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Merkur. Helligkeit -2 ,m04, Durchmesser 5,10" (4.7.2016 11:10 MESZ)
Venus. Helligkeit -3 ,m90, Durchmesser 9,73" (4.7.2016 11:10 MESZ)
Mars. Helligkeit -1 ,m33, Durchmesser 15,95" (4.7.2016 11:10 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 109 vom 30.4.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 30.4.–12.5.2010

4.5. 06:21:52 MESZ Pallas in Opposition
6.5. 06:14:59 MESZ Mond Letztes Viertel
7.5. 19:00:00 MESZ Eta-Aquariden (ETA), Dauer: 19. 4.-28. 5., ZHR: 28
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)
 
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Aktuelle Jupiterbilder:
www.pvol.ehu.es/iopw.jsp? action=multiple&Planet=jupiter &Apparition=last
 
 
Jupiter mit ungewohntem Gesicht: Nur noch eines der beiden Hauptbänder existiert derzeit. [Christopher Go]

Dramatisches hat sich während der Sonnenkonjunktion auf dem Riesenplaneten ereignet: Das Südliche Äquatorialband (SEB), einer von zwei dunklen Streifen, die normalerweise die Atmosphäre Jupiters charakterisieren, ist verschwunden. Erste Beobachtungen zeigen nur noch einen schmalen Streifen am Nordrand einer sonst weißen Fläche.

Dieses Phänomen, als »SEB-Fading« bekannt, tritt in unregelmäßigen Abständen auf. Zuletzt war es 1989 und 1993 zu besonders dramatischen Fadings gekommen. Der Planet zeigte den ungewohnten Anblick über einige Monate. Spektakulär ist dann die Rückkehr des Bandes, ein sogenanntes »SEB-Revival«: Von einem gleißend hellen Fleck ausgehend bilden sich die nördliche und südliche Komponente des SEB entsprechend der Windrichtungen in gegensätzlichen Richtungen als dunkle Knotenreihen neu. Dieser Prozess ist in wenigen Wochen abgeschlossen und vielleicht eines der beeindruckendsten Ereignisse, die man im Amateurteleskop nachvollziehen kann. Sternfreunde sollten daher Jupiter dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit schenken.

Es gibt noch einen anderen Grund, sein Fernrohr jetzt auf Jupiter zu richten: Während eines SEB-Fadings wird der Große Rote Fleck besonders farbig und dunkel und ist sehr einfach zu beobachten. Er befindet sich derzeit bei einer Länge von 148° (System II).

Ronald Stoyan

 
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Der Komet C/2009 K5 (McNaught) am Morgen des 25. April in der Nähe der Galaxie NGC 6946 und des Sternhaufens NGC 6939, aufgenommen mit einem 8"-Astrographen. [Michael Jäger; www.cometpieces.at]

Zuletzt wurde er auf knapp 8m bis 9m geschätzt: Diese Maximalhelligkeit sollte der Komet C/2009 K5 (McNaught) noch bis Mitte Mai halten, während er mit einer Deklination von 70° bis 80° Nord in Europa zirkumpolar ist. Heute erreicht er sein Perihel, und die Sonnendistanz von 1,4AE sorgt dafür, dass der am 27. Mai 2009 von R. H. McNaught (Siding Spring) im Zuge einer automatisierten systematischen Durchmusterung des Himmels entdeckte Komet mit 75° bis 65° eine ordentliche Elongation besitzt, während er mitten durch das Sternbild Kepheus zieht. Ab ca. 23:00 MESZ kann der Komet ca. 30° über dem Horizont Richtung Norden gut beobachtet werden. Der Beobachtungszeitraum ohne störendes Mondlicht wird dabei von Tag zu Tag länger. In der Nacht vom 30.4. auf den 1.5. passiert er den Sternhaufen und Nebel NGC 7023 (7 ,m1, Ausdehnung 10'), im Abstand von ca. 15'.

Am 25. April kam es zu einer vielbeachteten Begegnung mit mehreren Deep-Sky-Objekten (siehe Abb.), aber der Komet sorgte noch auf andere Weise für Aufregung: Aufnahmen vom Morgen des 24. April zeigen nämlich eine ausgeprägte zweite Kondensation in der inneren Koma, die typische Signatur eines abgebrochenen Fragments, das noch etwas Staub ausstößt, während es davon driftet. Ähnliches war kurz zuvor dem Kometen C/2007 Q3 (Siding Spring) widerfahren, wo die »Kernspaltung« durch zahlreiche Beobachter bestätigt und weiter verfolgt wurde. Von C/2009 K5 (McNaught) liegen bislang indes nur wenige Aufnahmen mit hoher Auflösung – und keine unabhängige Bestätigung des Fragments – vor: Die perfekten Sichtbedingungen in den nächsten Wochen sollten für Beobachtungen mit allen Brennweiten genutzt werden.

