Ausgabe 86
29. Mai 2009

In eigener Sache:
Aufgrund des Feiertags am 11.6. erscheint der nächste Newsletter erst am 19.6.2009.

Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 29.5.—19.6.2009
5.6. 23:07:50 MESZ Venus in größter westlicher Elongation 45,9°
7.6. 20:11:49 MESZ Vollmond
13.6. 13:52:21 MESZ Merkur in größter westlicher Elongation 23,5°
16.6. 00:14:40 MESZ Mond Letztes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Aktuelle Zwergnovae

Zwergnovae sind sehr enge Doppelsternsysteme, die aus einem roten und einem weißen Zwergstern bestehen. Durch die Übertragung von Masse bildet sich um den Weißen Zwerg eine Scheibe aus aufgesammeltem Material. In dieser wasserstoffreichen Akkretionsscheibe entstehen immer wieder Helligkeitsausbrüche des Systems um mehrere Größenklassen. Grund dafür ist plötzlicher Massentransfer (»mass-burst model«) oder eine plötzliche Instabilität der Scheibe (»disk-instability model«).

Die Helligkeit der Zwergnova Z Cam wechselt zwischen 10m und 14m derzeit befindet sich der Stern in einem Helligkeitsausbruch bei 11m. [AAVSO]

Für Beobachter sind Zwergnovae spannende Objekte: In manchmal quasiperiodischen Abständen von Tagen, Wochen oder Monaten, in einigen Fällen auch mehreren Jahren wird der schwache Stern plötzlich für kurze Zeit (Tage bis Wochen) um mehrere Größenklassen heller.

Die jetzt und bis Jahresende zu überwachenden Sterne sind:

Stern R.A. Dekl.
Z Camelopardalis 8h 25min 13,2s +73° 6' 39"
YZ Cancri 8h 10min 56,6s +28° 8' 34"
EM Cygni 19h 38min 40,1s +30° 30' 28"

Zwergnovae ermöglichen auch die Zusammenarbeit zwischen Fachastronomen und Amateuren: Dr. Elmar Koerding (CEA Saclay & Universite Paris Diderot) untersucht derzeit mehrere Zwergnovae während ihrer Helligkeitsausbrüche bei den Radiowellenlängen mit dem VLA (Very Large Array) in New Mexico (USA). Dazu können visuelle Beobachter beitragen, indem sie die Helligkeit der Objekte schätzen und an die AAVSO melden. Ein Helligkeitsausbruch sollte innerhalb längstens 6 Stunden gemeldet werden und verlangt die weltweite kontinuierliche Überwachung durch die Amateurgemeinschaft. Auch CCD-Beobachter können während der Helligkeitsausbrüche beitragen: Zeitserien mit der Helligkeit des Objekts werden mit den Radiobeobachtungen korreliert.

Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres und ist die Fortführung eines ähnlichen Beobachtungsaufrufs von SS Cygni, der zu einer Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal Science geführt hat.

Wolfgang Vollmann

AAVSO Special Notice #160: www.aavso.org/publications/specialnotice/160.shtml
AAVSO Alert Notice #390: www.aavso.org/publications/alerts/alert390.shtml
Radio emission from dwarf novae outbursts: radio.koerding.eu

Mysteriöse Begleiter der Satelliten Herschel und Planck

Astronomen darunter bekannte Amateure, die sich sonst um erdnahe Kleinplaneten kümmern haben auch die beiden ESA-Astronomiesatelliten Herschel und Planck auf ihrem Weg zum Lagrangepunkt L2 verfolgt: Erwartungsgemäß waren in deren Nähe auch die Oberstufe ihrer Ariane 5 und die Halterung Sylda 5 zu sehen, auf der Herschel oberhalb von Planck gesessen hatte doch da waren noch zwei weitere schwache Objekte, zu deren Natur sich bisher weder ESA noch Arianespace offiziell geäußert haben. Im Gegensatz zu den anderen vier werden sie ständig schwächer und unterliegen auch nichtgravitativen Kräften: Das spricht für größere Eisbrocken, die sich von der Oberstufe im Weltraum abgelöst haben.

