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Jupiter. Helligkeit -2 ,m15, Durchmesser 38,02" (24.5.2016 21:20 MESZ)
Saturn. Helligkeit 0 ,m05, Durchmesser 18,33" (24.5.2016 21:20 MESZ)
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INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 102 vom 22.1.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
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AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 22.1.–5.2.2010

23.1. 11:53:28 MEZ Mond Erstes Viertel
27.1. 06:45:35 MEZ Merkur in größter westlicher Elongation 24,8°
27.1. 17:42:00 MEZ Mond bei M 35, Mond 18' nördlich
28.1. 19:51:20 MEZ Mond bedeckt δ Gem 3 ,m5
29.1. 20:43:04 MEZ Mars in Opposition
30.1. 07:17:40 MEZ Vollmond
31.1. 05:38:18 MEZ Mond bedeckt ο Leo 3 ,m8
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Kurz vor dem zweiten Kontakt der ringförmigen Sonnenfinsternis am 15. Januar, wie er sich im südindischen Varkala abspielte: Bei langer Belichtung tritt klar die Chromosphäre hervor, trotz des vielen Streulichts vom unbedeckten Teil der Sonne: Schließlich war der Mond relativ zur Sonne kleiner als bei irgendeiner anderen ringförmigen Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts. [T. Kampschulte]

Ein halbes Jahr nach der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009, bei der der Mond relativ zur Sonne größer war als irgendwann sonst in diesem Jahrhundert, kam es am 15. Januar 2010 noch dicker – buchstäblich: Diesmal war der scheinbare Monddurchmesser im Verhältnis zur Sonne kleiner als bei irgendeiner anderen ringförmigen Sonnenfinsternis im ganzen 3. Jahrtausend.

Das Ergebnis war der nahezu dickste überhaupt mögliche Feuerring, und wer sich im Indischen Ozean in der Mitte der Annularitätszone westlich der Malediven aufhielt (vgl. Kasten), konnte ihn bis zu 11 Minuten und 8 Sekunden lang am Himmel sehen. Entsprechend war dieser Archipel vor der Südspitze Indiens ein beliebtes Ziel von Finsternisjägern gewesen, gefolgt von den indischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu, wo im Süden noch die 10-Minuten-Grenze überschritten wurde, und Ostafrika mit dem Feuerring am Morgen. Im Gegensatz zu totalen Sonnenfinsternissen, wo fast jeder die maximale Zeit im vollen Mondschatten bevorzugt und Richtung Zentrallinie drängt, existieren bei ringförmigen Sonnenfinsternissen aber auch gute Gründe, sich stattdessen bis fast an den Rand der Annularitätszone zu begeben. Hier dauert die Ringphase zwar nur noch etwa eine Minute, und der Mond steht nie zentral vor der Sonne. Aber dafür verlangsamen sich jene Phänomene bei den beiden inneren Kontakten des Mond- und des Sonnenrandes dramatisch, die für viele – vor allem Astrofotografen – den eigentlichen Reiz dieses Typs von Sonnenfinsternissen ausmachen.

In Randnähe gleitet der gezackte Mondrand fast streifend über den Sonnenrand, den er kurz vor dem zweiten Kontakt, der die Ringphase einleitet, an immer weniger Stellen unterbricht. Licht von der gleißend hellen Photosphäre gelangt zunächst nur durch wenige »Täler« des Mondes zur Erde: Zwischen den immer schneller aufeinander zu strebenden Hörnerspitzen der Sonnensichel tauchen erste Lichtperlen auf, die zu immer längeren Bogenstücken wachsen. Schließlich wird der Ring nur noch durch einen letzten Mondberg unterbrochen, dann schließt er sich. In der Nähe der Zentrallinie spielt sich dieses äußerst dynamische Phänomen binnen weniger Sekunden ab, am Rande jedoch wird die Zeit auf eine Minute und mehr gedehnt. Dies zu beobachten und in hoher Orts- und Zeitauflösung aufzuzeichnen, ist in letzter Zeit zu einer neuen Herausforderung für engagierte Astrofotografen geworden, und nicht wenige versammelten sich am 15. Januar an einem Ort: Varkala im südindischen Bundesstaat Kerala. Hier lockten nicht nur einer der spektakulärsten Strände Asiens, sondern auch gute Infrastruktur und Hoffnung auf klaren Himmel. Neben einer Handvoll Ausländer, darunter einer kleinen Expedition des Autors, waren hier vor allem dutzende Amateurastronomen aus dem fernen Neu Delhi angereist, mit Kofferbergen voll Astrogepäck, was wiederum das Interesse der indischen Medien weckte: Wohl noch nie wurde in Presse und Fernsehen so ausgiebig über die Vorteile der Beobachtung von Sonnenfinsternissen am Rand ihrer Zone berichtet, und der englische Begriff für die Perlschnur, Baily's Beads, war in aller Munde.

