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Merkur. Helligkeit -1 ,m77, Durchmesser 5,17" (2.7.2016 9:10 MESZ)
Venus. Helligkeit -3 ,m91, Durchmesser 9,72" (2.7.2016 9:10 MESZ)
Mars. Helligkeit -1 ,m38, Durchmesser 16,19" (2.7.2016 9:10 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 115 vom 23.7.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
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AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 23.7.–6.8.2010

26.7. 03:36:37 MESZ Vollmond
31.7. 08:36:00 MESZ Mars bei Saturn, Mars 1° 46' südlich
3.8. 06:58:42 MESZ Mond Letztes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 

Selten wurde eine Sternbedeckung durch einen Kleinplaneten in Europa so intensiv beobachtet wie das Zusammentreffen von (472) Roma mit dem 2m-Stern Yed Prior (δ Oph) in der Nacht vom 8. zum 9. Juli, selten war das Wetter vielerorts so gut – und selten gingen so viele Veteranen derartiger Beobachtungen trotzdem leer aus. Gegenüber den letzten publizierten Berechnungen, die von der Astrometrie des Hipparcos-Satelliten dominiert waren, lag der Streifen, in dem die Bedeckung tatsächlich zu sehen war, um gut eine Pfadbreite weiter westlich – ziemlich genau dort übrigens, wo er aufgrund des Fundamentalkatalogs 6 des Astronomischen Recheninstituts von vor 10 Jahren zu erwarten gewesen wäre. Stimmt etwas mit den Hipparcos-Eigenbewegungen nicht? Liegt das Problem in der großen Helligkeit des Sterns? Oder war die Bahn von Roma fehlerhaft? All das wird noch Gegenstand großer Debatten sein, noch mehr aber, wie man die trotz des Malheurs in großer Zahl zusammen gekommenen Lichtkurven der Bedeckung auswerten soll.

Gut 100 Fehlschlägen stehen nämlich mindestens 40 erfolgreiche Beobachtungen gegenüber (von denen die Abbildung allerdings nur die zuverlässigeren zeigt): Visuelle sind ebenso dabei wie Videoclips und daraus gewonnene rauscharme Lichtkurven. Weil der Stern einen außergewöhnlich großen Winkeldurchmesser hat, sah so mancher Beobachter nur eine partielle Bedeckung durch den Kleinplaneten, und der Stern blieb geschwächt sichtbar. Immer wieder wird auch berichtet, dass der Eintritt viel länger dauerte als der Austritt: Hier verrät sich klar die elliptische Form des Kleinplaneten, die bereits von Sternbedeckungen her bekannt war; eine Achse ist um die Hälfte länger als die andere. Die Fülle der Daten muss nun in ungewohnter und komplexer Weise analysiert werden, um – wahrscheinlich iterativ – gleichzeitig die Helligkeitsverteilung (Randverdunklung) auf dem Stern und die Gestalt des Kleinplaneten ableiten zu können: Auf der nächsten Tagung zu Sternbedeckungen im August in York wird es dazu gewiss Workshops geben.

Daniel Fischer

 
 
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Zahlreiche Bilder und Berichte:
www.sofi2010.de/berichte.htm
Zusammenfassung Ort für Ort:
www.eclipse-chasers.com/tse2010.html
Bilder von »The World At Night«:
www.twanight.org/newTWAN/ news.asp?newsID=6055
 

Abgesehen von einer antarktischen (2003) und einer pazifischen ohne jede Landberührung (2005) war keine totale Sonnenfinsternis dieses Jahrzehnts so schwer zu erreichen gewesen wie die vom 11. Juli 2010 – und die wenigen Optionen hatten den beiden anderen geähnelt: Gewählt werden musste zwischen isolierten südpolynesischen Inseln, Schiffen oder der eisigen Südspitze Südamerikas.

