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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 122 vom 29.10.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 29.10.–12.11.2010

29.10. 03:10:17 MESZ Venus in Unterer Konjunktion
30.10. 14:45:57 MESZ Mond Letztes Viertel
5.11. 08:12:00 MEZ Mond bei Venus, Mond 49' südlich
6.11. 05:51:52 MEZ Neumond
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
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Neueste Bilder und Filme des Sonnensatelliten SOHO:
sohowww.nascom.nasa.gov/data/realtime-images.html
 
 
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Venus am 27.10.2010, 14:06 UT, gesehen von SOHO/LASCO. Die Sonne ist durch eine Scheibe verdeckt, ihr Durchmesser ist durch den weißen Kreis in der Mitte eingezeichnet. Ganz links ist Merkur, unten bereits Venus zu sehen.

Am 29.10. steht Venus in unterer Konjunktion mit der Sonne. Wir sehen auf ihre unbeleuchtete Seite da sie zwischen Sonne und Erde hindurchzieht. Auf den Bildern und Filmsequenzen des Sonnensatelliten SOHO ist der Planet im Gesichtsfeld des Koronographen LASCO zu sehen. Durch ihre große ekliptikale Südbreite (zur Konjunktionszeit 6° südlich der Sonne) sehen wir sie erst einige Tage danach mit freiem Auge um den 6.11. am Morgenhimmel auftauchen.

Bereits am 5.11. kommt es zu einer nahen Begegnung zwischen Venus und Mond. Beide zeigen dabei eine schmale Sichel, die im kleinen Fernglas leicht zu erkennen ist: Venus (Durchmesser 60", 2.2% beleuchtet) steht 45' östlich des Monds (23h vor Neumond, 1,1% beleuchtet). Bei Sonnenaufgang stehen beide je nach Beobachtungsort nur ca. 6° über dem Südost-Horizont. Auch am Taghimmel werden Venus und Mond dann, klarer Himmel und geeignetes Instrumentarium vorausgesetzt, beobachtbar sein: sie erreichen ca. 50min vor der Sonne ihren Höchststand (Kulmination).

Täglich verbessert sich die Sichtbarkeit des Planeten, am 13.11. erreicht Venus bereits 1h 32min vor der Sonne ihre Kulmination und steht dann 6° höher als diese und Ende November strahlt sie sehr gut sichtbar am Morgenhimmel. Ihre größte scheinbare Helligkeit erreicht Venus am 2.12. Sie ist dann ein sehr auffallendes Gestirn und bereits bei Dunkelheit in der nautischen Dämmerung fast 20° hoch am südöstlichen Himmel zu sehen.

... und in der Dämmerung im Fernglas

Wolfgang Vollmann & Hans-Georg Purucker

 
 
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Aufruf in Deutsch mit Ephemeriden:
www.dangl.at/2010/2003_uv11/2003_uv11.htm
Aufruf in Englisch:
britastro.org/blog/?p=526
Radarpläne:
echo.jpl.nasa.gov/asteroids/2003UV11/2003UV11_planning.html
 

Bis zu 3" wird er in jeder Zeitsekunde zurücklegen und damit für kurze Zeit zu einem reizvollen Motiv sowohl für visuelle wie auch für Videobeobachter: Der Kleinplanet 2003 UV11 – rund 500m groß – kommt dem Erde-Mond System bei seinem Vorbeiflug am Morgen des 30. Oktober 2010 gegen 6:14 MESZ bis auf knapp 2 Mio. km nahe, also der fünffachen Entfernung Erde-Mond.

Bereits am Abend des 29.10. müsste er seine größte Helligkeit mit 12 ,m0 erreichen. Er steht dann gut beobachtbar ca. 60° hoch im Sternbild Pegasus, durch das er im Laufe der Nacht von Ost nach West wandert. Bald nach dem Vorbeiflug erscheint die Oberfläche des Asteroiden aus Sicht der Erde kaum mehr beleuchtet, womit er schlagartig »unsichtbar« wird. Für Radaranlagen verspricht er, ein starkes Ziel zu werden.

