Ausgabe 78
6. Februar 2009
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 6.2. — 20.2.2009
6.2. 20:45:22 MEZ Mond bedeckt ε Gem 3,2m
9.2. 15:49:14 MEZ Vollmond
13.2. 21:54:59 MEZ Merkur in größter westlicher Elongation 26,1°
16.2. 22:37:14 MEZ Mond Letztes Viertel
17.2. 2:38:10 MEZ Mond bedeckt 1 Sco 4,8m
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Komet Lulin kommt

Seit langem steht wieder ein mit dem bloßen Auge sichtbarer Komet vor der Tür: C/2007 N3 (Lulin) wird in der kommenden Neumondperiode erreichen — am 24.2. tritt die Erdnähe genau zu Neumond ein. Dabei wird er praktisch in Opposition zur Sonne stehen, näheres dazu in der nächsten Newsletter-Ausgabe. Weil der Komet sich fast genau in der Ekliptik bewegt und gegenüber der Sonne aus unserer Sicht steht, sind interessante Schweifphänomene zu beobachten. Der eigentliche Schweif zeigt deshalb seltsamerweise in die Richtung, in die sich der Komet bewegt. Außerdem ist ein Gegenschweif zu sehen, weil von unserer Sichtlinie aus die hauptsächlich hinter dem Kometenkopf liegenden Schweifteile sich soweit auffächern, dass sie auf beiden Seiten über die Koma hinausreichen.

Lange wurde kein so strukturreicher und variabler Plasmaschweif beobachtet wie derzeit beim Kometen Lulin, auch wenn die spannenden Details nur erfahrenen Astrofotografen zugänglich sind. Schon seit Januar werden Effekte im immer länger gewordenen Schweif beobachtet, die für Wechselwirkungen mit dem Sonnenwind typisch sind — und gegen Mittag des 4. Februar beobachteten mehrere europäische Amateure (dank ferngesteuerter Teleskope in den USA) einen spektakulären Schweifabriss. Von der 6m hellen Kometenkoma gelangen Anfang des Monats schon vereinzelte Sichtungen mit dem bloßen Auge. Die maximale Helligkeit wird mit ca. 4,5m um den 24.2. erwartet. Der Komet bewegt sich in den kommenden zwei Wochen durch das Sternbild Virgo und passiert am 16.2. dessen Hauptstern Spika.

Ronald Stoyan und Daniel Fischer

Die Schweifablösung am 4.2.: remanzacco.blogspot.com/2009/02/comet-lulin-disconnection-event.html
Galerie schöner Aufnahmen: spaceweather.com/comets/gallery_lulin.htm
Geballte Informationen: www.kometen.info/2007n3.htm
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Ringförmige Sonnenfinsternis in Südasien

Fast alle Astroreisenden in Sachen Finsternisse hatten sie ignoriert, weil die Wetterstatistik für das wenige Festland gar zu schlecht war, das die Antumbra des Mondes am 26. Januar treffen sollte — doch auf mehreren indonesischen Inseln gab es Wolkenlücken zur rechten Abendstunde, und nahezu perfekte Bilder des Feuerringes gelangen. Noch mehr Aufsehen erregte allerdings das Versinken der halb verfinsterten Sonne bei absolut klarer Luft in der Bucht von Manila — während es auf den klimastatistisch eigentlich bevorzugten Cocos-Inseln im Indischen Ozean (die 11 Finsternisfreunde erreicht hatten) während der gesamten Finsternis in Strömen regnete. Daniel Fischer

Links zu zahlreichen Bildern und Berichten: cosmos4u.blogspot.com/2009/01/eclipse-as-internet-phenomenon-first.html
Bilder-Galerie: www.spaceweather.com/eclipses/gallery_26jan09.htm
Auswahl von Pressebildern: www.sacbee.com/static/weblogs/photos/2009/01/018959.html

R Coronae Borealis in rekordverdächtigem Minimum?

