Ausgabe 90
31. Juli 2009
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 31.7.—14.8.2009
4.8. 00:58,3 MESZ Jupiter bedeckt 45 Cap 5 ,m9
6.8. 01:02:23 MESZ Mond Halbschattenfinsternis
6.8. 02:54:57 MESZ Vollmond
10.8. Sonne kreuzt Ringebene des Saturn
12.8. 19:30:00 MESZ Perseiden (PER), Dauer: 17.7.24.8., ZHR: 100
13.8. 20:55:16 MESZ Mond Letztes Viertel
13.8. 21:43:00 MESZ Io bedeckt seinen Schatten
14.8. 19:53:02 MESZ Jupiter in Opposition
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Jahrhundert-Sonnenfinsternis hinterlässt gemischte Erfahrungen

Wahrscheinlich standen mehr Menschen im Kernschatten des Mondes als je zuvor, mehrere hundert Millionen, und bis zu 6 Minuten dunkel wurde es für alle, doch nur ein Teil der Anwohner oder von weiter her Angereisten wurde auch des vollständigen Spektakels ansichtig, als am 22. Juli die längste Sonnenfinsternis des Jahrhunderts über Süd- und Ostasien und den Pazifik hinweg zog.

Nur Schleierwolken trübten den Blick auf die verfinsterte Sonne in Chongqing und verstärkten noch die dramatische Himmelsfärbung. [Stephan Heinsius]

Wie angesichts des vorherrschenden Monsuns nicht anders zu erwarten, lagen Teile des bis zu 259(!) Kilometer breiten Totalitätsstreifens unter dichten Wolken, und mancher hoffnungsvolle Beobachter fand sich gar in den entscheidenden Minuten in einem Regenschauer wieder. Oft machten wenige Kilometer den Unterschied zwischen völligem Fehlschlag und nahezu perfekter Sicht aus (was so manchen Veteranen stark an die Bedingungen in Deutschland zehn Jahre zuvor erinnerte), und trotz meteorologischer Informationsquellen wie nie zuvor scheiterte manch große Expedition selbst ein Kreuzfahrtschiff vor der chinesischen Küste konnte keine Wolkenlücke zur rechten Zeit finden. Allerdings hatte sich die großräumige Wetterprognose in den Tagen vor der Finsternis ziemlich stabilisiert, und wer es sich leisten wollte, konnte noch last-minute in die zentralchinesische Riesenstadt Chongqing entfliehen, für die es immer besser ausgesehen hatte; solch ein Manöver gelang unter großen Mühen sogar einer 28-köpfigen Reisegruppe aus Shanghai. Die meisten aber harrten an den lange vorher ausgekundschafteten Beobachtungsplätzen aus oder gingen allenfalls per Reisebus oder Taxi auf die Jagd nach besserem Himmel.

Die interstellarum-Lesergruppe bei Wuhan musste zwar mit dünnen Schäfchenwolken leben, insbesondere zum zweiten und dritten Kontakt gelangen jedoch sehr schöne Ergebnisse wie diese beeindruckende Sequenz vom Ende der totalen Phase. [Ulrich Görze]