Daniel Fischer

 
Lichtkurven und Bilder: www.observadores-cometas.com/Herschel/images/images.htm
Analyse eines ESA-Wissenschaftlers: tech.groups.yahoo.com/group/mpml/message/21903
Diskussion mit einem ESA-Vertreter: www.kosmologs.de/kosmo/blog/go-for-launch/allgemein/2009-05-15/hp_tenerife1

Entfernungsbestimmung des Mondes für jedermann

»Ziel dieses Projektes ist es, sichtbar und erfahrbar zu machen, dass der Mond nicht unendlich weit von der Erde entfernt ist«: Auch für abgeklärte Amateurastronomen könnte ein Unterfangen spannend sein, das in der Nacht vom 30. zum 31. Mai weltweit durchgeführt (aber in Essen koordiniert) wird. Genau um 22:00 MESZ soll der Mond zwischen den Sternen des Löwen fotografiert und der Abstand zwischen Mond und ihnen ausgemessen werden: Global zusammengeführt, lässt sich dann die Mondparallaxe direkt ermitteln und beim Betrachten der Bilder von verschiedenen Standorten aus auch sofort erkennen. Wer Bekannte in anderen Ländern hat, möge diese bitte auch zum Mitmachen auffordern: Je mehr beitragen, desto besser! Daniel Fischer

Alle Details: www.didaktik.physik.uni-due.de/IYA2009/IYA2009-Mondparallaxe.html

Entdeckten Amateurastronomen einen »gefährlichen« Asteroiden?

Als »Potentially Hazardous Asteroid« (PHA) wird ein Kleinplanet geführt, der sich bis auf mindestens 1/20AE der Erde nähern kann und größer als 150m ist und ein Objekt, das beide Kriterien bei weitem übertrifft, könnten jetzt mehrere Amateurastronomen an der Sternwarte von Mallorca entdeckt haben. Noch ist der beobachtete Bahnbogen von 2009 KD5 sehr kurz, und die Bahnlösung vom 27. Mai ist möglicherweise nicht korrekt. Aber wenn sie sich als richtig erweisen sollte, dann hat dieser PHA eine Absoluthelligkeit von etwa 17,5M und damit einen Durchmesser von rund einem Kilometer: Das wäre eine gehörige Überraschung, denn eigentlich sollten energische Suchprogramme der Profiastronomie in den vergangenen zehn Jahren so gut wie alle erdnahen Asteroiden von einem Kilometer aufwärts systematisch abgefischt haben. Daniel Fischer

Erstes Zirkular: www.cfa.harvard.edu/mpec/K09/K09K55.html
Bahn-Zweifel: tech.groups.yahoo.com/group/mpml/message/21911
Potentially Hazardous Asteroids: neo.jpl.nasa.gov/neo/pha.html

Gegenseitige Ereignisse der Jupitermonde: Lichtkurven und Videos

Seit Anfang des Monats laufen überwiegend aus Australien Beobachtungsberichte in großer Zahl von gegenseitigen Ereignissen der Jupitermonde ein: Gemeint sind Bedeckungen untereinander oder Schattenwürfe von Mond zu Mond. Nicht nur Lichtkurven sind darunter, sondern auch erstaunliche Zeitraffervideos mit hoher Auflösung, auf denen oft Oberflächendetails der Monde zu erkennen sind. Der Fortschritt der amateurastronomischen Beobachtungstechnik hat auch vor diesem exotischen Teilgebiet der Planetenbeobachtung seit dem letzten Jupiter-Äquinoktium vor sechs Jahren nicht halt gemacht. Daniel Fischer

Aufruf der IYA-Zentrale: www.astronomy2009.org/news/updates/293/
Video vom 25. Mai: www.mikesalway.com.au/2009/05/26/ganymede-occulting-io-my-first-galilean-moon-occultation
Video vom 8. Mai: www.iceinspace.com.au/forum/attachment.php?attachmentid=57633
Erste Aufzeichnung aus Deutschland: www.astrode.de/5jume26.htm
Meldungen aus der Forschung

First Light für das größte Sonnenteleskop der Welt

Das New Solar Telescope wird das Haupt- instrument des Big Bear Solar Observatory in Kalifornien sein nun hat es seine ersten Bilder gemacht. [NJIT]

Es hat eine freie Öffnung von 1,6 Metern und nicht mal ein Fangspiegel stört: Das »New Solar Telescope« (NST) des Big Bear Solar Observatory in Kalifornien ist derzeit das größte Sonnenteleskop der Welt.