Der bekannte Veränderliche in der nördlichen Krone, normalerweise knapp mit den bloßen Auge zu sehen, aber gelegentlich von plötzlich aufkommenden Rußschwaden verdeckt, ist nun schon seit Anfang Juli 2007 in einem sehr tiefen Minimum — zuletzt war er Anfang der 1960er Jahr so lange im schwachen Zustand geblieben. Bis August 2008 war R CrB von 6. auf 12. Größe gefallen, seit November 2008 liegt die Helligkeit zwischen 14,0m und 14,5m, und eventuell ist der Stern sogar zeitweise auf rekordverdächtige 15,0m gefallen: Das historische Minimum von 1963—65 könnte jetzt unterboten werden. Daniel Fischer

Zusammenfassung der AAVSO: www.aavso.org/publications/specialnotice/145.shtml
Informationen der BAV: www.bav-astro.de/sterne/crbr.shtml
Was man über R CrB weiß: www.aavso.org/vstar/vsots/0100.shtml
Meldungen aus der Forschung

CoRoTs größter Fang: ein Planet, auf dem man stehen könnte

Wir kennen wenig mehr als seine Umlaufsperiode, die mit 20,5 Stunden die kürzeste aller sicher nachgewiesenen Exoplaneten ist, und seinen Durchmesser: Mit dem nur 1,7- bis 2-fachen des Erddurchmessers ist CoRoT Exo-7b der kleinste je direkt vermessene Planet eines anderen Hauptreihensterns. Was aber leider noch fehlt (und konkrete Aussagen über das Erscheinungsbild dieser exotischen Welt kaum möglich macht), ist eine verlässliche Massenbestimmung. Zwar waren erste Anzeichen des Planeten schon kurz nach dem Beginn der Messungen des CoRoT-Satelliten 2007 gefunden worden: Die Helligkeit des Sterns ging regelmäßig für kurze Zeit auf eine Weise zurück, die für den Durchgang eines kleinen Planeten sprach. Aber das Signal war so schwach, dass der Fall sogar für Wochen aus der Liste der Kandidaten flog, die näher untersucht werden sollten. Diese Ehre wurde ihm schließlich doch zuteil, und Teleskope auf der Erde bestätigten die Transits. Was aber lange nicht gelingen wollte, war die entscheidende Beobachtung eines klaren Radialgeschwindigkeitseffekts, den ein Planet dem Stern aufzwingen müsste: Schließlich würde er — sonst gäbe es ja keine Transits — in einer Ebene senkrecht zur Himmelsebene umlaufen und auf größtmögliche Weise am Stern »zerren«.

Um 1/3 Promille geht die Helligkeit des Sterns CoRoT Exo-7 im Sternbild Einhorn zurück, wenn sein Planet vor dem Scheibchen vorbeizieht: Für den Satelliten CoRoT außerhalb der Erdatmosphäre trotzdem kein Problem. Der Durchmesser des Planeten, der kleinste je direkt gemessene, lässt sich aus diesen Daten ableiten, die Masse aber nicht - die ist auch nach über einem Jahr intensiver Arbeit noch nicht geklärt. [Observatoire de Paris]

Der Stern selbst half dem internationalen Astronomenteam auch nicht gerade: Mit Sternflecken die kamen und gingen, täuscht er Radialgeschwindigkeitseffekte vor, und das Planetensignal konnte erst nach über einem Jahr isoliert werden. Es war sehr gering, höchstens 4,5m/s, womit auch ausgeschlossen war, dass es sich um einen Braunen Zwerg oder Zwergstern handeln könnte: Ein weiterer heißer und massearmer Planet also, mit geschätzten 1000°C bis 1500°C Oberflächentemperatur sicherlich unbelebt. Als die Entdeckung am 3. Februar — 422 Tage nach den ersten CoRoT-Messungen — auf einer Tagung in Paris bekannt gegeben wurde, kamen immer noch neue Radialgeschwindigkeitsmessungen herein, und die Interpretation der Daten änderte sich fast täglich. Pressemitteilungen in mehreren Ländern — CoRoT ist ein multinationales Projekt mit komplizierter Management-Struktur — wurden geschrieben und revidiert und stimmten zum Schluss nicht mehr überein: Die Masse von Exo-7b, aber auch die Zahl der Planeten im System blieb verwirrend.