In einem völlig überraschenden Wolkenloch über dem südostchinesischen Städtchen Wuzhen strahlt eine ausgesprochen strukturarme Minimumskorona, die auch auf den besten verfügbaren Aufnahmen noch weniger ausgeprägte Streamer zeigte als selbst die Korona von 2008. Sogar die Polstrahlen waren eher schwach ausgeprägt und die Korona insgesamt kühler, wie spektrale Messungen von Jay Pasachoff zeigen. [Bernd Brinkmann]
Nur wenige ausländische Beobachter waren angesichts besonders schlechter Wetterstatistik nach Indien gereist, wo die lokalen Astronomen dafür um so gespannter auf den Morgen des 22. Juli gewartet hatten: An der Westküste bei Surat, wo die Totalitätszone begann, wurden sie erwartungsgemäß von einer riesigen Wolkenmasse enttäuscht, doch weiter östlich, rund um die Stadt Varanasi, war (wenn auch erst kurz vor dem 2. Kontakt) der möglicherweise klarste Himmel der gesamten Finsterniszone in Asien zu finden, bei allerdings nur 3 Minuten Totalität. Besonderes Medieninteresse galt einem kommerziellen Sonnenfinsternisflug, wie er sich bei tief stehender Sonne und schlechten Wetteraussichten anbietet, und auch indische Profiastronomen waren mit einem Transportflugzeug in die Luft gegangen nur um am Finsternistag feststellen zu müssen, dass es zu sehr vibrierte, um sinnvolle Messungen machen zu können! Wie schon bei den Finsternissen 1980 und 1995 wurde die Freude an der SoFi in Indien wieder durch allerlei abergläubische Reaktionen überschattet, trotz energischer Aufklärungsbemühungen von Profi- wie Amateurastronomen. Die Finsternis zog weiter durch die Hochgebirge Südasiens: In Bhutan gelang einzelnen Beobachtern immerhin ein Blick auf die Korona durch Wolken, auch in Tibet war es vereinzelt recht klar. Und dann folgte der Totalitätsstreifen im Wesentlichen dem Lauf des großen Flusses Chang Jiang alias Jangtse bis zur Ostküste Chinas, wo chinesische Astronomen entlang der Zone 17 identische Beobachtungsstationen aufgebaut hatten von denen indes nicht alle etwas zu sehen bekommen würden.

Nur leicht getrübte bis völlig klare Sicht boten Chongqing, die nach mancher Zählung größte Stadt der Welt (mit 32 Mio. Einwohnern in den administrativen Grenzen) und benachbarte Orte am Jangtse: Vor hier stammten auch die besten Livebilder der üppigen Fernsehsendungen des chinesischen Fernsehens und die schönsten Diamantringe in den Zeitungen. Die meisten internationalen SoFi-Reisen hatten sich aber einer längeren Totatlität zuliebe auf Wuhan weiter östlich und den Großraum Shanghai an der Küste konzentriert. Kurz vor Wuhan begann auch jene Zone verwirrender Wolkenverhältnisse, bei denen schon geringe Distanzen einen großen Unterschied machten: Manche schauten durch transparente Wolken, andere hatten klare Sicht, im Regen stand immerhin niemand. Im Osten schließlich war Shanghai selbst völlig chancenlos, und die Totalität versank im Regen, im Südwesten der Stadt Richtung Zentrallinie lagen Erfolg und Niederlage oft sehr dicht beieinander (wobei 350 deutschen Finsternisreisenden in Wuzhen just im rechten Moment ein verblüffend klares Wolkenloch lachte), und wo die Zentrallinie bei Jinshan die Küste schnitt, war es überwiegend wolkig. Dies galt auch für das hilflos nach einer Lücke suchende Kreuzfahrtschiff »Costa Allegra«, während die »Costa Classica« in der Nähe des Punktes des größten Finsternis beste Bedingungen vorfand. Und auch die wenigen extrem aufwändigen Reisen ans abendliche Ende des Totalitätsstreifens tief im Pazifik hatten überwiegend Glück. Doch ängstlich auf die eine oder andere Wolke schauen müssen hatte praktisch jeder, der zur »Jahrhundertfinsternis« aufgebrochen war.

Daniel Fischer

Die schönsten Bildergalerien:
spaceweather.com/eclipses/gallery_22jul09.htm
german.china.org.cn/photos/txt/2009-07/23/content_18192613.htm
www.boston.com/bigpicture/2009/07/the_longest_solar_eclipse_of_t.html
www.sacbee.com/static/weblogs/photos/2009/07/the-longest-total-solar-eclips.html
www.flickr.com/groups/973229@N24/pool/
 
Weitere Links zu Berichten und Bildern:
cosmos4u.blogspot.com/2009/07/longest-total-eclipse-of-century-seen.html
Senden Sie uns Ihre Finsternisbilder für die große Fotostrecke in der nächsten interstellarum-Ausgabe. Achtung: Nur Ergebnisse, die bis einschließlich Montag, 3.8.2009, über www.interstellarum.de/aktuelleereignisse.asp eingestellt werden, können wir berücksichtigen!

