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Jupiter. Helligkeit -1 ,m90, Durchmesser 33,95" (4.7.2016 11:10 MESZ)
Saturn. Helligkeit 0 ,m19, Durchmesser 18,07" (4.7.2016 11:10 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 130 vom 18.2.2011
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 18.2.–4.3.2011

18.02. 09:35:45 MEZ Vollmond
25.02. 00:26:26 MEZ Mond Letztes Viertel
25.02. 09:47:41 MEZ Merkur in Oberer Konjunktion
01.03. 02:48:00 MEZ Mond bei Venus, Mond 46' nördlich
04.03. 21:45:57 MEZ Neumond
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 

Am Morgen des 1.3. findet eine enge Begegnung zwischen Mond und dem hellsten Planeten statt. Ab ca. einer Stunde vor Sonnenaufgang kann diese Konjunktion bei freier Horizontsicht gut beobachtet werden. Mond und Venus stehen dann ca. 5° über dem Südost-Horizont. Die scheinbare Entfernung zwischen den beiden Himmelskörpern ist dann ca. 1,5°, so dass sich im kleinen Teleskop mit einem langbrennweitigen Okular ein schöner Anblick ergibt.

Venus misst an diesem Tag fast 16" im Durchmesser und ist zu 72% beleuchtet, der Mond erscheint als schmale Sichel mit 12% Beleuchtung. Seine uns zugewandte dunkle Seite sollte durch den Erdschein im aschgrauen Mondlicht leuchten. Die engste Begegnung findet bereits um 2:48 MEZ mit 46' statt, bleibt aber von Mitteleuropa aus unbeobachtbar. Je früher man also Mond und Venus an diesem Tag zu Gesicht bekommt, desto näher beisammen stehen beide. Weiter östlich gelegene Standorte sind dabei bevorzugt.

Hans-Georg Purucker

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
IC 2177 (Objekt der Saison):
www.interstellarum.de/ods-galerie.asp
Veröffentlichung über den Ausbruch von Z CMa (PDF):
xxx.lanl.gov/PS_cache/arxiv/pdf/0912/0912.3889v1.pdf
AAVSO-Beobachtungsaufruf:
www.aavso.org/aavso-special-notice-232
 
 
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Lichtkurve der letzten 10 Jahre, erstellt mit dem AAVSO Light Curve Generator
 

Im Grenzbereich der Sternbilder Canis Maior (Großer Hund) und Monoceros (Einhorn) regen junge massereiche und heiße Sterne das zwischen den Sternen befindliche Gas zum Leuchten an: ein großes Emissionsnebelgebiet, IC 2177 (vgl. interstellarum 74), ist dort erkennbar. Zusammen mit Reflexionsnebeln und eingelagerten Dunkelwolken bietet die Region einen Blick in eine Geburtsstätte von Sternen in der Milchstraße. Der Nebel ist knapp 3400 Lichtjahre von uns entfernt.

Einer der jungen Sterne der Region hat nach der Entstehung bereits zu leuchten begonnen aber die Phase der stabilen Wasserstofffusion im Kern auf der Hauptreihe des Hertzsprung-Russell-Diagramms noch nicht ganz erreicht. Z Canis Maioris ist ein sogenannter Nebel- oder Orion-Veränderlicher und zeigt irregulären Lichtwechsel zwischen 8 ,m0 und 10 ,m5. Der Stern wurde seit November 2010 im Helligkeitsausbruch beobachtet und ist mittlerweile mit 8 ,m2 heller als in den letzten 10 Jahren.

Z CMa ist ein Doppelsternsystem aus zwei massereichen Sternen mit 12 bzw. 3 Sonnenmassen. Das Doppelsternsystem wurde mit Speckle-Interferometrie mit nur 0,1" Winkeldistanz aufgelöst. Beide Sterne sammeln in Scheiben Materie auf. Das Alter des Systems wird auf nur 300000 Jahre geschätzt: »Sternbabys« kurz nach ihrer Geburt!

Helligkeitsbeobachtungen von Z Canis Maioris (visuell oder mit CCD) sind ein sehr lohnendes Langzeitprojekt für ein kleines Fernrohr und besonders während des aktuellen Helligkeitsausbruchs erwünscht. Beobachtungen nehmen AAVSO und BAV entgegen.

