AKTUELLE AUSGABE
Blättern | Bestellen
Merkur. Helligkeit 1 ,m38, Durchmesser 9,92" (27.5.2016 14:00 MESZ)
Venus. Helligkeit -3 ,m94, Durchmesser 9,63" (27.5.2016 14:00 MESZ)
Mars. Helligkeit -2 ,m03, Durchmesser 18,56" (27.5.2016 14:00 MESZ)
Suche
INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 106 vom 19.3.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 19.3.–1.4.2010

20.3. 18:32:16 MEZ Frühlingsanfang
22.3. 01:37:12 MEZ Saturn in Opposition
23.3. 12:00:09 MEZ Mond Erstes Viertel
25.3. 19:00:00 MEZ Goldener Henkel (Mondjura) sichtbar
27.3. 03:07:03 MEZ Mond bedeckt ο Leo 3 ,m8
30.3. 04:25:30 MESZ Vollmond
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg)

Der Ringplanet steht wieder im Mittelpunkt: Ende März erreicht Saturn seine beste Sichtbarkeit im Jahr 2010. Dabei steht er im Sternbild Jungfrau nahe des Sterns η Vir bei einer Deklination von +2° – die kommenden 16 Jahre wird Saturn nur noch südlich des Himmelsäquators zu beobachten sein.

Größere Version
Saturns STrZ war schon öfter Schauplatz von hellen Fleckenerscheinungen – im Bild der aktuelle Fleck am 13.3.2010. [Christopher Go]

Die Opposition tritt am 22.3. um 1:37 MEZ ein. Die Erdnähe wird bereits knapp zweieinhalb Stunden vorher mit 8,5AE bzw. 1,27 Milliarden Kilometern erreicht. Die größte Helligkeit tritt erst am 23.3. mit 0 ,m5 ein. Nach der Ringkantenstellung im vergangenen Jahr blicken wir auf die Nordseite der Ringe. Die Ringöffnung beträgt jedoch nur 3,2°, die maximale Breite im Teleskop ist deshalb nur 2,4". Dieser Wert wird bis Ende Mai auf 1,2" abnehmen, um dann wieder bis zum Ende der Sichtbarkeit im Sommer anzusteigen.

Passend zur Opposition wartet der Herr der Ringe auch mit atmosphärischer Aktivität auf: Am 6.3.2010 fand der japanische Beobachter Tomio Akutsu auf seinen Bildern einen hellen Fleck in der Südlichen Tropischen Zone (STrZ). Die Längenposition im System III war 5°. Ähnliche Erscheinungen werden immer wieder auf Saturn beobachtet und sind dennoch relativ selten. Im Februar hatte sich ein weit wenig auffallender Fleck in Südlichen Äquatorband (SEB) bei 47° (System III) bemerkbar gemacht.

Ronald Stoyan

Bereits am 9. März gab es einen vagen Hinweis, dass sich etwas in der Koma des Kometen C2007 Q3 (Siding Spring) zugetragen hatte, der Anfang des Jahres 9. Größe erreicht hatte, aber bereits wieder auf 11m gefallen war. Und Bilder vom 17. März lassen nun keinen Zweifel mehr: Ein Stück des Kometenkerns ist abgebrochen.

Zu einem nennenswerten Helligkeitsanstieg scheint der Zwischenfall bislang nicht geführt zu haben, aber erfahrene Astrofotografen sollten sich auf jeden Fall an dem interessanten Bild versuchen.

Daniel Fischer

 
Größere Version
Karte von V407 Cygni, erstellt mit dem Variable Star Plotter der AAVSO.

Der Veränderliche Stern V407 Cygni etwa 4° östlich von Deneb am Ort 21h 2min 09,8s, +45° 46' 33" zeigte bisher Helligkeitsschwankungen zwischen etwa 14m und 17m. In der Arbeit von McLaughlin (1945) wird das Objekt als Nova Cygni 1936 mit einer Maximalhelligkeit von 14m geführt.

Am 10.3.2010 entdeckten Koichi Nishiyama und Fujio Kabashima auf Aufnahmen mit digitaler Spiegelreflexkamera und 105mm-Objektiv einen Helligkeitsausbruch des Objekts mit 7 ,m4. Das Helligkeitsmaximum dürfte am 11.3. mit etwa 7 ,m0 eingetreten sein.