Und auch wenn es erst in etwa drei Jahren komplett ausgestattet sein wird, namentlich mit Adaptiver Optik zur Bekämpfung der Luftunruhe, so hat das NST diesen Monat doch schon seine ersten wissenschaftlichen Aufnahmen kleiner Felder der Sonnenoberfläche gemacht und gilt damit als operationell. Das anhaltend tiefe Minimum der Sonnenaktivität kommt den Sonnenforschern dabei gerade recht, können sie doch nun den »Grundzustand« der Sonne dokumentieren und später dann den allmählichen Anstieg der Aktivität. In dem Off-Axis-Gregory-System sind eine Menge technischer Details realisiert worden, die später auch bei einem mehrfach so großen Sonnenteleskop zum Einsatz kommen könnten. Der Primärspiegel aus Zerodur von Schott wurde von den Spezialisten für Off-Axis-Spiegel am Steward Observatory Mirror Lab in Tucson bearbeitet.

Mit Hilfe eines computererzeugten Hologramms wurde dabei die ungewöhnliche Spiegelform kontrolliert. Während der Hauptspiegel den eine Aktive Optik mit 36 Stempeln in Form und ein ausgeklügeltes Thermalsystem genau auf Umgebungstemperatur halten ein Öffnungsverhältnis von f/2,4 aufweist, beträgt es beim kompletten optischen System f/52, d.h. das NST hat eine Brennweite von 83 Metern bei einem Gesichtsfeld von 80". Ist die Adaptive Optik erst einmal in Betrieb, sollte das NST eine Auflösung von 0,06" bei 500nm and 0,2" bei 1,6µm erreichen. Das erste derartige System wider die Luftunruhe hatte man am BBSO bereits an einem alten 60cm-Teleskop getestet das dann der Los Angeles Amateur Astronomy Society geschenkt worden war.

Daniel Fischer

Details zum NST: www.bbso.njit.edu/nst_project.html
Pressemitteilung zum First Light: www.njit.edu/news/2009/2009-201.php

»Rand« von M 87 mit Planetarischen Nebeln bestimmt

Planetarische Nebel im Außenbereich von Galaxien folgen in ihrer räumlichen Verteilung gut derjenigen der Sterne, sind aber leichter nachzuweisen als das nach außen immer schwächer werdende allgemeine Sternenglühen und dank ihrer Linienemission kann man ihre individuellen Geschwindigkeiten messen.

Eine sehr tiefe Aufnahme des Virgo-Galaxienhaufens (bei dem helle Vordergrundsterne ausgeblendet wurden) mit dem Burrell-Schmidt-Teleskop zeigt diffuses »Intra-Cluster-Licht« zwischen den Galaxien: Hier sind während der turbulenten Geschichte des Haufens Sterne gelandet, die nicht mehr an einzelne Galaxien (wie M 87, unten links) gebunden sind. Dieses Licht überlappt sich oft mit den stellaren Halos der Galaxien aber eingelagerte Planetarische Nebel erlauben die Unterscheidung. [Chris Mihos]

Zwölf bisher unbekannte Planetarische Nebel am Rand der großen Virgohaufen-Galaxie M 87 sind jetzt mit dem Very Large Telescope der ESO und dem Multiobjekt-Spektrographen FLAMES identifiziert worden, 420000 bis 815000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxie entfernt: Bei sieben von ihnen zeigen die Radialgeschwindigkeiten klar, dass sie nicht an M 87 gebunden sind und damit zum Raum zwischen den Galaxien gehören. Die anderen fünf haben dagegen dieselbe Geschwindigkeit (relativ zur Erde) wie M 87 mit wenig Unterschieden: Sie gehören mit einem mittleren projizierten Abstand von 470000Lj eindeutig zu ihr. Die »Kante« zwischen den beiden Gruppen von Planetarischen Nebeln ist trotz der geringen Zahl der Objekte signifikant: Damit lässt sich auch sagen, dass Messier 87 einen Radius von knapp einer Million Lichtjahre Durchmesser hat, d.h. der Halo aus Sternen endet dort.

Sie ist zwar immer noch dreimal so groß wie unsere Milchstraße, aber theoretisch sollte M 87 noch um ein Mehrfaches ausgedehnter sein: Ein unbekannter Mechanismus hat ihr einen Teil des Halo entrissen. Klar geworden ist aber, dass sich der Virgo-Haufen intern noch lange nicht beruhigt hat und die Galaxien nach wie vor starken Veränderungen unterworfen sind: So dürften sich M 87 und M 86 »demnächst« das erste Mal nahe kommen.