Wolfgang Vollmann

 
 

Die große Aktivitätsregion Nr. 1158, die diese Woche über die Sonnenscheibe zog, hat mehrfach starke Flares erlebt: am 13. Februar den bis dahin zweitstärksten des laufenden Zyklus (M6.6 auf der Röntgenskala) und am frühen Morgen des 15. Februar den stärksten seit vier Jahren (X2.3), zugleich der erste der »X-Klasse« des Zyklus. Mit ihm ging auch ein koronaler Massenauswurf (CME) einher, welcher im Süden Chinas die Kommunikation per Kurzwelle gestört haben soll. In der Nacht zum Freitag blieb die - auch in manch atemloser Medienstory vorhergesagte - Polarlichtaktivität durch den CME zwar aus, allerdings steigt seither die geomagnetische Aktivität deutlich: Es bleibt spannend.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
Der nur schwer erkennbare Krater, den der Impaktor von Deep Impact auf dem Kern des Kometen Tempel 1 schlug, ist auf der rechten Aufnahme der Stardust-Sonde vom 15. Februar markiert – aus der Sicht von Deep Impact von 2005 links war dort ein kleiner Hügel, der jetzt verschwunden ist. [NASA/JPL-Caltech/University of Maryland/Cornell]

Wie am Schnürchen gelaufen ist der Vorbeiflug der betagten Raumsonde Stardust am Kern des Kometen Tempel 1 am Morgen des 15. Februar in 178km Abstand: Alle geplanten Beobachtungen wurden exakt durchgeführt, die Sonde nahm trotz Beschusses durch viele Staubteilchen keinen Schaden, und in den folgenden 24 Stunden wurden auch alle Daten problemlos zur Erde übertragen. Dabei kam es dann zur einzigen Panne: Die 72 Bilder des Kerns wurden – zur allgemeinen Verblüffung der Flugkontrolle – in chronologischer Reihenfolge gesendet, so dass man neun Stunden auf die Nahaufnahmen warten musste, die eigentlich vorab übertragen werden sollten. Die Bilder erwiesen sich dann freilich als schärfer als allgemein erwartet und zeigen die von Deep Impact her bekannten Landschaften, inklusive des markanten Krater-Paares, zwischen dem 2005 der Impaktor niedergegangen war: Stardust war also auf der »richtigen« Seite des Kerns vorbei geflogen, und dessen Rotationszustand war – aufgrund intensiver Beobachtung der Kometenlichtkurve durch Astronomen auf der Erde – schließlich doch auf wenige Grad genau vorhergesagt worden. Doch wo war der Impaktkrater? Wilden Spekulationen im Internet setzte schließlich der Kraterexperte Pete Schultz auf einer Pressekonferenz ein paar Stunden später ein Ende: Der Krater war vorhanden, auch mit den erwarteten 150m Durchmesser, aber nur einer sehr gering ausgeprägten Topografie, die immerhin einen kleinen Zentralberg umfasst.

Eine derart flacher Krater war allerdings auch zu erwarten gewesen, wenn nach einem flachen Impakt (30° Winkel) in eine weiche Oberfläche das meiste aufgeworfene Material gleich wieder zurückfällt: Der Krater »heilt« sich gewissermaßen selbst. Die erneute Besichtigung der Impaktstelle (die 2005 wegen des dabei aufgestiegenen feinen Staubes völlig unsichtbar geblieben war) war eine der vier zentralen Aufgaben von Stardust NExT gewesen, die allesamt komplett erfüllt wurden. Zu den anderen gehörte die Suche nach Veränderungen bekannter Gebiete im Laufe der 5½ Jahre: Die hat es vor allem in einem ausgedehnten flachen Gebiet reichlich gegeben, dessen Rand sich verschoben hat und in dem ganze Hügel verschwunden sind – deutliche Erosionseffekte von teilweise 20 bis 30 Metern haben hier während eines Sonnenumlaufs stattgefunden. Neuland, das Deep Impact nicht zu Gesicht bekam, hat Stardust auch aufnehmen können: Hier dominieren zahlreiche Lagen aus Material, jeweils mehrere Meter dick, deren Entstehung rätselhaft ist. Und schließlich ging es um den Staub in Tempels Koma: Den konnte das deutsche Experiment CIDA analysieren, in das mehrere Dutzend Teilchen einschlugen, in denen Kohlenstoff-Verbindungen und Cyanide gefunden wurden. Der Dust Flux Monitor registrierte derweil rund 5000 Impakte, und ein Dutzend große Teilchen durchschlugen gar die Frontseite des zweistufigen Schutzschilds der Sonde. Die hat nach erfolgreicher Übertragung aller 78MB Daten des Vorbeiflugs wieder die Beobachtung des Kometen aufgenommen: Ende offen, der Chefwissenschaftler beendet die Mission, wenn es nichts mehr zu erforschen gibt.