Erste Spektren zeigten einen Helligkeitsausbruch einer klassischen Nova. V407 Cygni dürfte aus einem veränderlichen Mirastern als Spenderstern und einem Weißen Zwergstern als Ort des Novaausbruchs bestehen. Beobachtungen vom 16.3. zeigen V407 Cyg noch etwa 9 ,m0 hell. Weitere Beobachtungen dieses ungewöhnlichen Objekts sind an die AAVSO bzw. BAV erwünscht!

Wolfgang Vollmann

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
VARIABLE STAR OF THE SEASON:
www.aavso.org/vstar/vsots/ 1100.shtml
AAVSO SPECIAL NOTICE #198:
www.aavso.org/publications/ specialnotice/198.shtml
 

Die Nova Persei leuchtete Ende Februar 1901 auf und erreichte die Helligkeit von Wega in der Leier bzw. Kapella im Fuhrmann, also 0. Größe. Vor und nach dem Novaausbruch war der Stern 13m hell. Seit 1966 wurden öfters kleinere zwergnovaartige Helligkeitsausbrüche von GK Persei – so der Name der Nova als Veränderlicher Stern – beobachtet: Etwa alle drei Jahre stieg die Helligkeit für wenige Wochen auf 10m–11m an.

Seit Anfang März wird wieder ein Helligkeitsanstieg von GK Per beobachtet. Bis zum 17.3. erreichte der Stern bereits 12 ,m0. Der neuerliche Helligkeitsanstieg ist der erste seit 2006. Weitere Beobachtungen sind sehr erwünscht! GK Persei ist am Ort 3h 31min 12,01s, +43° 54' 15,4" zu finden.

Wolfgang Vollmann

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG

Die Leuchtkraft der Sonne schwankte, seit vor gut 30 Jahren präzise Messungen von Satelliten aus begannen, zwischen den Maxima und Minima der Aktivität um etwa ein Promille: Während der Sonnenmaxima bedecken zwar kühlere Sonnenflecken Teile der Photosphäre, doch zugleich nimmt die Strahlung in den Fackelgebieten stärker zu, so dass die Sonne dann insgesamt ein wenig heller ist. Einerseits hat sie sich damit als veränderlicher Stern entpuppt, andererseits aber sind diese Schwankungen der Gesamtstrahlung so gering, dass sie die Erdtemperatur insgesamt nur um 0,1° Celsius beeinflussen. Dieser Effekt ist überhaupt nur mit großem Aufwand nachzuweisen und spielt für das jährliche Auf und Ab des Weltklimas keine nennenswerte Rolle: Er wird von rein irdischen Prozessen wie wandernden Meeresströmungsmustern und Vulkanausbrüchen völlig überlagert. Ebenso wenig hat sich irgendein Mechanismus finden lassen, durch den die Sonne zu der auf einer Zeitskala von Jahrzehnten stetigen Erwärmung des Weltklimas seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts auch nur einen Teil beigetragen haben könnte.

Kein Parameter ihrer Aktivität hat sich nämlich in diesem Zeitraum in gleicher Weise stetig verändert, und kein Verstärkungs- und Einkopplungsmechanismus in das Klimageschehen hat sich dingfest machen lassen. Insbesondere hat sich eine zuweilen behauptete Wirkung schwankender Sonnenaktivität auf die Bewölkung – über den Umweg einer Beeinflussung der kosmischen Strahlung und deren behaupteter Wirkung auf Kondensationskeime – weder auf mikroskopischer Ebene noch im tatsächlichen Datenvergleich belegen lassen. Bleibt also nur die direkte Wirkung über Schwankungen der Sonnenleuchtkraft: Das gegenwärtige besonders ausgeprägte Minimum der Sonnenaktivität hat immerhin die theoretische Frage aufgeworfen, ob eine Wiederkehr des berühmten Maunder-Minimums – als die Sonne Mitte des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts jahrzehntelang fast alle Aktivität eingestellt hatte (vgl. Titelgeschichte interstellarum 69) – die Erwärmung des Weltklimas durch menschlichen Einfluss nennenswert abbremsen könnte. Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat man dazu mehrere Szenarien durchgerechnet: Die Forscher legten den Simulationen einen mittleren und einen starken Anstieg der Treibhausgas-Emissionen nach den Szenarien A1B und A2 des Weltklimarates IPCC zugrunde.