»Jahrhundert-Bedeckung« durch Jupiter am 3./4. August

Die Situation um 0:58 MESZ, kurz vor Beginn der Sternbedeckung. Norden ist oben.
Kontaktzeiten der Sternbedeckung
  Eintritt Austritt
Bonn 00:58,4 MESZ 02:49,9 MESZ
Hamburg 00:58,0 MESZ 02:49,7 MESZ
Nürnberg 00:58,3 MESZ 02:49,4 MESZ
Potsdam 00:58,0 MESZ 02:49,4 MESZ
Wien 00:58,1 MESZ 02:48,8 MESZ
Zürich 00:58,6 MESZ 02:49,6 MESZ
Steckbrief des bedeckten Sterns
Name:   45 Cap, HIP 107302
R.A.:   21h 44min 0,950s
Dekl.:   14° 44' 57,64"
Helligkeit:   5,m96 visuell, 6,m17 blau

Es ist wahrhaftig ein Jahrhundertereignis: Am 4.8. zwischen 0:58 und 2:50 MESZ bedeckt der Planet Jupiter einen 6m-Stern. Dies ist für die nächsten 100 Jahre das weitaus am besten zu beobachtende derartige Ereignis.

Der Stern 45 Cap wird vom südwestlichen Rand Jupiters bedeckt und taucht fast zwei Stunden später am Südostrand wieder auf. Beim Eintritt darf der Stern nicht mit den etwas helleren Monden Io und Europa verwechselt werden, die in der Nähe stehen.

Anders als bei Sternbedeckungen durch den Mond verschwindet 45 Cap am Jupiterrand nicht plötzlich, sondern wird durch die Atmosphäre des Riesenplaneten graduell und unregelmäßig abgeschwächt. Gerechnet wird mit einem mehrfachen Aufflackern, das wertvolle Rückschlüsse auf die Struktur der Jupiteratmosphäre geben kann. Dies kann mehrere Minuten dauern. Problematisch bei der visuellen und fotografischen Beobachtung ist die Lichtfülle Jupiters mit 2,m8. Es wird deshalb empfohlen, möglichst hohe Vergrößerungen anzuwenden oder ein Methan-Filter bei der Fotografie einzusetzen.

Die internationale Arbeitsgemeinschaft für Sternbedeckungen IOTA sammelt Beobachtungen weltweit. Für wissenschaftlich verwertbares Material wird empfohlen:

  • die Aufzeichnung sollte mindestens eine Stunde vor dem Eintritt erfolgen
  • es genügen zunächst 30-sekündige Sequenzen alle 10 Minuten
  • spätestens 15 Minuten vor dem Eintritt sollte durchgehend aufgenommen werden
  • die gesamte Prozedur sollte umgekehrt nach dem Austritt ebenfalls durchgeführt werden
  • ein verlässliches Zeitsignal muss mit der Beobachtung aufgenommen werden

Ronald Stoyan

Vorbereitungsseite der IOTA: www.iota-es.de/jupiter2009/jupiteroccultation.html

Jupiters Impakt-Fleck entwickelt sich

Auch in der zweiten Woche nach dem Überraschungs-Impakt auf dem Jupiter ist die dabei entstandene dunkle Wolke noch ein auffälliges Objekt aber die Windströmungen der oberen Planetenatmosphäre haben sie immer mehr in die Länge gezogen, und Ende Juli schien sie im Begriff zu sein, sich in zwei Komponenten zu spalten.

Der Impakt-Fleck auf dem Jupiter am 23. Juli, 4 bis 5 Tage alt: Die neue Hubble-Kamera WFC3 zeigt ihn hier im sichtbaren Licht und in natürlichen Farben; atmosphärische Strömungen haben die dunkle Wolke bereits deutlich zerzaust. [NASA, ESA, H. Hammel and the Jupiter Comet Impact Team]