Der Aufwand lohnte sich: Keine einzige Wolke trübte den tiefblauen Himmel Varkalas am Finsternistag. Entsprechend groß ist auch die Ausbeute aus den insgesamt vier Stunden zwischen erstem und letztem, vor allem aber kurz vor dem zweiten und nach dem dritten Kontakt. Das Mondrandprofil lieferte in der Minute vor dem Schließen des Sonnenrings eine lange Kette von Baily's Beads, während nach seinem erneuten Aufreißen vor allem eine Lichtperle das Bild dominierte. Der klare Himmel erlaubte aber auch – bei viel längerer Belichtung oder geringerer Filterung – den klaren Nachweis des roten Bandes der Chromosphäre zwischen den Hörnerspitzen des nicht komplett geschlossenen Rings. Und auf etlichen Photos ist sogar deutlich das Glimmen der inneren Korona hinter dem Mondrand zu erkennen: Selbst der gegenüber liegende dickste Sonnenring des Jahrtausends konnte das nicht verhindern, eine neue Erkenntnis. Anderswo im südlichen Indien wurde die Finsternis bei vielfach ähnlich klarem Himmel mit Großveranstaltungen gefeiert (in Kerala war aus dem Anlass eigens eine amateurastronomische Organisation gegründet worden), an den anderen Hauptbeobachtungsplätzen auf den Malediven und in Kenia war der Feuerring hingegen oft nur durch Wolken zu sehen, dafür aber ohne künstliche Filter, die sonst bei Ringfinsternissen unverzichtbar sind. Und sogar für wissenschaftliche Experimente wurde die Finsternis genutzt, die praktischerweise zwei südindische Raketenstartplätze traf: Hier wurde ein Dutzend Höhenforschungsraketen gestartet, um Auswirkungen des verringerten Sonnenlichts auf die Geophysik der Hochatmosphäre zu untersuchen.

Daniel Fischer

Beobachtung auf der Zentrallinie

Am 15.0.2010 zog über Afrika und Asien die längste ringförmige Sonnenfinsternis unseres Jahrtausends hinweg: Mit einer maximalen Dauer von 11 Minuten und 10 Sekunden ein beeindruckendes Ereignis. Das nebenstehende Foto, das uns aus Südindien bei Kanya Kumari von unseren Lesern Martina und Ullrich Dittler erreichte, entstand kurz vor dem 2. Kontakt um 13:10 Uhr (Ortszeit). Die Beobachtung der Sonnenfinsternis an der Südspitze Indiens gestaltete sich sehr erfolgreich, obwohl immer wieder kurzzeitig durchziehende Wolken den Blick auf die Sonne versperrten. Weitere Bilder dieses seltenen Himmelsschauspiels werden in der kommenden Ausgabe von interstellarum erscheinen.

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EINSENDEN VON PLANETENBILDERN:
www.interstellarum.de/
aktuelleereignisse.asp
MARS-SEKTION DER ALPO:
www.alpo-astronomy.org/marsblog/
JAPANISCHE MARSSEKTION:
www.hida.kyoto-u.ac.jp/~cmo/
cmons/2009/f_image.html
 
Zwei Marsfotos von interstellarum-Lesern zeigen die dunklen Markierungen in der Nordpolkappe am 3.12.2009 (a) und 5.1.2010 (b). [Torsten Hansen, Ralf Gerstheimer]
 

Am 29. Januar kommt Mars in Opposition. Bei dieser Aphel-Opposition mit nur 14,1" maximalem Scheibchen-Durchmesser ist uns der Nordpol des Planeten zugeneigt. Da gleichzeitig Frühling auf der Nordhalbkugel herrscht, ergibt sich eine in anderen Beobachtungsperioden nicht wiederkehrende besonders günstige Möglichkeit, das Abschmelzen der Nordpolkappe zu verfolgen.

