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Jupiter. Helligkeit -1 ,m93, Durchmesser 34,39" (29.6.2016 7:20 MESZ)
Saturn. Helligkeit 0 ,m15, Durchmesser 18,16" (29.6.2016 7:20 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 134 vom 15.4.2011
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 15.4.–29.4.2011

18.4. 04:44 MESZ   Vollmond
25.4. 04:47 MESZ   Mond Letztes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
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Alarmmeldung der AAVSO:
www.aavso.org/aavso-alert-notice-436
Weitere Infos zu T Pyx:
www.aavso.org/vsots_tpyx
Eigene Karten erstellen:
www.aavso.org/vsp
 
 
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Karte mit visuellen Vergleichs-Helligkeiten von T Pyx, erstellt mit dem AAVSO Variable Star Plotter.

Eine gedachte Linie von Regulus (α Leo) über Alphard (α Hya) zeigt zum südlichen Sternbild Pyxis, dem Schiffskompass. Es liegt am Rand der Milchstraße und beherbergt eine wiederkehrende Nova, T Pyxidis. Der bisher letzte beobachtete Helligkeitsausbruch wurde vor mehr als 44 Jahren im Dezember 1966 mit 8m entdeckt. Nach einem Monat erreichte die Nova ihr Maximum mit 7m. Es dauerte 9 Monate bis der Stern wieder die Ruhehelligkeit von 15m erreichte.

Am 14.4.2011 entdeckte Michael Linnolt (Hawaii, USA) visuell einen neuen Ausbruch der wiederkehrenden Nova mit 13m. Die neuesten Beobachtungen vom 15.4. 3:00 UT zeigen die Nova bereits 8 ,m7 hell. T Pyxidis ist bei R.A. 9h 04min 41.5s, Dekl. –32° 22' 47.4" zu finden. Auf 50° nördlicher Breite erreicht der Stern in der Kulmination maximal 8° Höhe. Helligkeitsbeobachtungen des Ausbruchs sind sehr erwünscht und werden von der AAVSO und BAV gerne entgegengenommen.

Wolfgang Vollmann

 
 
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Aufsuchkarte für HIP 57320 (Gesichtsfeld ca. 5°)
 

Am 20. April gegen 21:30 MESZ bedeckt (16528) Terakado den 6 ,m5 hellen Stern HIP 57320 (SAO 99774) nahe β Leonis. Die Bedeckung wird im nordeutschen Raum um Hamburg zu beobachten sein. Die maximale Bedeckungszeit beträgt allerdings nur 1,4s. Der Stern wird dabei für die Beobachter auf der Zentrallinie komplett verschwinden, denn der Asteroid hat nur eine Helligkeit von 16 ,m8 und die Sonne ist erst ca. 8° unter dem Horizont. Der 6 ,m5-Stern sollte bei guten Bedingungen dann bereits sichtbar sein: In einem Test wurde er bei einem Sonnenstand von 7° unter dem Horizont recht einfach neben β Leo mit einem guten Fernglas aufgefunden.

Die Unsicherheit der Zentrallinie ist bei diesem Asteroiden vergleichsweise hoch, es lohnt sich also auch in größerer Entfernung von der prognostizierten Zentralline und einige Zeit vor und nach dem berechneten Zeitpunkt zu beobachten. Zeitlich exakt kalibrierte Beobachtungen können an das EOAN (European Asteroidal Occultation Network) gemeldet werden.

Hans-Georg Purucker

 
 
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Portrait von R Cyg bei der AAVSO:
www.aavso.org/vsots_rcyg
Chaos bei Veränderlichen Sternen (PDF):
www.bav-astro.de/rb/rb2010-1/31.pdf
Chaotisches Verhalten von R Cyg (PDF):
arxiv.org/PS_cache/astro-ph/pdf/0205/0205334v1.pdf
 
 
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Lichtkurve der letzten 2000 Tage mit dem AAVSO Light Curve Generator.

Um den 18.4. erreicht der Mirastern R Cygni ein Helligkeitsmaximum. Der Stern mit einer mittleren Lichtwechselperiode von 14 Monaten ist 4' östlich von θ Cygni – in der nordwestlichen Flügelspitze des Sternbilds Schwan – leicht zu finden. R Cygni ist jetzt ab Mitternacht hoch genug am Himmel und im Fernglas gut beobachtbar.