Damit macht sich das Phänomen bereits für die Planetenforschung nützlich, denn es gibt keinen anderen Weg, die Dynamik dieser Schichten von Jupiter zu studieren, wo sich normalerweise keine erkennbaren Strukturen aufhalten. Die Serie von Impakten der Trümmer von Komet D/1993 F2 (Shoemaker-Levy 9) alias SL-9, die vor 15 Jahren den Planeten mit einem Band dunkler Wolken umgürtet hatten, hatte entsprechend die Planetenforschung in Aufruhr versetzt und nun wiederholt sich das Schauspiel, wenn auch allem Anschein nach nur mit einem einzigen Impakt und ohne jede Vorwarnung. »Geeicht« an den Spuren von 1994 dürfte das eingeschlagene Objekt nur ein paar hundert Meter groß gewesen sein, was auch erklärt, weshalb es vorher nicht entdeckt worden war. Vorwürfe an die astronomische Gemeinde, sie hätte wohl geschlafen, sind also verfehlt, war das Objekt doch vorher schwächer als 26. Größe! Auch SL-9 hatte sich Jahrzehnte lang unentdeckt in der Nähe des Jupiter aufgehalten und war überhaupt nur sichtbar geworden, nachdem es den Kern zerrissen hatte und viel Staub freigesetzt wurde.

Auch die Umstände der Entdeckung des Impakts sind nicht zu kritisieren, im Gegenteil: Erfahrene Amateurastronomen überwachen die Planeten inzwischen so systematisch, dass sich quasi eine Arbeitsteilung eingestellt hat und sie als Augen der Profis fungieren und die rasante Reaktion der Fachastronomie auf die Entdeckung Anthony Wesleys zeigt, wie eingespielt dieses inoffizielle Netzwerk inzwischen ist.

Jupiters Impaktfleck am 22. Juli im mittleren Infraroten aufgenommen mit dem Gemini-Nord-Teleskop: ein Falschfarbenbild von 8,7 bis 9,7 µm Wellenlänge. Hier erscheint die Wolke hell vor einem dunkleren Planeten, ein Indiz sowohl für ihre große Höhe wie auch eine noch erhöhte Temperatur. [Imke de Pater, Heidi Hammel, Travis Rector & Gemini/AURA]

Schon in den ersten Tagen nach dem Impakt waren Großteleskope von bis zu 10 Metern auf den Impaktfleck gerichtet, schon vier Tage nach der Entdeckung auch das Hubble Space Telescope mit seiner neuen Kamera WFC3, der trotz laufender Inbetriebnahme die schärfsten Bilder im sichtbaren Licht gelangen. Der Impaktfleck, so zeigt sich, gleicht bis ins Detail den Spuren der Shoemaker-Levy-9-Fragmente, womit auch das mangels Vorwarnung verpasste Szenario dasselbe gewesen sein dürfte. Das Impaktor ein Komet, ein Asteroid oder etwas aus dem Jupitersystem, das wird sich vielleicht nie klären lassen drang in die Atmosphäre ein, explodierte, eine heiße Blase aus Jupiter- wie Impaktor-Material stieg auf und senkte sich anschließend auf die obere Jupiteratmosphäre. Die ersten IR-Beobachtungen zeigten noch die Restwärme dieses Rücksturzes (und lieferten Hinweise auf erhöhtes Ammoniakvorkommen, wie nach den SL-9-Impakten): Hier erscheint die Wolke hell, weil sie im Sonnenlicht über der absorbierenden Jupiteratmosphäre liegt, während sie im sichtbaren Licht fast so dunkel wie ein Mondschatten erscheint: Und das bereits in einem kleinen Fernrohr.

Daniel Fischer

Aktuelle Erkenntnisse: planets.ucf.edu/resources/jupiter-impact
Seite des Entdeckers: jupiter.samba.org/jupiter-impact.html
Bild vom 28. Juli: www.spaceweather.com/archive.php?view=1&day=29&month=07&year=2009

Epsilon Aurigae: erstes Vorzeichen der Verfinsterung!