Daniel Fischer

 
 
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Tabelle ähnlicher Objekte:
www.minorplanetcenter.org/iau/lists/Centaurs.html
 

Das Sonnensystem ist schon wieder etwas bunter geworden, mit dem im September entdeckten Himmelskörper 2010 BK118, der keine Kometenaktivität zeigt aber auch in keine der bekannten Asteroidenkategorien passt. Denn während sein Perihel nur 6AE von der Sonne entfernt ist, befindet sich das Aphel in 777AE Abstand, die Umlaufszeit um die Sonne liegt bei rund 4700 Jahren, die Bahnexzentrizität ist mit 0,984 ausgesprochen hoch, und mit einer Bahnneigung von 144° läuft er auch noch »falsch herum« um die Sonne: Ein Experte für das äußere Sonnensystem zeigte sich gegenüber interstellarum ratlos, wo er wohl hergekommen ist. Die Tabelle mehr oder weniger vergleichbarer Objekte enthält zwar ein halbes Dutzend mit noch größeren großen Halbachsen als den 391AE von 2010 BK118, aber sie bleiben alle mindestens doppelt so weit von der Sonne entfernt. Derzeit nähert sich der ursprünglich vom Infrarotsatelliten WISE entdeckte neue Himmelskörper der Sonne und erreicht z.Z. in 7AE Entfernung 19m, bis zum Perihel 2012 sollten es 18m werden.

Daniel Fischer

 
 
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Entdeckungsbericht:
www.bar-jobservatory.com/USco.html
Review von Schaefer:
arxiv.org/abs/1009.3197
Tagebuch des Ausbruchs:
www.aavso.org/long-term-monitoring-recurrent-nova-u-scorpii
 

Noch nie ist der Ausbruch einer Art von Nova derart intensiv in allen Spektralbereichen – und in enger Koordination von Profis und Amateuren – verfolgt worden wie die kurze aber heftige Eruption von U Sco ab dem 28. Januar diesen Jahres: Da diese wiederkehrende Nova alle 10±2 Jahre ausbricht, musste ab 1999 damit gerechnet werden.

Eine erste Auswertung der Kampagne hat jetzt der Koordinator Brad Schaefer vorgelegt, inklusive mancher Anekdote am Rande (so hatte die Entdeckerin des Ausbruchs nur deswegen hingeschaut, weil sie frühmorgens ihr Hund geweckt hatte): Vor allem dank zahlreicher Amateurfotometriker kamen beispielsweise 35000 Helligkeitsmessungen in extrem dichter Folge zustande, die mehrere bei früheren Eruptionen übersehene Effekte wie schnelle Flares am Anfang und später tiefe Minima enthüllten. Und an jedem Tag des Ausbruchs entstand mindestens ein Spektrum (worin sich zum Teil supernovaschnelle Ejektageschwindigkeiten verrieten) – die Auswertung der Datenflut hat gerade erst begonnen.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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Vorschau des JPL:
www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2010-349
Das CN-Ereignis:
epoxi.umd.edu/3gallery/20101021_CN.shtml
Aktuelle Illustrationen:
www.nasa.gov/mission_pages/epoxi/telecon
 
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Lichtkurve des Kometen Hartley 2 durch die MRI-Kamera der anfliegenden Sonde Deep Impact: Während das vom Staub reflektierte Sonnenlicht gleichmäßig anstieg, gab es in der Emission des CN-Radikals im September ein merkwürdiges Maximum, nachdem sie völlig verschwand (der Filter lässt auch etwas Kontinuum durch). Die Unterbrechung der Messungen geht auf Kalibrationsbeobachtungen und eine Bahnkorrektur zurück. [NASA/JPL/UMD]

Die intensive Beobachtung des Kometen 103P/Hartley durch die beiden Kameras auf der Sonde Deep Impact schon während der Anflugphase hat sich ausgezahlt: Im September registrierte das Medium Resolution Instrument (MRI) zwei Wochen lang einen Anstieg der Kometenhelligkeit um bis zu einem Faktor 5 – aber nur im speziellen Licht des CN-Radikals, während die Helligkeit im Staub-Kontinuum keinerlei Reaktion zeigte. Hier gab es nur einen gleichmäßigen langsamen Anstieg zu sehen, der durch die Annäherung Hartleys an die Sonne und den sich verringernden Abstand der Sonde zustande kommt. Ein Ausbruch im klassischen Sinne der Kometenforschung war das Ereignis zwischen dem 9. und 24. September sicher nicht, weil dabei immer auch gehörige Staubmengen freigesetzt werden und der Beginn viel abrupter ist: Vielmehr gilt das Phänomen als ein grundlegend neues, für das es noch keine Erklärung gibt.