R Cygni ist wie alle Mirasterne ein entwickelter roter Riesenstern und zeigt periodischen Lichtwechsel zwischen 6m und 14m. Als Besonderheit des Sterns zeigen sich abwechselnd helle Maxima zwischen 6m und 7m und schwache Maxima zwischen 8m und 9m. Diesmal wird es ein helles Maximum, die aktuellen Beobachtungen zeigen den Stern bereits 7m hell. Eine Arbeit von Kiss und Szatmary zeigt das chaotische Verhalten des Sterns, das nicht völlig vorhersehbar ist. Als Datenbasis werden die visuellen Beobachtungen von Amateurastronomen zwischen 1901 und 2001 benutzt. Nur solche visuellen Beobachtungsreihen sind über so lange Zeiträume verfügbar und damit besonders wertvoll. Ihre Fortsetzung ist auch heutzutage sinnvoll und schon mit Fernglas und kleinem Fernrohr möglich. Beobachtungen nehmen BAV und AAVSO gerne entgegen.

Wolfgang Vollmann

 
 
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BAA-Bericht:
britastro.org/blog/?p=731
Beobachtungen:
remanzacco.blogspot.com/2011/04/2011-gp59-close-approach.html
Präzise Ephemeride
(als Target Body »2011 GP59« eingeben):
ssd.jpl.nasa.gov/horizons.cgi
 

Die besten Sichtbedingungen waren schon am 14.4., aber auch am 15.4. ist ein erst vor einer Woche – von den Amateurastronomen der La Sagra Sky Survey in Spanien – entdeckter, ca. 60m großer Asteroid noch zu sehen, wenn er der Erde mit 530000km am nächsten kommt: der beste Vorbeiflug eines Asteroiden an der Erde seit mehreren Jahren. Mit 14m steht 2011 GP59 dann im Sternbild Hydra am frühen Abend noch etwa 15° hoch, leider nur 30° vom fast vollen Mond entfernt: visuell sicher eine Herausforderung, für versierte Astrofotografen aber kein Problem. Und ein reizvolles Motiv, denn der Asteroid rotiert – vermutlich um mehr als eine Achse – in wenigen Minuten und zeigt einen ausgeprägten Lichtwechsel um zwei Magnituden.

Daniel Fischer

 
 
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BAA-Aufruf:
britastro.org/blog/?p=727
 

Am 30. Oktober 1963 beobachteten die Mondkartografen James A. Greenacre and Edward Barr am Lowell Observatory helle rosafarbene Leuchterscheinungen in der Nähe des Kraters Aristarchus - und weil sie einen sehr seriösen Ruf hatten, nahm die Fachwelt derartige »Lunar Transient Phenomena« (LTP) mit einem Mal ernst. Heute Abend von 21:00 MESZ bis 23:00 MESZ sind nun die Beleuchtungsverhältnisse fast identisch, und Mondfotografen in Europa sind aufgerufen, dieselbe Stelle mit hoher Auflösung und möglichst auch in Farbe aufzunehmen: Bestimmte rein optische Erklärungsversuche für das berühmte LTP vor fast 50 Jahren lassen sich so überprüfen.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
Die Bahn von 2010 SO16 relativ zu einer festgehaltenen Erde: Für die Reise von einem Ende des Hufeisens bis zum anderen benötigt er 175 Jahre. [Armagh Observatory]

Erde und Mond sind nicht allein auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne: Sie teilen sich den generellen Bahnbereich mit ein paar Kleinplaneten, die sich ihr zuweilen von einer Seite nähern, dann abbremsen und sich wieder entfernen, um schließlich von der anderen Seite auf die Erde zu zufliegen, bis sie wiederum umkehren und sich das Spiel wiederholt. Bezogen auf die Erde bewegen sich diese Kleinplaneten auf einer Art Hufeisen um die Sonne herum, mit der Erde zwischen den beiden Enden: Durch eine geringfügige Übertragung von Bahndrehimpuls sorgt der große Planet dafür, dass es nie zu einer Kollision kommt und die Situation stabil bleibt. In der Regel gilt dies aber nur für wenige tausend Jahre, dann zerstört die Schwerkraft anderer Planeten das fragile System. Nicht so jedoch beim neuesten – und auch größten – Fund, dem vom WISE-Satelliten entdeckten 2010 SO16: Der 200m bis 400m große Asteroid hat eine besonders geringe Exzentrizität und Bahnneigung und einen Energiezustand tief im stabilen Hufeisenbereich, dessen Existenz übrigens vor genau 100 Jahren vorausgesagt wurde.