Am 20. Juli war es so weit: Das mysteriöse Sternsystem Epsilon Aurigae, dem diesen Sommer die erste große Verfinsterung seit Anfang der 1980-er Jahre bevorsteht, zeigte eine erste subtile Veränderung. Die visuelle Helligkeit steht weiter bei 3,m0, doch die Äquivalentbreite einer Kaliumabsorptionslinie bei 770nm hatte sich plötzlich verdoppelt weil eine neue, leicht rotverschobene Komponente dazu gekommen war. So fing es auch letztes Mal an: Der mysteriöse riesige Absorber beginnt sich vor den Stern zu schieben, und schon bald wird dessen Helligkeit um rund 0,m75 zurückgehen. Diesmal sind mehr Instrumente auf den langperiodischen Stern gerichtet als je zuvor, und auch die breite Öffentlichkeit ist im Rahmen des IYA zum Zuschauen aufgerufen. Daniel Fischer

Homepage der IYA-Kampagne: www.citizensky.org
Der spektroskopische Effekt: www.citizensky.org/forum/first-publication-cbet-1885
Hintergrund: www.skyandtelescope.com/observing/home/51804622.html
Meldungen aus der Forschung

Meilensteine für die größten optischen Teleskope

Am 24. Juli wurde das derzeit größte optische Teleskop auf diesem Planeten, das Gran Telescopio CANARIAS (GranTeCan) auf der Kanareninsel La Palma, in einem großen Festakt seiner Bestimmung übergeben: Mit 10,4 Metern Hauptspiegeldurchmesser übertrifft es seine beiden direkten Vorbilder, die 10m-Keck-Teleskope auf dem Mauna Kea, um 6 Quadratmeter Lichtsammelfläche.

Wie bei diesen setzt sich der Spiegel aus 36 Segmenten zusammen. Und nahezu zeitgleich gab es auch Fortschritte bei zwei optischen Teleskopen der nächsten Generation zu melden: Beim chilenischen Giant Magellan Telescope (GMT) mit 24,5 Metern Öffnung ist Australien massiv eingestiegen und für das Thirty Meter Telescope (TMT) hat der Mauna Kea knapp einen chilenischen Standort geschlagen. Diese beiden teilfinanzierten Teleskope der nächsten Generation sollen 2018 bis 2019 einsatzbereit sein, genau so wie auch das European Extremely Large Telescope mit 42 Metern Durchmesser, das die ESO vorantreibt (und für das noch vier Standorte im Rennen sind).

Das GranTeCan ist eine Kollaboration von Spanien (90% der Kosten von rund 130 Mio. Euro), Mexiko und der University von Central Florida (je 5%), die mit der IR-Kamera CanariCam auch eines der ersten beiden Instrumente liefert. Das Teleskop wird bereits seit dem Jahr 2000 gebaut und macht schon eine Weile Testbeobachtungen. Das Giant Magellan Telescope wird eine Kollaboration von Institutionen aus den USA, Südkorea und Australien, das gerade 88 Mio. australische Dollar bereitgestellt hat: 200 der insgesamt benötigten 700 Mio. USD liegen damit vor. Standort des Giant Magellan Telescope aus sieben Spiegelsegmenten à 8,4m wird der Berg Las Campanas in Chile. Der Cerro Armazones im selben teleskopreichen Land hat dagegen jetzt gegenüber dem Mauna Kea auf Hawaii als Standort für das Thirty Meter Telescope den Kürzeren gezogen. Dieses Großteleskop soll 1,2 Mrd. Dollar kosten, von denen 300 Mio. zugesagt sind: überwiegend von einer privaten Stiftung aber auch kalifornischen Institutionen und Kanada. Es wird das 14. Teleskop auf dem Mauna Kea, nicht auf dem Gipfel sondern etwas abseits, um lokale Widerstände gegen die starke astronomische Nutzung des mythenumrankten Berges abzumildern.

Daniel Fischer

Homepage des GranTeCan: www.gtc.iac.es
Giant Magellan Telescope: www.eurekalert.org/pub_releases/2009-07/ci-ag072809.php
Thirty Meter Telescope: www.tmt.org/news/site-selection.htm

Neuer Planetarischer Nebel in NGC 6888 identifiziert

Zweimal wurde der schwache Nebel 2007 und 2008 unabhängig entdeckt, aber dann schaute sich der Altmeister der Planetarischen Nebel-Forschung, Lubos Kohoutek, die zweite Palomar Observatory Sky Survey noch einmal ganz genau an: Da war er auch 16 Jahre früher ganz schwach zu sehen, gleich groß, und auch der Zentralstern war von konstanter Helligkeit eine Nova, wie zunächst gemutmaßt, schied also aus. Vielmehr ist G75.5+1.7, wie der Planetarische Nebel nun in einem Electronic Telegram der IAU vom 16. Juli getauft wurde, eine ungewöhnlich kreisförmige Hinterlassenschaft eines massearmen Sterns die meisten Planetarischen Nebel sind bipolare Gebilde. Daniel Fischer

