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Jupiter. Helligkeit -1 ,m90, Durchmesser 33,95" (4.7.2016 11:10 MESZ)
Saturn. Helligkeit 0 ,m19, Durchmesser 18,07" (4.7.2016 11:10 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 110 vom 12.5.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 12.5.–28.5.2010

14.5. 03:04:28 MESZ Neumond
16.5. 11:30:00 MESZ Mond bei Venus, Mond 11' südlich
21.5. 01:42:44 MESZ Mond Erstes Viertel
28.5. 01:07:23 MESZ Vollmond
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 

Der Taghimmel des 16.5. ist Schauplatz einer besonders engen Begegnung des Mondes mit dem hellsten Planeten. Die schmale Mondsichel verpasst gegen 11:30 MESZ die Venus nur um etwa 11' und geht knapp südlich am Planeten vorbei. Weiter südlich in Nordafrika wird die Venus vom Mond bedeckt.

Mit dem bloßen Auge wird das Ereignis nicht zu sehen sein, im Fernglas oder Teleskop ergibt sich jedoch eine spannende Szenerie, ein besonderer astronomischer Sonntags-Frühschoppen. Die Sonne steht während des Schauspiels etwa 30° entfernt.

Bereits am Abend hat sich der Mond um mehr als 4° von der Venus entfernt. Der Planet misst an diesem Tag 12" im Durchmesser und ist zu 86% beleuchtet.

Ronald Stoyan

 
 
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AAVSO Special Notice 208:
www.aavso.org/publications/ specialnotice/208.shtml
Eigene Aufsuchkarte erstellen:
www.aavso.org/observing/ charts/vsp
 
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Karte mit Vergleichssternen, erstellt mit dem AAVSO Variable Star Plotter

Am 6.5.2010 entdeckte Dae-Am Yi (Korea) auf Aufnahmen mit DSLR und 93mm-Teleobjektiv »einen neuen Stern« mit 10 ,m8 im Pegasus bei R.A. 21h 38min 6,57s, Dekl. +26° 19' 57,3" (2000.0). Das Objekt wurde innerhalb eines Tages 8 ,m4 hell (7. Mai, 18:00 UT). Seither wird der Stern schwächer und leuchtete am 10. Mai noch 9 ,m2 hell. Der Entdecker fand übrigens mit gleicher Ausrüstung am 26.3.2009 den Kometen C/2009 F6 (Yi-SWAN).

Ein möglicher Vorgängerstern ist 13 ,m8 hell, wobei die Identifikation mit der Nova noch nicht sicher ist. Auf den Aufnahmen des Palomar Sky Survey ist am Ort des Objekts ein enger Doppelstern mit nur 3" Abstand erkennbar. Erste Spektren deuten auf eine neue Zwergnova großer Helligkeitsamplitude vom WZ-Sge-Typ hin, die bisher noch nicht im Ausbruch beobachtet wurde. Der Röntgensatellit ROSAT (von 1990 bis 1999 in Betrieb) hat auch eine helle Röntgenquelle innerhalb von 7" um den vermutlichen Vorgängerstern beobachtet.

Beobachtungen dieses neuen Objekts sind sehr erwünscht, sowohl genaue Astrometrie als auch Helligkeitsmessungen und -schätzungen, um die weitere Entwicklung zu verfolgen. Das neue Objekt mit der Katalognummer VSX J213806.5+261957 ist im Sternbild Pegasus etwa 2° nordwestlich von Kappa Pegasi (4 ,m1) zu finden und am Morgenhimmel beobachtbar.

Wolfgang Vollmann

 
 
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Ephemeride und Aufsuchkarten:
www.kometeninfo.de/c2009r1.html
Komet & SoFi:
www.sofi2010.de/himmel.htm
 

Mit »planmäßigen« 10m löst er sich gerade aus dem Glanz der Sonne und sollte bis Ende Juni in der zweiten Nachthälfte im Nordosten zu sehen sein: der im September 2009 am Observatorium von Siding Spring von Rob McNaught entdeckte Komet C/2009 R1, der es bis zum Perihel am 2. Juli bis auf 4m, nach optimistischen Schätzungen sogar bis auf 2m bringen sollte.