Dafür wird nun mit noch größerer Spannung die Besichtigung von Hartleys Kern aus der Nähe erwartet: Die größte Annäherung ist am 4. November um 15:01 MEZ – was sich durch letzte kleine Bahnkorrekturen um höchstens noch eine Minute ändern kann – in 700 km Entfernung. Dieser Abstand ist ein Kompromiss aus dem erwarteten Dichteprofil der Koma, der Geschwindigkeit, mit der sich Deep Impact im Raum drehen kann, um im Vorbeihuschen die Kameras auf den Kern nachzuführen, und dem Wunsch nach möglichst scharfen Bildern. Wie sich der Kern von den anderen vier, von denen es bereits Nahaufnahmen gibt, unterscheiden wird, wagt öffentlich niemand vorauszusagen, aber zumindest sein Verhalten ist ganz anders als das des vor 5 Jahren ebenfalls von Deep Impact besuchten Tempel 1: Obwohl Hartley wesentlich kleiner ist, setzt der Kern trotzdem genau so viel Gas frei und ist damit – bezogen auf die Oberfläche – ein extrem aktiver Komet. Ein bisschen mehr Geduld als damals wird allerdings vonnöten sein, denn eine Liveübertragung der Bilder von der größten Annäherung ist diesmal nicht möglich: Die Geometrie des Vorbeiflugs erzwingt, dass sich Deep Impact bereits 18 Stunden vor der größten Annäherung so dreht, dass seine Hochgewinnantenne nicht mehr auf die Erde zeigen kann. Nur noch über eine Omnidirektionalantenne kann Kontakt gehalten werden, doch für Bilder reicht das nicht. Nur wenige Minuten nach dem Vorbeiflug wird sich die Lage dagegen so weit verbessert haben, dass Deep Impact trotz andauernder Beobachtung des Kometen gegen 15:30 MEZ mit der Bildübertragung beginnen kann: Bis 16:00 oder 16:10 MEZ sollten fünf erste Kostproben vorliegen. Insgesamt sollen in den drei Tagen um die größte Annäherung 5788 Aufnahmen entstehen, von denen ein Großteil am 5. November auch die Erde erreicht haben sollte: Mehr passt sowieso nicht in den bescheidenen Speicher an Bord.

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1010.4312
ESO Pressemitteilung:
www.eso.org/public/germany/news/eso1041/
Das HUDF:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/00/2/102.aw4pm.asp#5
 
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So wurde die Rotverschiebung der Rekord-Galaxie bestimmt: Die eine markierte Zacke des VLT-Spektrums korrespondiert nicht mit einer starken Emissionslinie der Erdatmosphäre (grau darunter gelegt) und ist damit – nach einigen weiteren Tests – mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9% als Lyman-Alpha-Linie mit einer Rotverschiebung von 8,6 identifiziert. [Lehnert et al.]

Für Galaxien lag der Rekord bei 6,96, übertroffen nur von einem Gamma Ray Burst mit etwa 8,2: Zwar gibt es eine Menge Kandidaten für Galaxien mit Rotverschiebungen jenseits von 7, aber dies basierte stets auf Photometrie in nur ein paar Wellenlängen. Eine besonders ergiebige Quelle solcher Sternsysteme mutmaßlich aus der Frühphase des Universums ist das Hubble Ultra Deep Field (HUDF), in dem es vor Galaxien mit photometrischen Rotverschiebungen zwischen 7,0 und 8,5 nur so wimmelt – und einem besonders vielversprechenden Kandidaten hat man kürzlich 15 Stunden Belichtungszeit mit dem Very Large Telescope und dem Spektrografen SINFONIE gewidmet, der manchmal als der zur Zeit leistungsfähigste der Welt gefeiert wird. Das Ergebnis ist der Nachweis einer einsamen Emissionslinie bei 1,16µm, die – im Gegensatz zu vielen anderen Zacken des Spektrums – nicht Emission aus der Erdatmosphäre zugeschrieben werden kann. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass dies die Lyman-Alpha-Linie des Wasserstoffs (mit eigentlich 0,122µm) ist und es sich mithin um eine Galaxie mit einer Rotverschiebung von z=8,5549±0,0002 handelt (und nicht eine andere Spektrallinie und eine viel geringere Rotverschiebung – oder gar einen Stern in der Milchstraße).