Sicher weiß man nur, dass es 7b gibt und er eine harte Massenobergrenze vom 11-fachen der Erdmasse besitzt. Als wahrscheinlichsten Wert betrachten zumindest die deutschen Auswerter rund 6,3 Erdmassen, doch gegenüber interstellarum halten sie weitere Revisionen in der nächsten Zeit für wahrscheinlich. In jedem Fall liegt damit die Dichte des Planeten im Bereich der Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems! Als »heißen Neptun«, um die es sich bei anderen Exoplaneten der 5-Erdmassen-Klasse auch handeln könnte, kann man ihn nicht beschreiben, doch auch mit einer »zweiten Erde« hat er angesichts seiner Sternnähe (2,5 Mio. km) und Temperatur wenig gemein. Er muss mindestens zur Hälfte aus Gestein bestehen, aber die Oberfläche kann ebenso von Lava wie einem tiefen Ozean bedeckt sein, umgeben von heißem Wasserdampf. Ob er sich seinen Stern mit einem oder sogar zwei weiteren Planeten mit wenigen Tagen Umlaufszeit teilt, ist auch noch nicht klar: Da ist mindestens ein weiteres periodisches Signal, das ein Planet mit 14 Erdmassen und 9 Tagen Periode verursachen könnte, aber Sternflecken könnten es eventuell vortäuschen. Und die Hinweise auf einen dritten Planeten mit 4 Tagen Umlaufszeit sind noch vager. Von CoRoT Exo-7b werden wird noch hören: Weitere bodengebundene Beobachtungen sind schon gebucht. Derweil harren hunderte weitere CoRoT-Planetenkandidaten der Verifizierung — und am 5. März soll mit Kepler der NASA ein noch besserer Fotometriesatellit starten.

Daniel Fischer

Pressemitteilung des DLR: www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-1/86_read-15681
Pressemitteilung aus Tautenburg: corot.tls-tautenburg.de/Exo-7b
Wie CoRoT funktioniert: www.oculum.de/newsletter/astro/000/30/4/34.g2.htm#2

Rasante Heizung eines Exoplaneten beobachtet

Wer sich mit Sternphotometrie auskennt, kann sich rund um den kommenden Valentinstag um die Erforschung extrasolarer Planeten verdient machen: Mit einer Wahrscheinlichkeit von (höchstens) 15% wird der Planet des Sterns HD 80606 vor dessen Scheibe vorbeiziehen.

Weder ein echtes Foto noch eine künstlerische Darstellung, sondern das Ergebnis einer zweidimensionalen hydrodynamischen Computersimulation: So sollte der Planet des Sterns HD 80606 kurz nach seiner Passage durchs Periastron glühen, während seine Atmosphäre die enorme Einstrahlung verdaut. In Rot ihr Nachglühen, der Stern strahlt von rechts: Die Darstellung gilt als halbwegs fotorealistisch. [D. Kasen, J. Langton und G. Laughlin (UCSC)]

Wenn das der Fall ist und gute Lichtkurven dieses Durchgangs aufgezeichnet werden können, dann verraten sie manches mehr über die physikalischen Parameter einer der exotischsten Welten, die bisher im Orbit um eine fremde Sonne entdeckt wurde. Denn die Umlaufbahn des 2001 entdeckten HD 80606b ist so exzentrisch wie bei keinem anderen bekannten Exoplaneten: Während seines 111,4 Tage währenden Jahres hält sich der Planet meist in Sternferne auf, sogar am Innenrand der habitablen Zone — aber in jedem Periastron stürzt er so nahe auf den sonnenähnlichen Stern zu, dass er für Stunden zu einem »heißen Jupiter« wird, in nur 0,03 Astronomischen Einheiten Abstand. Die Einstrahlung steigt dabei um einen Faktor 828! Mit dem Spitzer Space Telescope konnte 2007 bei 8µm Wellenlänge klar beobachtet werden, wie die Temperatur des Planeten binnen sechs Stunden von 800 auf 1500 Kelvin anstieg — atmosphärenphysikalisch kommt das beinahe einer Explosion gleich.