Auf praktisch jedem Stück festen Landes, das der Kernschatten des Mondes treffen sollte, auf zwei Kreuzfahrtschiffen, in einem Flugzeug, das dem Schatten über den Pazifik folgte (und so 9min 23s Totalität »erzeugte«), und im Süden von Chile und Argentinien waren Beobachter zusammen gekommen, und die meisten konnten am Ende von Erfolgen berichten. In den Tropen Polynesiens ist die Wetterlage im Juli durchweg instabil, Wolken türmen sich gerade über den Inseln auf, und oft machten wenige Kilometer den Unterschied, ob die Totalität – dann über spektakulärer Strand- und Palmenkulisse – gesehen werden konnte. Auch mit den beiden Schiffen gelang es nur mit Mühe, unter ein Stück klaren Himmels zu navigieren. Weiter östlich auf der Osterinsel war es am Finsternistag zwar durchweg klar, aber den gesamten Vortag hatte es so anhaltend geregnet, dass viele schon jeder Mut verlassen hatte.

Am großen Tag gelang es aber so manchem Fotografen, die finstere Sonne über Moai-Figuren zu platzieren – während auf einem wunderlichen Musikfestival mindestens einer dem Vernehmen nach die Finsternis einfach verschlief. Dann erreichte der Kernschatten das südamerikanische Festland: Auf der kaum zugänglichen chilenischen Seite der südlichen Anden erlaubte die Witterung nur wenige Beobachtungen, doch auf der argentinischen herrschten Traumbedingungen, wie sie nach Aussagen Einheimischer nur wenige Male im Jahr vorkommen. Problematisch war da eher das Anden-Panorama am Horizont, denn die Sonne stand zur Totalität nur noch 1,5° hoch: Wer sicher gehen wollte, suchte erhöhte Plätze auf. Dort entfaltete sich dann ein Spektakel, das allenfalls mit dem antarktischen zu vergleichen war, bei dem die Sonne ebenfalls nur knapp über dem Horizont gestanden hatte: Weit plastischer als bei hochstehenden Finsternissen stach der Schattenkegel des Mondes als dreidimensionaler Finger durch die Atmosphäre. Die Gestalt der Korona – die weitgehend der Prognose entsprach – und die Chromosphäre waren trotz gewisser Rötung kaum schlechter zu erkennen als in viel größerer Höhe: Das war wohl die größte Überraschung dieser ausnehmend aufregenden Finsternis.

Daniel Fischer

 
 
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Webseite von Sebastian Otero:
varsao.com.ar/delta_Sco.htm
Amateure beobachten das Spektrum von Delta Sco:
www.astrospectroscopy.de
BAV:
www.bav-astro.de
 
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In Mitteleuropa ist δ Sco, der mittlere Stern im Kopf des Skorpions, selbst um die Kulminationszeit weniger als 20° hoch. Bei klarem Himmel kann &delta Sco mit &beta Sco (2 ,m50) und α Sco (0 ,m96, etwas veränderlich) verglichen werden.
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Lichtkurve von δ Sco seit Ende 2009, erstellt von Sebastian Otero

Bei δ Sco wurde im Jahr 2000 von Sebastian Otero, einem argentinischen Amateur- astronomen, mit freiem Auge der erste Helligkeitsausbruch entdeckt. Der Stern zeigt das »Be-Phänomen«: der Stern vom Spektraltyp B0 (heiß und leuchtkräftig) rotiert sehr rasch und stößt eine Gashülle in der Äquatorebene aus, die zu unregelmäßigen Helligkeitsänderungen führt. Der Zusatz »e« weist auf die Emissionslinien im Spektrum hin. Auslöser für den Gasverlust dürfte ein Begleitstern auf sehr exzentrischer Bahn sein, der im Jahr 2000 und wieder 2010/2011 das Periastron nahe dem Hauptstern erreicht.

In den letzten 10 Jahren schwankte die Helligkeit von δ Sco zwischen 1 ,m6 und 2 ,m3 (der Normalhelligkeit). Seit Ende 2009 ist wieder ein Ansteigen der Helligkeit zu beobachten. Otero und weitere Beobachter konnten im Juli 2010 bereits eine Helligkeit von 1 ,m75 ermitteln.

Weitere Beobachtungen der Helligkeit sind sehr erwünscht und können an die BAV gesandt werden. Zusammen mit spektroskopischen Beobachtungen tragen sie zur weiteren Klärung des Be-Phänomens von δ Sco bei.