Daniel Fischer

Originalarbeit: arxiv.org/abs/0905.1958
ESO-Pressemitteilung: www.eso.org/public/outreach/press-rel/pr-2009/pr-19-09.html

LCROSS vor dem Start: Der Mond unter Beschuss

Wenn der Start am 17. Juni stattfindet, dann folgt das Feuerwerk voraussichtlich am 8. Oktober: Die Hauptaufgabe einer Atlas 5-Rakete wird es zwar sein, den »Lunar Reconnaissance Orbiter« (LRO) der NASA in einen Mondorbit zu befördern, auf dass er bei der Planung der (vielleicht nach 2020 folgenden) bemannten Missionen helfen möge aber auf die Oberstufe der Rakete und eine kleinere Begleitsonde, den »Lunar CRater Observation and Sensing Satellite« (LCROSS), wartet ein besonderes Schicksal.

Normalerweise sorgt man dafür, dass die Oberstufe auf einer etwas anderen Route als die Raumsonde fliegt und deren Ziel weit verfehlt, aber diesmal wird die »Earth Departure Upper Stage« (EDUS) in Richtung Südpol des Mondes dirigiert. Als zwei Tonnen schwerer kinetischer Impaktor soll die Stufe in einem permanent im Schatten liegenden Krater einschlagen und eine Ejektawolke erzeugen, die dann von LCROSS, der der EDUS auf ihrem Weg folgt und kurz nach ihr in denselben Krater stürzt, dem LRO und anderen Raumsonden, Astronomiesatelliten und Sternwarten auf der Erde beobachtet wird. Gesucht wird vor allem nach Wassereis, das sich möglicherweise in der Krater-Kältefalle angesammelt haben könnte, auf dessen klaren Nachweis man immer noch wartet, und das eines Tages für Kolonisten interessant sein könnte. Der konkrete Zielkrater steht noch nicht fest, wohl aber der Zeitpunkt des Impakts: Sternwarten auf Hawaii und im Westen der USA sollen die beste Sicht haben.

Für Beobachter in anderen Weltregionen bleibt da nur die Hoffnung, subtile Veränderungen in der Exosphäre, der extrem dünnen Atmosphäre des Mondes, nachzuweisen: Da der Impakt in permanenter Dunkelheit am Mondrand und hinter einem Kraterrand erfolgen soll, wird man etwaige Effekte auf der Mondoberfläche wie die zwei Minikrater der Impakte von der Erde aus nicht sehen können. Gleichwohl können sich erdgebundene Astronomen auf dem ganzen Planeten und insbesondere Amateure mit Archiven voller gut dokumentierter Mondaufnahmen! nützlich machen: Der Ejekta-Pilz wird nämlich nicht gerade auffällig und auch für ideal platzierte Teleskope nur vor dem Hintergrund der zerklüfteten südpolaren Landschaft sichtbar sein. Und wie diese in den Minuten um den Impakt aussehen und beleuchtet sein wird, würden die LCROSS-Forscher gerne voraussagen: Gesucht werden detailreiche Fotos des Mondsüdpols bei unterschiedlichen Librationen und Mondphasen.

Der Mondsturz von EDUS und LCROSS ist übrigens beileibe nicht der einzige des Jahres: Am 12. Februar fiel bereits der kleine Subsatellit Okina des japanischen Kaguya-Orbiters auf die Oberfläche, gefolgt am 1. März von Chinas Orbiter Chang'e. Und noch vor EDUS und LCROSS soll am 10. Juni Kaguya selbst den Mond treffen auf 61° Süd in der Nähe des Kraters Gill, um 20:30 MESZ (für Europa damit ebenfalls unsichtbar). Um einen vorzeitigen Absturz zu verhindern, ist derweil die Bahn des indischen Orbiters Chandrayaan-1 von 100km auf 200km angehoben worden: Hier stört das ungleichmäßige Schwerefeld nicht mehr, das jeden Tiefflieger unweigerlich abstürzen lässt.