Daniel Fischer

 
 
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BAV:
www.bav-astro.de
AAVSO:
www.aavso.org
 
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Um den 15.Mai wird der Mirastern R Virginis (Jungfrau) sein Helligkeitsmaximum mit etwa 7m erreichen. Der Stern ist etwa 5° westlich der Verbindungslinie Epsilon-Delta Virginis (beide ca. 3m hell) bei 12h 38,5min +6° 59' zu finden.

Die Helligkeitsschwankungen von R Virginis erfolgen für einen Mirastern recht rasch: die Maxima folgen im Abstand von nur 145 Tagen (ca. 5 Monate) aufeinander. Im Mittel verändert der Stern seine Helligkeit zwischen 6 ,m9 und 11 ,m5 und ist damit die ganze Zeit in einem kleinen Fernrohr beobachtbar. Das hellste Maximum wurde bisher mit 6 ,m1 beobachtet.

R Vir war der erste entdeckte Veränderliche Stern im Sternbild Jungfrau. 1809 fand ihn der Kleinplanetenjäger Karl Ludwig Harding, der Entdecker von (3) Juno. Wie alle Mirasterne ist R Vir ein entwickelter pulsierender Roter Riese nahe dem Ende seines Sternenlebens. Enorm aufgebläht verliert der Stern Materie bis am Ende der Kern als Weißer Zwerg zurückbleibt. Beobachtungen nehmen BAV und AAVSO gerne entgegen.

Wolfgang Vollmann

 
 
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Newsletter 108:
www.oculum.de/newsletter/astro/ 100/00/8/108.rg6pl.asp#5
AAVSO-Seite zur Kampagne:
www.aavso.org/news/ sscyg_radio_2010.shtml
 

Der erwartete Helligkeitsausbruch der Zwergnova SS Cygni (siehe Newsletter 108) hat am 19.April begonnen. Mehrere Observatorien am Boden und im Weltraum konnten die Zwergnova intensiv beobachten. Dabei wurden Messungen in Röntgen-, Infrarot- und Radiowellenlängen mit den visuellen Helligkeitsschätzungen der Amateurbeobachter verglichen. Ziel der Kampagne ist, das Studium des Massentransfers und der Teilchen-Jets im engen Doppelsternsystem von SS Cygni.

Noch ist SS Cygni nicht völlig zum Ruhezustand zurückgekehrt. Weitere Beobachtungen, ob visuelle oder CCD-Helligkeitsmessungen, sind von der AAVSO sehr erwünscht.

Wolfgang Vollmann

 

Einen Helligkeitssprung um mindestens 8 Größenklassen oder einen Faktor 2000 hat am 16. April ein bis dahin unbekannter Komet erlebt: Eben noch sah die Himmelsüberwachung Catalina Sky Survey an dieser Stelle nichts bis zu 20m hinab, aber plötzlich war da – entdeckt vom slowenischen Amateurastronomen Jan Vales – ein Lichtpunkt 12. Größe, scheinbar ein Hauptgürtelasteroid.

Weitere Beobachtungen zeigten aber bald eine kompakte, allmählich expandierende Koma, ganz wie beim berühmten Ausbruch des Kometen Holmes Ende 2007. Nunmehr als Komet P/2010 H2 (Vales) bekannt, kreist das Objekt auf einer nicht besonders elliptischen Bahn alle 7,6 Jahre um die Sonne, auf einer Bahn, die an die der Hilda-Asteroiden erinnert.