Die neuen Bilder des Nebels: www.universetoday.com/2009/07/24/giant-soap-bubble-in-space

»Grüne Erbsen« im Galaxien-Zoo

Schon wieder eine erstaunliche Entdeckung aus dem »Galaxy Zoo«-Projekt, bei dem hunderttausende Laien eine Million Galaxien einer großen Himmelsdurchmusterung unter die Lupe genommen haben: Diesmal haben sie eine bisher unbekannte Klasse kompakter Galaxien identifiziert, die durch ihre grüne Farbe (verursacht v.a. von der [OIII]-Linie bei 501 nm) auffielen. Sie haben nur 1/10 des Durchmessers und 1/100 der Masse der Milchstraße aber ihre Sternbildungsrate ist gleichzeitig 10 Mal so hoch. Unter der Million untersuchter Galaxien fallen nur etwa 250 in diese bemerkenswerte Klasse, die so niemand erwartet hat: Nur die gemeinschaftliche Suche tausender Augen konnte sie aus der Bilderflut sicher herauspicken. Daniel Fischer

Pressemitteilung: www.eurekalert.org/pub_releases/2009-07/yu-gzh072709.php

Stammt mancher Hauptgürtelasteroid von weit draußen?

Noch ist es nur das Ergebnis einer Simulation, aber die Konsequenzen wären profund: Es könnte sein, dass im Rahmen der großen »Umbauten« im jungen Sonnensystem, als die Riesenplaneten erst noch ihre endgültigen Bahnen finden mussten, eine große Zahl kometenartiger Planetesimale aus dem äußeren Sonnensystem in der Außenzone des Hauptgürtels der Asteroiden zwischen Mars und Jupiter gelandet ist. Bisher dachte man, dass die dortigen Körper auch allesamt in diesem Teil des Ursonnensystems entstanden waren. Die zugewanderten Kometen wären besonders zerbrechlich und primitiver Natur: Das würde immerhin zwanglos erklären, warum sich die Mikrometeoriten aus dem Asteroidengürtel systematisch von den großen Meteoriten unterscheiden und insbesondere primitiver wären. Daniel Fischer

Pressemitteilung: www.eurekalert.org/pub_releases/2009-07/sri-pai071509.php
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 31.7.—14.8.2009
8.8. 11. H-alpha-Treff Rüsselsheim (HaTR), Vereinsgelände Am Schnepperberg, Rüsselsheim Dietmar Sellner, 06147/936310, d.sellner@t-online.de, www.sternfreunde-ruesselsheim.de
15.8. Lange Nacht am Aasee, LWL Museum für Naturkunde/Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium, Sentruper Straße 285, 48161 Münster Sternfreunde Münster, www.sternfreunde-muenster.de
14.8.16.8. WAA Summer Starparty 2009, Gasthof Postl bei Maiersdorf, Naturpark Hohe Wand Wiener Astronomische Arbeitsgemeinschaft, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien, 0043/664/2561221, www.waa.at/treff/ssp.html
15.8. City-Star-Party, Schwäbische Sternwarte, Uhlandshöhe, Stuttgart www.sternwarte.de/sternwarte/default.asp
18.8.23.8. 7. Amateur-Teleskoptreffen-Burgwald (ATB), Wohratal-Hertingshausen Astronomie-Gruppe Lahn/Eder e.V., astronomie@onlinehome.de, www.astronomie-lahn-eder.de
21.8.23.8. 21. Swiss Star Party, Gurnigel im Berner Oberland Radek Chromik Leuenberger, Föhrenweg 71, CH-3095 Spiegel, 0041/31/9718503, radek.chromik@starparty.ch, www.teleskoptreffen.ch

HyperStar: Tuning für SCTs

HyperStar verwandelt SC-Teleskope in eine digitale Schmidt Kamera: So lautet zumindest das Versprechen des Herstellers Starizona aus Tucson, USA. Das HyperStar-System ist ein mehrlinsiger Korrektor, der anstelle des Fangspiegels bei Schmidt-Cassegrain-Teleskopen in die Schmidt-Korrektionsplatte eingesetzt wird. Er befindet sich damit direkt im Brennpunkt des lichtstarken Hauptspiegels und beseitigt dessen Restfehler wie Koma und Bildfeldwölbung, die normalerweise vom Fangspiegel korrigiert werden.