Daniel Fischer

LRO & LCROSS Pressemitteilung: www.nasa.gov/mission_pages/LRO/news/lrolcross_plans.html
FAQ für Amateurbeobachter: groups.google.com/group/lcross_observation/web/lcross-faq
Kaguyas Absturz: www.kaguya.jaxa.jp/en/communication/KAGUYA_Lunar_Impact_e.htm

Koronaler Massenauswurf ohne Spur auf der Sonne

Nicht jeder Massenauswurf der Sonnenkorona der beim Erreichen der Erde unter bestimmten Umständen erhebliche Effekte auslösen kann geht mit magnetischen Strukturveränderungen einher, die sich auch in unteren Schichten der Atmosphäre bemerkbar machen: Zu dieser Erkenntnis haben Beobachtungen der STEREO-Satelliten im Mai 2008 geführt. Während die Plasmablase, die in den Raum entwich, für die Kameras so aussah wie andere auch, war sie in ungewöhnlich großer Höhe gestartet, wie der stereoskopische Blick des Satellitenduos sichtbar machte: Offenbar reicht es, wenn sich hier die Magnetfeldlinien kurzschließen und eine Flussröhre »abhebt«. Unter diesem Startpunkt jedoch gab es nicht einmal eine Aktivitätsregion womit die Weltraumwettervorhersage mit einem weiteren Problem zu kämpfen hat. Daniel Fischer

Originalveröffentlichung: arxiv.org/abs/0905.2583
Artikel dazu: www.newscientist.com/article/dn17148

Großer Meteorsturm im Jahr 2045?

Ein russischer Astronom, dessen Vorhersagen von Meteorausbrüchen in der Vergangenheit nicht schlecht waren, ist bei einer Analyse der Juni-Bootiden auf eine erstaunliche Konstellation gestoßen: Am 22. Juni 2045 und 10:26 UTC wird die Erde demnach in einen Komplex von Staubwolken hineinrasen, den der Komet 7P/Pons-Winnecke bei Periheldurchgängen der vergangenen 50 Jahre produziert hat, vor allem in den 1970er und 1980er Jahren. Ein dramatischer »Sturm von langsamen Feuerkugeln«, zwischen 1000 und 7000 in der Stunde, sollte die Folge sein: Noch müssen sich andere Theoretiker damit beschäftigen (gerade bei Langzeitprognosen gibt es oft Widersprüche) aber da Meteorstürme nach dem Ende der Leoniden-Spektakel um die letzte Jahrtausendwende auf Jahrzehnte kaum zu erwarten sind, hat diese Arbeit durchaus für Aufregung gesorgt auch wenn es noch 36 Jahre dauert. Daniel Fischer

Juni-Bootiden 1901-2100: feraj.narod.ru/Radiants/Predictions/1901-2100eng/JuneBootids1901-2100predeng.html

Silikatkristalle in Kometenkernen: neuer Mechanismus?

Ein gehöriges Rätsel der Planetenforschung sind kristalline Silikate in Kometenmaterie: Große Hitze war für ihre Entstehung notwendig, während Kometenkerne andererseits gefrorene Gase enthalten, die seit Bildung des Sonnensystems nicht wärmer als 30 Kelvin geworden sein können. Infrarotbeobachtungen am Stern EX Lupi legen nun einen Mechanismus für die Entstehung dieser Kristalle nahe, der besser als frühere Vorschläge funktionieren könnte: Nur kurz nach einem starken Helligkeitsausbruch dieses Sterns um einen Faktor 100 sichtete das Spitzer Space Telescope Silikatkristalle in der seiner Umgebung. Auch die Sonne könnte in jungen Jahren zu solchen Ausbrüchen geneigt haben. Durch Tempern wird dabei amorphes Silikat kristallin; danach kann es durch diverse Transportprozesse in größere Sternentfernung geschoben und in Kometenkerne eingebaut werden. Daniel Fischer

Pressemitteilung:
www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2009/pressemitteilung200905111
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 29.5.—19.6.2009
29.5.2.6. 28. Planeten- und Kometentagung, Bruder-Klaus-Heim, D-86450 Violau Wolfgang Meyer, Martinstr. 1, D-12167 Berlin, www.violau.istcool.de
5.7.6. 12. Kleinplanetentagung, Räume des Physikalischen Vereins, Robert-Mayer-Straße 2-4, Frankfurt/Main FG Kleine Planeten der VdS, www.kleinplanetenseite.de
6.6. 10. H-alpha-Treff Rüsselsheim (HaTR), Vereinsgelände Am Schnepperberg, 65468 Rüsselsheim Dietmar Sellner, 06147/936310, d.sellner@t-online.de, www.sternfreunde-ruesselsheim.de
11.14.6. 2. Esener Spechtel-Tage (EST) Astronomie Freunde Esens, Folstenhausener Str.15, 26427 Stedesdorf, 04971/949076, www.astronomie-freunde-esens.info
19.20.6. SüdSternFreundeTreffen 2009 (SSFT) Brandberg White Lady Lodge in Namibia Wolf-Peter Hartmann, Erikaweg 67a, D-93053 Regensburg, www.suedsternfreundetreffen.homepage.t-online.de