Daniel Fischer

 

Vor zwei Jahren war es dem deutschen Amateurastronomen Martin Elsässer gelungen, die Mondsichel in nur 4,6° Sonnenabstand eindeutig zu fotografieren, Minuten vor dem mathematischen Moment des Neumonds – und nun hat der französische Amateur Thierry Legault diese Leistung mit anderem Ausrüstung wiederholen können. Am 14. April betrug der Abstand ebenfalls 4,6°, und Legault hatte diesmal mehr Glück mit dem Wetter: Er konnte den Mond tatsächlich auch im exakten Augenblick der Neumondphase aufnehmen. Auf seiner – mit Infrarot-Filterung unterstützten – Aufnahme ist der Sichelbogen immer noch rund 70° lang.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
Die ganze Sonne im extremen UV-Licht am 30. März: Bilder der Atmospheric Imaging Assembly des Solar Dynamics Observatory bei verschiedenen Wellenlängen wurden so kombiniert, dass Rottöne mit 60000K eher »kühlerem« Gas entsprechen, während die Temperatur bei Grün und Blau über 1 Mio. K liegt. [SDO/AIA]

Als die NASA vor dem Start ihres neuesten Sonnensatelliten versprach, bald werde es einen permanenten Bilderstrom in IMAX-Auflösung geben, hatte sie nicht zu viel versprochen: Noch ist die Inbetriebnahme des Solar Dynamics Observatory nicht abgeschlossen, aber eine Anzahl Kostproben seiner drei Instrumente – und vor allem des Kamerasystems der Atmospheric Imaging Assembly – ist schon vorgezeigt worden. Diese Kombination aus Bildschärfe, Bildfeld und Bildfolge gab es tatsächlich noch nie. Mit neuen wissenschaftlichen Einsichten ist keine drei Monate nach dem Start natürlich noch nicht zu rechnen, aber die SDO-Forscher frohlocken bereits, sie hätten nun ein »Hubble-Teleskop für die Sonne« in Händen, das dieses Feld der Astrophysik ebenso revolutionieren werde wie es das gerade 20 Jahre alt gewordene Hubble Space Telescope – das alle Himmelsobjekte außer der Sonne (und Merkur) anpeilen kann – für den Rest der Astronomie tat. Zwar stecken bereits in machen Details der SDO-Bilderflut, wie einer dramatischen Protuberanz am 30. März, neue Erkenntnisse, aber es dürfte vor allem die Überwachung der gesamten Sonne mit dieser Auflösung sein, die die Erforschung der solaren Magnetfelder und ihrer Wirkungen voran bringen wird.

Kaum war das SDO in Betrieb, konnte es zum Beispiel schon verfolgen, wie nach einem Flare in der Fleckengruppe 11060 eine Welle quer über die Sonnenoberfläche lief und am Horizont verschwand – wo sich unmittelbar danach eine eruptive Protuberanz löste. Die fortschreitende Störung der Magnetfelder, die fast auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne begonnen hatte, war dort gerade angekommen: Ein Zusammenhang ist da wahrscheinlich. Ein neues Verfahren der Voraussage von Sonneneruptionen, nützlich wiederum für die Prognose des Weltraumwetters, könnte in derartigen Daten stecken. Wenn das SDO im Vollbetrieb ist, darf mit 1,5 Terabyte Daten am Tag gerechnet werden. Und wie die Erfahrung mit den ersten Bildbeispielen zeigt, reicht selbst ein Full-HD-Bildschirm nicht aus, um sie in einem Stück und in voller Schärfe zu würdigen.

Daniel Fischer

 
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Veröffentlichung zum Zwergenpaar:
arxiv.org/abs/1004.0539
Veröffentlichung zum Nahzwerg:
arxiv.org/abs/1004.0317
Veröffentlichung zu HR 8799:
arxiv.org/abs/1003.5796
 

Ein Begleiter eines Braunen Zwergs, der mit nur 5 bis 10 Jupitermassen einem Planeten ähnelt, der sonnennächste Braune Zwerg in nur 9,5 Lichtjahren Entfernung, der überdies der leuchtschwächste ist – und der Verdacht, dass die drei Begleiter des Sterns HR 8799, die 2008 als erstes direkt abgebildetes Planetensystem gefeiert wurden, in Wirklichkeit Braune Zwerge sind: Die Welt dieser Beinahe-Sterne, bei denen es nicht zu anhaltender Wasserstoff-Fusion reicht, ist in den vergangenen Wochen noch vielseitiger geworden. 15 Jahre ist es erst her, dass der erste Braune Zwerg überhaupt nachgewiesen werden konnte, und heute kennt man mehrere hundert dieser Himmelskörper mit 13 bis etwa 75 Jupitermassen. Doch ein System wie 2M044144 in der Taurus-Sternbildungsregion war bisher nicht darunter: Hier hat ein Brauner Zwerg mit etwa 20 Jupitermassen in 1/10" Abstand (was projizierten 15AE entspricht) einen schwachen Begleiter, der aufgrund seiner Helligkeit – und Entwicklungsrechnungen für sehr massearme Körper – eine 5 bis 10-fache Masse von Jupiter hat.