Im letzten Juni-Drittel dürfte McNaught hierzulande am interessantesten sein, allerdings nehmen dann die Elongation und die Höhe über dem Horizont rasant ab. Wenn sich der Komet bis zum Perihel gut entwickelt haben sollte, dann könnte er sich sogar am 11. Juli während der Totalen Sonnenfinsternis 10° neben der verdunkelten Sonne und 2° neben dem Planeten Merkur zeigen – zumindest auf Fotos. Eine Aufsuchkarte für die spannendste Periode im Juni ist im Heft 70 zu finden.

Daniel Fischer

 

Der Mitte April nach einem Helligkeitssprung um mindestens 8m quasi aus dem Nichts aufgetauchte Komet P/2010 H2 (Vales) hält sich weiterhin bei rund 12. Größe – aber in seiner langsam expandierenden Koma tut sich einiges. Vor allem durch (etablierte) Techniken der Bildverarbeitung haben sich zwei scharf begrenzte spiralförmige Staubjets herausarbeiten lassen, deren Krümmung indes noch nicht verstanden ist: Steckt primär die Rotation des Kerns dahinter, dann wäre sie mit 90 Tagen Periode außerordentlich langsam. Bei einem so langen »Tag« würden allerdings die thermischen Spannungen im Kern ansteigen, was wiederum den plötzlichen Ausbruch erklären könnte.

Daniel Fischer

 

Die Feuerkugel, die am Abend des 14. April über sechs US-Bundesstaaten im Mittleren Westen und an den Großen Seen beobachtet worden war, hatte schon für einiges Aufsehen gesorgt – aber das war nichts im Vergleich zum Ansturm von über 100 Meteoritenjägern, Profis wie Amateuren, die bald danach in eine ländliche Region in Wisconsin rund um die Kleinstadt Mineral Point einfielen.

Die Lage des aufgrund der Flugbahn zu erwartenden Streufelds von Meteoriten, eine 22km × 3km lange Ellipse, war nämlich rasch bekannt geworden – und Dutzende von Funden durch Einheimische und Zugereiste sind bereits aktenkundig. Der größte Brocken in Expertenhand hat immerhin 300g Masse, bei 10 bis 20 US-Dollar pro Gramm, die angesichts des Medienrummels bereits gezahlt werden, keine Kleinigkeit. Und man munkelt über noch größere Fragmente.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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ESA-Veröffentlichung zu GOODS:
sci.esa.int/science-e/www/object/ index.cfm?fobjectid=46972
Weitere ESA-Veröffentlichung zu Herschel:
www.esa.int/SPECIALS/Herschel/ SEM7N7KPO8G_0.html
Pressemitteilung des MPIA:
www.mpia.de/Public/menu_q2.php
?Aktuelles/PR/2010/PR100506/ PR_100506_de.html
 
So sieht das SPIRE-Instrument auf dem Satelliten Herschel das nördliche GOODS-Himmelsfeld, das zuvor schon von zahlreichen anderen Instrumenten untersucht wurde: links Aufnahmen bei 250µm, 350µm und 500µm Wellenlänge, rechts eine Falschfarb-Kombination. Jeder einzelne »Klecks« ist eine Galaxie mit hoher Sternbildungsrate, 3 bis 10 Mrd. Lichtjahre entfernt. [ESA/SPIRE Consortium/HerMES Key Programme Consortium]