 

Wolfgang Vollmann

 
 
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Bilder vom Observatoire Chante-Perdrix – Dauban:
astrosurf.com/obsdauban/pages/ 10P.html
Liste aller Dust Trails:
www.astro.umd.edu/~msk/ projects/trails
 

Dust trails – ein deutscher Begriff hat sich nie eingebürgert – sind mindestens 0,1mm große Teilchen, die einem Kometen in seiner Bahn folgen: Tritt die Erde hindurch, gibt es einen Meteorschauer. Mit Infrarotteleskopen im Weltraum sind zahlreiche Dusttrails auch schon direkt beobachtet worden, aber jetzt bietet sich die Chance, den Trail von 10P/Tempel sogar mit Amateurmitteln von der Erde aus nachzuweisen, die gerade durch die Bahnebene dieses Kometen tritt. Mitte Juli ist das zum ersten Mal gelungen, und ein Beobachter konnte den Trail gar 10° lang am Himmel verfolgen.

Daniel Fischer

 

Anscheinend nimmt die Sonne endlich Anlauf in Richtung einer etwas höheren Aktivität: Derzeit befindet sich mit der Aktiven Region 11089 eine der flächenmäßig größten Sonnenfleckengruppen seit dem Minimum im Dezember 2008 auf ihrer Oberfläche. Seit ihrem erstmaligen Erscheinen am Ostrand am 19. Juli, als nur der vordere Teil dicht am Sonnenrand als einpolige J-Gruppe zu sehen war, hat sie bereits mehrere Flares hervorgebracht und zu einer Erhöhung des solaren Radioflusses beigetragen. Das verspricht Potenzial für die kommenden Tage, sowohl im Weißlicht als auch bei Hα.

Manfred Holl

 
 
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BBC-Artikel:
www.bbc.co.uk/news/science-environment-10666764
 

Geophysiker kennen schon lange eine Welle, die alle 5 Tage in der Hochatmosphäre der Erde um den Globus läuft – genau dort, wo im Sommer die Leuchtenden Nachtwolken entstehen. Oder auch nicht: Zumindest in Deutschland war die »Saison« 2010 bislang recht bescheiden. Im Rahmen eines Projekts der »Bürgerforschung« wird derzeit in England – wo das Phänomen leichter als hierzulande zu sehen ist – systematisch erforscht, ob es eine identische Periodizität auch bei den Nachtwolken gibt: Gemäß der mesosphärischen Abkühlungswelle hätten sie in der Nacht des 19. Juli besonders stark auftreten sollen, und dann entsprechend wieder am 24. und 29. Juli.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1007.3284
Pressemitteilung der ESO
www.eso.org/public/germany/ news/eso1030
 

150 Sonnenmassen, mehr geht nicht: Eine solche Massenobergrenze für Sterne im heutigen Kosmos findet sich immer wieder in der aktuellen Literatur – ohne dass es dafür allerdings einen triftigen physikalischen Grund gäbe. Und nun sind tatsächlich »gewichtige« Argumente dafür aufgetaucht, dass Sterne auch heute noch zuweilen mit der doppelten Masse entstehen können: Sie basieren auf Archivspektren vom Hubble Space Telescope und dem Very Large Telescope, neuer Fotometrie mit Adaptiver Optik und vor allem Modellrechnungen zur Entwicklung extrem massereicher Sterne.

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Zoom auf einen Stern mit geschätzten 265 Sonnenmassen, der im Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke residiert: links ein Ausschnitt aus einer VLT-Aufnahme, in der Mitte ein anderes VLT-Bild mit Adaptiver Optik MAD und rechts wiederum ein Ausschnitt daraus, der den kompakten Sternhaufen R136 zeigt. Der Stern genau in der Mitte ist R136a1, nach neuen Analysen ein Einzelstern mit einer Geburtsmasse von 320 Sonnen, wovon allerdings nach etwas über einer Million Jahren ein Fünftel als Sternwind verloren ging. [ESO/P. Crowther/C.J. Evans]

Sie widersprechen zumindest in den Fällen, wo es zusätzliche Informationen gibt, direkteren Massenbestimmungen nicht. An der Spitze der Tabelle der mutmaßlich massereichsten Sterne von Milchstraße und Magellanschen Wolken steht nun der Stern R136a1 im Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke: Er wurde mit 320 Sonnenmassen geboren, hat allerdings in den 1,5 Mio. Jahren seither über seinen starken Sternwind rund 50 Sonnenmassen eingebüßt und liegt jetzt bei 265 Sonnenmassen. Mit 10 Mio. Sonnenleuchtkräften ist es auch der leuchtkräftigste bekannte Stern, der ganz allein für 7% der gesamten Ionisationsleistung in der 30-Dor-Region sorgt.