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Auf »8 Uhr« befindet sich der Begleiter des Braunen Zwergs 2M044144, den sowohl das Hubble Space Telescope (oben) als auch Gemini Nord (unten) nachweisen konnten: In der rechten Spalte wurde jeweils der Braune Zwerg abgezogen. [NASA/ESA bzw. Gemini Observatory/AURA und K. Todorov & K. Luhman (Pennsylvania State Univ.)]

Damit wäre er klar ein Planet, wenn er um einen richtigen Stern kreisen würde, doch bei Braunen Zwergen wird der Begriff ungern verwendet. Interessant ist das Begleitobjekt vor allem, weil der Braune Zwerg extrem jung ist: Der Quasi-Planet muss sich in weniger als einer Million Jahre gebildet haben. Für die »klassische« Sicht der Entstehung von Gasriesen aus Gasakkretion um einen festen Kern, der allmählich in einer zirkumstellaren Scheibe wuchs, sicher zu schnell. Damit bleiben nur zwei andere Erklärungen übrig: Entweder entstand der »Planet« rasch aus einer Instabilität einer Scheibe – ein Szenario, das auch für die Gasriesen unseres Sonnensystems vorgeschlagen wurde – oder aber er kondensierte direkt aus der Molekülwolke, aus der auch der Braune Zwerg entstand. Ganz in der Nähe des letzteren gibt es ein weiteres Paar massearmer Körper: Womöglich bildeten sich alle vier gleichzeitig, als ein Kern in der Wolke instabil wurde, und formen nun ein hierarchisches System. Es wäre der erste beobachtete Fall, wo ein Objekt mit weniger als 10 Jupitermassen auf diese Weise entstand.

Die zweite spannende Entdeckung ist UGPS J0722-05: Dieser Braune Zwerg in 2,9±0,4 Parsec oder 9,5±1,3 Lichtjahren Entfernung ist nicht nur der sonnennächste (und einer der zehn nächsten bekannten Himmelskörper überhaupt) sondern mit 400-500K Oberflächentemperatur auch der kühlste und leuchtschwächste. Sein Spektrum ist nicht ganz eindeutig: Entweder handelt sich es um einen Extremfall der Spektralklasse T (also T10), oder aber UGPS J0722-05 ist der erste Vertreter einer neuen Klasse noch kühlerer Brauner Zwerge, die sich an L und T anschließt und für die der Buchstabe Y vorgeschlagen wurde. Die Suche war nicht leicht: Unter 604 Millionen Objekten einer Himmelsdurchmusterung befand sich genau dieser eine späte T- bzw. Y-Kandidat.

Die dritte Entdeckung schließlich ist gewissermaßen eine negative: Die Messung von Sternschwingungen an dem Stern HR 8799 legt nahe, dass dieser nicht 30 bis 160 Mio. Jahre alt ist, wie bisher gedacht, sondern etwa 1 Mrd. Jahre. Damit wären aber seine drei direkt abgebildeten und allseits als Planetensystem gefeierten (im eigenen Licht glimmenden) Begleiter eindeutig Braune Zwerge, die länger zum Auskühlen brauchen: Echte Planeten sähe man schon lange nicht mehr.

Daniel Fischer

Finanziert ist keines der drei, aber alle Projekte für optische Teleskope weit jenseits der 10-Meter-Grenze haben nun schon einmal ihnen zugewiesene Berge: Nach den primär amerikanischen GMT (Las Campanas in Chile) und TMT (Mauna Kea auf Hawaii) mit 24,5m bzw. 30m Hauptspiegeldurchmesser steht nun auch der Standort des E-ELT, des European Extremely Large Telescope der Europäischen Südsternwarte mit 42m Durchmesser, fest. Es wird der Cerro Armazones in der chilenischen Atacama-Wüste sein, rund 130km südlich der Stadt Antofagasta und nur 20km vom Cerro Paranal entfernt, der bereits das Very Large Telescope und das 4m-Teleskop VISTA beherbergt. Auf dem Armazones gibt es bereits eine kleine Sternwarte unter deutscher Leitung. Am 26. April war die – allgemein erwartete – Standortentscheidung im ESO-Rat gefallen, obwohl die spanische Regierung bis zuletzt massiv für die Kanareninsel La Palma geworben hatte. Die endgültige Entscheidung über den Bau des seit Jahren im Detail geplanten E-ELT wird Ende 2010 erwartet: Dann könnte es 2018 seinen wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb aufnehmen. Die Standortwahl hatte in den Händen von Delegierten der 14 Mitgliedsländer der ESO gelegen, die das so genannte »Council« bilden, das Leitungsgremium der Europäischen Südsternwarte.