Fast genau ein Jahr nach seinem Start sprudeln jetzt die wissenschaftlichen Ergebnisse des ESA-Weltraumteleskops Herschel, die auf einer großen Tagung präsentiert und dieser Tage auch zur formellen Veröffentlichung eingereicht werden. Im Gegensatz zum Hubble-Weltraumteleskop, das sichtbares Licht und benachbarte Wellenlängen nachweist, beobachtet Herschel im Bereich der fernen Infrarotstrahlung. Damit sieht das Teleskop vor allem die Wärmestrahlung besonders kalter Materie, beispielsweise kalter Molekül- und Gaswolken. Und zu sehen gibt es im ganzen Kosmos etwas. Zum Beispiel ist es mit den Instrumenten SPIRE (Spectral and Photometric Image Receiver) und PACS (Photodetector Array Camera and Spectrometer) gelungen, die kosmische infrarote Hintergrundstrahlung – die zwischen 100µm und 200µm am hellsten ist – fast vollständig in einzelne Galaxien aufzulösen, von denen die meisten Rotverschiebungen unter 1 haben und die damit 6 Mrd. Jahre und später nach dem Urknall zu sehen sind. Eine Erkenntnis: Die Eigenschaften der Galaxien haben sich in den vergangenen 10 Mrd. Jahren kaum verändert – vielleicht wird die Geschichte der Sternentstehung durch einen einfachen, universalen Mechanismus gesteuert.

Herschels neue Einblicke ins kalte Weltall sind generell besonders für diejenigen interessant, die sich mit der Entstehung neuer Sterne beschäftigen. So konnte Herschel die früheste bekannte Entwicklungsphase von Sternvorläufern beobachten: Materie in Gas- und Staubwolken, die unter dem eigenen Schwerkrafteinfluss zusammengefallen ist, sich dabei aber noch nicht nennenswert aufgeheizt hat. Herschels Spektrometer HIFI (Heterodyne Instrument for Far Infrared) wiederum lieferte neue Erkenntnisse zur Zusammensetzung der Molekülwolken, aus denen Sterne entstehen. So konnte das Instrument in solchen Wolken erstmals das Molekül Oxidaniumyl – Wasser, dem ein Elektron fehlt – nachweisen: Diese Molekülsorte ist noch nie zuvor außerhalb unseres Sonnensystems beobachtet worden und spielt eine zentrale Rolle in der Sauerstoffchemie in interstellaren Wolken.

Daniel Fischer

 
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NAOJ-Pressemitteilung:
www.naoj.org/Pressrelease/ 2010/03/18
 

Das Phänomen ist – auf einer besonders tiefen Aufnahme im sichtbaren Licht mit dem 8,2m-Teleskop Subaru auf dem Mauna Kea – unübersehbar, doch es ist noch nicht einmal klar, wie die ausgedehnten Sternwolken auf der nördlichen Seite der Spiralgalaxie M 81 eigentlich angesprochen werden sollten. Die Flächenhelligkeit dieser Struktur, die nach außen hin nur langsam schwächer wird, liegt einen Faktor 100 unter der des Nachthimmels, was aber dank moderner Bildverarbeitung kein Problem mehr darstellt.

Und trotz der Entfernung von M 81 von 11,7 Mio. Lichtjahren war es dem Teleskop noch möglich, zahlreiche einzelne Sterne aufzulösen: So etwas war bisher nur in den Halos der Milchstraße und der Andromeda-Galaxie gelungen. Doch haben wir es hier überhaupt mit dem Halo von M 81 zu tun? Bei unserer Milchstraße ist der Halo eine ungefähr kugelförmige gas- und staubarme Struktur aus alten Sternen und Kugelsternhaufen, aber was M 81 umgibt, ist in der Gesamtheit zum einen um ein Mehrfaches heller und zum anderen viel reicher an schweren Elementen. Das könnte für eine andere Entstehungsgeschichte sprechen: Vielleicht hat M 81, eine der größten Galaxien ihrer Gruppe, im Laufe ihrer Entwicklung mehr oder anders geartete kleine Galaxien vereinnahmt als die Milchstraße. So gesehen könnte man die übrig gebliebenen Sternwolken um beide Galaxien als Halos bezeichnen und die Definition kurzerhand erweitern, aber bei M 81 sind die Entdecker erst einmal vorsichtig geblieben: Sie sprechen nur von einer »Faint, Extended Structural Component«.