Nach Computersimulationen wird er es mehrere hunderttausend Jahre in dieser Konfiguration aushalten, in den erdnahen Phasen – gerade beträgt der Abstand nur 0,13 AE, die Minimaldistanz sind 50 Mondabstände, seine Helligkeit dann 19 ,m7 – kann er dann schon von gut ausgerüsteten Amateuren aufgefunden werden. Wie 2010 SO16 allerdings in diesen Zustand gelangt ist, ist überhaupt nicht klar: Eine Herkunft aus dem Asteroiden-Hauptgürtel ist möglich aber wenig wahrscheinlich, eher schon eine Entstehung im Erde-Mond-System (zu dem es gegenwärtig allerdings keinen dynamischen Pfad gibt). Die dritte Möglichkeit wäre eine Flucht aus einem der Lagrangepunkte 4 oder 5 des Erde-Sonne-Systems: Erd-Trojaner-Asteroiden sind zwar noch keine bekannt, aber es gibt keinen Grund, warum sich dort nicht im Lauf der Geschichte des Sonnensystems Asteroiden angesammelt haben sollten wie bei vielen anderen Planeten auch – die wiederum auf sogenannten Kaulquappen-Orbits auch bis in Erdnähe und wieder zurück zum Lagrangepunkt gelangen könnten. Momentan übersteigt die Fantasie der Himmelsmechaniker die tatsächliche Kenntnis des Füllzustands solch exotischer (aber im Saturnring durchaus realisierter) Orbitbereiche bei der Erde, weil sie oft in geringer Sonnenelongation liegen: Eigentlich bräuchte man ein spezielles Weltraumteleskop auf einer heliozentrischen Bahn innerhalb des Erdorbits…

Daniel Fischer

 
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Hubble-Mitteilung:
www.spacetelescope.org/news/heic1106
 
 
Der Galaxienhaufen Abell 383, aufgenommen mit zwei Kameras des Hubble Space Telescope, und »darin« zwei Bilder einer Galaxie mit der Rotverschiebung 6 – die damals schon etwa 800 Mio. Jahre alt war. Die Gravitationslinsen-Wirkung des Vordergrund-Haufens hat die Bilder 7 und 11 Mal aufgehellt. [NASA, ESA, J. Richard (CRAL) and J.-P. Kneib (LAM). Acknowledgement: Marc Postman (STScI)]

Sie hat 40% der Leuchtkraft unserer Milchstraße, 6 Milliarden Sonnenmassen, und ihre Sternpopulation ist schon rund 750 Millionen Jahre alt – aber wir sehen diese Galaxie zu einem Zeitpunkt, als das Universum erst rund 900 Millionen Jahre alt war: Überraschend früh, vielleicht 200 Millionen Jahre nach dem Urknall, sind demnach ihre Sterne entstanden, in der bisher nur schemenhaft verstandenen Frühzeit des Kosmos. Die namenlose Galaxie hat eine Rotverschiebung von 6,03 – dass man dies überhaupt mit dem Keck-II-Teleskop messen und auch weitere Eigenschaften bestimmen konnte, verdankt sie dem Galaxienhaufen Abell 383 (Rotverschiebung 0,19), der genau in der Sichtlinie steht und mit seiner Schwerkraft das Licht der fernen Galaxie in unsere Richtung fokussiert. Zwei Bilder der Galaxie wurden – dank ihrer exotischen Farbe – identifiziert, bis zu 11 Mal heller als ohne die Mithilfe des Galaxienhaufens: ein Erfolg des gezielten Suchprogramms CLASH, bei dem das Hubble Space Telescope ingesamt 524 Erdorbits lang tiefe Aufnahmen von 25 Galaxienhaufen in verschiedenen Farben macht.