Rechtzeitig zur Zeit der besten Sichtbarkeit geizt die Polkappe tatsächlich nicht mit Überraschungen. Nachdem sie sich im November von den sie während des Winterhalbjahrs bedeckenden Wolken der Nordpolhaube befreit hatte, zeigten sich bereits im Dezember unerwartete dunkle Teilungslinien. Zunächst wurde eine quer über die Polkappe verlaufende Teilung sichtbar, die in gleicher Position wie die bekannte Rima Tenuis erschien – doch diese sollte eigentlich erst ab März auftauchen. Etwas später entwickelte sich daraus eine spiralförmig um den Nordpol führende Dunkelstruktur, die aus früheren Jahren als Rima Borealis bekannt ist.

In den nächsten Wochen wird erwartet, dass die Rima Borealis sich verbreitert und schließlich die drei Eisinseln Lemuria (200° Länge), Cecropia (297°) und Ierne (137°) vom Rest der Polkappe ablöst. Gleichzeitig wird die Rima Tenuis als quer über die Polkappe reichender Einschnitt zwischen 140° und 320° Länge sichtbar werden. Planetenbeobachter sind trotz des kleinen Durchmessers ausgerufen, den Roten Planeten zu beobachten.

Ronald Stoyan

 
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AAVSO SPECIAL NOTICE ZUR NOVA:
www.aavso.org/publications/
specialnotice/187.shtml
BERICHT ZUR NOVA:
remanzacco.blogspot.com/2010/
01/possible-nova-in-ophiuchus.html
 

Am 15.1.2010 entdeckte Hideo Nishimura (Japan) einen »neuen Stern« im Sternbild Ophiuchus auf Aufnahmen mit einer digitalen Spiegelreflexkamera und 120mm-Teleobjektiv. Das Objekt war 8 ,m4 hell und ist am Ort RA 17h 39min 40,94s, Dekl. –21° 39' 47,9" zu finden.

Bisher sind keine Spektren bekannt geworden, deshalb wird die Nova Oph 2010 noch als mögliche Nova geführt. Es wurde am Ort des Objekts kein Vorläuferstern heller als 20m gefunden – die große Helligkeitsamplitude deutet daher auf eine Nova hin. Die Nova Ophiuchi 2010 ist tief am Morgenhimmel beobachtbar. Die Aufnahmen von Hermann Koberger, Vilaflor, Teneriffa vom 18.1. bzw. 20.1. zeigen die Nova 8 ,m4 bzw. 9 ,m0 hell.

Wolfgang Vollmann

Die Nova Eridani 2009 (KT Eri) ist immer noch mit 10 ,m0 bis 10 ,m5 Helligkeit 7° westsüdwestlich von Rigel im Orion am Abendhimmel gut zu beobachten. Der Röntgensatellit Swift beobachtet veränderliche weiche Röntgenstrahlung von der Nova. Für eine mögliche Korrelation mit der optischen Helligkeitsveränderung sind präzise Messungen der Novahelligkeit mit einer Genauigkeit von 0 ,m1 oder besser erwünscht.

Solche Zeitserien lassen sich mit CCD Kameras, möglichst mit V- oder auch Grünfilter gut gewinnen. Auf diese Art können Amateurastronominnen an Satellitenbeobachtungsprogrammen teilnehmen und einen Beitrag leisten!