Daniel Fischer

 
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Veröffentlichung zu Kepler 11:
arxiv.org/abs/1102.0291
Pressemitteilung dazu:
news.ucsc.edu/2011/02/kepler-11.html
Alle Multi-Systeme:
arxiv.org/abs/1102.0543
 
 

Mit der Veröffentlichung der über 1200 Planetenkandidaten aus dem Kepler-Projekt – von denen ein Großteil wirklich echte Planeten fremder Sterne sein sollen – haben sich diesen Monat ganz neue Möglichkeiten eröffnet: Zum einen lässt sich nun schon eine Menge Statistik betreiben, zum anderen ist bei fast tausend Planetensystemen auch der eine oder andere Exot dabei, der ganz eigene Einblicke in die Prozesse der Planetenentstehung verspricht. Bei insgesamt 170 der von Kepler beobachteten 160000 Sternen sind bislang Durchgänge von mindestens zwei Exoplaneten entdeckt worden, bei 45 drei, bei 8 vier und bei je einem 5 und sogar 6 verschiedene Planeten, die zu unterschiedlichen Zeiten (und manchmal auch mehrere gemeinsam) vor den Sternscheibchen her ziehen! Das System mit den sechs Planetenkandidaten ist inzwischen auch in die Liste der – aus Sicht der Kepler-Forscher – sicheren Exoplanetensysteme aufgenommen worden: aber nicht, weil man die Massen der Körper durch Radialgeschwindigkeits-Effekte auf den Stern gemessen hätte, wie es die bislang übliche Technik zum Nachweis der Planetennatur ist. Denn um eine messbare Bewegung des Sterns zu verursachen, sind die sechs allesamt zu massearm und der Stern auch zu lichtschwach für gute Spektren – aber die Massen der Planeten reichen allemal, um gegenseitig ihre Bahnen zu beeinflussen. Das führt zu markanten Verschiebungen der Durchgangszeiten, aus denen sich direkt die ungefähren Massen der Planeten berechnen lassen.

Bei dem 6-Planeten-System, das nun Kepler-11b bis -11g heißt, konnten auf diese Weise die Massen der fünf innersten Planeten ermittelt werden, die auch fast so nahe beieinander um den Stern laufen, wie es noch stabil möglich ist: grob 2 bis 14 Erdmassen, was bei 2 bis 5 Erddurchmessern auf Dichten von 2g/cm3 bis 3g/cm3 für die innersten beiden Planeten (10 und 13 Tage Umlaufszeit) und 0,5g/cm3 bis 0,9g/cm3 für die nächsten drei (23 bis 47 Tage) führt: Ihr Gasanteil muss hoch sein, erdähnlich sind sie nicht. Der äußerste Planet hat eine Periode von 118 Tagen und ist zu weit von den anderen entfernt, um ihre Bahnen messbar zu stören: Seine Masse ist unbekannt. Bemerkenswert ist aber, dass auch er noch vor dem Sternscheibchen her läuft. Massenbestimmungen über Variationen der Transitzeiten in Mehrfachsystemen dürften in Zukunft eine wichtige Technik werden, um Kepler-Planetenkandidaten zu verifizieren – und eine andere sind die dynamischen Eigenschaften von Mehrfachsystemen. Bei den 170 mutmaßlichen Mehrfachsystemen stehen die Umlaufszeiten der Planetenkandidaten fast immer in nahezu ganzzahligen Verhältnissen (Resonanzen) zueinander, was sehr für echte Planetensysteme spricht. Dieses Verhältnis kann auch einmal 1 sein: Beim Kandidaten-System KOI-730 erfüllen die Umlaufszeiten der vier vermutlichen Planeten das Verhältnis 6:4:4:3 aufs Promille genau, d.h. zwei der Planeten teilen sich fast dieselbe Bahn! Sie besaßen anfangs 118° Winkelabstand voneinander, aber sie bewegen sich mit 1°/Jahr aufeinander zu, da einer um ein Promille schneller ist: In der Milchstraße gibt es Planetensysteme, die sich nicht mal ein Science-Fiction-Autor ausdenken könnte …