An der weiteren Analyse der beiden Bilder beteiligte sich neben Keck (dessen DEIMOS-Spektrograf die Lyman-Alpha-Emission der Galaxie bei 855nm Wellenlänge wiederfand und so die Rotverschiebung ermittelte) auch das Spitzer Space Telescope, das die spektrale Energieverteilung weiter ins Infrarote festlegen konnte und so das Alter der Sterne – mit einer Unsicherheit zwischen 640 und 940 Mio. Jahren – bestimmen half. Mit ihrer Leuchtkraft von nur 40% der Milchstraße ist die ferne Galaxie typischer für ihre Zeit als jene Exemplare, die aufgrund ihrer großen Helligkeit ohne Gravitationslinsenhilfe bei Durchmusterungen großer Himmelsfelder entdeckt wurden. Offenbar gab es damals eine Menge lichtschwächerer und bisher übersehener Galaxien, die in den Jahrhundertmillionen davor sicher eine noch höhere Sternbildungsrate hatten und damit mehr UV-Strahlung abstrahlten, für die direkte Entdeckung aber nicht auffällig genug sind. Zusammen haben diese Galaxien vielleicht den entscheidenden Beitrag zur Reionisation des Kosmos geliefert, den die bisher bekannten wenigen helleren Galaxien jener Epoche nicht aufbringen können.

Daniel Fischer

 

Als diese wissenschaftliche Arbeit am 1. April 2011 im Internet erschien, glaubte so mancher Astronom an einen Aprilscherz: »Die Bahn von 17P/Holmes aus dem Verhalten von Fotografen« hieß die Arbeit – und es basierte auf Daten, die am 1. April 2010 gewonnen worden waren. Auf eine Art und Weise, die es in der Wissenschaft noch nie gegeben hatte: Zwei Astronomen hatten eine Suchmaschine nach sämtlichen Bildern im World Wide Web suchen lassen, die mit »Comet Holmes« bezeichnet waren und diese – ohne jede weitere Untersuchung bis auf das Entfernen von Dubletten – der Software von Astrometry.net zugeführt. Auf 2241 Bildern fand sich das Astrometrieprogramm 1299 Mal zurecht und konnte die Lage des Bildfeldes am Himmel angeben, wobei allerdings auch so manche Himmelsgrafik mit Kometenposition den Test passierte. Für die weitere Untersuchung wurde die tatsächliche Position von Komet Holmes unter den automatisch identifizierten Sternen ignoriert: Nur die Bildmitte zählte.

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Sämtliche automatisch im WWW gefundenen Aufnahmen des Kometen Holmes in der ersten Zeit nach seinem Ausbruch im Herbst 2007, von Astrometry.net erfasst und aufaddiert: Die gewaltige Expansion der Koma ist gut zu verfolgen und fast lückenlos erfasst, und auch der Bahnbogen zeichnet sich ab. [Dustin Lang]

Denn die Fragestellung war, ob sich allein aus dem Verhalten der Astrofotografen – dem Ausrichten der Kameras – bereits ein brauchbarer Orbit des Kometen im Sonnensystem ergeben würde. Auch die zum Teil in Metadaten mancher Bilddateien angegebene Aufnahmezeit wurde nicht direkt berücksichtigt (am Ende stellte es sich heraus, dass es da ohnehin viele Fehler gibt): Ausschließlich Bildmittelpunkte und Bildfeldgröße und -lage wurden in ein Analyseprogramm gesteckt, das dann Bahnelemente an die sich eher vage am Himmel abzeichnende Bahnschleife anpasste, zugegebenermaßen nicht frei von gewissen Vorkenntnissen. Der Rechenaufwand war ungeheuer, aber am Ende kam tatsächlich ein sinnvoller Orbit von Komet Holmes heraus. Und die Erkenntnis, dass »das Web ein enormes Lager an astronomischer Information« darstellen könnte und »mit extrem heterogenen Daten unbekannter Herkunft« trotzdem »Entdeckungen« – in diesem Fall zumindest das Nachvollziehen der Kometenbahn – möglich sind. Das World Wide Web sei damit »eine enorme und praktisch unausgewertete Himmelsdurchmusterung«, mit der man noch manches mehr anstellen könnte – zum Beispiel all die unzähligen Bilder des Orionnebels aufaddieren…