Wolfgang Vollmann

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
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PRESSEMITTEILUNG ZUM HUDF09:
www.spacetelescope.org/news/
html/heic1001.html
HOMEPAGE DER ANALYSEN:
www.firstgalaxies.org
DIE Z=10-KANDIDATEN:
www.sciencenews.org/view/
generic/id/52404
 

Wieder etwas näher an den Beginn der Galaxienevolution heran ist das Hubble Space Telescope mit seiner neu installierten Wide Field Camera 3 gekommen, die letzten Sommer intensiv jenes Hubble Ultra Deep Field anstarrte, das schon 2004 mit früheren Instrumenten des Weltraumteleskops besonders tief aufgenommen worden war. Diesmal durfte Hubble seine neu gewonnene hohe Empfindlichkeit in nahen Infraroten ausspielen, wo WFC3 40 Mal leistungsfähiger als die alte IR-Kamera NICMOS ist: In vier Tagen schafften die modernen Infrarotsensoren, was früher ein halbes Jahr gedauert hätte.

Nicht weniger als 15 wissenschaftliche Arbeiten von fünf unabhängigen Teams sind bereits über das »HUDF09« verfasst worden, und es besteht ein breiter Konsens, dass es tatsächlich tiefer in den Raum hinein reicht als alle anderen langbelichteten Bilder dieses oder anderer Teleskope. Mehrere Galaxien mit Rotverschiebungen von z = 7 bis 8,5, d.h. Lichtlaufzeiten von 12,9 bis 13,1 Milliarden Jahren, gelten als eindeutig identifiziert (vgl. Abb.): Nicht durch detaillierte Spektren, für die sie viel zu schwach sind, sondern durch Helligkeitsvergleich in mehreren Infrarot-Bändern, heute eine etablierte Ersatztechnik für die z-Bestimmung. Damit ist der bisherige Entfernungsrekord für ein individuelles Himmelsobjekt, die z~8,2 eines Gamma Ray Bursts, offenbar gebrochen. Die Galaxien mit Rekord-Rotverschiebung sind allesamt wesentlich kompakter als heutige, mit typischerweise 1/20 des Durchmessers und 1% der Masse der Milchstraße, und damit klar als deren künftige Bausteine zu erkennen. Auch erscheinen sie (wenn man die gewaltigen Rotverschiebungen herauskorrigiert) besonders blau, was auf ein starkes Defizit an schweren Elementen und so gut wie keinen – rötenden – Staub hinweist.

Ihre Chemie ist schon fast das, was man bei den allerersten Galaxien des Kosmos überhaupt erwarten würde, die etwa 500 Mio. Jahre nach dem Urknall entstanden sein dürften (z=7-8,5 entspricht 600 bis 780 Mio. Jahren nach dem Urknall): Die Erwartungen sind nun hoch, dass das große James Webb Space Telescope ab 2014 auch dieser ersten Generation habhaft werden kann. Noch immer ist nicht klar, ob die Strahlung der im HUDF09 entdeckten Galaxienpopulation bereits ausreicht, um die Reionisation des Kosmos in der Ära 400 bis 900 Mio. Jahre nach dem Urknall zu erklären: Vielleicht waren dafür eine intensivere Phase der Sternentstehung zu noch früherer Zeit oder andere Lichtquellen nötig. Und noch ist auch nicht klar, wie tief das HUDF09 tatsächlich in den Raum schaut: Zwei der Auswerte-Teams glauben darin Kandidaten für Galaxien mit Rotverschiebungen um 10 – das wären 480 Mio. Jahre nach dem Urknall – zu sehen, wobei sie allerdings jeweils Zweifel an den Objekten der anderen hegen. Daher wurde vor einer großen HUDF09-Präsentation Anfang 2010 vereinbart, erst einmal »nur« die unumstrittenen Galaxien bis z=8,5 zu feiern.

Daniel Fischer

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Kann man aus diesem Spektrum auf das Innenleben von Epsilon Aurigae schließen? Vom Ultravioletten (blauer Kurvenzug) über das sichtbare Licht bis zu neuen Messungen des Spitzer Space Telescope bei sehr langen Wellen (Datenpunkte rechts) reicht dieses Gesamtspektrum des mysteriösen Sternsystems, das durch Emission eines – mit dem bloßen Auge sichtbaren – F-Sterns mit nur geringer Masse sowie eines leuchtschwachen B-Sterns als Begleiter und einer Staubscheibe um diesen herum erklärt werden kann. [NASA/JPL-Caltech/D. Hoard]

Um den Jahreswechsel hat der sonst 3 ,m0 helle Stern Epsilon Aurigae sein Helligkeitsminimum von etwa 3 ,m8 erreicht, das er bis Anfang 2011 halten sollte: Für diese nur alle 27 Jahre eintretenden großen Verfinsterungen ist eine große Staubscheibe um einen oder mehrere Begleiter verantwortlich, aber die meisten Details des Sternsystems waren lange unklar.