Eine erfreuliche Bestätigung für die photometrische Methode, die z=8,45 (mit großem Fehlerbalken) als wahrscheinlichsten Wert für diese Galaxie geliefert hatte. Viel über ihre Eigenschaften – zu einem Zeitpunkt knapp 600 Mio. Jahre nach dem Urknall; ihr Licht war 13,1 Mrd. Jahre unterwegs – verrät die eine Spektrallinie nicht, außer dass es sich um eine recht gewöhnliche Galaxie handelt, wie man sie zuhauf mit Rotverschiebungen von 7 bis 5 (d.h. 180 bis 600 Mio. Jahre später) kennt. Solche Galaxien haben ähnliche Sternbildungsraten wie die 100- bis 1000-mal ältere Milchstraße heute, sind aber 1000- bis 10000-mal masseärmer. Aus der Stärke der Lyman-Alpha-Linie kann man ferner schließen, dass die UV-Emission dieser Galaxie allein nicht ausgereicht haben wird, um für so viel Reionisation des damals noch etwa zur Hälfte neutralen intergalaktischen Wasserstoffs gesorgt zu haben, dass wir sie überhaupt heute sehen können. Vermutlich gibt es in ihrer Umgebung noch mehrere weitere Galaxien unter der Nachweisgrenze des HUDF, die zusammen eine ausreichend transparente Blase geschaffen haben. Dem James Webb Space Telescope wird in einigen Jahren die Spektroskopie von Galaxien mit Rotverschiebungen zwischen 8 und 9 ein Leichtes sein, vor allem dank des Fehlens der lästigen atmosphärischen Linien – aber der VLT-Erfolg hat gezeigt, dass es auch mit heutiger Technik schon klappen kann. Allerdings war auch Glück im Spiel: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei rund 50%, dass die Lyman-Alpha-Linie zufällig so nahe an einer atmosphärischen Linie liegt, dass keinerlei Aussagen möglich wären…

Daniel Fischer

 
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Rosetta-Analyse:
arxiv.org/abs/1010.2883
Hubble-Analyse:
arxiv.org/abs/1010.2575
Morenos Analyse:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/10/6/116.xn6xl.asp#4
 

Erst hielt man ihn für einen Kometen, schließlich zeigten die ersten Bilder ein kompaktes Objekt mit langem Schweif in unmittelbarer Nähe, dann für das Produkt der Kollision zweier Asteroiden, weil keine neue Aktivität zu erkennen war – und dann schien eine aufwändige Simulationsrechnung bewiesen zu haben, dass es sich bei P/2010 A2 doch um einen Kometen handeln musste, da sich die Staubfreisetzung über viele Monate erstreckt haben müsse. Jetzt sind zwei – jeweils viel knapper gehaltene – Arbeiten erschienen, die sich wiederum für die Kollisionshypothese aussprechen, während der Autor der Staubsimulation, Fernando Moreno, derzeit gar keine eindeutige Interpretation des kuriosen Objekts mehr sieht. Die eine neue Analyse basiert auf einer spektakulären Bilderserie des Hubble Space Telescope, die die – verblüffend langsame – Entwicklung des Staubstreifens in hoher Schärfe dokumentiert, die andere auf einer undeutlichen aber dafür womöglich entscheidenden Aufnahme des Staubstreifens von der Kamera OSIRIS der Raumsonde Rosetta. Diese hatte eine deutlich andere Perspektive als sowohl erdgebundene Teleskope als auch Hubble, aus der sich der zeitliche Aspekt der Staubfreisetzung – Stichwort: Synchronen – im Prinzip viel deutlicher ablesen lässt. Die Hubble- wie die Rosetta-Analyse sprechen unabhängig für eine schlagartige Freisetzung allen Staubes Anfang 2009, fast ein Jahr vor der Entdeckung des Phänomens. Aber sie überzeugen Moreno noch nicht, der nun vor allem das Rosetta-Bild mit seiner Serie von La Palma kombinieren will, um den zeitlichen Verlauf der Staubproduktion erneut mit seinem aufwändigeren Simulationsverfahren anzugehen.