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1101.3581
Mitteilung des McDonald-Observatoriums:
mcdonaldobservatory.org/news/releases/2011/0328.html
 

Intensive Untersuchungen an der Supernova 2008am, die mit einer absoluten Helligkeit von –22 ,M3 zu den leuchtkräftigsten überhaupt gehört, machen eine Wechselwirkung der Explosions-Ejekta mit früher vom Stern abgesondertem Gas für die große Strahlkraft verantwortlich. Zusammen mit einer Handvoll anderer Supernovae mit extremer Helligkeit scheint sie eine spezielle Klasse zu bilden, mit Vorgängersternen im Bereich von etwa 20 bis 100 Sonnenmassen, die zu Lebzeiten besonders starken Sternwind hatten und nach ihrem Kernkollaps dank »Selbst-Wechselwirkung« besonders hell strahlen. Bei masseärmeren Sternen ist das nicht der Fall, aber stets bleibt ein Neutronenstern zurück. Jenseits von 100 Sonnenmassen scheint dann wieder andere Physik zur kompletten Zerstörung des Sterns in einer »Paarvernichtungs-Supernova« zu führen.

Daniel Fischer

 
 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1103.2354
CfA-Pressemitteilung:
www.cfa.harvard.edu/news/2011/pr201109.html
 

Das Paar Weißer Zwerge mit der kürzesten Umlaufszeit umeinander – nur 39 Minuten! – ist kürzlich identifiziert worden, im kosmischen Zeitmaßstab gerade noch rechtzeitig: Denn die Abstrahlung von Gravitationswellen reduziert die Bahnenergie und den Abstand kräftig, und in 37 Millionen Jahren werden die beiden Überreste früherer Hauptreihensterne, die 0,17 und 0,43 Sonnenmassen und nur noch 0,16 Sonnendurchmesser Abstand haben, miteinander verschmelzen – und dabei vermutlich einen neuen Stern schaffen, der wieder zu Helium-Fusion fähig ist. Schon jetzt sind die beiden Weißen Zwerge – nur der massenärmere leuchtet, der Begleiter ist unsichtbar – durch Gezeitenkräfte deformiert, was noch nie beobachtet wurde.

Daniel Fischer

 
 
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Hubble-Mitteilung:
hubblesite.org/newscenter/archive/releases/2011/10/full
 

Eine erstaunliche Sternexplosion wird derzeit mit Teleskopen aller Art verfolgt: Am 28. März vom Satelliten Swift als scheinbar gewöhnlicher Gamma-Ray Burst entdeckt, ist GRB 110328A nicht wie üblich binnen Minuten verblasst, sondern immer noch da – mit stark schwankender Intensität allerdings. Die erstaunliche Quelle energiereicher Strahlung sitzt genau in der Mitte einer fernen Galaxie, was zu der Arbeitshypothese geführt hat, dass hier ein Stern in deren zentrales Schwarzes Loch gestürzt ist. Genauer gesagt landeten seine Trümmer in einer Akkretionscheibe, und aus der schießt nun ein nahezu lichtschneller Jet – und zwar fast genau Richtung Erde. Das führt zu relativistischer Verstärkung der Strahlung und dem wochenlangen Hochenergie-»Blitz«, wie er noch nie beobachtet wurde.

Daniel Fischer

 

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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Alle Termine des aktuellen Heftzeitraums:
www.interstellarum.de/termine.asp
 
 