Inbesondere müsste der helle Stern seinem Spektrum nach ein Überriese der Spektralklasse F mit der 15- bis 20-fachen Masse der Sonne und ihrem 300-fachen Durchmesser sein, doch dann müsste man ein kompliziertes Szenario mit mindestens einem Doppelstern in der Staubscheibe annehmen, um ein stabiles System zu erhalten und den Verlauf der Verfinsterungen zu erklären. Ein neues Spektrum des Spitzer Space Telescope (Abb.) wird nun als Beleg für eine alternative Deutung präsentiert: Danach ist der F-Stern wesentlich masseärmer und hat selbst von seinen ursprünglichen 10 Sonnenmassen schon das meiste verloren. Mit jetzt nur noch 2 bis 3 Sonnenmassen (aber immer noch 300 Sonnendurchmessern) ist er ein Post-AGB-Stern am Ende seiner Entwicklung und sogar masseärmer als der – eine – Begleiter, ein B-Stern mit 6 Sonnenmassen, der jetzt keine Probleme mehr hat, die verfinsternde Staubscheibe von weniger als einer Sonnenmasse stabil zu halten.

Noch gibt es Widerspruch gegen diese drastische Revision der Eigenschaften des F-Sterns, und Beobachtungen während seiner laufenden Bedeckung des F-Sterns und bei seinem Austritt im ersten Quartal 2011 sollten es testen und verfeinern helfen. Das Spitzer-Spektrum – nur durch Tricks möglich, weil der Stern eigentlich viel zu hell ist – hat bereits gezeigt, dass die Staubscheibe um den B-Stern einen Durchmesser von 8 Astronomischen Einheiten hat und aus großen Teilchen besteht. Entstanden ist sie wohl aus Material, das der F-Stern in seinem starken Sternwind verlor und das der B-Stern eingefangen hat.

Daniel Fischer

Zwei Wissenschaftsautoren und ein Amateurastronom haben nach Jahrzehnten herausgefunden, dass das wechselwirkende Galaxienpaar NGC 3303 nicht ganz zu Recht in den berühmten Katalog pekuliärer Galaxien – als Arp 192 – aufgenommen wurde: Der vermeintlich gewaltige Jet aus dem Kern einer der Galaxien hat sich als kurze Spur eines Asteroiden entpuppt, der allerdings auch erst 2002 (wieder-)entdeckt wurde. Im Jahre 1966 hatte Halton Arp einen Atlas mit 338 ungewöhnlich asymmetrischen Galaxien veröffentlicht, der seither immer wieder die astrophysikalische Forschung angeregt hat.

Arp 192 hat keinen Stachel: Der vermeintliche spektakuläre Jet der Galaxie NGC 3303 auf einem Bild von 1964 (links), der zu ihrer Aufnahme in den Katalog ungewöhnlicher Galaxien als Arp 192 führte, existiert nicht, wie z.B. das entsprechende Bild aus der Sloan Digital Sky Survey (rechts) zeigt. [J. Kanipe]

Ihm zu Ehren veröffentlichten 2006 Jeff Kanipe und Dennis Web ein Buch, das den alten Aufnahmen des Palomar Observatory neue Bilder der wundersamen Galaxien von Amateurastronomen gegenüber stellte – und unter anderem den auffälligen Jet, den Arp 192 zu zeigen schien, als Herausforderung für die Astrofotografie erwähnte. Rick Johnson wollte es 2008 wissen und belichtete so lange, dass der Jet eigentlich unübersehbar sein sollte, doch da war rein gar nichts: Wie konnte solch eine gewaltige galaxiengroße Struktur binnen weniger Jahre einfach verschwinden? Kanipe ließ das keine Ruhe, und er forschte nach: Arps eigenes Bild war am 19.2.1964 entstanden – und eine Abfrage der Gesamtdatenbank aller Asteroiden-orbits ergab, dass Kleinplanet Nr. 84447 just an diesem Tag an der richtigen Stelle war. Entdeckt worden war er erst am 6.10.2002 bei der automatischen Asteroidenjagd NEAT, und Arps Bild stellt sich nun als die früheste bekannte Aufnahme des Objekts dar – das kürzlich Jeffkanipe getauft wurde. Kanipe selbst ruft nun wiederum die Astrophysiker auf, alte Fotoplatten nach seltsamen Strukturen zu durchforsten, die man leicht als Artefakte abtun könnte: Vielleicht sind sie doch echt.