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Testmessungen unter dem Himmel des Cerro Armazones in Chile, den die Europäische Südsternwarte für den weltbesten Standort für ihr geplantes 42m-Teleskop hält. [ESO]

Der weitreichenden Entscheidung liegt eine mehrjährige Vergleichsstudie der Wetterverhältnisse verschiedener möglicher Standorte zugrunde. Bei der Auswahl spielten unterschiedliche Faktoren eine Rolle: Am wichtigsten waren die »astronomische Qualität« der Atmosphäre, die Anzahl der klaren Nächte pro Jahr, der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre und das Seeing, dazu kamen die Bau- und Betriebskosten sowie die gesteigerte Effektivität sowohl beim Betrieb wie auch bei der wissenschaftlichen Arbeit, die sich durch die Nähe zu bereits existierenden Observatorien ergibt. In die Endauswahl waren schließlich Armazones, Ventarrones, Tolonchar und Vizcachas in Chile sowie La Palma in Spanien gekommen. »Jeder dieser Standorte bietet sehr gute astronomische Beobachtungsbedingungen«, betont die ESO jetzt: »Dennoch gab es bezüglich der charakteristischen Stärken der Standorte durchaus Unterschiede, und der Bericht kam zu dem Schluss, dass es sich beim Cerro Armazones nahe Paranal um einen besonders guten Standort handle. Dort sei die Kombination der verschiedenen für die Himmelsbeobachtung günstigen Eigenschaften besonders ausgewogen; zudem könne das Observatorium gemeinsam mit dem Paranal-Observatorium der ESO betrieben werden. Cerro Armazones und Paranal weisen sehr ähnliche, für astronomische Forschung ideale Beobachtungsbedingungen auf. Insbesondere gibt es dort pro Jahr mehr als 320 klare Nächte.«

Bereits im Vorfeld, hatte die chilenische Regierung zugesagt, der ESO ein weitläufiges Gebiet zu übereignen, das den Cerro Armazones enthält und an den bestehenden ESO-Grundbesitz rund um das Paranal-Observatorium angrenzt. So sind beide Observatorien langfristig vor ungünstigen Einflüssen geschützt, insbesondere vor Lichtverschmutzung und den Folgen von Bergbauaktivitäten. Auch die spanische Regierung hatte sich zuletzt mächtig ins Zeug geworfen und glatt die Übernahme von 30% der Baukosten versprochen, sollte La Palma den Zuschlag bekommen – dem Vernehmen nach hatte so viel Großmut, bis zu 300 Millionen Euro, selbst die eigenen Astronomen schockiert. Ansonsten hatten die Spanier insbesondere auf die vielen Erdbeben in Chile verwiesen und umgekehrt in einem Gutachten den »Vorwurf« zurückweisen lassen, herüber wehender Sahara-Staub könne die Beobachtungen auf La Palma stören. Nachdem der Zuschlag an Chile ging, war der Aufschrei in den Medien groß, die Regierung in Madrid habe nicht genug getan, und politische Verschwörungstheorien machen schon die Runde. Astronomen anderswo freuen sich dagegen auf das besonders Infrarot-freundliche trockene Klima der Atacama: Sie hätten möglicherweise auf La Palma weniger erreichen können.

Daniel Fischer

 
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Pressemitteilung des MPIA:
www.eurekalert.org/pub_releases _ml/2010-04/aaft-r_1042210.php
 

Nach zehn Jahren Arbeit ist LUCIFER 1 nun in Betrieb, das erste von zwei innovativen Instrumenten für das Large Binocular Telescope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona. LUCIFER und sein Zwilling sind in den Brennpunkten der beiden 8,4m-Spiegel montiert und kombinieren ein großes Gesichtsfeld mit hoher Auflösung, das sich jeweils drei unterschiedliche Kameras für Bilder und Spektren in verschiedenen Auflösungen teilen. Neben der Aufnahme von Bildern mit gegenwärtig bis zu 18 Filtern erlaubt LUCIFER die simultane Spektroskopie von etwa zwei Dutzend Objekten im Infraroten durch lasergefertigte Schlitzmasken: Ein Robotarm entnimmt die Masken aus einem Magazin und platziert sie mit absoluter Präzision in der Brennebene.