Termine vom 15.4.–29.4.2011

15.–17.4. ASpects 11 – Jahrestagung der VdS-Fachgruppe Spektroskopie, Sternwarte, 09430 Drebach Thomas Hunger, fg-spektroskopie@vds-astro.de, spektroskopie.fg-vds.de
18.–22.4.: Seminar »Astrospektroskopie für Amateure«, Carl-Fuhlrott-Gymnasium, 42349 Wuppertal Ernst Pollmann, Emil-Nolde-Str. 12, 51375 Leverkusen, 0214/91829, ernst-pollmann@t-online.de, www.astrospectroscopy.de
29.4.–1.5. 9. Aschberger Frühjahrs-Teleskoptreffen (AFT), Aschberg bei 24358 Ascheffel Armin Quante, Wiesenredder 5, D-24340 Eckenförde, 04351/475830, aft2011@aft-info.de, www.aft-info.de www.aft-info.de
29.4.–1.5. Frühjahrs-Teleskoptreffen Vogelsberg (TTV), Sternenwelt Vogelsberg.e.V. bei 36325 Stumpertenrod/Feldatal Walter Gröning, astrophysik@t-online.de, www.sternenwelt-vogelsberg.de
29.4.–1.5. WAA Easter Starparty 2011, Gasthof Postl bei Maiersdorf, Naturpark Hohe Wand Wiener Astronomische Arbeitsgemeinschaft, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien, 0043/664/2561221, www.waa.at/treff/esp.html
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TS Optics Apo-Refraktor mit 3"-Linear-Power-Okularauszug

Den bislang größten Refraktor der Hausmarke TS Optics stellt aktuell die Firma Teleskop-Service vor. Es handelt sich um einen apochromatischen Refraktor mit 150mm Öffnung und 1000mm Brennweite (f/6,6). Das Objektiv ist als dreilinsiges Luftspaltobjektiv aufgebaut, unter Verwendung eines ED-Elements aus dem bekannten FPL-53 OHARA-Glas. Das Objektiv ist über Zug- und Druckschrauben justierbar, die Fassung ist temperaturkompensiert konstruiert. Teleskop-Service garantiert eine Überprüfung jedes Teleskops auf der optischen Bank inklusive dessen Justierung vor der Auslieferung.

Der Hersteller hat sich laut eigenen Angaben bei diesem Gerät ganz bewusst für die Verwendung eines Metalltubus entschieden. Als Grund wird die deutlich kürzere Auskühlungszeit gegenüber einem alternativen, ca. 1kg leichteren Tubus aus Carbon genannt. Der Tubus ist mit einem System aus Innenblenden zur Minderung von Streulicht und einer einschiebbaren Tauschutzkappe ausgestattet.

Okularseitig ist ein 3"-Linear-Power-Auszug verbaut, der auch die vignettierungsfreie Ausleuchtung von großen Kamerachips sicherstellt. Er funktioniert nach dem Crayford-Prinzip und ist durch eine seitliche Lagerung des inneren Auszugrohrs auf einer massiven Edelstahlschiene stabilisiert worden. Der Auszug trägt laut Hersteller Zubehör über 5kg problemlos und ist mit einer 1:11-Untersetzung und mit jeweils einem 360°-Rotationssystem vor dem Auszug und vor der Zubehörklemmung versehen. Als Anschluss steht ein M74-Gewinde zur Verfügung. Adapter mit Ringklemmung für 2"- und 1¼"-Klemmdurchmesser sind im Lieferumfang enthalten, außerdem CNC-gefertigte Rohrschellen sowie ein Transport- und Aufbewahrungskoffer mit Schaumstoffauskleidung. Das Gewicht des optischen Tubus wird mit 12,3kg angegeben, sein Preis beträgt mit dem genannten Zubehör 6990€.

Frank Gasparini

 
 
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Explore Scientific-Okulare:
www.meade.de/produkte/teleskope/teleskop-zubehoer.html
 

Nach Einführung der wasserdichten und stickstoffgefüllten Okulare mit 100° Gesichtsfeld, wird von Explore Scientific aktuell eine neue 82°-Okularserie mit ähnlichen Ausstattungsmerkmalen vorgestellt. Die Okulare sind ebenfalls wasserdicht und stickstoffgefüllt, was das Beschlagen von Innen, das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit und die Entstehung von Glaspilz verhindern soll. Laut Hersteller ergeben sich dadurch besondere Vorteile hinsichtlich der Haltbarkeit der EMD-Mehrschichtenvergütungen, aber auch in der Handhabung der Okulare, da Feuchtigkeit durch starken Taubeschlag oder Reinigungsflüssigkeiten nicht zwischen die Linsen eindringen kann. Die Okulare sollen auch bei Teleskopen mit schnellem Öffnungsverhältnis eine scharfe Abbildung zeigen, hochwertige Glassorten und geschwärzte Linsenkanten sollen den Kontrast verbessern. Als Brennweiten stehen 4,7mm, 6,7mm, 8,8mm, 11mm, 14mm mit jeweils 7 Linsen in 4 Gruppen und 1¼"-Steckmaß sowie 18mm, 24mm und 30mm mit jeweils 6 Linsen in 4 Gruppen und 2"-Steckmaß zur Verfügung. Die Okulare sind mit konischer Sicherungsnut in der Edelstahlsteckhülse, Standard-Filtergewinde und mit klappbarer Gummiaugenmuschel ausgestattet. Alle Okulare der Serie sind untereinander homofokal, die Preise liegen zwischen 159€ und 329€.