Sie berücksichtigten auch Vulkanausbrüche, die natürlich nicht vorhersagbar sind, indem sie ebenso viele und so starke Eruptionen wie im 20. Jahrhundert zufällig über das 21. Jahrhundert verteilten. Bei den Simulationen gingen die Forscher einmal davon aus, dass sich der normale Elf-Jahres-Zyklus der Sonnenaktivität bis zum Jahr 2100 wiederholt und kein großes Minimum auftritt. In den zwei anderen Experimenten tritt die Sonne jeweils in ein Minimum ein, das bis zum Ende des Jahrhunderts anhält: Die Werte der Sonnenstrahlung wurden dazu um 0,08% – das würde einer Wiederholung des Maunder-Minimums entsprechen – beziehungsweise sogar 0,25% geringer angesetzt als im Jahr 1950. Wird der Elf-Jahres-Zyklus der Sonnenaktivität bis 2100 fortgesetzt, ergeben die Simulationen einen Temperaturanstieg von rund 4°C, im Einklang mit anderen Klimamodellen der letzten Zeit. In den beiden Szenarien mit einem Aussetzen aller Sonnenaktivität fiele der Anstieg nur um 0,1°C bzw. 0,26°C schwächer aus – keine 10% Reduzierung der Erderwärmung. Außerdem wäre jeder Abkühlungseffekt nur vorübergehend wirksam, da große Sonnenminima normalerweise nur einige Jahrzehnte bis maximal ein Jahrhundert andauern.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
 
ARTIKEL IM NRAO-NEWSLETTER:
science.nrao.edu/enews/ enews_3_2/enews_3_2.shtml #bessel
 

Trotz aller Bemühungen von Astronomen in vielen Spektralbereichen und manch forscher Pressemitteilung: Wir wissen immer noch nicht annähernd, welche Spiralgestalt eigentlich unsere eigene Milchstraße hat, in deren Scheibe wir so perfekt eingebettet sind. Zwar können wir vor allem dank der Radioastronomie die ganze Struktur überblicken, doch weder der neutrale Wasserstoff noch Molekülwolken, die ihre Arme nachzeichnen, geben ihre Entfernungen preis: Immer muss ein Modell der galaktischen Rotation angenommen werden, um ihnen konkrete Orte in der Scheibe zuzuweisen, und so kommt es, dass mal zwei und mal vier Arme »nachgewiesen« werden und auch die Ausmaße des zentralen Balkens umstritten bleiben.

Größere Version
Irgendwo zwischen diesen beiden Spiralgalaxien – NGC 1330 und NGC3370 – dürfte die Gestalt unserer eigenen Milchstraße angesiedelt sein: Das große radioastronomische Projekt BeSSeL verspricht endlich eine klare Antwort. [NRAO]

Besonders glücklich sind Astronomen immer dann, wenn sie Entfernungen direkt messen können, durch die klassische Parallaxe: Während die Erde um die Sonne kreist, verschieben sich Objekte in der Milchstraße ganz leicht gegenüber weiter entfernten. Dem ESA-Satelliten Gaia sollte es bis Ende des Jahrzehnts auf diese Weise gelingen, direkte Entfernungen zu hunderten Millionen Sternen zu bestimmen, da er Positionen am Himmel mikrobogensekundengenau messen können wird: Vor allem die Struktur und Dynamik des Halos der Milchstraße dürften so wesentlich klarer werden. Gegen den Staub in der Milchstraßenscheibe wird freilich auch Gaia machtlos bleiben – doch er wird Hilfe durch die Radioastronomie bekommen. Nicht Sterne selbst, sondern Maser, extrem starke kompakte Radioquellen von Wolken z.B. aus Methylalkohol oder Wasser in der Umgebung entstehender massereicher Sterne, wird im Rahmen eines gewaltigen Projekts ein Netzwerk aus Radioteleskopen anpeilen, namentlich der quer über die USA und darüber hinaus verteilte Very Long Baseline Array.