Selbst wenn es tatsächlich ein punktuelles Ereignis gewesen sein sollte, dann wäre dies immer noch schwerlich mit einer Kollision zweier Asteroiden zu vereinbaren, so Moreno gegenüber interstellarum: Der Staub wäre energischer auseinander gespritzt. Das Problem sehen auch die Anhänger der Kollisionshypothese, die sich auch einen späteren Zerfall anfangs größerer Staubteilchen vorstellen können. Oder auch, dass ein Asteroid durch Effekte der Sonnenbestrahlung in immer schnellere Rotation geriet und schließlich aufbrach. 2011 soll Hubble P/2010 A2 noch einmal ins Visier nehmen.

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1010.3608
Pressemitteilung des McDonald Observatory:
mcdonaldobservatory.org/news/releases/2010/1021.html
Das MONET-Teleskop:
www.oculum.de/newsletter/astro/000/70/9/79.ih5od.htm#11
 

NN Serpentis ist ein enger Doppelstern aus einem M-Zwerg mit 1/10 Sonnenmasse und einem Weißen Zwerg, der früher mal ein A-Stern mit zwei Sonnenmassen war: Alle 3h 7min wird er kurz vom M-Stern bedeckt. Aber die Periode ist nicht exakt: Es verrät sich die Schwerkraft zweier Planeten, die um beide kreisen, vermutlich mit 7 und 2 Jupitermassen (Minimum) und 15,7 bzw. 7,7 Jahren Umlaufszeit (eine 2:1-Bahnresonanz; 5:2 ist allerdings auch möglich). Diese Planeten könnten die Verwandlung des A-Sterns in den Weißen Zwerg nur unter speziellen Umständen überlebt haben: Wahrscheinlicher ist wohl, dass sie erst danach aus dem vielen Gas entstanden, die der angeschwollene A-Stern dabei in den Raum verloren hat, und mithin keine Jahrmillion alt sind. Auf jeden Fall ein außergewöhnliches Planetensystem, an dem sich noch manche Theorie beweisen muss. Viele der Zeitmessungen der Verfinsterungen erfolgten übrigens mit dem MONET-Teleskop in Texas, das auch deutschen Schülern zur Verfügung steht und in Sachen NN Ser vor allem von ortsansässigen Studienanfängern gesteuert wurde.

Daniel Fischer

 
 
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Die revidierte Arbeit:
arxiv.org/abs/1004.0317
Neue Gemini Pressemitteilung:
www.gemini.edu/node/11528
Ursprünglicher Bericht:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/00/9/109.cd4ar.asp#8
 

UGPS J0722-05 heißt ein Brauner Zwerg, der im Frühjahr für Aufsehen sorgte: Nur knapp 10Lj schien er entfernt zu sein und damit einer der zehn sonnennächsten bekannten Himmelskörper. Die damals benutzte Parallaxenmessung hat sich indes als fehlerhaft erwiesen: Mit 13±2 Lichtjahren ist er spürbar weiter entfernt – was aber seinen extremen berechneten Eigenschaften kaum einen Abbruch tut. Mit einer Oberflächentemperatur von nur 250±40°C bleibt er der kühlste bekannte Braune Zwerg, er ist weiterhin der sonnennächste isolierte Vertreter dieser Quasi-Sterne (und mit 5 bis 15 Jupitermassen beinahe ein »freier Planet«), und seine Leuchkraft liegt nur bei einem Millionstel der der Sonne. Auch der Verdacht bleibt bestehen, dass er in keine bekannte Spektralklasse passt und vielleicht der Erste der »Klasse Y« ist. Die Panne mit der Parallaxe hat ihn allerdings um die Ehre einer Erstveröffentlichung in der prestigeträchtigen Zeitschrift Nature gebracht…