Daniel Fischer

 
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R.A.S. Press Release:
www.ras.org.uk/index.php? option=com_content&task=view &id=1741&Itemid=2
 

Gemeint ist hier nicht der gewaltige Staubschweif, mit dem der Komet C/2006 P1 (McNaught) im Januar 2007 die Bewohner südlicher Kontinente begeisterte, sondern das ionisierte Gas, das der Sonnenwind von der Kometenkoma »wegblies«: Ihm begegnete die betagte interplanetare ESA-Raumsonde Ulysses in 1,5AE oder rund 225 Mio. km vom Kometenkern entfernt, weit jenseits des sichtbaren Schweifs. Das war bereits die dritte Fern-»Begegnung« von Ulysses mit einem Kometen, wobei bislang Hyakutake den Distanzrekord gehalten hatte. Damals hatte die Sonde 2½ Tage lang die vom Kometen beeinflusste Zone des Sonnenwinds durchquert, nun waren es volle 18 Tage: McNaught stellte ein beachtliches Hindernis für den Sonnenwind dar.

Daniel Fischer

 
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Die Veröffentlichung:
arxiv.org/abs/1003.5911
 

Ausnehmend mühsame Beobachtungen der Bahn seines 5m schwächeren Mondes Weywot und eine Neubestimmung seines eigenen Durchmessers (890±70km) waren nötig, aber nun scheint festzustehen: Das große Kuiper-Gürtel-Objekt Quaoar hat eine Dichte von 4,2±1,2g/cm3, wie sie so hoch noch nie in dieser fernen Region des Sonnensystems gefunden wurde. Zwar war schon bekannt, dass deren kleinere Bewohner generell Dichten von unter 1g/cm3 aufweisen und komplett aus Eis bestehen, während die größeren bis zu 2,6g/cm3 (im Falle des Zwergplaneten Haumea) haben und ein Eis-Fels-Gemisch sein sollten. Aber die Dichte von Quaoar würde viel eher in den Asteroidengürtel passen: Der Himmelskörper ist ein reiner Felsen, lediglich (wie Spektren zeigen) mit vereister Kruste. Mehrere Szenarien, von einer Abwanderung Quaoars aus dem Asteroidengürtel bis zu Kollisionen, die ihm sein Eis raubten, werden nun diskutiert.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 30.4.–12.5.2010

6.–9.5. 3. Esener Spechtel-Tage (EST) Astronomie-Freunde Esens, Folstenhausener Str.15, 26427 Stedesdorf, 04971/949076, astro-freunde.esens @ewetel.net, www.astronomie-freunde-esens.info
7.–9.5. 7. Chiemgauer Astronomie-Tage (CHAT), Jugendcampingplatz am Venusberg in Chieming Johann Wiesholler, Oberhochstätter Str. 3, 83339 Chieming, Tel. 0160/94668715, Fax 08664/929583, tipidorf@jugendzeltplatz-chieming.de, www.jugendzeltplatz-chieming.de
7.–9.5. 17. Tagung Astrospektroskopie für Amateure, Hotel Sonnenblick bei Bebra/Hessen ASPA-Aktive Spektroskopie in der Astronomie, Ernst Pollmann, Emil-Nolde-Str. 12, 51375 Leverkusen, 0214/91829, ernst-pollmann@t-online.de, www.astrospectroscopy.de
8.5. Veränderlichenbeobachter-Treffen, Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte Hartha/Sachsen, Töpelstr. 43 Werner Braune, Münchener Str. 26-27, 10825 Berlin, 030/7848453, zentrale@bav-astro.de, www.bav-astro.de
8.5. 13. Südbrandenburger Sternfreundetreffen (SBST), Rückersdorf Sven Zelasek, Möllendorferstr.42, 03238 Tanneberg, 03531/706661, kontakt@sbst.info, www.sbst.info
10.–16.5. Astrocamping Vogelsberg, Sternenwelt Vogelsberg.e.V, 36325 Feldatal Christina Marx, 06402/809573, info@sternenwelt-vogelsberg.de, www.sternenwelt-vogelsberg.de
12.–16.5. 19. Internationales Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV), Campingpark Am Gederner See, 63688 Gedern Intercon-Spacetec GmbH, 0821/414081, info@teleskoptreffen.de, www.teleskoptreffen.de
12.–16.5. WAA-Teleskoptreffen, Oberleiser Berg, Österreich Wiener Astronomische Arbeitsgemeinschaft, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien, 0043/664/2561221, www.waa.at, www.waa.at/beob/plz/leb.html
 