Fünf Jahre wird das Projekt dauern, 5000 Stunden Messzeit beanspruchen und dabei mehrere hundert Sternentstehungsgebiete unter die Lupe nehmen. Sein Akronym BeSSeL steht dabei für »Bar and Spiral Structure Legacy«, ehrt aber auch den deutschen Astronomen Friedrich Bessel, der 1838 zum ersten Mal eine Sternentfernung per Parallaxe bestimmen konnte. Nicht nur Entfernungen sondern auch Eigenbewegungen der Maser werden erfasst, und am Ende dürfte ein komplett neues Modell vom Aufbau unserer Milchstraße und ihrer Bewegungsmuster stehen.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
 
DIE VERÖFFENTLICHUNG:
arxiv.org/abs/1003.0362
 

Wenn ein Stern am Ende seines Lebens den sogenannten asymptotischen Riesenast des Hertzsprung-Russell-Diagramms erreicht, was allen Sternen bis 10 Sonnenmassen widerfährt, dann erleben sie einen starken Massenverlust von ihren Oberflächen. Was diesen jedoch antreibt, wie er von der Masse abhängt und sich mit der Zeit entwickelt, ist noch kaum bekannt – bedauerlich, da auf diesem Wege unter anderem die Chemie des interstellaren Mediums angereichert und natürlich die weitere Entwicklung des Sterns beeinflusst wird.

Da ist es hilfreich, wenn der Massenverlust zu klar erkennbaren Strukturen führt: Eine besondere davon sind die »dünnen abgelösten Schalen«, wie man sie um einige wenige Kohlenstoffsterne gefunden hat. Hier ist offenbar Masse schubweise abgestoßen worden und dann mit dem interstellaren Medium bzw. früherem Sternwind kollidiert. Zwei dieser Sterne, R Sculptoris und U Camelopardalis, hat das Hubble Space Telescope bereits Ende 2004 bis Anfang 2005 mit der Advanced Camera for Surveys im koronographischen Modus aufgenommen: Die abgelösten Schalen sind extrem lichtschwach und überhaupt nur klar zu erkennen, wenn der Stern selbst abgedeckt wird, und die Bildverarbeitung zog sich hin. Die Schale um R Scl misst 40" und wurde vor etwa 1700 Jahren abgestoßen, diejenige um U Cam – 700 Jahre alt – hat nur einen Durchmesser von 15" und einen schärfer bestimmten Rand. Dass man die dünnen Gasschalen, die selbst nicht leuchten, überhaupt sieht, liegt an etwas eingebettetem Staub, der das Licht der Sterne reflektiert.

Er zeichnet sowohl eine klumpige Struktur der Schalen – vermutlich durch Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium und resultierende Instabilitäten – wie auch ihren scharfen Rand nach, der nur 1/20 bis 1/10 des Durchmessers der Schalen dick ist. Offenbar ist die Rate des Massenverlusts plötzlich und nur 50 bis 100 Jahre lang um einen Faktor 10 und mehr angestiegen, wobei er in alle Richtungen genau gleich stark war: eine wesentliche Erkenntnis aus den mühsamen Hubble-Beobachtungen.

Daniel Fischer

Bekannt ist das Sternsystem aus zwei Weißen Zwergen schon länger und auch, dass sich dort etwas mit nur 5,4 Minuten Periode regelmäßig verändert – aber erst jetzt hat sich beweisen lassen, dass dies tatsächlich die Bahnperiode der beiden Komponenten von HM Cancri ist. Das ergibt sich aus Serien von Spektren des Keck-Teleskops, genauer gesagt zwei Emissionslinien von Helium: Sie entstehen auf der Oberfläche eines der Weißen Zwerge bzw. in einem Ring um den anderen und zeigen gegenläufige Dopplerverschiebungen mit der kurzen Periode und nur dieser – was mithin die Umlaufszeit sein muss. Damit hat HM Cnc den Doppelstern V407 Vul mit 9,5 Minuten Periode als neuer Rekordhalter abgelöst – und dürfte zugleich eine der stärksten Quellen von Gravitationswellen sein, die die geplante Satellitenkonstellation LISA nachweisen können müsste.

Daniel Fischer

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
DIE VERÖFFENTLICHUNG:
arxiv.org/abs/1003.2160
 