Daniel Fischer

 
 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1009.5399
 

Er hat einen Planeten mit mindestens 2 Jupitermassen in einer Astronomischen Einheit Abstand, ist vermutlich aus dem Sternhaufen der Hyaden entlaufen und bis an den Südhimmel gewandert – und hat den schnellsten bekannten Aktivitätszyklus eines sonnenähnlichen Sterns: Alle 1,6 Jahre folgen die Maxima aufeinander. Erkennbar ist dies durch Helligkeitsschwankungen seiner Kalzium-Emission, die seit 2007 bei 57 Sternen des Südhimmels intensiv überwacht wird, den vielversprechendsten Kandidaten eines viel größeren Programms dieser Art aus den 1990-er Jahren. Solch rasante Aktivitätszyklen stellen Modelle von Dynamos im Inneren von Sternen – und damit auch der Sonne – auf die Probe: Der Satellit CoRoT könnte allein durch Sternfotometrie bereits zuvor einen Stern mit einem nur 137-tägigen Zyklus gefunden haben (der noch nicht recht bestätigt ist), und der Satellit Kepler müsste, wenn so etwas häufig ist, auf eine Menge Fälle stoßen.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 29.10.–12.11.2010

29.10.–12.11. 7. Fachtagung Geschichte der Astronomie, Hamburg Wolfgang Steinicke, Gottenheimerstr. 18, 79224 Umkirch, 07665/51863, steinicke-zehnle@t-online.de, geschichte.fg-vds.de
 
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Neue Orion Gitterrohr-GoTo-Dobsons:
www.telescope.com/control/truss-tube-dobsonian-telescopes
8"-12" GoTo-Dobsons:
www.oculum.de/newsletter/astro/100/10/0/110.nu0ds.asp#12
 
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Auch die größeren Orion SkyQuest-Dobsons mit Gittertubus werden jetzt mit GoTo-Funktion und motorischer Nachführung angeboten.

Nachdem die Firma »Orion Telecopes & Binoculars« ihre Volltubus-Modelle der SkyQuest Dobson-Serie mit 8", 10" und 12" Öffnung mit einem motorgetriebenen GoTo-System ausgerüstet hat, werden nun auch die 12" und 14" Gittertubus-Modelle mit dem entsprechenden System nachgerüstet. Auch hier ist die Rockerbox der Teleskope mit Antriebsmotoren, Getrieben und optischen Encodern ausgestattet. Der Teleskoptubus wird laut Hersteller am Lagerzapfen der Höhenachse in eine Schwalbenschwanzaufnahme eingesetzt und gesichert. Nach präzisem Abgleichen der Positionierung an zwei Sternen mit Hilfe eines fadenkreuzbeleuchteten Plössl-Okulars (12,5mm), kann die Montierung am Handkontroller frei wählbare Koordinaten oder eines der 42900 gespeicherten Objekte anfahren und dann auch automatisch nachführen. Dennoch soll die Montierung die Dobson-typische Bewegung des Teleskops per Hand ermöglichen, ohne dabei die aktuelle Positionierung am Himmel zu verlieren. Die Teleskope sind mit 2"-Crayford-Okularauszügen mit 11:1-Untersetzung und 1¼"-Adapter ausgestattet. Die Hauptspiegel weisen eine Al-Beschichtung mit 94% Reflexionsvermögen auf und sind mittenmarkiert.