Daniel Fischer

 
 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/0912.4263
Pressemitteilung dazu:
www.spacetelescope.org/news/heic1103
Das HUDF:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/00/2/102.aw4pm.asp#5
 
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Zoom auf die Galaxie UDFj-39546284 im Hubble Ultra Deep Field, die aufgrund ihrer extremen Farbe – selbst in einer infraroten Falschfarbendarstellung von Bildern der Hubble-WFC3 erscheint sie noch ungewöhnlich »rot« – eine Rotverschiebung von mindestens 10 haben dürfte. [NASA, ESA, G. Illingworth (University of California, Santa Cruz), R. Bouwens (University of California, Santa Cruz, und Uni Leiden) und das HUDF09 Team]

Es ist nicht das erste Mal, dass Astronomen auf eine Galaxie mit einer zweistelligen Rotverschiebung gestoßen zu sein glauben, und auch diesmal ist es streng genommen nur ein Kandidat – aber ein ziemlich überzeugendes Exemplar, im bekannten Hubble Ultra Deep Field und mit einer vermuteten Rotverschiebung von 10,3. Im Rahmen der heutigen Standardkosmologie bedeutet das, dass wir diese Galaxie zu einem Zeitpunkt sehen, als der Kosmos nur 460 Mio. Jahre alt war, und ihr Licht ist 13,2 Mrd. Jahre unterwegs gewesen. Ein Spektrum des extrem schwachen Objekts – mit der Nummer UDFj-39546284 – können selbst die heutigen Großteleskope nicht aufnehmen: Die Rotverschiebung folgt allein aus der Abwesenheit der Galaxie auch auf sehr tiefen Aufnahmen bei Wellenlängen unter einem bestimmten Wert: Hier schneidet im Lichtweg Wasserstoff ihre starke Lyman-Alpha-Emission ziemlich scharf ab. Die Arbeitsgruppe, die nun den neuen Kandidaten präsentierte, hatte vor einem Jahr drei andere Kandidaten mit Rotverschiebung 10 im HUDF diskutiert, aber dann konnten 2010 neue Hubbleaufnahmen desselben Himmelsfeldes zu den Daten von 2009 addiert werden: Alle drei ursprünglichen Objekte erwiesen sich als entweder näher oder gänzlich fraglich.

Mit 80% wird nun die Wahrscheinlichkeit angegeben, dass UDFj-39546284 tatsächlich existiert und auch wirklich eine Rotverschiebung von etwas mehr als 10 hat. Einen wichtigen Test hat die Galaxie jedenfalls schon bestanden: Das Spitzer Space Telescope sieht an dieser Stelle nichts, was bei einer staubreichen Galaxie mit geringerer Rotverschiebung – das wäre eine alternative Interpretation der Bilder – zu erwarten gewesen wäre. Die Galaxie sehen wir zwar nur etwa 100 Mio. Jahre näher am Urknall als die bisher jüngste bekannte mit einer Rotverschiebung von 8,6 (die in diesem Fall ein echtes Spektrum belegt), aber der Kosmos war doch ein recht anderer: Die Sternentstehungsrate des Universums ist in den 200 Mio. Jahren zwischen Rotverschiebungen von 10 und 8 um ungefähr einen Faktor 10 nach oben geschnellt! Diese Aussage wäre sogar dann noch gültig, wenn sich auch UDFj-39546284 doch noch als Irrtum heraus stellen sollte: Wie die Analyse des HUDF inzwischen ergeben hat, ist die Zahl der Galaxien bei Rotverschiebung 10 drastisch geringer als wenn sie dieselbe wie bei 8 wäre. Für die Erklärung der Reionisation des Alls reicht die gesamte Strahlung aller Galaxien dieser Epoche damit weiterhin nicht. Noch näher an den Urknall heran – die 100 bis 200 Mio. Jahre noch vor UDFj-39546284 dürften entscheidend für den Beginn der Galaxienentstehung gewesen sein – wird erst der infrarote Riesensatellit JWST schauen können. Aber der wird es angesichts enormer Kostenüberschreitungen kaum vor 2017 in den Orbit schaffen.