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TeleVue:
www.televue.com/engine/ TV3_page.asp?id=128
 

Die Firma TeleVue baut die inzwischen sechs Brennweiten umfassende Ethos-Okularbaureihe weiter aus und hat zum 3. Quartal 2010 das neue Ethos SX-Okular mit 3,7mm Brennweite angekündigt. Der Zusatz SX steht dabei für »Simulator eXpierience« und erinnert an die Optik, die Al Nagler vor 45 Jahren für die Mondlandesimulatoren der NASA entwickelt hat. Beiden gemeinsam ist das riesige Eigengesichtsfeld von 110°, das damit im Vergleich zur bisherigen Ethos Serie nochmals vergrößert wurde. Gegenüber dem 6mm-Ethos ist eine Zunahme der Vergrößerung um 62% zu verzeichnen, während 68% des Gesichtsfeldes erhalten bleiben. Das neue Okular weist mehr tatsächliches Gesichtsfeld auf als z.B. das 5mm-Nagler Type-6. Dieses extrem große Eigengesichtsfeld verspricht damit auch bei kurzer Brennweite einen ausgeprägten Spacewalk-Effekt beim Beobachten. Laut TeleVue soll das Okular ausgezeichnete Werte hinsichtlich Randschärfe, Farbneutralität und Feldkorrektur erreichen. Es weist eine 1¼"-Steckhülse auf und ist damit homofokal mit zahlreichen Panoptic, Radian, Nagler und den 6mm- und 8mm-Ethos-Okularen des Herstellers.

Mit einem speziell für dieses Okular angepassten Adapter werden 2" Steckdurchmesser und die identische Fokuslage zu den 10mm und 13mm-Ethos erreicht. Wie die anderen Ethos-Modelle ist auch dieses Okular mit 15mm Augenabstand Dioptrx-fähig (augenseitige Aufnahme von Korrekturlinsen). Laut ersten Erfahrungen von der diesjährigen NEAF wird das Einblickverhalten als angenehm beschrieben. Verbindliche Preise werden für das 495g schwere Okular aktuell noch nicht genannt, in den USA können jedoch Vorbestellungen für 555$ getätigt werden. In Deutschland wird von zahlreichen Händlern eine Preislage vergleichbar dem 10mm-Ethos vermutet, das aktuell 508€–598€ kostet.

Frank Gasparini

 
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GvA Hamburg:
www.gva-hamburg.de
Förderverein der Hamburger Sternwarte:
www.fhsev.de
Lange Nacht der Museen:
www.math.uni-hamburg.de/spag/ign/fhs/fhs-nm10.htm
 
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Besucher und Sternfreunde vor dem Schmid-Museum

Für den 24. April 2010 stand der 8. bundesdeutsche Astronomietag auf dem Veranstaltungskalender. Vielerorts wurde er mit anderen Veranstaltungen zusammengelegt, bisweilen aber auch durch diese ersetzt. So in Hamburg. Hier wurde der Astronomietag nicht beworben, sondern nur die kostenpflichtige »Lange Nacht der Museen (LNdM)«, was zu Irritationen, Unmut und spürbar geringeren Besucherzahlen auf der Sternwarte Hamburg-Bergedorf geführt hat. Dennoch wurden etwa 800 Besucherinnen und Besucher gezählt, und das, obwohl die Hamburger Tagespresse das traditionsreiche Observatorium als ein Museum unter vielen in der Elbmetropole weitgehend unbeachtet gelassen hatte. Sternfreunde des Fördervereins der Hamburger Sternwarte und der Gesellschaft für volkstümliche Astronomie (GvA) hatten bereits am frühen Nachmittag vor dem Schmidt-Museum die verschiedensten Instrumente vom 20×80-Feldstecher bis zum Riesen-Dobson aufgebaut.

In den Kuppeln hatten die Mitarbeiter der Sternwarte den Großen Refraktor, das Äquatorial und den »Lippert« für öffentliche Beobachtungen vorbereitet. Es gab mehrere Führungen über das Gelände und Vorträge unter dem Motto: »Der Weg in die Unendlichkeit – Weltbild und Vermessung des Kosmos«, dazu musikalische Darbietungen und kulinarische Leckerbissen.