Sein Nachbar R136a2 liegt mit einer berechneten Geburtsmasse von 240 Sonnenmassen gleichfalls deutlich über dem vermeintlichen Limit von 150 Sonnenmassen, was mehr oder weniger deutlich noch für ein knappes Dutzend weiterer Sterne in diesem Haufen sowie NGC 3603 und dem Arches-Cluster in der Milchstraße gilt. In den meisten Fällen kann auch ausgeschlossen werden, dass es sich in Wirklichkeit um Doppelsterne handelt, die die hohe Leuchtkraft und damit Masse eines Einzelsterns nur vortäuschen: Die beiden Partner müssten in diesem Fall immer noch ziemlich massereich sein und starke Sternwinde abgeben – die dann kollidieren müssten, was starke Röntgenstrahlung erzeugt, die aber nicht nachgewiesen wird. Auch gibt es einen empirischen Zusammenhang zwischen den Massen von jungen Sternhaufen und der größten Masse eines Einzelsterns darin: Danach wären vereinzelte Sterne bis ca. 300 Sonnenmassen »erlaubt«, was nun vielleicht tatsächlich eine echte Obergrenze markiert. Da solche Sterne zugleich absolut am hellsten sind, gilt es als unwahrscheinlich, dass der Rekord von R136a1 in unserer Nachbarschaft noch gebrochen werden kann: Jeder andere Stern mit solch einer Masse wäre bereits aufgefallen.

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1002.4991
Keck-Pressemitteilung:
keckobservatory.org/index.php/ news/reverse_cosmic_lens_ advances_quasar_studies
 

Seit über 30 Jahren schon kennt man kosmische Arrangements, bei denen eine moderat weit entfernte Galaxie durch die lichtablenkende Wirkung ihrer Schwerkraft einen dahinter stehenden Quasar in mehrere Bilder aufspaltet: Etwa 100 solcher Fälle sind schon bekannt. Die große Helligkeit von Quasaren – besonders aktiven Kernen von Galaxien, deren Glanz die restliche Galaxie weitgehend überstrahlt – hilft bei der Entdeckung: Stets waren es kuriose Muster »mehrerer« Quasare dicht nebeneinander am Himmel, die sich als Linsenbild entpuppten. Den umgekehrten Fall kann man nur sehr viel schwerer entdecken, überstrahlt doch der Quasar im Vordergrund die Bilder vom ihm »gelinster« Hintergrundgalaxien erheblich. Trotzdem hat ein spezielles Suchprogramm nun den ersten Erfolg zu vermelden: Hier wurde gar nicht nach Bildern sondern nach Emissionslinien in den Spektren von Quasaren gesucht, die dort nicht hingehören und durch Rotverschiebungen größer als der des Quasars auffallen.

Datengrundlage war wieder einmal die Sloan Digital Sky Survey, deren 7. Datenveröffentlichung Spektren von 22298 Quasaren mit Rotverschiebungen bis z=0,7 (was einer Lichtlaufzeit von 6 Mrd. Jahren entspricht) enthält. Zehnmal gab es dabei jeweils drei »unpassende« Spektrallinien, in vier weiteren Fällen sogar vier – und einer der letzteren ist nun im Detail untersucht worden. Mittels Adaptiver Optik an einem der Keck-Teleskope auf Hawaii konnten tatsächlich zwei schwache Objekte in unmittelbarer Nähe des Quasars nachgewiesen und auch spektroskopiert werden: Sie haben beide z=0,64, während der Quasar nur z=0,12 (Lichtzeit 1,5 Mrd. Jahre, d.h. ca. ¼ des Abstands) hat. Problemlos lassen sich beide als Bilder derselben Hintergrundgalaxie interpretieren, wenn man eine simple Massenverteilung der – völlig überstrahlten – Heimatgalaxie des Vordergrundquasars annimmt. Und um die geht es in erster Linie bei diesen Forschungen: Durch ihre Linsenwirkung auf ferne Galaxien lässt sich mehr über das Wesen dieser »Quasar Hosts« in Erfahrung bringen als durch eine direkte Beobachtung.