Ein Lüfter an der Spiegelzelle soll die Auskühlzeit des Hauptspiegels möglichst reduzieren. Die 12V-Stromversorgung erfolgt über ein im Lieferumfang enthaltenes Kabel am Kfz-Zigarettenanschluss. Zum Lieferumfang gehören weiterhin ein 2"-Wide-Field-Okular mit 35mm Brennweite, eine Kollimationshülse, ein Leuchtpunktsucher, sowie Halterungen für Okulare und die Handsteuerung an der Rockerbox. Weiterhin sind die Planetariumssoftware »Starry Night« und ein Anschlusskabel für die RS-232-Schnittstelle enthalten. Als optionales Zubehör sind Transporttaschen für die Tubussegmente und eine Lichtschutzhülle für den Gittertubus erhältlich. Die Preise in USA betragen 1900$ bzw. 2400$ (auf ganze Beträge gerundet), Preise für den europäischen Markt waren bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

Frank Gasparini

 
 
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Astromann-Homepage:
www.astromann.de
 
Die Astromann Kuppelsternwarte ist vollständig in Metallbauweise konstruiert.

Die Firma Astromann aus Nidderau bietet die Planung und den Bau von Sternwarten basierend auf einer 2,2m-Kuppel an. Die Sternwarte ist modular aufgebaut und kann als alleinige Kuppel auf einen vorhandenen Unterbau montiert werden oder auch mit einem zylindrischen Unterbau geliefert werden. Die Kuppel ist vollständig in Metallbauweise als Alu-Vierkantrohr Unterkonstruktion realisiert, auf die der Kuppelmantel aus Aluminiumblech aufgenietet wird. Laut Hersteller werden die Einzelelemente an den Stoßkanten mit dauerelastischer Dichtmasse abgedichtet und mit Sichtblenden verkleidet, so dass ein stabiler und gleichzeitig dichter Verbund der Kuppelaußenhaut sichergestellt ist. Die Höhe der Kuppel beträgt 1,3m bei 2,2m Innendurchmesser. Die 75cm breite Kuppelöffnung wird über eine Horizontalklappe und ein Schiebetor freigegeben, das deutlich über den Zenit hinweg geschoben wird. Eine senkrechte Beobachtung aus der Mitte der Sternwarte soll damit sicher gestellt sein. Die Bewegung der ca. 80kg schweren Kuppel und der Kuppelöffnung erfolgt in der Grundversion von Hand, wobei alle beweglichen Teile durch Griffschutzbleche verkleidet sind, um Verletzungen vorzubeugen. Die Kuppel kann aber voll motorisiert werden, bis hin zur GoTo-Funktion bzw. Überwachung durch Regen- und Sturmsensoren mit automatischer Notschließung und Verankerung.

Zur Aufnahme der Kuppel bietet der Hersteller einen zylindrischen Unterbau an, der ebenfalls aus einer Alu-Vierkantrohr-Unterkonstruktion mit Aluminiumblechverkleidung besteht und einen entsprechenden Rollenlaufring beinhaltet. Zum Begehen der Sternwarte ist darin eine 1,25m hohe und 70cm breite Eingangstür mit Sicherheitsschloss eingebaut. Bei Montage auf eigenen Unterbauten oder Einbauten in Dächer, Flachbungalows oder Flachdachgaragen bietet der Hersteller passende Laufringe und Adapter an. Zur Verhinderung von Schwitzwasserbildung steht als Zubehör eine Innenverkleidung aus tiefschwarzem Industriefilz zur Verfügung, ebenso ist eine aktive Belüftung der Sternwarte möglich. Die Sternwarte kann in Aluminium blank oder gegen Aufpreis auch in RAL-Farben lackiert geliefert werden. Der Grundpreis der Kuppel ohne Lackierung und ohne Innenverkleidung beträgt 5900€, für den Unterbau 2950€. Zur Ergänzung der Sternwarte bietet die Firma Astromann auch Säulen in den Längen 800mm und 1200mm an. Die Säulen können in den Qualitäten Stahl pulverbeschichtet, Edelstahl V2A bzw. Edelstahl V4A geliefert werden. Die Preise betragen 729-1597€. Säulenadapter für die gängigsten Montierungen stehen zur Verfügung.