Daniel Fischer

 
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Originalarbeit zum bisher fernsten Galaxienhaufen:
arxiv.org/abs/1004.3606
Pressemitteilung der Universität Tokyo:
www.ipmu.jp/node/711
Pressemitteilung des MPE:
www.mpe.mpg.de/Highlights/ PR20100510/text-d.html
 

400 Millionen Jahre näher am Urknall als der bisherige Rekordhalter liegt ein Galaxienhaufen, den Astronomen in Japan und Deutschland mit dem Subaru-Teleskop dingfest gemacht haben: Seine Rotverschiebung (z) von 1,62 entspricht in der heutigen Standardkosmologie einer Lichtlaufzeit von 9,6 Milliarden Jahren, so dass wir ihn 4,1 Mrd. Jahre nach dem Urknall sehen.

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Hier versteckt sich der fernste bekannte Galaxienhaufen: Die Pfeile in einem Falschfarbenbild des Subaru-Teleskops mit einer Seitenlänge von 3,4' deuten auf Galaxien, die sich wahrscheinlich in gleicher Entfernung befinden; sie häufen sich in der Bildmitte. Die Konturlinien entsprechen der Röntgenleuchtkraft des Haufens. Galaxien mit einer bestätigten Rotverschiebung von 1,62 sind durch Kreise hervorgehoben. [MPE]

Zunächst waren auf Bildern in verschiedenen Wellenlängen – aus deren Vergleich man ziemlich präzise die Rotverschiebung von Galaxien ablesen kann – zwei Konzentrationen von Galaxien mit z~1,6 entdeckt worden, dann hatten Spektren bei den hellsten Galaxien (Kreise in Abb.) jeweils einen identischen Wert von 1,62 geliefert. Gearbeitet wurde mit dem MOIRCS-Instrument (Multi-Object Infrared Camera and Spectrometer) im nahen Infrarotbereich, wo diese Galaxien am leuchtstärksten sind. Eine der beiden Gruppen fällt mit gemessener Röntgenemission (Konturen in Abb.) zusammen, offenbar heißem Gas: Das spricht für genug Masse, um den ganzen Haufen gravitativ zusammen zu halten.

Die kombinierten Beobachtungen im Infrarot- und Röntgenlicht zeigten, dass er hauptsächlich aus alten, massereichen Galaxien besteht, die etwa zwei Milliarden Jahre früher entstanden sind. Da sich die dynamischen Prozesse der Galaxien-Alterung langsam vollziehen, bedeutet die Anwesenheit dieser Galaxien, dass der Haufen durch die Verschmelzung von massereichen Galaxiengruppen entstanden ist, wobei jede Verschmelzung zu einer massereichen Galaxie führte. Während diese Galaxien rötlich scheinen, sind junge, helle, blaue Galaxien – was auf eine aktive Sternentstehung hindeutet – relativ selten. Der Haufen ist deshalb ein ideales Labor, um die Entwicklung von Galaxien zu untersuchen, als da Universum gerade einmal ein Drittel seines jetzigen Alters hatte. Die Jagd nach den fernsten Galaxienhaufen geht weiter, um bei der Theorie der kosmischen Evolution diese kritische Phase weiter abzusichern.