Daniel Fischer

 
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JPL-Mitteilung:
www.jpl.nasa.gov/news/ news.cfm?release=2010-238
 

Am 17. Juli hat der Wide-field Infrared Survey Explorer der NASA seine erste Durchmusterung des kompletten Himmels in vier IR-Farben – und auf rund 1,3 Millionen Einzelbildern – abgeschlossen und sofort eine zweite begonnen. Bislang verläuft die Mission ohne jedes Problem, das Wasserstoff-Kühlmittel wird jedoch irgendwann zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember verbraucht sein: Im letzteren Falle könnte die zweite Durchmusterung noch einmal fast den gesamten Himmel erfassen. Kommenden Mai gibt es jedenfalls Bilder von 80% des Himmels für alle Astronomen; allein 100000 Asteroiden – darunter 95 neu entdeckte erdnahe und über ein Dutzend neue Kometen – sind darin bereits lokalisiert worden.

Daniel Fischer

 
 
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Illustrationen:
www.astro.uni-jena.de/wasp-3
Originalarbeit:
arxiv.org/abs/1006.1348
Pressemitteilung der Uni Jena:
www.uni-jena.de/Mitteilungen/ PM100708_Exoplanet.html
 

Das Prinzip ist denkbar einfach und wird schon lange verfolgt, aber erst jetzt gibt es den ersten Fall, bei dem eine »Transit Timing Variation« (TTV) bei einem Exoplaneten die Anwesenheit eines weiteren Himmelskörpers im System verraten hat. Der schon länger bekannte Planet des Sterns WASP-3 zieht in nicht völlig gleichmäßigem Rhythmus vor dessen Scheibchen her – und die Abweichungen sind perfekt zu erklären, wenn es da noch einen Planeten mit nahezu der doppelten Umlaufszeit gibt, der die Bahn des ersten stört. WASP-3c hat nur 15 Erdmassen und doch einen messbaren Effekt: Bei günstigen Bahnverhältnissen müssten sich per TTV noch viel kleinere Exoplaneten entdecken lassen. Auch interessant: Die genauen Zeitnahmen der Transits von WASP-3b erfolgten mit kleinen Teleskopen in Deutschland (bei Jena) und Bulgarien – dafür wird kein High-End-Equipment in Chile oder Hawaii benötigt.

Daniel Fischer

 
 
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ESO Pressemitteilung:
www.eso.org/public/germany/ news/eso1029
 

Sterne mit 20 Sonnenmassen bilden sich auf genau dieselbe Weise wie masseärmere, nämlich aus kollabierenden Staub- und Gasscheiben (und nicht etwa durch Verschmelzung kleinerer Sterne): Das ist nun am Beispiel von IRAS 13481-6124 mit einer Reihe unterschiedlicher Teleskope ganz direkt beobachtet worden. Auf Skalen von Lichtjahren bis zu Astronomischen Einheiten herab ist das System aus einem gerade einmal 60000 Jahre alten Protostern, seiner ebenfalls etwa 20 Sonnenmassen schweren Scheibe und einem bipolaren Ausfluss aufgelöst worden, wobei das VLT-Interferometer ein direktes Bild der 5×8 Millibogensekunden (was 13AE×19AE entspricht) großen Scheibe lieferte. Sie dürfte sich bereits in etwa 40000 Jahren wieder auflösen.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 23.7.–6.8.2010