Daniel Fischer

Am 11. Februar 2010 gestartet hat der NASA-Satellit praktisch sofort mit der intensiven Beobachtung der Sonne begonnen und seither Millionen extrem hochauflösende Bilder geschickt: Allein die Atmospheric Imaging Assembly (AIA) liefert alle 12 Sekunden Aufnahmen in 10 verschiedenen Wellenlängen, die unterschiedlichen Temperaturen und damit Schichten der Sonnenatmosphäre entsprechen. Zusammen mit mehreren anderen Satelliten – darunter dem STEREO-Paar, das gerade die Sonne von zwei gegenüberliegenden Seiten sieht – ist die Überwachung der Sonne heute so umfassend wie nie zuvor.

Daniel Fischer

 

Beobachtungen von drei Infrarotteleskopen bestätigen die schon letztes Jahr geäußerte Vermutung, dass am 19. Juli 2009 ein Asteroid in die Atmosphäre von Jupiter einschlug und dort eine auffällige dunkle Wolke hinterließ und nicht Kometen wie 1994. Der 2009er Einschlag erhöhte die Temperatur der Atmosphäre 42km über den Jupiterwolken um 3 bis 4 Kelvin, was angesichts der Größe des betroffenen Gebiets eine Menge ist und so 1994 nicht beobachtet wurde. Auch spricht die Chemie der dunklen Wolke, die sich nach der Explosion des Impaktors über die Atmosphäre legte, gegen einen Kometen: Ein 200m bis 500m großer Asteroid passt am besten.

Daniel Fischer

 

Er kam der Erde so nahe wie kein anderer katalogisierter Kleinplanet, der nicht mit ihr zusammen stieß, und der knappe Vorbeiflug am 4. Februar – in gerade einmal 5480km Höhe über dem mittleren Pazifik – hat seine Bahn gewaltig beeinflusst: Um 60° knickte die Schwerkraft der Erde den Orbit von 2001 CQ1 ab. Sie verwandelte diesen dabei von einem Asteroiden des Apollo-Typs, der stets außerhalb der Erdbahn bleibt, in ein Mitglied der Aten-Gruppe, das immer innerhalb der Erdbahn kreist. Was allerdings rein akademisch ist: Der nur etwa 1m bis 3m große Asteroid – solche Brocken werden in der Szene zuweilen »fliegende Sofas« genannt – war überhaupt nur (14 Stunden vor der größten Annäherung) entdeckt worden, weil er so nahe kam, und wird wohl nie wieder gesehen werden.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 18.2.–4.3.2011

19.2. 11. Astronomie-Treff Hückelhoven (ATH), Aula Gymnasium Hückelhoven Robert Lebek, Charles-Lindbergh-Str. 78, 41849 Wassenberg, 02452/976144, astroag@freenet.de
4.–6.3.. 3. Deep Sky Meeting (DSM), Hayingen-Indelhausen, Landgasthof Hirsch Hans-Jürgen Merk, Kleinstafflangen 13, 88400 Stafflangen, 07351/74054, hajuem@web.de, deepskymeeting.astromerk.de
 
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Lens2scope:
www.lens2scope.com/index.html
 
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Der Lens2scope Adapter verwandelt ein Fotoobjektiv in ein Spektiv [www.acctiver.com]

Das Lens2scope der Firma Tonta Electro Optical Co. wird aktuell auf dem deutschen Markt angeboten. Es handelt sich dabei um einen neuartigen Adapter inklusive Okular, der ein Foto-Objektiv in ein Spektiv verwandelt. Der Adapter kann mit nur einem Handgriff mittels Bajonett (erhältlich für Canon EF(-S), Nikon F, Sony A, Pentax K) an ein vorhandenes Foto-Objektiv angeschlossen werden und bietet bei 10mm Eigenbrennweite eine Vergrößerung entsprechend 1/10 der Brennweite des Objektivs. Ein 70mm–200mm Zoom-Objektiv ermöglicht mit dem Lens2scope demnach eine 7- bis 20-fache Vergrößerung. Bei Verwendung eines Makro-Objektivs mit Abbildungsmaßstab 1:1 wird eine Lupenfunktion mit 25-facher Vergrößerung erreicht. Der Linsenaufbau besteht aus fünf Elementen in drei Gruppen. Der Pupillenabstand des Okulars beträgt 20mm, wobei eine brillenträgergeeignete Augenmuschel das Eindringen von seitlichem Störlicht verhindern soll. Die maximale Austrittspupille wird vom Hersteller mit 2,5mm angegeben, so dass eine Blendenöffnung bis f/4 genutzt werden kann.