Daniel Fischer

 
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Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft:
www.mpg.de/bilderBerichte Dokumente/dokumentation/ pressemitteilungen/2010/ pressemitteilung20100424
 

Das Gas aus Kometenkernen wie der davon mitgerissene Staub strömen überwiegend in relativ scharfen Strahlen, sogenannten Jets, in den Raum: Für eine Raumsonde, vor allem eine, die sich wie Rosetta länger in Kernnähe aufhalten soll, wäre es ratsam, diesen Jets nicht direkt zu begegnen. Zur Vorbereitung von Rosettas Begleitung des Kometen Churyumov-Gerasimenko ab 2014 ist nun dessen zu erwartendes Jetmuster modelliert worden: Erst wurde aus der Lichtkurve über Monate hinweg die Gestalt des Kerns ermittelt, dann wurden Zahl und Orte der Jets darauf so lange verändert, bis simulierte Bilder der Koma zu echten Detailaufnahmen passten. Und bestätigt werden konnte das Verfahren auch am Kometen Tempel 1, der einerseits vor fünf Jahren intensiv von der Erde aus beobachtet worden war und von dem es andererseits Nahaufnahmen durch die Raumsonde Deep Impact gibt, die die Lage der Jets auf dem Kern ganz direkt zeigen.

Daniel Fischer

 
 
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Forschungsarbeit zur Herkunft des Zodiakalstaubs:
cams.seti.org/zody.pdf
Pressemitteilung des Southwest Research Institute (SwRI):
www.swri.org/9what/ releases/2010/Zodiac.htm
Antarktische Mikrometeoriten:
www.scientificamerican.com/ article.cfm?id=organic-meteorites
 

Der Staub im Sonnensystem, der am Himmel als Zodiakallicht zu sehen ist, »entsteht ständig neu durch Zusammenstöße von kleinen Gesteinsbrocken wie Meteoroiden und Asteroiden«, steht nicht nur bei Wikipedia: »Zudem trägt auch der von Kometen freigesetzte Staub zum interplanetaren Staub bei.« Doch die tatsächlichen Verhältnisse sind ganz anders, haben jetzt detaillierte himmelsmechanische Rechnungen gezeigt: Kollisionen im Asteroidengürtel würden niemals zur beobachteten Breite des Zodiakal-Bandes führen. Was aber passt, ist der Staub zerfallener Kometen der Jupiterfamilie, den die Schwerkraft des Riesenplaneten noch auf Bahnen kicken kann, die stärker als die Kometen selbst zur Ekliptik geneigt sind, bevor sie sich selbstständig machen und ins innere Sonnensystem gelangen. Staub von anderen Kometentypen wie auch Asteroiden spielt nur eine geringe Rolle im Gesamtgeschehen. Auch 85% der Gesamtmasse, die auf die Erde rieselt, geht auf Jupiter-Kometen zurück: Das passt zur durchweg primitiven Natur der Mikrometeoriten, die man im Eis der Antarktis findet.

Daniel Fischer

 
 
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Veröffentlichung zum Dreifachsystem Algol:
arxiv.org/abs/1005.0626
Algol als Bedeckungs- veränderlicher:
stars.astro.illinois.edu/sow/ algol.html
Das Interferometer NPOI:
www.nofs.navy.mil/projects/npoi
 

Schon seit Jahrhunderten wird das Sternsystem Beta Persei beobachtet, und bereits 1783 vermutete John Goodricke korrekt, dass der regelmäßige Helligkeitswechsel durch die gegenseitigen Verfinsterungen eines Sterns und seines Begleiters verursacht wird. Das enge Paar direkt zu trennen, gelang freilich erst 2006 mit dem optischen Interferometer CHARA (Center for High Angular Resolution Astronomy) in Kalifornien, und erst dem noch größeren Interferometer NPOI (Navy Prototype Optical Interferometer) in Arizona ist es schließlich gelungen, zusammen mit dem Paar auch einen – schon länger dank Spektroskopie bekannten – dritten Stern abzubilden, der alle 1,86 Jahre auf einer weiten Bahn um die beiden läuft. Die Bahnparameter des prototypischen Bedeckungsveränderlichen und hierarchischen Dreifachsystems sind nun genauer denn je bekannt, inklusive der Orientierung der Bahn des dritten Sterns.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 12.5.–28.5.2010