An das HyperStar-System wird dann frontseitig über einen T2-Anschluss eine CCD- oder DSLR-Kamera angeflanscht. Damit entsteht eine digitale Schmidt-Kamera mit ebenem Bildfeld zur Fotografie im Primärfokus bei f/2 bei gleichzeitig sehr großem Gesichtsfeld. Laut Angaben des Herstellers soll mit diesem schnellen System eine extreme Reduzierung der Belichtungszeiten möglich sein. Bereits mit 30-60 Sekunden Belichtungszeit sollen Deep-Sky-Aufnahmen auch mit azimutal nachgeführten Teleskopen gelingen, wobei die Feldrotation noch nicht störend in Erscheinung treten soll. Auch bei parallaktisch montierten Teleskopen werden aufgrund der kurzen Belichtungszeiten wesentlich geringere Anforderungen an die Nachführgenauigkeit gestellt. Durch die ultrakurzen Belichtungszeiten werden außerdem negative atmosphärische Effekte deutlich minimiert eine höhere Aufnahmequalität ist die Folge.

Das HyperStar-System ist für Celestron C8, C11 und C14 erhältlich. Diese Teleskope sind in der Celestron-FastStar-Ausstattung direkt umrüstbar, d.h. es wird einfach der Fangspiegel herausgeschraubt und die HyperStar-Optik mit einem Adapterring eingeschraubt. Für Teleskope in der normalen Ausführung sind Umrüstsätze erhältlich, die die Teleskope HyperStar-kompatibel machen. Weiterhin ist HyperStar für SCT von Meade mit 10" und 14" Öffnung erhältlich, wobei hier nur Teleskope kompatibel sind, bei denen die Fangspiegelhalterung demontiert werden kann.

Frank Gasparini

Starizona: starizona.com/acb/HyperStar-C773.aspx
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
31.7. 16:05, N 24 Der letzte Start der Challenger (55 min.)
1.8. 2:45, Eins Plus Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Die Erde bebt: Emil Wiechert und der Seismograph (15 min.)
7:15, DiscovCh Ein großer Schritt für die Menschheit Die Missionen der NASA: Ganz normale Helden (45 min.)
14:00, arte Mond zu verkaufen! (45 min.)
2.8. 10:05, Vox Mars Die Eroberung des roten Planeten (1) (60 min.)
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Schwarze Löcher? (15 min.)
23:45, Eins Plus der Naturwissenschaft und Technik: Die Entstehung der Kontinente: Alfred Wegener und die Plattentektonik (15 min.), Wdh.: 4.8.: 15:45, 6.8.: 8:45, 7.8.: 2:45, 8.8.: 5:45
4.8. 21:00, HistoryCh Geheimnisse des Universums: Dunkle Materie und dunkle Energie (60 min.), Wdh.: 5.8.: 3:00, 9:00
5.8. 10:45, arte Und sie bewegt sich doch! (60 min.)
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Gibt es extrasolare Planeten? (15 min.), Wdh.: 6.8.: 1:45, 8:15, 9.8.: 20:00
7.8. 5:00, arte 2019 auf zu Mond und Mars (60 min.)
8.8. 8:45, ZDF doku Einsteins Erben und das Rätsel von Ladakh (45 min.), Wdh.: 14:30, 9.8.: 2:15, 18:45, 10.8.: 23:15, 11.8.: 5:15, 11:45, 19:30, 12.8.: 11:30, 13.8.: 3:15, 14.8.: 16:00
10:15, ZDF doku Das Rätsel von Tunguska (45 min.), Wdh.: 17:15, 20:15, 9.8.: 15:15, 10.8.: 4:30, 11:45, 10.8.: 18:45, 11.8.: 1:30, 12.8.: 7:30, 13.8.: 0:30, 9:00
9.8. 10:05, Vox Mars Die Eroberung des roten Planeten (2) (60 min.)
19:10, Anixe HD Eyes on the skies (55 min.)
23:45, Eins Plus Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Planet aus Sternenstaub: De Laplace und die Entstehung der Erde (15 min.), 11.8.: 15:45, 12.8.: 12:45, 13.8.: 8:45, 14.8.: 5:45
10.8. 18:30, 3Sat nano extra: Max Planck: Die körnige Welt (30 min.), Wdh.: 9:45, ZDF doku: 11.8.: 16:45
21:30, 3Sat hitec: Gefährlicher Stern: Die Erforschung der Sonnenstürme (30 min.), Wdh.: 11.8.: 3:00
11.8. 21:00, HistoryCh Geheimnisse des Universums: Supernovae (60 min.), Wdh.: 12.8.: 3:00, 9:00, 15:00
12.8. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Wie entstand der Mond? (15 min.), Wdh.: 13.8.: 1:45, 8:15
13.8. 1:00, Phoenix Armageddon Der Einschlag (1) (45 min.)
1:45, Phoenix Armageddon Der Einschlag (2) (45 min.)
Mitteilungen der Redaktion