Daniel Fischer

 
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PRESSEMITTEILUNG:
www.astro.ucla.edu/~drlaw/Sgr
 

Aus der Bahn der Sagittarius-Zwerggalaxie um die Milchstraße, die eine Spur von ihr verlorener Sterne nachzeichnet, ist jetzt ein neues 3D-Modell der Massenverteilung im Halo der Milchstraße berechnet worden – mit verblüffendem Ergebnis. Danach ist der Halo, der 70% der Masse der Galaxis enthält, deutlich abgeflacht, aber nicht in Richtung der galaktischen Scheibe, sondern senkrecht dazu: Nun stellt sich die Frage, warum sich die Milchstraße selbst dann in einer anderen Orientierung gebildet hat. Jetzt sollen die Bahnen weiterer Zwerggalaxien herangezogen werden, um das neue Halo-Modell zu überprüfen, das zumindest erstmals in der Lage ist, die Bahn des Sagittarius-Zwergs zu erklären.

Daniel Fischer

Noch wird er als der – in Maßen – erdähnlichste Planet eines anderen Sterns gefeiert, aber je mehr Theoretiker sich mit CoRoT-7b beschäftigen, desto exotischer erscheint er: Simulationsrechnungen über seinen Entwicklungsgang – im Wechselspiel von Migration Richtung Stern und Massenverlust durch die stärkere Einstrahlung – machen es zum Beispiel wahrscheinlich, dass der Planet ursprünglich eher dem Saturn glich und bis zu 100 Erdmassen besaß, von denen jetzt nur noch 5 übrig geblieben sind. Damit könnte dieser Planet sogar als Prototyp einer neuen Klasse von »verdampfenden Überrest-Planeten« betrachtet werden. Und schon bei einer leicht elliptischen Bahn würden ihn Gezeitenkräfte derart durchwalken, dass der heutige CoRoT-7b eher ein Super-Io mit permanenten starken Vulkanausbrüchen denn eine zweite Erde wäre.

Daniel Fischer

 

Sie treibt das gesamte Universum beschleunigt auseinander und macht sich in kosmologischen Messungen über Milliarden von Lichtjahren bemerkbar – aber womöglich verrät sich die mysteriöse Dunkle Energie auch schon in unserer Nachbarschaft. Denn betrachtet man die Bewegungen von Galaxien im Zentrum der Lokalen Gruppe rund um die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie, so nähern sich ungefähr gleich viele Galaxien wie sich entfernen, ab 4,6 Mio. Lichtjahren Entfernung dominiert eine allgemeine Expansion, und nach außen hin »fliehen« die kleinen Galaxien immer schneller. Dahinter könnte dieselbe Dunkle Energie stecken, die auf kosmologischen Skalen agiert, auf tausendmal größeren Distanzen: Die Zahlen würden tatsächlich zusammen passen.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
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LFE PHOTO-STEUERUNG:
www.deepsky-solutions.com/d-photo-fertig.htm
 

Eine neue Montierungssteuerung namens »LittleFoot Elegance Photo« wird aktuell von der Firma DeepSky-Solutions vorgestellt. Laut Hersteller bietet die Steuerung einen umfassenden Funktionsumfang gepaart mit einem intuitiven Bedienkonzept, das sowohl dem professionellen Astrofotografen, als auch dem visuellen Beobachter eine Fülle von Funktionen bietet. Die Steuerung unterstützt das LX200-Protokoll und es können alle gängigen Planetariumsprogramme verwendet werden.

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Die Montierungssteuerung LFE Photo besitzt einen beeindruckendem Funktionsumfang.