Im Schnitt alle 100000 Jahre nähert sich ein anderer Stern unserem Sonnensystem bis auf ein Parsec oder 3,3 Lichtjahre: Das hatte schon vor zehn Jahren eine Analyse des Hipparcos-Sternenkatalogs ergeben. Jetzt gibt es – anhand einer überarbeiteten Fassung dieses Katalogs mit Sternpositionen und Eigenbewegungen sowie Radialgeschwindigkeiten aus einem russischen Katalog – auch ganz konkrete Listen solcher Besuche in der Zukunft, und einer sticht besonders heraus. In 1450000 ±60000 Jahren wird der Stern GL 710 mit einer Wahrscheinlichkeit von 86% in die Oortsche Kometenwolke eindringen (was bei keinem anderen »Besucher« der Fall ist) und sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10000 sogar auf weniger als 1000AE der Sonne nähern und auch noch den Kuiper-Gürtel beeinflussen. Eine derartig extreme Begegnung mit einem Eindringling ist auch eine mögliche Erklärung für den exotischen Orbit des großen Kleinplaneten Sedna, der weit außerhalb des Kuipergürtels um die Sonne zieht und eigentlich von keinem bekannten Objekt des Sonnensystems selbst dorthin bugsiert worden sein kann.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
PRESSEMITTEILUNG DER UNI FRANKFURT:
idw-online.de/de/news360250
HOMEPAGE DES PROJEKTS:
stardustathome.ssl.berkeley.edu
DER BEGINN DER AKTION:
www.oculum.de/newsletter/astro/ 000/20/3/23.7j3.htm#2
 

Tausende Freiwillige hatten unzählige mikroskopische Aufnahmen eines Staubfängers der Raumsonde Stardust durchforstet, der eine Zeitlang interstellaren Staub ausgesetzt war, welcher durch das Sonnensystem driftet: Nur wenige Einschlagspuren waren überhaupt in dem Aerogel zu finden, die meisten davon wiederum mit falschen Bahnen – aber sieben könnten zu interstellarem Staub passen. Und aus einer dieser Spuren wurden jetzt nun Teilchen isoliert, die der Entdecker taufen durfte (»Orion« und »Sirius«): Noch ist nicht bewiesen, dass dies ein – beim Einschlag entzwei gegangenes – Teilchen aus dem interstellaren Raum ist, aber erste Untersuchungen im Labor sehen vielversprechend aus.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 

Termine vom 19.3.–1.4.2010

19.–21.3. 8. Winter-Teleskoptreffen (WTT), Berghotel »Langis«, Glaubenberg in Obwalden oberhalb Sarnen Niklaus J. Imfeld und Eduard von Bergen, ++41(0)41/6611234, verein@aoasky.ch, www.aoasky.ch/wtt
19.–21.3. 2. Deep-Sky-Meeting auf der Schwäbischen Alb, Landgasthof Hirsch, Hayingen-Indelhausen Hans-Jürgen Merk, Kleinstafflangen 13, 88400 Stafflangen, 07351/74054, hajuem@web.de, deepskymeeting.astromerk.de
26.–28.3. 29. Seminar des Arbeitskreis Meteore, Jugendherberge in Naumburg/Saale Sirko Molau, Abenstalstr. 13b, 84072 Seysdorf, 08752/869437, sirko@molau.de, www.meteoros.de/akm/seminar10.html

Seit einer Woche kann sich Wolfsburg im Osten Niedersachsens rühmen, das modernste Hybrid-Planetarium der Welt zu besitzen: Gemeint sind gemeinsam gesteuerte Projektionssysteme, die einen klassischen optomechanischen Projektor – der nadelscharfe Sterne auf die Kuppel projiziert – mit Videotechnik für alle andere Effekte kombinieren, die zur Abrundung der kosmischen Illusion benötigt werden. Reine Videosterne können trotz aller Fortschritte bei weitem noch nicht die Schärfe und den Realismus der »klassischen« Sterne erreichen, die aber geraden den eigentlichen Reiz eines Planetariums ausmachen (sollten): Wer es sich leisten kann, kombiniert solch einen Sternprojektor mit aufwändiger Videoprojektion. Gemischte Systeme werden schon seit Jahren angeboten, insbesondere von einem Hersteller in Japan - aber was am 12. März in Wolfsburg der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, gab es in dieser Kombination noch nie: Erstmals sind sechs Projektoren des neuartigen VELVET-Systems von Carl Zeiss im Einsatz, die (dank bis heute nicht öffentlich gemachter technischer Fortschritte) über eine außerordentliche Kontrastleistung verfügen.