Die Schärfeeinstellung erfolgt am Foto-Objektiv, das Lens2scope ist daher nicht mit Objektiven kompatibel, die ausschließlich motorisch fokussiert werden. Der Spektivadapter bietet bei 42° scheinbarem Gesichtsfeld ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild und ist damit auch für terrestrische Beobachtungen geeignet. Es ist in einer geradsichtigen Version oder mit 45°-Einblick in jeweils schwarzer oder weißer Gehäusefarbe erhältlich. Ein abnehmbarer Stativanschluss ist im Lieferumfang enthalten, der laut Hersteller aber nicht für schwere Objektive geeignet ist. Der 185g leichte Adapter bietet bei ausgedehnten Astro-Fotoexkursionen die Möglichkeit der zeitweiligen Natur- und Himmelsbeobachtung, ohne das Reisegepäck mit einem nennenswerten Mehrgewicht zu belasten. Die UVP beträgt für alle Modellvarianten in Deutschland 169€.

Frank Gasparini

 
 
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Astro-Professional Refraktor:
www.astro-professional.de/de/Professional/APO-80-Carbon-Refraktor-NEU
 

Die Firma Beyersdörfer GmbH baut aktuell mit dem neuen APO 80 Carbon-Refraktor ihr Angebot an Teleskopen in der Professional-Serie aus. Das voll vergütete Objektiv mit 80mm Öffnung und 480mm Brennweite (f/6) ist als 3-Linsensystem mit Luftspalt aufgebaut. Die Gläser stammen von Ohara aus Japan und bestehen aus FPL-53-Glas. Die Linsenränder sind zur Reduzierung von Lichtstreuung geschwärzt und einzeln in der Fassung justierbar. Unter geeigneten atmosphärischen Bedingungen sollen beim visuellen Einsatz Vergrößerungen bis über 200× gewinnbringend einsetzbar sein.

Mit seiner lichtstarken Optik und seiner mechanischen Ausstattung ist der Refraktor auch für die Astrofotografie geeignet. Der handgefertigte Carbon-Tubus bietet bei geringem Gewicht zugleich eine hohe Steifigkeit. Die Längsausdehnung des Materials ist sehr gering, was sich gegenüber Aluminium in einer reduzierten Fokusdrift während Temperaturschwankungen bemerkbar machen soll. Am Teleskop ist ein 2"-Crayford-Okularauszug mit 360°-Rotationsfunktion und 1:10-Untersetzungsgetriebe montiert. Auf dessen Auszugsrohr ist eine Skalierung eingraviert, die das Wiederfinden des Fokuspunktes erleichtert. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehört eine Reduzierung auf 1¼". Zur Montage des APO 80 auf Montierungen ist ein L-Sockel angebracht, der auch Gewindebohrungen für die Anbringung auf Fotostativen enthält. Damit lässt sich der Refraktor ebenfalls als Fotoobjektiv für hohe Vergrößerungen oder als Spektiv für Naturbeobachtungen entsprechend einsetzen. Optional sind passende Rohrschellen mit Montageschiene erhältlich. Mit 2,28kg Gewicht und 381mm Transportlänge ist der Refraktor ebenso als Reiseteleskop geeignet. Für den sicheren Transport und zur Aufbewahrung wird er mit einem abschließbaren Aluminiumkoffer mit passender Schaumstoffeinlage zum Preis von 799€ geliefert.

Frank Gasparini

 
 
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Globe at Night:
www.globeatnight.org/index.html
Beobachtungsanleitung (PDF):
www.globeatnight.org/pdf/GaNActivityPacket_Family_2011_German.pdf
 
In der Globe at Night-Kampagne soll die Dunkelheit des Nachthimmels weltweit abgeschätzt werden.