Frank Gasparini

 
 
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Deutsche Gesellschaft für Schulastronomie e.V.:
www.astronomieunterricht.de
 

Die Deutsche Gesellschaft für Schulastronomie e.V. lädt am 27.11.2010 in der Starkenburg-Sternwarte im südhessischen Heppenheim zu einer bundesweiten Lehrerfortbildung mit dem Themenschwerpunkt »Das Sonnensystem im Unterricht« ein. Die Fortbildung wendet sich an Lehrerinnen und Lehrer der Primarstufe und Sekundarstufe I mit den Fächern Sachkunde, Erdkunde, Naturwissenschaftlicher Unterricht, Physik und Astronomie. Inhaltlich werden didaktische und methodische Grundlagen zum Sonnensystem als Unterrichtsgegenstand vermittelt. Die theoretischen Grundlagen sollen durch konkrete Unterrichtsbeispiele, Tipps und Materialien zur Unterrichtsvorbereitung ergänzt werden, wobei sich die Veranstaltung in einen Einführungsvortrag sowie zwei Workshops gliedert. Die offizielle Veranstaltung findet von 14:00 bis 18:00 Uhr statt. Am Abend sind bei geeignetem Wetter auch Beobachtungen des Nachthimmels möglich, bei schlechtem Wetter werden alternativ auch Kurzvorträge gehalten.

Frank Gasparini

 
 
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Fachtagung Geschichte der Astronomie:
geschichte.fg-vds.de/treffen/tagung2010.htm
 

Am 30.10.2010 findet in Hamburg am Klima Campus die 7. VdS-Fachtagung »Geschichte der Astronomie« statt. Bereits am Freitag 29.10. startet um 17:00 Uhr das Rahmenprogramm mit einem Stadtrundgang zur Geschichte der Astronomie in Hamburg. Am Samstag finden die Vorträge zur Geschichte der Astronomie in und um Hamburg statt, wobei auch Aspekte der Amateur-Astronomie nicht zu kurz kommen. Mit einer Besichtigung der Sternwarte Hamburg-Bergedorf klingt die Veranstaltung am Sonntag 31.10.2010 aus. Eine Anmeldung ist für die Teilnahme erforderlich.

Frank Gasparini

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 29.10.–12.11.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
31.10. 0:15 MESZ Phoenix Wettlauf zum Mond (1): Der Aufbruch ins All 45min
1:00 MESZ Phoenix Wettlauf zum Mond (1): Der Aufbruch ins All 45min
1:45 MESZ Phoenix Wettlauf zum Mond (3): Der erste Mensch im All 45min
2:30 MESZ Phoenix Wettlauf zum Mond (4): Die Apollo-Mission 45min
21:40 MEZ ZDF neo Reise zum Mars (5): Stress im Modul 30min 1.11.: 3:50
22:10 MEZ ZDF neo Reise zum Mars (6): Die unmögliche Mission 30min 1.11.: 4:20
1.11. 1:40 MEZ ZDF Leschs Kosmos: Ufos im Blick 15min 1.11.: ZDF, 5:15
5.11.: ZDF neo, 1:00
3.11. 19:45 MEZ ARD Wissen vor 8: Auf dem Mond gibt es viele Krater – warum nicht auf der Erde 3min
22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Was war vor dem Big Bang? 15min 4.11.: 1:45, 8:15
4.11. 6:30 MEZ Phoenix ZDF History: Katastrophen der Raumfahrt 45min
7.11. 0:15 MEZ Phoenix Entscheidung Längengrad 45min
8.11. 1:40 MEZ ZDF Leschs Kosmos: Energie: Leben von den Ungleichgewichten? 15min 12.11.: ZDF neo, 1:30
10.11. 22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Wo war der Big Bang? 15min 11.11.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Teleskop-Vergleichsportal:
www.fernrohrfinder.de
So funktioniert fernrohrfinder.de:
www.fernrohrfinder.de/guide.html
Login beantragen:
www.fernrohrfinder.de/login.html
 

Viele von Ihnen haben sich bereits ein Login für unser neues Portal geholt, nur Wenige haben diesen Vorteil aber auch genutzt. Trauen Sie sich – berichten Sie anderen Astronomiebegeisterten über Ihre Erfahrungen ruhig auch in Kurzform.

Wir konnten fernrohrfinder.de auch durch Hinweise von Sternfreunden für alle erdenklichen Computersysteme noch kompatibler machen, ältere Macintosh-Systeme z.B. bekommen nun korrekte Links angezeigt.

 
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.