10.–16.5. Astrocamping Vogelsberg, Sternenwelt Vogelsberg.e.V, 36325 Feldatal Christina Marx, 06402/809573, info@sternenwelt-vogelsberg.de, www.sternenwelt-vogelsberg.de
12.–16.5. 19. Internationales Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV), Campingpark Am Gederner See, 63688 Gedern Intercon-Spacetec GmbH, 0821/414081, info@teleskoptreffen.de, www.teleskoptreffen.de/itv
12.–16.5. WAA-Teleskoptreffen, Oberleiser Berg, Österreich Wiener Astronomische Arbeitsgemeinschaft, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien, 0043/664/2561221, www.waa.at/beob/plz/leb.html, www.waa.at
14.–16.5. Frühlings-Teleskoptreffen (FTT), Ahornhöhe im Emmental, Schweiz Bernd Nies, Säntisstrasse 25, CH-8640 Rapperswil, 0041/79/6478711, bernd@nies.ch, www.teleskoptreffen.ch/ftt/index.de.php
14.–16.5. 17. Tagung der VdS-Fachgruppe CCD-Technik, Sternwarte Kirchheim/Thüringen Dennis Möller, Kellerberggasse 9/C22, A-1230 Wien, dennis.moeller@chello.at, Jürgen Schulz, juergen.schulz.kirchheim@t-online.de, ccd.istcool.de
21.–25.5. 29. Planeten- und Kometentagung, Bruder-Klaus-Heim, 86450 Violau Wolfgang Meyer, Martinstr. 1, 12167 Berlin, www.planetentagung.de
29.5. H-alpha-Treff Rüsselsheim (HaTR), Vereinsgelände Am Schnepperberg 65468 Rüsselsheim Dietmar Sellner, 06147/936310, d.sellner@t-online.de, www.sternfreunde-ruesselsheim.de
29.5. 33. Sonne-Tagung, gemeinsam mit dem ATT in Essen Gesamtschule Bockmühle, Ohmstr. 32, 45143 Essen, sonnentagung2010@arcor.de, www.sonnetagung.de
29.5. 26. ATT, Gesamtschule Bockmühle, Ohmstr. 32, Essen Walther-Hohmann-Sternwarte Essen e.V., Wallneyer Str. 159, 45133 Essen, att@walther-homann-sternwarte.de, www.sternwarte-essen.de

Nachdem Orion (USA) ihre SkyQuest Dobson-Serie bereits mit den IntelliScope-Computern ausgestattet hat (siehe interstellarum-Newsletter 95), geht die Firma nun noch einen Schritt weiter, und rüstet einige Modelle mit einem motorgetriebenen GoTo-System aus. Es handelt sich dabei um die Volltubus-Dobsons mit 8", 10" und 12" Öffnung. Die jeweilige Rockerbox dieser Teleskope ist mit Antriebsmotoren, Getrieben und optischen Encodern ausgestattet. Der Teleskoptubus wird laut Hersteller am Lagerzapfen der Höhenachse einfach in eine Schwalbenschwanzaufnahme eingesetzt und gesichert. Nach präzisem Abgleichen der Positionierung an zwei Sternen mit Hilfe eines fadenkreuzbeleuchteten Plössl-Okulars (12,5mm), kann die Montierung am Handkontroller frei wählbare Koordinaten oder eines der 42900 gespeicherten Objekte anfahren und dann auch automatisch nachführen. Dennoch soll die Montierung die Dobson-typische Bewegung des Teleskops per Hand ermöglichen, ohne dabei die aktuelle Positionierung am Himmel zu verlieren. Die XTg-GoTo-Dobsons sind jedoch nicht kompatibel mit dem »Orion IntelliScope Object Locator« anderer Orion Dobson-Baureihen. Die 12V-Stromversorgung erfolgt über ein im Lieferumfang enthaltenes Kabel am Kfz-Zigarettenanschluss.