Antriebsmotoren werden bis max. 3,2A Stromaufnahme pro Motor angesteuert, wobei im 1/64 Mikroschrittbetrieb ein ruckelfreier Lauf garantiert ist. Im GoTo-Betrieb sind Positioniergeschwindigkeiten bis 640× möglich. Als Versorgungsspannung sind 12V-30V Gleichspannung erforderlich. Ein PC-Anschluss ist über eine USB- und eine RS232-Schnittstelle möglich, eine Ethernet-Schnittstelle (DHCP-fähig) sichert einen weltweiten Steuerungszugriff. Über die serielle oder USB-Schnittstelle können Firmwareupdates eingespielt werden. Weiterhin existieren Anschlüsse für optische Encoder in beiden Achsen mit max. 0,03" Auflösung, wobei die Encoder als digitale Teilkreise verwendet werden können. Die Steuerung unterstützt intelligentes Tracking, fehlerfreies PEC+ und encodergestütztes PEC (EPEC), ST-4-Autoguiding, Getriebespielausgleich in Rektaszension und Deklination. Als Merkmal für Astrofotografen enthält die Steuerung eine eingebaute Schrittmotorsteuerung für einen Fokusmotor mit Unterstützung des Robofocus-Protokolls und einen frei programmierbaren DSLR-Fernauslöseranschluss für viele gängige Kameras. Eine batteriegepufferte Echtzeituhr mit Weltzeitfunktion und GPS-Schnittstelle mit Datenübernahme (Ort, Zeit, Datum) in die Uhr erleichtern den Betrieb. Die Handsteuerbox besitzt ein rot hintergrundbeleuchtetes grafisches Display, das laut Hersteller die Dunkeladaption nicht beeinträchtigen soll. Für kalte Winternächte besitzt die Handbox eine Heizung mit einer automatischen Temperaturregelung. Die LFE Photo-Steuerung verfügt über einen internen Objektkatalog mit ca. 5 Millionen Objekten. Benutzerdefinierte Kataloge können eingebunden werden, wobei der Speicherplatz über einen SD-Kartensteckplatz erweiterbar ist. Weitere Funktionen sind u.a. die Berechnung von Planetenpositionen, ein integrierter »Sky Agent« zur Objektidentifizierung, benutzerdefinierte GoTo-Touren, Speicherung von bis zu drei Beobachtungsorten, Parkposition des Teleskops, und Ansteuerung eines Teleskoplüfters.

Das System wird komplett in Deutschland hergestellt und entspricht den RoHS-Richtlinien. Im Lieferumfang sind ein Stromkabel, ein PC-Kabel für USB und RS232 und ein Kabel zum Einspielen von Firmwareupdates enthalten. Die Steuerung ist als Fertiggerät für 549€ und als Bausatz für 471€ erhältlich.

Frank Gasparini

 
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KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 22.1.–5.2.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
23.1. 23:40 MEZ ZDF neo Leschs Kosmos: Wasser ist ein ganz besond´rer Saft 15min
24.1. 20:00 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Welche kosmischen Gefahren bedrohen uns? 15min
25.1. 01:30 MEZ ZDF Leschs Kosmos: Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch 15min
27.1. 03:00 MEZ Phoenix Geheimnisvolles Polarlicht 45min
22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Wird sich das Universum wieder zusammenziehen? 15min 28.1.: 1:45, 8:15
31.1.: 20:00
29.1. 00:25 MEZ ZDF neo Leschs Kosmos: Irren ist menschlich 15min
3.2. 22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Wie entstehen Galaxienhaufen? 15min 4.2.: 1:45, 8:15
23:35 MEZ ZDF neo Leschs Kosmos: Aus dem Leben eines Elektrons 15min
5.2. 07:30 MEZ SWR 3 Alle Zeit der Welt: Die Himmelsuhr 15min

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION

interstellarum 68 (Februar/März 2010) ist am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

Schutzschild oder Bedrohung? — Jupiter und die Einschläge auf der Erde
Astrofotografie — Autoguiding ohne Computer
Wahrnehmung — Woher kommt das »Mückensehen«?
Finsternisse — Schwarze Sonne über dem Pazifik
Planeten — Der Weg zu hochauflösenden Fotos

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