24.7.–7.8. Astronomisches Sommerlager (ASL), Jugendherberge Schnett (Thüringer Wald) Sonja Burgemeister, VEGA e.V., Golmer Fichten 30, 14476 Potsdam, 0331/9791054, sonja@vega-astro.de, www.vega-astro.de/index.php/ASL/Sommerlager
1.–21.8. International Astronomical Youth Camp (IAYC 2010), Klingenthal Ondrej Urban, 28. Oktobra 43, SK-91101 Trencin, Slowakei, info@iayc.org, www.iayc.org
6.–8.8. Astrocamping Vogelsberg, Stumpertenrod Sternenwelt Vogelsberg e.V., Gemeinde Feldatal, Schulstr. 2, 36325 Feldatal, 06637/96020, info@feldatal.de, www.sternenwelt-vogelsberg.de
6.–8.8. 1. Sankt Andreasberger Teleskop-Treffen (STATT), Jordanshöhe Verein Sternwarte Sankt Andreasberg e.V., Utz Schmidtko, 05139/893219, info@usografik.de, www.sternwarte-sankt-andreasberg.de/statt.html
 
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Fenn Dobson Driver:
rohr.aiax.de/FDD
 
Die Präzisionsnachführung des FDD macht Astrofotografie mit dem Dobson möglich.

Eine äquatoriale Dobson-Plattform der besonderen Art wurde auf dem ATT 2010 vorgestellt, nachdem sie zuvor auf dem ITV mit dem Preis für besondere Innovationen bedacht wurde: Der FDD Fenn Dobson Driver. Die Plattform ist laut Hersteller hochpräzise durch CNC-Fertigung vollständig in Metallbauweise hergestellt. Die gehärtete Südlagerwelle läuft in einer Gleitbuchse, das Nordlager wird aus zwei hochpräzisen Kreissegmenten aufgebaut, die paarweise auf zwei Kugellagern gelagert sind. Der Antrieb über einen Schrittmotor mit entsprechender Steuerung erfolgt direkt an einem der Nordlagersegmente. Dieser Antrieb entspricht quasi einem ca. 1200mm großen Reibrad, womit laut Hersteller alle periodischen Fehler gängiger Montierungen vermieden werden. Die Eingangsspannung kann 12–48V betragen, bei 0,75A Stromaufnahme durch Motor und Interface. Die maximale Nachführzeit beträgt eine Stunde, bis der Endschalter den Antrieb stoppt.

Der Kunde erhält beim Kauf eine Plattform entsprechend der geografischen Breite seines Standortes, mit der Möglichkeit einer Feineinstellung von ±6° über den variabel einstellbaren Lagerbock des Südlagers. Für Einsatzorte mit deutlich anderem Breitengrad (z.B. Urlaubsorte) kann der FDD durch neue Modulstecksätze der Nordlagersegmente und andere Gabeln des Südlagers (damit wird der geänderten Schwerpunktlage des Teleskops Rechnung getragen) angepasst werden. Laut Auskunft von Herrn Fenn ist bei solchen Umbauten die erforderliche Genauigkeit garantiert, da die Bauteile automatisch in eng tolerierten Frästaschen richtig positioniert werden. Das Plattformgewicht wird mit 28kg angegeben, zur leichteren Transportierbarkeit können Ober- und Unterteil jeweils in der Mitte getrennt werden.

Die Plattform wendet sich mit einer Tragfähigkeit für Teleskope bis 20" Öffnung an Besitzer großer Dobson-Teleskope, die in den Genuss einer Nachführung beim Beobachten kommen wollen oder ihr Teleskop nun auch fotografisch nutzen möchten. Nach Herstellerangaben ermöglicht diese Plattform auf Grund ihrer hervorragenden mechanischen Eigenschaften und der genauen Ausrichtungsmöglichkeiten erstmals fotografische Belichtungszeiten von über fünf Minuten ohne Guiding. Der Preis der Plattform in Silber-Eloxierung beträgt 3995€, andere Farben sind gegen 100€ Aufpreis erhältlich. Als Zubehör kann eine Alu-Transportbox für 199€ geordert werden. Ein Polsucherarm zur Montage eines Telrad-Suchers ist für 99€ erhältlich.