Rund um Hamburg gab es eine ganze Reihe gut besuchter Astro-Veranstaltungen im Rahmen des Astronomietages, die sogar mehrere Tage andauerten, z.B. in Scheeßel und Buchholz in der Nordheide. Insgesamt, so ist aus verschiedenen Einträgen in Internetforen zu entnehmen, war der 8. bundesdeutsche Astronomietag in weiten Teilen des Landes immer dann erfolgreich, wenn sich Amateure engagierten und Sternwarten und Vereinigungen Unterstützung auch von öffentlicher Seite erhielten.

Manfred Holl

 
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DIE STERNWARTE:
astronomie-tornesch.de/rvst
 

Die »Regionale Volks- und Schulsternwarte Tornesch« (Schleswig-Holstein) lädt für den 8. Mai 2010 zur Eröffnung ihrer Sternwarte auf dem Dach der Gesamtschule Tornesch ein. Veranstaltungsbeginn ist 14 Uhr, das Ende ist für den Zeitraum von 18 Uhr bis 20 Uhr vorgesehen. Neben Führungen durch die Sternwarte wird es gegen 15:30 Uhr und 17 Uhr Vorträge geben.

Manfred Holl

 
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Gesamtübersicht der Teleskoptreffen:
www.teleskoptreffen.de
TTJ:
www.teleskoptreffen.com
 

Gleich mehrere Teleskoptreffen stehen im Mai auf dem astronomischen Veranstaltungskalender:
Vom 7. bis 9. Mai gibt es das CHAT in Chieming (Bayern) auf dem Venusberg, vom 10. bis 16. Mai das Astro-Camping am alten Standort des ITV in Stumpertenrod (Hessen). Nahezu gleichzeitig findet das 19. Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg am Gederner See (Hessen) vom 12. bis zum 16. Mai statt. Camping ist hier ab dem 8. Mai möglich. Zum Teleskoptreffen Johannismühle (TTJ) auf dem Gelände des Wildparks Johannismühle bei Baruth in Südbrandenburg wird vom 13. bis 16. Mai eingeladen. Dazu gibt es diverse Einzelveranstaltungen wie das Südbrandenburger-Sternfreundetreffen in Rückersdorf bei Doberlug-Kirchhain am 8. Mai.

Manfred Holl

 
 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 30.4.–12.5.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
1.5. 02:15 MESZ 3sat Was geschah in Tunguska 30min
12:15 MESZ BR-alpha Ringvorlesung: Sinn, Sinne, Sinnlichkeit: Licht und Farbe – Newton und Goethe zu Optik und Farbenlehre 30min
3.5. 01:00 MESZ ZDF Leschs Kosmos: Atomkerne lügen nicht 15min 7.5.: ZDF neo, 0:05
5.5. 22:45 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie ist das Sonnensystem entstanden? 15min 6.5.: 2:15, 8:15
10.5. 01:35 MESZ ZDF Leschs Kosmos: Wunder gibt es immer wieder 15min 14.5.: ZDF neo, 0:05
11.5. 19:00 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie ist unsere Milchstraße aufgebaut? 15min 12.5.: 9:30
12.5. 22:45 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Gravitationslinsen? 15min 13.5.: 1:45, 8:15
13.5. 01:45 MESZ Phoenix Sternenkult der Vorzeit 45min 14.5.: 2:15
20:00 MESZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie dünn war die Ursuppe? 15min 12.5.: 9:30

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 
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www.interstellarum.de/
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Das aktuelle Themenheft ist am Kiosk erhältlich:

Mehr als 30 Ziele auf fünf Kontinenten stellen Ihnen die Autoren dieses Themenheftes vor. Die Kontinente unseres Heimatplaneten dienen auch als Grundgerüst für das Heft; für jeden Erdteil ist zu Beginn eine Karte aus dem Lichtverschmutzungsatlas von Pierluigi Cinzano gegeben, auf der die behandelten Ziele verzeichnet sind. Um die klimatischen Bedingungen abschätzen zu können, sind außerdem Karten der Bewölkungswahrscheinlichkeit für die Monate Januar und Juli abgedruckt. Der Service-Teil bietet zudem zahlreiche praktische Tipps zur Reise-Vorbereitung.

 

Hinweis

Verschaffen Sie sich schon jetzt einen ersten Eindruck und nutzen Sie einfach die Blätterfunktion.