Rückblick: Der 25. ATT in Essen

Zum nunmehr 25. Mal folgten Sternfreundinnen und Sternfreunde aus ganz Deutschland dem Ruf der Essener Astrovereine zum Besuch des ATT, der größten deutschen Verkaufsmesse in Sachen Astronomie. Und obwohl es eigentlich in erster Linie eine vorwiegend kommerzielle Veranstaltung ist, wird sie in jedem Jahr auch als Kommunikationsplattform der bundesdeutschen Astroszene genutzt.

Der 25. ATT in Essen zog auch diesmal wieder die Besuchermassen an wenn auch der Andrang nicht so groß war wie in den Vorjahren. [Manfred Holl]

Viele namhafte Anbieter, die in zunehmendem Maße auch aus den Niederlanden anreisten, hatten eine breite Angebotspalette mitgebracht und so konnte man zwischen kompletten Ausrüstungen, wuchtigen Montierungen, Teleskopen unterschiedlichster Bauart und Größe, und jeder Menge Zubehör auswählen. Verlage wie Oculum, Kosmos oder Spektrum boten ihre Produkte ebenso feil wie viele private Händler in den zahlreichen Nebengängen. Auch nutzen viele Vereine aus dem Ruhrgebiet und etwas weiter entfernten Regionen den ATT für eine eigene Präsentation. Überdies entfaltete auch astronomie.de wieder eine ganze Reihe von Aktivitäten, z.B. für die Astro-Kids.

Zum traditionellen Rahmenprogramm gehörten dieses Mal neben einer kurzen Ansprache der 2. Bürgermeisterin der Stadt Essen zwei Vorträge: Stefan Seip sprach über digitale Astrofotografie und Michael Delfs über die Grundlagen der visuellen Sonnenbeobachtung. Eine Jubiläumstombola rundete diesen Teil des ATT ab.

Wie schon im letzten Jahr war auch dieses Mal ein Rückgang der Zahl der Besucherinnen und Besucher deutlich zu spüren. Erstmals konnten die Gänge in der großen Halle auch zu Spitzenzeiten durchlaufen werden, ohne sich durch allzu große Menschenmengen durchwühlen zu müssen. Die Wirtschaftskrise ist offenbar auch in der Astroszene angekommen. Auffällig war auch, dass sich die Räume schon deutlich vor 18 Uhr immer mehr leerten und gegen Ende des ATT nicht mehr viele Sternfreundinnen und Sternfreunde anzutreffen waren. Die Hoffnung vieler Anbieter auf bessere Zeiten wird sich daher sicher auf den kommenden ATT richten, der am 29.5.2010 stattfindet.

Manfred Holl

ATT 2009: astronomie.de/att-essen/att-2009/index.php?index=willkommensgruss
Walter-Hohemann-Sternwarte Essen: www.walter-hohmann-sternwarte.de/

Neue Spektroskopie-Gruppe gegründet

»Aktive Spektroskopie in der Astronomie« (ASPA) nennt sich eine neue Amateurgruppe, die sich um den Ex-Leiter der VdS-Fachgruppe Spektroskopie, Ernst Pollmann, gebildet hat. Die Beratung und Förderung von Einsteigern, Schülern und Jugend-forscht-Projekten hat sich die neue Gruppe genauso zur Aufgabe gemacht wie die Förderung der Zusammenarbeit mit Profis. Inhaltlich geht es vor allem um anspruchsvollere Themen wie die Überwachung von Emissionsliniensternen, Radialgeschwindigkeitsmessungen an Doppelsternen oder hochauflösende Spektralklassifikation. Es wurden aber auch geeignete Sterne in einer Liste für Einsteiger zusammengestellt. ASPA setzt darüber hinaus die Publikation der ehemaligen Fachgruppenzeitschrift »Spektrum« fort.