Die Newton-Teleskope sind mit 2"-Crayford-Okularauszügen mit 11:1-Untersetzung und 1¼"-Adapter ausgestattet. Die Hauptspiegel weisen eine Al-Beschichtung mit 94% Reflexionsvermögen auf und sind mittenmarkiert. Zum Lieferumfang gehören weiterhin ein 2"-Wide-Field-Okular mit 28mm Brennweite, eine Kollimationshülse, ein Leuchtpunktsucher, sowie Halterungen für Okulare und die Handsteuerung an der Rockerbox. Die Preise in den USA betragen ca. 850$, 1100$ und 1600$. Preise für den europäischen Markt waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Frank Gasparini

 
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RVST:
astronomie-tornesch.de/rvst/
Astrostammtisch Tornesch:
rvst-astro-stammtisch.phpbb8.de/forum.php
 
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Besucherinnen und Besucher am »Tag der offenen Sternwarte« im Vortragsraum der Sternwarte in der Klaus-Groth-Schule.

Die offizielle Einweihung der »Regionalen Volks- und Schulsternwarte Tornesch e.V. (RVST)« (Schleswig-Holstein) gab es bereits am 26.1.2010, nun fand dazu mit dem »Tag der Sternwarte« auch der große Gang an die breite Öffentlichkeit statt. Dazu gehörten ein interessantes Rahmenprogramm mit zwei Vorträgen über »Unsere kosmische Heimat« und »Unser Universum« sowie permanente Führungen in die Beobachtungskuppel. In dieser ruht ein C14 auf einer Montierung GTO 2000 von Astro-Physics. Das Ganze ist voll automatisierbar und das soll neben interessierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Tornesch und den örtlichen Sternfreunden vor allem auch dem Schulunterricht zu Gute kommen. Die Sternwarte befindet sich auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule und man plant in einer weiteren Ausbaustufe, im Unterricht und während öffentlicher Beobachtungsabende Live-Bilder etwa von Mond und Planeten via Beamer zur Verfügung stellen zu können.

Im Zuge der Umgestaltung von einer Real- zu einer Gesamtschule schafften es die aus einem Astrostammtisch und dem Verein zusammenkommenden Sternfreunde mit viel lokaler Unterstützung durch den Bürgermeister und andere Institutionen, dass es statt eines 3. Physikraums nun eine Sternwarte samt ansprechend gestaltetem Vortragsraum gibt. Sponsoren finanzierten dann den Innenausbau der Sternwarte und die dortige beachtliche Ausstattung. Welche Schule kann schon ein C14 auf einer Astro Physics-Montierung mit all ihren technischen Raffinessen ihr Eigen nennen?

Manfred Holl

 
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ITV:
www.teleskoptreffen.de/itv
 
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Schon legendär: die Preisverleihung der Selbstbau-Teleskope durch Wolf-Peter Hartmann (rechts)

Wie gewohnt um Christi Himmelfahrt findet vom 12. Mai. – 16. Mai das diesjährige Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV) statt. Es ist das 19. Treffen und findet nun seit 2007 bereits zum vierten Mal am »Campingpark Am Gederner See« statt. Mit seiner Lage am südlichen Rand des Naturparks Hoher Vogelsberg liegt es recht zentral, so dass sich dort jedes Jahr Sternfreunde aus ganz Deutschland, aber auch aus den angrenzenden Nachbarländern zum Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Beobachten versammeln. Am Campingpark steht ein 3,5ha großes Areal nur für die Sternfreunde zum Camping und Aufstellen der Teleskope zur Verfügung.

Abseits der großen Städte bietet der Standort einen dunklen Himmel, am Platz selbst besteht zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ein Nachtfahrverbot und störende Platzbeleuchtung wird abgeschaltet. Außer Beobachten und Fachsimpeln locken ein Rahmenprogramm aus Vorträgen, Veranstaltungen für Kinder, ein Astro-Flohmarkt und natürlich die Verkaufsstände diverser Händler. Ein Höhepunkt jedes Jahr ist die Prämierung besonders innovativer, aber auch witziger Selbstbau-Teleskope, wozu die anwesenden Händler meist sehr attraktive Sachpreise spenden.

