schweren Geräts beträgt 950mm bei 183mm Tubusdurchmesser. Zum Lieferumfang gehören neben dem Tubus mit der beschriebenen Optik, ein Satz Rohrschellen, ein Adapterstück für den Bildfeldebner, ein 2" dielektrisch beschichteter Zenitspiegel (99% Reflexion), ein 28mm-Übersichtsokular (2"), ein 10mm-Super-Plössl-Okular (1¼"), ein 8×50-Sucher und ein Aluminium-Transportkoffer. Der Gesamtpreis beträgt 6999€.

Frank Gasparini

 
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Das O-GPS-1 Modul von Pentax speichert GPS Daten und gleicht die Himmelsbewegung aus.

Pentax kündigt derzeit ein neues Zubehörteil für seine aktuellen DSLR-Modelle an, das Modul O-GPS-1. Der GPS-Empfänger wird von den Modellen K-r, K-5 und 645D automatisch erkannt, wenn er in den Zubehörschuh der Kamera eingesteckt wird. Für diese Modelle gibt es ein Firmware-Update, damit sich die Funktionen des GPS-Empfängers direkt am Kameramonitor kontrollieren und steuern lassen. Das kompakte GPS-Modul schreibt Breiten- und Längengrade, Höhe, Himmelsrichtung und koordinierte Weltzeit (UTC) in die EXIF-Daten der Fotos. Es erlaubt damit nachträglich die exakte Standortbestimmung von Aufnahmen oder leistet Hilfe beim Archivieren oder Sortieren der Bilder. Weiterhin kann die Kamera in Kombination mit dem GPS-Gerät auch als digitaler Kompass oder für einfache Navigationsaufgaben genutzt werden.

Besonders interessant ist aber seine Funktion als »Astrotracer«, die bei Himmelsaufnahmen Bewegungsunschärfen der Sterne vermeiden soll. Der GPS-Empfänger berechnet dazu die Bewegung der Himmelskörper unter Verwendung der GPS-Daten und der Kameraausrichtung (horizontale und vertikale Neigung) und gleicht deren Bewegung durch synchrone Verschiebung des Bildsensors aus. Abhängig von Kameraausrichtung und Aufnahmebrennweite soll damit zwischen 80 und 300 Sekunden nachgeführt werden können. Diese Funktion ist nur mit der K-r und K-5 mit beweglichem Sensor (Shake Reduction-Funktion) möglich. Erste Testaufnahmen sind auf der japanischen Webseite von Pentax veröffentlicht. Der GPS-Empfänger O-GPS-1 ist dank spezieller Dichtungen wetterfest. Eine Batterie (AAA) soll für bis zu 12 Stunden Betriebsdauer ausreichen. Der Pentax O-GPS-1 ist ab Mitte Juni 2011 erhältlich, der Preis soll um 230€ liegen.

Frank Gasparini

 

Die Regionale Volks- und Schulsternwarte Tornesch e.V. lädt am 25. Juni 2011 ab 13:30 Uhr zum ersten gemeinsamen Treffen von Vertretern norddeutscher Sternwarten und Vereine ein. Hintergrund ist der Wunsch vieler Sternfreundinnen und Sternfreunde aus dem norddeutschen Raum ihre Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen und sich gegenseitig zu besuchen. Neben einem Fachvortrag über die Geschichte der Amateurastronomie in Norddeutschland wird den teilnehmenden Sternwarten Gelegenheit gegeben, sich und ihre Arbeiten vorzustellen. Man will sich gegenseitig näher kennen lernen, Anregungen holen und Möglichkeiten einer zukünftigen Kooperation ausloten. Interessenten an der Veranstaltung melden sich bitte bis zum 18. Juni (Anmeldeschluss!) bei Bodo Hübner (RVST): b.huebner@astronomie-tornesch.de

Manfred Holl

 
 
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Vereinsseite:
www.sternfreunde-eberswalde.de
 

Am Montag, den 16. Mai 2011, wurde in Eberswalde die neue Sternwarte auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule vor etwa 50 geladenen Gästen feierlich in Betrieb genommen. Betont wurde u.a. der Wert dieser neuen Einrichtung für die Schulbildung. In seiner Festrede zur Inbetriebnahme und Taufe der Sternwarte erläuterte der Vorsitzende der Sternfreunde Eberswalde die Schritte auf dem Weg von der Vereinsgründung bis zur Inbetriebnahme und begründete ausführlich die neue Namensgebung nach dem ersten deutschen Raumfahrer Siegmund Jähn.