Wenn die projizierten Zusatzeffekte wie Planetenbahnen und -oberflächen oder Raumsonden nicht zu viel der Kuppel ausfüllen, bleibt der restliche künstliche Himmel perfekt schwarz: Alle früheren Videoprojektoren (mit Ausnahme veralteter Röhrensysteme) zeigen immer eine graue Fläche, wo eigentlich schwarz sein sollte – sehr störend in Kombination mit den klassischen Sternen. Diese werden inWolfsburg von einem Starmaster-Projektor erzeugt, bei dem Glasfasern zwischen Birne und Stern für besonderen Glanz sorgen, und der seit 1996 seinen Dienst tut. Der wissenschaftliche Leiter Wilhelm Martin betont gegenüber interstellarum, dass der Starmaster auch in der neuen Ära eine wesentliche Rolle spielen wird: eine ganz andere Strategie, als sie viele – und gerade neu eingerichtete – Planetarien fahren, die sich ganz auf die unscharfen Videosterne verlassen. In Deutschland ist so etwas jedoch verpönt: Schon am 4. Mai öffnet in Bochum das erste Großplanetarium der Welt, das eine noch leistungsstärkere VELVET-Variante (acht Projektoren mit doppelter Lichtstärke) mit einem ebenfalls glasfaserbestückten Universarium vereinigt. Und auch an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin hat man schon VELVETs geordert – die es übrigens fürs Heimkino noch nicht gibt: Elektronik wie Optik sind für die Projektion in Kuppeln optimiert, wozu neben Planetarien vor allem Flugsimulatoren gehören.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
GEOPTIK-OKULARREVOLVER:
www.teleskop-express.de/shop/ product_info.php? products_id=3820#zubehoer
 

Okularrevolver sind eine Beobachtungshilfe, wenn ein häufigerer Wechsel der Vergrößerungen angebracht ist. Sie können daher besonders vorteilhaft bei der Mond- und Planetenbeobachtung eingesetzt werden, aber auch bei öffentlichen Führungen auf Sternwarten sind sie von hohem Nutzen.

Einen besonders kurz bauenden Okularrevolver mit nur 17mm optischem Weg und passend für vier Okulare stellt die Firma Geoptik vor. Der Revolver ist komplett aus Aluminium gefertigt und weist bei 110mm Durchmesser ein Gewicht von 330g auf. Die Anschlüsse sind teleskop- und okularseitig jeweils 1¼" groß, die vier Okularsteckplätze sind mit Ringklemmungen ausgestattet. Der Hersteller betont neben der soliden Verarbeitung auch die sehr hohe Passgenauigkeit der Okularpositionierung exakt auf der optischen Achse. Aufgrund der geringen optischen Baulänge soll der Revolver auch für Newton-Teleskope mit ausreichend Fokusweg geeignet sein. Der Preis beträgt 159€.

Frank Gasparini

 
LINKS ZUM ARTIKEL
ENELOOP KAIRO-HANDWÄRMER:
en.ca.sanyo.com/eneloop-kairo
 

Wer hat es nicht schon einmal erlebt, dass in einer langen Beobachtungsnacht im Winter die Hände kalt geworden sind? Dicke Handschuhe tragen ist eher unpraktisch, da die Feinmotorik beim Okular- und Filterwechsel oder beim Bedienen der Kamera gefordert ist. Sind die Finger erst einmal richtig kalt, kann das den Beobachtungsspaß merklich mindern. Abhilfe versprechen sogenannte Hand- oder Taschenwärmer, die auf verschiedenen Funktionsprinzipien beruhen wie Katalytverbrennung von Benzin, Abbrennen von Kohlestäbchen oder die Latentwärmespeicherung von übersättigten Salzlösungen in Wärmekissen. Nachteilig bei den unterschiedlichen Verfahren sind z.B. der Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten, Geruchsentwicklung oder das umständliche Regenerieren.

Mit einem unkomplizierten Gebrauch wird der neue Eneloop-Taschenwärmer »Kairo KIR-SL2S« der Firma Sanyo beworben. Es handelt sich um ein ca. 50g schweres Aluminiumgehäuse mit den Abmessungen 84mm × 46mm × 20mm, das mit zwei AA-Akkus als Energiequelle bestückt wird. Die Wärmeabgabe kann in drei Stufen gewählt werden: Turbo-Modus zum »Anheizen« (wird nach fünf Minuten automatisch verlassen), High-Modus (1-2 Stunden Nutzungsdauer) und Low-Modus (ca. 3 Stunden Nutzungsdauer). Die dabei erreichten Temperaturen sollen 39°C–46°C betragen. Die Heizstufe wird über einen Druckschalter an der Gehäuseoberseite eingestellt, zusätzlich informiert hier eine LED über den Ladezustand. Im Lieferumfang sind ein Netzteil und zwei Eneloop-Akkus (AA, 2000mAh) enthalten, die mit sehr niedriger Selbstentladung aufwarten (85% Restladung nach einem Jahr), so dass die Miniheizung auch nach längerer Lagerung direkt einsatzbereit ist. Darüber hinaus kann der Handwärmer noch als Ladegerät genutzt werden, welches die beiliegenden Akkus in 4,5 Stunden auflädt. Der Preis liegt um 30€.