Im Zeitraum vom 21. Februar bis 6. März startet die erste Beobachtungskampagne 2011 von Globe at Night zur weltweiten Erfassung der Dunkelheit des Nachthimmels. Aufgerufen sind alle interessierten Menschen, egal ob erfahren in der Himmelsbeobachtung oder nicht, sich an der Beobachtung mit Abschätzung der erreichbaren Grenzgröße zu beteiligen. Im Jahr 2010 konnten über 17800 Beobachtungen aus 86 Ländern verzeichnet werden, mit dem Hauptteil der Messungen aus den USA (>10900 Daten).

Im genannten Zeitraum 2011 stört der Mond die frühabendliche Beobachtung nicht. Für unerfahrene Beobachter wird eine in mehreren Sprachen zur Verfügung stehende Anleitung bereitgehalten, die das genaue Prozedere erklärt. Für Lehrpersonal stehen besondere Informationen zur Verfügung, wie das Vorhaben in den Unterricht eingebunden werden kann. Als Beobachtungsgebiet wurde das Sternbild Orion gewählt, das frühabendlich leicht am Himmel aufzufinden ist und in der Anleitung mit einer einfachen Aufsuchkarte dargestellt wird. Die lokal vorliegende Himmelsqualität soll recht grob anhand von Sternkartenvordrucken in acht Stufen eingeschätzt werden, die sich an der üblichen Magnitude orientieren (Größenklasse jeweils kleiner 0 ,m5/1 ,m5/2 ,m5/3 ,m5/4 ,m5/5 ,m5/6 ,m5/7 ,m5). Die Beobachtungswerte können mit weiteren Angaben zum Beobachtungsort und Beobachtungszeitpunkt dann bei Globe at Night online gemeldet werden. Für erfahrene Hobbyastronomen besteht auch die Möglichkeit, die Messung der Himmelsqualität mit dem bekannten Sky Quality Meter (SQM) an Globe at Night zu melden.

Natürlich ist die Abschätzung der Grenzhelligkeit mittels acht Stufen recht grob, ermöglicht es damit aber auch weniger erfahrenen Beobachtern an der Beobachtung teilzunehmen. Inwiefern die Daten weiter bearbeitet werden, zumal die Höhe des Beobachtungsgebiets über dem Horizont auch von der geografischen Breite des Standortes und der Uhrzeit abhängen, geht aus den Erläuterungen nicht hervor. Auf jeden Fall können mit der Kampagne Menschen weltweit einen Beitrag leisten zur Sensibilisierung ihrer Umgebung hinsichtlich der Problematik der Lichtverschmutzung.

Frank Gasparini

 
 
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Bildfeldebner von Astro-Professional:
www.astro-professional.de/de/Zubehoer/Fieldflattner
 

Seit Jahresende 2010 bietet die Firma Beyersdörfer für ihre ED- und APO-Refraktoren der Professional-Serie eine Auswahl von Bildfeldebnern mit T2-Anschluss an. Laut Auskunft des Herstellers sind sie speziell auf die jeweilige Optik gerechnet und damit auf die Refraktoren der Professional-Serie abgestimmt. Für den Astro-Professional ED 80, ED 102 und ED 110 stehen zum Preis von 199€ jeweils 2"-Versionen zur Verfügung, die zugleich die Brennweite reduzieren (×0,8). Für den APO 115 und APO 130 ist eine 3"-Version ohne Brennweitenreduzierung für 299€ erhältlich. Zum Anschluss an eine SLR-Kamera wird jeweils noch ein passender T2-Ring benötigt.

Frank Gasparini

 

Sie ist die viertgrößte Insel im Ärmelkanal, dicht neben Guernsey, hat etwa 700 Einwohner, genießt weitgehende Autonomie von Großbritannien, wird immer noch von einem Lehnswesen aus dem 17. Jahrhundert beherrscht – und ist die erste »Dark-Sky-Insel« auf diesem Planeten, ausgerufen von der International Dark-Sky Association, die die Dunkelheit des Nachthimmels und Schutzmaßnahmen dafür ausgiebig dokumentieren ließ. Das Fehlen jeglicher Straßenlampen und Autos trägt zu der für ein besiedeltes Gebiet beachtlichen Grenzgröße um 6 ,m5 bei, und auch die Beleuchtung vieler Gebäude wurde angepasst. Nun hofft man auf Astrotouristen, vor allem im Winter, und plant sogar den Bau einer kleinen Sternwarte