Die Sternwarte verfügt über verschiedene Fernrohre bis 30cm Durchmesser, Astrokameras, mehrere Computer mit professioneller Software und eine umfangreiche Bibliothek. Die Kuppel mit einem Durchmesser von 3,5m und das Hauptfernrohr sind computergesteuert und fernbedienbar.

Der Regelbetrieb der Sternwarte wurde am 9. Juni 2011 mit einem Abend der offenen Tür, Vorträgen und Beobachtung für jedermann aufgenommen.

Harald Kothe-Zimmermann & Hans-Georg Purucker

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 10.6.–24.6.2011 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
11.6. 7:30 Phoenix Wenn ich groß bin, flieg ich zu den Sternen – Kosmonautenkult in der DDR 45min.
12.6. 19:30 ZDF Faszination Universum (1): Das Maß aller Dinge 45min. 14.6.: ZDF: 3:15
13.6. 19:30 ZDF Faszination Universum (2): Die Zähmung des ewigen Feuers 45min. 14.6.: ZDF: 4:00
15.6. 19:45 ARD Wissen vor 8: Warum ist eine Sonnenfinsternis so selten? 3min.
22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Was ist eine Ring-Galaxie? 15min. 16.6.: 1:45, 8:15
19.6. 17:03 ARD W wie Wissen: Space Shuttle – Aus nach 30 Jahren 27 min. 19.6.: 21:45, 20.6.: 0:45, 14:00, 21.6.: 10:15
22.6.: Eins Plus: 7:00, BR-alpha: 23:00
23.6.: Eins Plus: 3:45
20.6. 1:00 ZDF Leschs Kosmos: Wunder gibt es immer wieder 15min. ZDF neo: 21.6.: 1:10
22.6. 20:15 3sat Der Atem der Erde 45min.
23.6. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Neutrinos? 15min. 24.6.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Die Sonne:
www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=37
Polarlichter:
www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=58
 

Nach einem besonders tiefen Minimum wird der uns am nächsten stehende Stern nun wieder aktiver und findet verstärkt Aufmerksamkeit in den Medien. Wer gerne mehr über Zusammenhänge erfahren oder auch selbst beobachten möchte, kann sich im Buch »Die Sonne« darüber informieren:

Die Stärke des 232 Seiten umfassenden Buches ist die ausführliche Behandlung von Theorie und Praxis. Tiefgreifend wird auf die Physik der Sonne, ihre Energieerzeugung und Strahlung eingegangen — ebenso wie die Erforschung unseres Tagesgestirns mit Teleskopen und Sonden. Der Praxisteil widmet sich in großer Ausführlichkeit den modernen Filtermethoden, insbesondere aktuellen Hα- und Kalzium-Interferenzfiltern, und den beobachtbaren Phänomenen in Photosphäre und Chromosphäre. Quer durch das Buch beeindrucken die zahlreichen Amateuraufnahmen — durchgehend in Farbe.

Einsteiger erhalten mit »Die Sonne« eine unvergleichlich ausführliche Einleitung zum wichtigsten Stern für uns Menschen, aber auch erfahrene Sonnenbeobachter werden ihre »helle Freude« mit diesem Buch haben.

Durch die Zunahme der Sonnenaktivität häuft sich auch wieder ein anderes Phänomen, welches manchmal bis hinunter in unsere Breiten beobachtbar ist: »Polarlichter«

Polarlichter sind faszinierende Erscheinungen. Als Aurora Borealis und Australis in den Polarregionen beider Erdhemisphären vorkommend, versetzen ihre unaufhörlichen Farben- und Formenspiele die Menschen in Staunen. Dieser eindrucksvolle großformatige Bildband fängt diese Faszination ein und zeigt anschaulich, wie es zu den Lichterscheinungen kommt.

Der Meteorologe Andreas Pfoser erklärt die physikalischen Zusammenhänge, die zur Entstehung dieses Naturphänomens führen. Die Verknüpfung mit der Aktivität der Sonne und die Wechselwirkungen in der Erdatmosphäre werden detailliert und verständlich erläutert. Kulturhistorische Betrachtungen und Tipps zur eigenen Beobachtung und Fotografie runden den Text ab.