Frank Gasparini

Zum ersten Mal gibt es in einem Großplanetarium einen optomechanischen Sternenprojektor und die neueste Generation von Videobeamern mit perfektem Schwarz im synchronen Einsatz: Am 4. Mai öffnete das Planetarium in Bochum nach viermonatigem Umbau mit dem bewährten Projektor Universarium IX – auch 11 Jahre nach der Markteinführung noch der beste und weltweit nur zehnmal im Einsatz – in Kombination mit acht VELVET-Projektoren für »Full-Dome«-Video vom Feinsten. Letztere gibt es damit bereits zweimal in Deutschland, nachdem schon im März das Mittelplanetarium in Wolfsburg auf diese Technik umstellte, und am 1. Oktober soll an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin das dritte System in Betrieb gehen.

Daniel Fischer

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 12.5.–28.5.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
16.5. 19:30 MESZ ZDF Faszination Universum (2): Urkräfte – Vorstoß zu den Elementen der Schöpfung 45min 18.5.: 4:15
17.5. 02:10 MESZ ZDF Leschs Kosmos: Der ewige Konflikt zwischen Theorie und Praxis 15min 20.5.: ZDF neo, 23:20
18.5. 19:00 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Gravitationswellen? 15min 19.5.: 9:30
19.5. 22:45 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie misst man Entfernungen im All? (1) 15min 20.5.: 1:45, 8:15
24.5. 20:00 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Was ist eine Hochgeschwindigkeitswolke? 15min
25.5. 19:00 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Zerfällt das Erdmagnetfeld? 15min 26.5.: 9:30
26.5. 11:45 MESZ BR-alpha total phänomenal: Blick ins Weltall 15min
29.5. 22:45 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie viele Dimensionen hat das Universum? 15min 20.5.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION

interstellarum 70 (Juni/Juli 2010) ist ab Freitag am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

 

Duell der Okular-Giganten – Die 100°-Okulare von Televue und Explore Scientific
Asteroiden – Fliegende Schutthaufen
Test – Die CCD-Kameras von QSI
Astrofotografie – Wege gegen das Rauschen
Beobachtung – So findet man einen guten Platz

 

Hinweis

Verschaffen Sie sich schon jetzt einen ersten Eindruck vom neuen Heft und nutzen Sie einfach die Blätterfunktion.

 
 
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Online-OdS:
www.interstellarum.de/ods-galerie.asp
 

Die Objekte der Saison (OdS) laufen als Beobachtungsprojekt zum Mitmachen für alle Leser ununterbrochen seit der ersten interstellarum-Nummer 1994, 187 Objekte sind bis dato vorgestellt worden. Nun bricht ein neues Zeitalter bei den OdS an: Ab sofort werden alle Ergebnisse auch im Internet präsentiert. Anders als bisher im gedruckten Heft, wo nur eine Auswahl der eingegangenen Ergebnisse gezeigt werden kann - dabei wird es auch bleiben - zeigen wir online alle Lesereinsendungen.

Die interstellarum-Redaktion lädt Sie ein, selbst mitzumachen. Beobachten Sie die ein Jahr im Voraus vorgestellten Deep-Sky-Objekte und laden Sie uns Ihre Ergebnisse auf den Server. Im nächsten Heft Nr. 71 sind vorgesehen:

• NGC 6940, ein reicher Offener Sternhaufen im Sternbild Schwan
• NGC 6992-5, der östliche Teil des Cirrus-Nebels

Hier können Sie Ihre Ergebnisse einsenden:

• Zeichnungen und Beobachtungsbeschreibungen: www.interstellarum.de/ods.asp?Maske=2
• Fotos: www.interstellarum.de/ods.asp

 

Hinweis

Hier finden Sie unsere OdS-Galerie: www.interstellarum.de/ods-galerie.asp

Einsendeschluss für Heft 71 ist der 20. Mai!