Weiterhin wird eine Serie preiswerter Okulare mit 70° Gesichtsfeld vorgestellt, die besonders Einsteigern den Bereich der Weitwinkel-Okulare erschließen soll. Der Hersteller verweist hier besonders auf das angenehme Einblickverhalten durch eine große augenseitige Linse und einen komfortablen Augenabstand. Mit 1¼"-Steckmaß stehen die Brennweiten 10mm, 15mm und 20mm zur Verfügung. Die längeren Brennweiten 25mm, 30mm und 35mm sind als 2"-Okulare konstruiert. Als Preise werden 59€ bis 119€ genannt.

Frank Gasparini

 
 
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Website der Sternwarte:
www.hs.uni-hamburg.de
Website des Besucherzentrums:
www.sternwarte-hh.de
Lange Nacht der Museen in Hamburg:
www.langenachtdermuseen-hamburg.de
 
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Die sanierte und mit einem neuartigen, dem Original nachempfundenen Anstrich versehene Kuppel des 1m-Spiegels der Sternwarte Bergedorf. Im Anbau links ist das neue Besucherzentrum inkl. Café untergebracht. Hier kann man sich auch für die am Wochenende stattfindenden Führungen anmelden.
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Innenansicht des Kellergewölbes mit der darin untergebrachten Dauerausstellung »Mensch und Himmel«.

Am 26. März 2011 wurde das neue Besucherzentrum auf dem Gelände der Sternwarte Hamburg-Bergedorf eröffnet. Schon am ersten Wochenende konnten zwischen 1500 und 2000 Besucher gezählt werden, die nicht nur das in den ehemaligen Büroräumen des 1m-Spiegels untergebrachte Café strömten, sondern auch an den Führungen über das Gelände teilnahmen. Mittlerweile beginnt sich die neue Einrichtung zu etablieren. Bisher ist das Café nur am Wochenende, samstags und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Geboten wird jeweils von 10 bis 14 Uhr ein Frühstücksbrunch und von 14 bis 18 Uhr Kaffee und Kuchen. Eine vorherige Anmeldung über den mittleren der rechts stehenden Links ist ratsam. Im Keller des Hauses befindet sich die kostenfrei zugängliche, kleine, aber feine, Dauerausstellung »Mensch und Himmel«.

Eine weitere Attraktion sind regelmäßige Führungen über das Gelände und in die Kuppeln von 75 bis 90 Minuten Dauer. Besichtigen kann man dabei beispielsweise das Äquatorial (das einzige Bergedorfer Teleskop, das schon auf der alten Sternwarte in den Wallanlagen am Holstenwall stand und dort das größte Instrument war), den Großen Refraktor mit 60cm Linsendurchmesser und 9m Brennweite und den 1m-Spiegel. Erläuterungen gibt es überdies etwa zum Meridianhaus, dem »Lippert« und der Kuppel über dem heutigen Oskar-Lühning-Teleskop, unter der einstmals der große Schmidtspiegel stand, und das auch heute noch für wissenschaftliche Forschungsaufgaben verwendet wird.