ASPA: www.astrospectroscopy.de
Mitteilungsblatt Spektrum: www.astrospectroscopy.de/magazine_d.htm

Eine neue Ära der Astrofotografie

Schon seit Jahren wird an einer Software programmiert, die auf einem beliebigen Himmelsfoto das Muster der Sterne erkennt und die »Plattenkonstanten« ermittelt, so dass die Positionen von Himmelsobjekten direkt abgelesen werden können oder das Bild selbst astrometrisch erschlossenen werden kann. Jetzt läuft diese Software im Hintergrund der beliebten Foto-Onlinedeponie Flickr: Wer dort Mitglied der Astrometrie-Gruppe wird und ein Bild mit ausreichend Sternen hochlädt, braucht sich um nichts mehr zu kümmern und nach ein paar Minuten ist die Aufnahme analysiert und kann z.B. auch mit online verfügbaren Himmelsdurchmusterungen in allen denkbaren Spektralbereichen verschnitten werden. Der Anwendung sind keine Grenzen gesetzt, Kenntnisse in Astrometrie sind nicht erforderlich und natürlich ist alles kostenlos. Daniel Fischer

Erfahrungsbericht & Tutorial: blog.askyfullofstars.com/?p=431

Amateurastronomen wagen die Jagd nach Exoplaneten

Viele Amateurastronomen haben bereits mit eigener Ausrüstung Exoplaneten nachgewiesen, die vor den Scheibchen ihrer Sonnen herziehen und einen geringen aber charakteristischen Helligkeitsabfall verursachen aber stets waren diese Planeten bei professionellen Suchprogrammen entdeckt worden. Doch im Süden Arizonas gehen nun Amateure selbst auf Planetenjagd: Jede Nacht fotografieren sie ausgewählte Himmelsfelder mit einem 32"-Teleskop, die Helligkeit von 50000 Sternen wird überwacht und automatisch per Computer analysiert (was nach Expertenmeinung der bei weitem anspruchsvollste Teil der Operation ist). Noch gibt es keinen Fang zu vermelden, aber allein das Wagnis hat bereits das Interesse einer Nachrichtenagentur geweckt. Daniel Fischer

Artikel von AP: ktar.com/?nid=6&sid=1163795
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
29.5. 6:45, ZDF doku Die Außerirdischen Kontakt im Weltall: Das SETI-Projekt (60 min.), Wdh.: 30.5.: 0:30, 31.5.: 2:45, 8:00, 2.6.: 10:15, 14:45, 19:30, 4.6.: 5:00, 9:00, 23:30, 5.6.: 12:00, 6.6.: 1:00
9:30, BR-alpha Denker des Abendlandes: Die Naturphilosophen aus Milet (30 min.)
30.5. 10:05, arte Die Hälfte des Universums fehlt (45 min.)
15:00, NatGeoCh Der Tod des Universums (55 min.), Wdh.: 20:15, 31.5.: 15:50, 22:05, 1.6.: 12:20, 3.6.: 9:50
21:55, BR Im Schatten des Mondes (95 min.)
31.5. 13:00, Phoenix Wissenschaftsforum Petersberg: Auf zu den Sternen Neue Sicht auf unsere Welt (60 min.), Wdh.: 22:30
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Warps? (15 min.)
1.6. 19:00, AnixeHD Eyes on the skies (75 min.), Wdh.: 11.6.: 19:00, 15.6.: 19:00
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Wolf-Rayet-Sterne? (15 min.)
2.6. 6:50, Phoenix Entscheidung Längengrad (40 min.)
19:45, ARD Wissen vor 8: Was ist die Milchstraße (2 min.)
20:00, History Channel Geheimnisse des Universums: Gefahren der Raumfahrt (60 min.), Wdh.: 3.6.: 2:00, 8:00, 14:00
21:00, History Channel Geheimnisse des Universums: Der Mond (60 min.), Wdh.: 3.6.: 3:00, 9:00, 15:00
21:00, WDR 3 Quarks und Co.: Der lange Weg zum Mond: Zum 40. Jahrestag der 1. Landung (45 min.), Wdh.: 6.6.: 12:00, 7.6.: Eins Festival: 18:30
3.6. 10:40, arte Das Rätsel der Polarlichter (45 min.)
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was ist Geminga? (15 min.), Wdh.: 4.6.: 1:45, 8:15, 7.6.: 20:00
5.6. 20:15, WDR 3 Wie der Mond nach Bochum kam (45 min.)
6.6. 10:00, ZDF doku Das Rätsel von Tunguska (45 min.), Wdh.: 17:15 Uhr, 7.6.: 2:00, 20:15, 8.6.: 12;15, 9.6.: 6:45, 19:30, 10.6.: 1:45, 9:00, 15:15, 11.6.: 8:15, 12.6.: 0:00, 11:30, 16:15, 13.6.: 5:15
9.6. 20:00, History Channel Geheimnisse des Universums: Außerirdische Lebensformen (60 min.), Wdh.: 10.6.: 2:00, 8:00, 14:00
21:00, History Channel Geheimnisse des Universums: Die Sonne (60 min.), Wdh.: 10.6.: 3:00, 9:00, 15:00
10.6. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was ist eine HII-Region? (15 min.), Wdh.: 11.6.: 1:45, 8:15, 14.6.: 20:00
11.6. 20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Warum betreiben wir Astronomie? (15 min.)
15.6. 20:15, Phoenix Armageddon - Der Einschlag (1) (45 min.), Wdh.: 16.6.: 7:30, 18:30
21:00, Phoenix Armageddon - Der Einschlag (2) (45 min.), Wdh.: 16.6.: 8:15, 19:15
17.6. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Warum fasziniert uns der Mars? (15 min.), Wdh.: 18.6.: 1:45, 8:15, 21.6.: 20:00
Mitteilungen der Redaktion