Daniel Fischer

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 18.2.–4.3.2011 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
19.2. 20:15 Phoenix Armageddon – die längste Nacht 95min.
21.2. 01:35 ZDF Leschs Kosmos: Lafer, Lichter? – Lesch: Berichte aus der kosmischen Küche 15min. 21.2.: ZDF: 5:15, 22.2.: ZDF neo: 1:10, 5:45
22.2. 19:45 ARS Wissen vor 8: Was machen Stubenfliegen in der Schwerelosigkeit? 3min.
23.2. 19:45 ARD Wissen vor 8: Ist es im Weltraum laut? 3min.
22:45 BR-Alpha Alpha Centauri: Was ist die Unendlichkeit? 15min 24.2.: 1:45. 8:15
26.2. 05:45 arte Raumtraum: Der Tourismus erobert den Weltraum 45min.
28.2. 01:20 ZDF Leschs Kosmos: Voyager – Reise in die Ewigkeit 15min. 1.3.: ZDF neo: 1:10
15:00 SWR Planet Wissen: Gott und der Urknall – Zwischen Glaube und Astrophysik 60min. 28.2.: WDR: 15:00, Eins Plus: 17:45, BR-alpha: 21:45
1.3.: SWR: 5:00, WDR: 8:20, BR: 12:30, RBB: 14:15
2.3. 22:45 BR-Alpha Alpha Centauri: Welche Bedeutung hat die Unschärferelation? 15min 3.3.: 1:45. 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Vorträge und Aussteller:
shop.hoo-germany.de/product_info.php/info/p499_11--ATH-Hueckelhoven.html
Oculum-Verlagsprogramm:
www.oculum.de/oculum/programm.asp
 

Tief im Westen Deutschlands, hart an der Grenze zu den Niederlanden liegt Hückelhoven. Seit nunmehr über zehn Jahren ist das dortige Gymnasium Austragungsort der ersten Messe im jährlichen Kalender der Astronomie-Veranstaltungen.

Für die elfte Auflage haben sich 35 Aussteller angemeldet. Auch Oculum wird mit einem Stand vertreten sein - die ideale Möglichkeit, ein Blick in unsere zahlreichen Neuheiten zu werfen:

• Deep Sky Reiseführer Jubiläumsausgabe
• Deep Sky Reiseatlas Jubiläumsausgabe
• Fotografischer Sternatlas
• Fotografischer Mondatlas
• Bildband Polarlichter

Unser Standteam mit Irmgard Adam und Joachim Engel heißen Sie herzlich willkommen!

 
 
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Leser-Ergebnisse seit interstellarum 70:
www.interstellarum.de/ ods-galerie.asp
Fotos einsenden:
www.interstellarum.de/ ods.asp
Zeichnungen und Beschreibungen einsenden:
www.interstellarum.de/ ods.asp?Maske=2
 
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Die Objekte der Saison (OdS) in interstellarum laden Sie herzlich ein, sich mit eigenen Beobachtungen an diesem größten Beobachtungsprojekt in deutscher Sprache zu beteiligen! Der Möwennebel IC 2177 (Mon, CMa) und der bereits mit bloßem Auge erkennbare Offene Sternhaufen M 41 in Canis Maior sind die Ziele für Februar und März. Fotos und Zeichnungen bzw. wörtliche Beschreibungen – ganz gleich ob Experten-Ergebnisse oder Anfänger-Resultate – können direkt auf den interstellarum-Server geladen werden. Alle eingehenden Ergebnisse werden in der Online-Präsentation auf interstellarum.de gezeigt. Eine Auswahl schafft es zusätzlich in das Februar-Heft des kommenden Jahres. Machen Sie mit – wir freuen uns über jeden neuen Teilnehmer!

 
Hier können Sie Ihre Ergebnisse einsenden:

Zeichnungen und Beobachtungsbeschreibungen: www.interstellarum.de/ods.asp?Maske=2

Fotos: www.interstellarum.de/ods.asp

Alle Einsendungen seit Heft 70 bis hin zu zukünftigen Ausgaben:
www.interstellarum.de/ods-galerie.asp