Am 16. April wird es in Hamburg die »Lange Nacht der Museen« geben, zu der die Sternwarte ab 19 Uhr einlädt. Zuvor hat das Besucherzentrum geöffnet und bietet auch an diesem Tage Führungen an. Sternfreunde des Fördervereins der Hamburger Sternwarte bieten abends die Möglichkeit, an Amateurteleskopen zu beobachten, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Manfred Holl

 
 
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CHAT:
www.jugendzeltplatz-chieming.de/sternwarte.html
 

Die Teleskoptreffen der Chiemgauer Astronomietage (CHAT) geht vom 29.4.2011 bis 1.5.2011 in seine nächste Runde. Wie schon in den vergangenen Jahren findet das Treffen am Standort des Jugendzeltplatz-Chieming statt, der mit entsprechender Infrastruktur aufwartet, um solch eine Veranstaltung erfolgreich zu realisieren. Als Neuerung verfügt der Platz jetzt über eine eigene kleine Sternwarte mit einem parallaktisch montierten 6"-Newton-Teleskop.

Frank Gasparini

 
 
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10 Jahre Astrotreff-Party:
www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=115033
 

Im April vor 10 Jahren wurde das Astronomie-Forum »Astrotreff.de« gestartet. In dieser Zeit hat es ich zu einem der wichtigsten Foren der deutschen Sternfreunde-Szene entwickelt. Allerdings ist Astrotreff.de nicht nur im Web aktiv, auch auf zahlreichen Veranstaltungen wie Messen und Teleskoptreffen ist das Team anzutreffen. Das 10-jährige Bestehen wird nun zum Anlass einer Jubiläums-Party genommen. Von Freitag 15.4.2011 bis Sonntag 17.4.2011 steht dafür der Platz an der Sternwarte »Sternenwelt Vogelsberg« bei Stumpertendrod (ehemaliges ITV-Gelände) zur Verfügung, die Party findet am Samstag 17.4.2011 statt. Alle Astrotreff-Nutzer sind zur Teilnahme eingeladen.

Frank Gasparini

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 15.4.–29.4.2011 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
16.4. 0:30 Phoenix Die ersten Raumfahrer 45min. 16.4.: 6:05
1:15 Phoenix Aufbruch ins All (1): Der Wettlauf der Supermächte 45min.
2:00 Phoenix Aufbruch ins All (2): Von der Raumstation zum Mars 45min.
2:45 Phoenix Katastrophen der Raumfahrt 45min.
3:30 Phoenix Astronauten-Leben 45min.
4:15 Phoenix Columbus – Europas Labor im All 20min.
4:35 Phoenix Auf zur Kometenjagd 45min.
5:20 Phoenix Eine Raumfähre auf Reisen 45min.
6:50 Phoenix Wie der Satellit die Welt veränderte 50 min.
17.4. 9:00 Phoenix Credo – Gott und Weltall: Die Forschung der Vatikanischen Sternwarte 45min.
14:00 Phoenix Juri Gagarin – Die letzten Tage einer Legende 60min. 18.4.: 0:15
15:00 Phoenix Wenn ich groß bin, flieg ich zu den Sternen – Kosmonautenkult in der DDR 45min. 18.4.: 1:15
15:45 Phoenix Der erste Mensch im All 45min. 18.4.: 2:00
19.4. 9:30 HR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Max Planck und die Quantenphysik 15min.
20.4. 22:45 BR-Alpha Alpha Centauri: Gibt es Leben auf Europa? 15min. 21.4.: 1:45. 8:15
21.4. 19:45 ARD Wissen vor 8: Warum stoßen Satelliten zusammen? 3min.
26.4. 9:30 HR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Albert Einstein – E=mc2 15min.
27.4. 22:45 BR-Alpha Alpha Centauri: War die Mondlandung echt? 15min. 14.4.: 1:45. 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Jeder Amateurastronom träumt davon: Selbst etwas am Himmel zu entdecken; der Erste zu sein, dem eine besondere Sichtung gelingt; seinen Namen am Himmel verewigt zu wissen. Zu allen Zeiten waren die Ehren und Anerkennung einer astronomischen Entdeckung eine wichtige Motivationsquelle für Hobby-Sterngucker, wissenschaftlich tätig zu werden. Wesentliche Entdeckungen, die die Astronomie geprägt haben, sind diesem Trieb zu verdanken.

Lesen Sie unter anderem:
Große Funde: Zufall, Technik und die rechte Gabe
Meilensteine: 150 Jahre Spektralanalyse
Kometen: Wie man heute Schweifsterne entdeckt
Kleinplaneten: Praxis und Technik der Suche
Tipps und Tricks: So können Sie selbst Neues finden!

 

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