interstellarum 65 jetzt am Kiosk

interstellarum 65 (August/September 2009) ist am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

 

  • Neue Welt: Visuelle Entdeckungen im Nordamerika-Nebel
  • Astrophysik: Rätselhafte Gamma-Ray Bursts
  • Mond: Zu Besuch bei den Apollo-Landeplätzen
  • Grenzgröße ade: Das Sky Quality Meter in der Praxis
  • Astrofotografie: Ein hochaufgelöstes Mosaik des Galaktischen Zentrums

 

Aktuelles interstellarum-Heft: www.oculum.de/interstellarum/aktuell.asp
interstellarum-Abonnement: www.oculum.de/interstellarum/jahresabo.asp

Stimmen Sie ab:
Was war die Astro-Neuheit 2009?

Die interstellarum-Leser sind wieder gefragt: Welche Produktneuheit der letzten 12 Monate halten Sie für am wichtigsten? Stimmen Sie ab, welches Produkt den Titel »Astro-Neuheit des Jahres« erhalten soll. 14 verschiedene Neuheiten stehen zur Auswahl. Die Ergebnisse werden im Themenheft 2/2009 veröffentlicht.

Verknüpft haben wir die Wahl mit einer Umfrage zu den neuen interstellarum-Themenheften wir möchten gern wissen, wie die beiden bisher erschienenen Ausgaben bei Ihnen angekommen sind und was wir für die Zukunft verbessern können.

Die Umfrage wird selbstverständlich anonym erhoben.

Direkt zur Umfrage: www.umfrageprofi.de/vote/v_index.php?fbid=czo2OiIxMDAzNjAiOw==

Seeingprognose für Amateurastronomen: interstellarum-Leser prüfen

Wolken und Seeing erst die Kombination beider Parameter macht eine Wettervorhersage für Amateurastronomen sinnvoll. In interstellarum 64 hatte die Schweizer Firma meteoblue ein derartiges Modell vorgestellt nun haben interstellarum-Leser exklusiv die Möglichkeit, diese Daten zu überprüfen und dem Betreiber Rückmeldung über das Eintreffen der Vorhersage zu geben.

Um die Seeing-Vorhersage zu validieren, wählen Sie auf www.meteoblue.com den Ort, den Sie beobachten möchten und klicken »Seeing_5d«. Sie sehen die Seeing-Vorhersage für den laufenden Tag. Tragen Sie Ihre »observed rating« und/oder die »observed arcseconds« zu der beobachteten Uhrzeit ein. Die Beobachtungen werden mit der Vorhersage verglichen, um die Resultate zu validieren.

 
Wettervorhersage für Amateurastronomen: www.meteoblue.com
Erklärung der Seeing-Vorhersage: www.meteoblue.com/de/hilfe/sky/
 
Informationen zum Newsletter sowie Hinweise zur An- und Abmeldung erhalten Sie unter www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp. Schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen haben — wir helfen gerne weiter!