Frank Gasparini

Im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) die Online-Plattform »Mitreden-U« eingerichtet, auf der Bürger aus ihrer Sicht wichtige, aber noch zu wenig beachtete Umweltthemen benennen können. Im Zeitraum vom 17.2.–17.3. bestand die Möglichkeit, Beiträge zu Umweltthemen einzustellen, die noch bis zum 26.3. kommentiert und unterstützt werden können. Anschließend werden alle Beiträge vom Ministerium ausgewertet, im Frühsommer wird das Ministerium Fachdialoge zu den drei wichtigsten Themen veranstalten. Hierzu sollen neben Experten aus Verbänden auch ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus der Online-Beteiligung eingeladen werden.

Am 22. Februar hat Christian Reinboth im Themenbereich Naturschutz & Landschaftspflege den Beitrag »Lichtverschmutzung auf ein Minimum begrenzen« eingestellt, in dem er auf die negativen ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen übermäßiger nächtlicher Beleuchtung eingeht. Der Initiator hat zu dem Thema einen eigenen Blog eingerichtet. Aktuell (Stand 17.3.) steht das Thema mit 175 Unterstützungen an 1. Stelle, gefolgt von Themen zu Gentechnik (96) und Tempolimit (63). Es bestehen also gute Chancen, diesem allen Amateurastronomen am Herzen liegenden Thema entsprechendes Gehör in der nächsten Diskussionsrunde zu verschaffen.

Frank Gasparini

 
LINKS ZUM ARTIKEL
STERNWARTE NEUMÜNSTER:
www.sternwarte-nms.de
NORDDEUTSCHES ASTROFOTOGRAFENTREFFEN:
www.naft.de
 

Am 27. März 2010 findet auf der Sternwarte Neumünster (DRK-Fachklinik, Hahnknüll 58) das diesjährige Frühjahrstreffen der Norddeutschen Astrofotografen statt. Es beginnt ab 13 Uhr zunächst mit der Besichtigung der Sternwarte und um 14 Uhr 100m entfernt mit den Vorträgen in einem bis zu 70 Personen fassenden Vortragsraum. Ein festes Programm gibt es nicht, denn die NAFTs sind immer »anarchisch« organisiert. Das Programm, die einzelnen Beiträge, die von der einfachen Präsentation von Bildergebnissen über die Darstellung ausgefeilter Fototechniken bis hin zur Erläuterung von Auswertemethoden reichen, ergibt sich aus dem Material, das die Besucherinnen und Besucher mitbringen. Notebook, Beamer und Leinwand stehen zur Verfügung. Daneben wird es zum Selbstkostenpreis Verpflegung in Form von belegten Brötchen, Würstchen, Kaffee und Kuchen sowie einen kleinen Astroflohmarkt geben. Einen Lageplan gibt es auf der Homepage der Sternwarte Neumünster.

Manfred Holl

 
LINKS ZUM ARTIKEL
KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 19.3.–1.4.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
21.3. 20:00 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie sucht man nach Dunkler Materie? 15min
22.3. 01:30 MEZ ZDF Der Horror vor dem Nichts 15min
24.3. 19:45 MEZ ARD Wissen vor 8: Warum stoßen Satelliten zusammen? 5min
22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Was gibt es Neues über Außerirdische? 15min 25.3.: 1:45, 8:15,
28.3.: 20:00
25.3. 23:45 MEZ ZDF neo Leschs Kosmos: Denken mit Antimaterie 15min
26.3. 14:30 MEZ MDR Lexi TV: Sommerzeit – Diskussion um eine Stunde 60min 29.3.: 7:45
29.3. 01:00 MEZ ZDF Leschs Kosmos: Ab ins Loch: Der Todesschrei der Materie 15min
14:45 MEZ Phoenix Phoenix-Thema: Raumfahrt 135min
31.3. 22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Wo ist das nächste Schwarze Loch? 15min 1.4.: 1:45, 8:15