Frank Gasparini

 
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Bericht auf den IYA-Seiten:
www.astronomy2009.org/news/ updates/991
 

Die Verwandlung von 60km Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund für einen Tag in ein gigantisches Volksfest – das »Stillleben« am 18. Juli, optischer Höhepunkt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 – hat eine Arbeitsgruppe von Volkssternwarten aus dem Ruhrgebiet zu einer konzertierten Aktion inspiriert. Zehn der 20000 zur Verfügung stehenden Tische wurden – über einen Großteil der Strecke verteilt – zu einem leidlich maßstabsgerechten Modell des Sonnensystems, mit einheitlichem Design und Wegweisern untereinander, die den Zusammenhang verdeutlichen sollten. Angesichts der Abstände von vielen Kilometern zwischen den Tischen und dem ungeheuren Gedränge der geschätzten 3 Millionen Besucher, konnte dies natürlich kein Planetenwanderweg im herkömmlichen Sinne werden: Die mit Bildern der Planeten drapierten Stationen mussten jede für sich alleine wirken, und das war auch der Fall.

Interessierte Fragen zur Astronomie, von technisch bis seltsam (so zu einem angeblich im Himalaya zu hörenden »Brummen der Planeten«) prasselten auf die Betreuer ein, zu denen auch Berufsastronomen der Uni Bochum, Mitarbeiter des dortigen Planetariums und Sternfreunde des Köln-Bonner Astrotreffs gehörten. Überall, wo Teleskope aufgestellt waren, die dank des überwiegend sonnigen Wetters die Sonne im Weißlicht und Hα zeigten, bildeten sich bald Menschentrauben. Insgesamt etwa 5000 »Kontakte« dürfte es im Laufe des Stilllebens gegeben haben, und noch einmal wehte die Atmosphäre des Astronomiejahres 2009 über die Autobahn. Kein Wunder: Die Organisation hatte der weiter fortbestehende IYA-Regionalknoten Rhein-Ruhr geleistet, und viele der Aktiven waren genau dieselben Amateurastronomen, die im Astronomiejahr ihre Liebe zur Astronomie in der Öffentlichkeit entdeckt hatten.

Daniel Fischer

 

 
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Sternwarte Sankt Andreasberg:
www.sternwarte-sankt-andreasberg.de/statt.html
 

In einer der dunkelsten Regionen Norddeutschlands findet vom 6. bis 8. August das erste Sankt Andreasberger Teleskoptreffen (STATT) statt. Organisator ist der Verein Sternwarte Sankt Andreasberg e.V., der in dem Harzstädtchen den Bau einer Sternwarte plant. Das STATT-Gelände bietet Rundumsicht bis zum Horizont. Es liegt – vom Sonnenberg kommend – auf den Wiesen des Bauernhofs Neigenfindt ca. 500m vor dem Ortseingang von Sankt Andreasberg (Niedersachsen); die Zufahrt ist ausgeschildert. Die Lichtverhältnisse sind optimal: Die Messergebnisse mit dem SQM erreichen sehr gute Werte. Langfristig möchte der Verein nicht nur das Sternwarten-Projekt verwirklichen, sondern die Region zum ersten Dark-Sky-Park in Deutschland zertifizieren lassen. Weitere Vorzüge des Standortes sind die Höhenlage – 700m über NN – und die besonders trübungsarme Luft.

Für ein umfangreiches Rahmenprogramm hat Utz Schmidtko (2. Vorsitzender des Vereins) gesorgt: Verschiedene Vorträge für Erwachsene und Kinder finden am Samstag, den 7. August von 12 bis 16 Uhr statt. Weiterhin gibt es eine Spiegelschleifer-Demo sowie Infostände. Das Teleskoptreffen findet in einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet statt und bedingt einige Komforteinschränkungen (Duschmöglichkeit in einer Pension in Sankt Andreasberg), die jedoch durch die einmalige Lage und die Sichtverhältnisse kompensiert werden.