interstellarum-Begleiter billiger!

Zum halben Preis gibt es die beiden interstellarum-Begleiter »Finsternisse« und »Teleskop 1×1«. Ab dem 3.6. sind beide Bücher für 3,95€ statt 7,90€ zu haben. Insbesondere der Begleiter »Finsternisse« dürfte aufgrund der anstehenden Jahrhundert-Sonnenfinsternis in Asien auf Interesse stoßen. Das Angebot gilt solange der Vorrat reicht beide interstellarum-Begleiter werden in dieser Form nicht mehr nachgedruckt.

Finsternisse: www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=10
Teleskop 1×1: www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=18

interstellarum 64 jetzt am Kiosk

interstellarum 64 (Juni/Juli 2009) ist am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

 

  • 40 Jahre Mondlandung: Warum die Zweifler irren
  • Wettervorhersage: Wie gut wird die nächste Nacht?
  • Sternlicht zerlegt: Spektroskopie mit einfachsten Mitteln
  • Astrofotografie: Der Nachthimmel im Zeitraffer
  • Deep Sky: Eine Tour durch die Leier
  • Astro-Funkzentrale: Meade Wireless Telescope Server

 

Aktuelles interstellarum-Heft: www.oculum.de/interstellarum/aktuell.asp
interstellarum-Abonnement: www.oculum.de/interstellarum/jahresabo.asp

NEU: Teleskop-Tests und Teleskop-Selbstbau

Für alle diejenigen, die ihre interstellarum-Sammlung nicht händisch durchsuchen möchten oder nicht über alle Hefte verfügen, hat die interstellarum-Redaktion zwei neue Archiv-CDs herausgebracht:

»Teleskop-Tests« enthält alle 54 Produktvergleiche und Erfahrungsberichte, die bisher in interstellarum erschienen sind:

  • 13 Teleskop-Vergleiche
  • 6 Fernglas-Vergleiche
  • 3 Montierungs-Tests
  • Okular-Vergleiche
  • 10 Filter-Tests
  • 11 Besprechungen astronomischer Kameras
  • 6 Tests von sonstigem Zubehör

»Teleskop-Selbstbau« enthält alle 60 Selbstbauartikel, die bisher in interstellarum erschienen sind:

  • 4 Berichte zum Thema Optik
  • 5 Anleitungen zum Dobson-Selbstbau
  • 5 Anleitungen zum Refraktor-Selbstbau
  • 9 Anleitungen zum Reflektor-Selbstbau
  • 4 Artikel zum Montierungsbau
  • 2 Artikel zur Reparatur von Ferngläsern
  • 4 Artikel zum Selbstbau von Astrofotografie-Hilfsmitteln
  • 11 Artikel zum Selbstbau verschiedenen Zubehörs
  • 9 Artikel zum Selbstbau einer Sternwarte
  • 7 Berichte von Teleskoptreffen

Beide CDs enthalten die kompletten Artikel im PDF-Format. Der Preis beträgt jeweils 19,90 Euro.

Teleskop-Tests: www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=43
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