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION
 

In eigener Sache

Aufgrund eines Produktionsfehlers der Druckerei sind an einige Abonnenten Hefte mit verklebten Seiten versendet worden. Betroffene werden gebeten, sich unter Angabe von Namen und Abo-Nummer an den interstellarum-Abo-Service zu wenden. Verlag und Redaktion bitten darum, die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
VISUELLE ERGEBNISSE:
www.interstellarum.de/ods.asp? Maske=2
FOTOGRAFISCHE ERGEBNISSE:
www.interstellarum.de/ods.asp
 

Die Objekte der Saison in interstellarum sind das vielleicht umfangreichste Deep-Sky-Beobachtungs- projekt weltweit. Seit 1994 sind die Leser der Zeitschrift aufgerufen, ihre Fotos, Zeichnungen und visuellen Beobachtungsbeschreibungen zu ausgewählten Objekten einzusenden. Davon wurde bisher eine Auswahl im gedruckten Heft veröffentlicht.

Dabei wird es auch bleiben – zusätzlich werden aber ab Heft 70 alle eingesendeten Materialien auch online auf www.interstellarum.de präsentiert werden. Jeder Teilnehmer hat somit die Möglichkeit, seine eigenen Ergebnisse zu veröffentlichen. Als Ergebnis wird eine umfassende Darstellung des Objektes in Wort und Bild stehen.

Die Redaktion ruft zu Einsendungen auf – bitte ausschließlich über die Upload-Seiten direkt auf den interstellarum-Server: Objekte für Heft 70 sind M 16 und M 17.

• visuelle Ergebnisse: www.interstellarum.de/ods.asp?Maske=2

• fotografische Ergebnisse: www.interstellarum.de/ods.asp

Insbesondere visuelle Beobachter und Einsteiger mit nicht so perfekten Ergebnissen sind herzlich eingeladen.

Einsendeschluss ist bereits am 22.3.2010!

 

interstellarum 69 (April/Mai 2010) ist am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

Sonne ohne Flecken – Was geschah im Maunder-Minimum
Finsternis-Fotos – Der Jahrtausend-Feuerring
Selbstbau – Carbon als Werkstoff
Sonnenbeobachtung – Zwei Jahre H-alpha Relativzahl
Teleskop-Linsen – Methoden in der Optik-Fertigung
Mobil-Astronomie – Programme für das iPhone

 

Hinweis

Seit der Modernisierung unseres Webauftritts ist es möglich, sich einen ersten Eindruck vom aktuellen Heft zu verschaffen. Nutzen Sie hierfür einfach unsere neue Blätterfunktion.

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
HOBBY-ASTRONOM IN 4 SCHRITTEN:
www.oculum.de/oculum/
titel.asp?Nr=52
INHALTSVERZEICHNIS:
www.oculum.de/oculum/
download/hobby-inhalt.pdf
LESERSTIMMEN ZUR 1. AUFLAGE:
www.oculum.de/oculum/
titel.asp?Nr=52&Info=2
REZENSIONEN ZUR 1. AUFLAGE:
www.oculum.de/oculum/
titel.asp?Nr=52&Info=1
 

So fällt der Einstieg in die praktische Astronomie leicht: 52 Kapitel erklären, was Hobby-Astronomen wissen wollen. Von den Grundzügen der ältesten Wissenschaft der Welt spannt sich der inhaltliche Bogen über praktische Fragen bei der Bedienung eines Teleskops bis hin zu Beobachtungsvorschlägen für die ersten galaktischen Erlebnisse. Leicht verständlich und anschaulich illustriert werden alle wichtigen Themen für einen grundlegenden Einstieg in dieses spannende Hobby thematisiert

»Hobby-Astronom in 4 Schritten« bietet Informationen zu Wissen, Ausrüstung, Beobachtung und Objekttipps für Hobby-Astronomen und solche, die es werden wollen. Praxisbezogenheit und Vollständigkeit, die sich an den tatsächlichen Problemen eines Hobby-Einsteigers orientieren, unterscheiden dieses Buch von anderen Astronomie-Einführungen. Durch die leicht navigierbare doppelseitige Struktur ist das Buch als Nachschlagewerk wie als erste Anleitung gleichermaßen geeignet. Ein ausführliches Glossar erklärt 235 Fachbegriffe, die im Text hervorgehoben sind.

Die 2. Auflage wurde grundlegend überarbeitet und aktualisiert. Übersichtliche Sternkarten zeigen die Positionen der Planeten bis 2014. Die Übersicht astronomischer Ereignisse reicht bis ins Jahr 2030.