 

Der gesamte Datenbestand der Digital Sky Survey ist jetzt im Rahmen des WorldWide Telescope-Projekts von Microsoft zu einer einzigen nahtlosen Karte des Himmels mit rund einem Terapixel Größe verarbeitet worden: Sowohl mit diesem kostenlosen Online-Planetarium wie auch Bing Maps kann man nun beliebig in die Aufnahmen einer großen Schmidtkamera des Palomar Observatory und des UK Schmidt in Australien hineinzoomen, ohne dass die Grenzen der 1791 quadratischen Bildfelder (die es jeweils in Rot und Blau gibt und die jeweils 14000 oder 23040 Pixel breit sind) noch zu erkennen wären. Zum Export in einem Stück auf den heimischen Rechner ist das 24 Bit tiefe Bild allerdings nicht vorgesehen …

Daniel Fischer

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 23.7.–6.8.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
23.7. 18:15 ZDF info wissen und entdecken: Klarer Blick auf die Sonne 15min 24.7. 3:15
24.7. 20:15 arte CHALLENGER – Countdown einer Katastrophe 100min 25.7. 14:55
26.7. 1:15 ZDF Leschs Kosmos: Vom allerkleinsten Allerkleinsten 15min 30.7.: ZDF neo, 0:30
27.7. 9:30 HR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik Galileo Galilei – Die Erforschung der Milchstraße 15min
28.7. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Warum liegt der Uranus schief? 15min 29.7.: 1:45, 8:15
3.8. 9:30 HR Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Isaac Newton und die Gravitation 15min
4.8. 22:45 BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Doppelsterne? 15min 5.8.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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Fotografischer Sternatlas:
www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=54
Fotografischer Mondatlas:
www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=53
 

Vor 10 Jahren wurde der Oculum-Verlag gegründet, der interstellarum und diesen Newsletter herausgibt, und durch zahlreiche Buchpublikationen vom »Deep Sky Reiseführer« bis zu »Digitale Astrofotografie« bekannt geworden ist. Zum zehnjährigen Jubiläum gibt es ein Feuerwerk besonderer Neuerscheinungen, das im Sommer mit zwei wegweisenden fotografischen Atlanten beginnt.

 


Der Fotografische Sternatlas von Axel Mellinger und Ronald Stoyan ist der weltweit erste gedruckte Sternatlas mit einem digital erstellten Riesenmosaik als Grundlage. Dadurch besteht er nicht, wie bisherige fotografische Atlanten, aus einer Zusammenstellung von Einzelbildern, sondern das Riesenmosaik wurde im Rechner aus 3000 Bildern mit einheitlicher Projektion und Maßstab ohne Verzerrungen erzeugt. 82 Blätter decken den ganzen Himmel bis zu einer Grenzgröße von ca. 14m ab.
Auf gegenüberliegenden invertierten und kontrastverstärkten Kopien der Atlasseiten sind alle 1500 auf dem Atlas gut erkennbaren Deep-Sky-Objekte sowie 2500 Sterne, Doppelsterne und Veränderliche markiert. Damit wird der Atlas zu einer einzigartigen Quelle für fotografische und visuelle Deep-Sky-Beobachter.

 
 

 

Der Fotografische Mondatlas von Alan Chu, Wolfgang Paech und Mario Weigand setzt ebenfalls neue Maßstäbe. Erstmals werden mit moderner digitaler Fototechnik aufgenommene hochaufgelöste Bilder in einem Atlas vereint. Der Hongkonger Astrofotograf Chu und die beiden deutschen Mondspezialisten Paech und Weigand haben ihre 400 besten Mondfotos in 60 Kapiteln zusammengestellt.
Fotografien mit verschiedenen Beleuchtungssituationen lassen die Mondlandschaften plastisch erlebbar werden und fördern die Nachvollziehbarkeit für den Beobachter am Fernrohr. Die informativen Texte weisen auf unbekannte Details hin, und auch schwierige Objekte sind in den Fotos markiert. Nahezu lückenlos ist die komplette Vorderseite des Mondes, die von der Erde aus sichtbar ist, abgedeckt.

 
 

Beide Atlanten können jetzt vorbestellt werden. Die Auslieferung erfolgt nach Erscheinen im August bzw. September. Werden beide Titel direkt beim Verlag gleichzeitig bestellt, erfolgt die Lieferung gemeinsam erst mit dem später erscheinenden Titel. Natürlich sind beide Atlanten auch über den Buchhandel bzw. unsere Partner im Teleskophandel zu beziehen. Beide Bücher kosten je 39,90 Euro