Da es sich um einen Gasriesen mit vier Jupitermassen handelt, müssen dabei gewaltige Umwälzungen in seiner Atmosphäre stattgefunden haben, mit Stürmen von bis zu 5km/s. Die Hitze wird offenbar in der oberen Atmosphäre aufgenommen und schnell wieder abgegeben, 25 Mal schneller als dies bei der Erdatmosphäre der Fall ist. Natürlich kann Spitzer nur das gemeinsame Infrarotlicht von Stern und Planet messen, aber dessen Temperaturanstieg machte sich klar bemerkbar — und auch ein kurzer Einbruch nahe des Maximums. Ganz offensichtlich hatte Spitzer einen sekundären Transit beobachtet, das heißt, der Planet war hinter dem Stern verschwunden. Damit war die Bahnneigung klar und auch die Masse des Planeten festgelegt, für die es vorher durch den Radialgeschwindigkeitseffekt auf den Stern nur eine Obergrenze gegeben hatte. Spitzer hatte nur 30 Stunden Zeit für die Beobachtungen, so dass ein eventueller primärer Transit vor dem Stern nicht beobachtet werden konnte — aber dazu bietet sich nun rund um den 14. Februar eine gute Gelegenheit. Der Durchgang könnte bis zu 17 Stunden dauern, und HD 80606 hat 9. visuelle Größe: Für so manches Profi-Teleskop ist das schon bedenklich hell. Aber gerade Amateurastronomen, die sich mit präziser Photometrie auskennen, sind eingeladen, den Stern kommende Woche zu überwachen — und zwar mindestens vom 12. bis 16. Februar. Allerdings: Der Helligkeitseinbruch wird wohl nur 0,01 Größenklassen betragen.

Daniel Fischer

UCSC Pressemitteilung: press.ucsc.edu/text.asp?pid=2703
Beobachtungsaufruf: www.aavso.org/publications/alerts/alert393.shtml
Enormer Medienimpakt: ksjtracker.mit.edu/?p=8473

Überraschend viele Braune Zwerge in Sternentstehungsgebiet W3 Main

6000 Lichtjahre entfernt im Perseus-Arm der Milchstraße gelegen gehört die Sternentstehungsregion W3 zu den populärsten der Astrophysik.

Dreifarb-Komposit (die Farben R, G und B entsprechen den IR-Farben K, H und J) von »W3 Main«, aufgenommen mit der CISCO-Kamera des Subaru-Teleskops: eine der tiefsten Aufnahmen eines Sternentstehungsgebiets vom Erdboden aus. Links von der Bildmitte in rot besonders massereiche Sterne. [NAOJ]

Hier sind »kürzlich« besonders viele massereiche Sterne entstanden, vielleicht unter dem Druck der benachbarten expandierenden Blase W4, und die identische Entfernung aller Objekte von der Erde erleichtert die systematische Untersuchung von Sternpopulationen aller Art: Die Massenfunktion — Zahl der Sterne als Funktion ihrer Masse — lässt sich vergleichsweise einfach ablesen. Eine besonders tiefe Nahinfrarot-Aufnahme des japanischen Subaru-Teleskops, die deutlich über die Grenze des Wasserstoffbrennens bei etwa 0,08 Sonnenmassen hinausreicht, hat jetzt in der dominanten Region »W3 Main« überraschend viele Braune Zwerge zutage gefördert. Diese Substerne sind in jeder Lebensphase schwache Lichtquellen und nur mit erheblichem Aufwand zu beobachten, aber in jungem Zustand sind sie noch vergleichsweise hell: Während sie noch durch ihre Schwerkraft kontrahieren, werden sie warm. Daher ist es sinnvoll, in Sternentstehungsgebieten nach ihnen zu suchen, die aber wiederum meist weit entfernt sind — systematische Untersuchungen sind da erst mit modernen Großteleskopen und Instrumenten möglich. In allen bisher untersuchten Geburtsstätten knickt die Massenfunktion genau beim Übergang von den richtigen Sternen zu den Braunen Zwergen scharf ein, in W3 Main jedoch kommen auf jeden richtigen Stern deutlich mehr substellare Körper als z.B. rund um die Trapez-Sterne im Orionnebel. Woran das liegt, ist noch weitgehend unklar: Weitere Sternentstehungsgebiete sollen nun unter die Lupe genommen werden, um herauszufinden, was überhaupt typisch ist und von welchen Faktoren die Massenfunktion abhängt.

Daniel Fischer

Die umfangreiche Originalarbeit: arxiv.org/abs/0811.1837
Eine Subaru Pressemitteilung: www.subarutelescope.org/Pressrelease/2009/01/29
W3 im Röntgenbereich: chandra.harvard.edu/photo/2006/w3

Ein Modell für den Ausbruch des Kometen Holmes

Bonner Radioastronomen und Kollegen vom Radioinstitut IRAM haben eine der wenigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen eingereicht, die zum Verständnis des enormen Ausbruchs des Kometen 17P/Holmes vor nunmehr 15 Monaten beizutragen versucht. Aus Beobachtungen des dabei freigesetzten Staubs im Submillimeterbereich leiten sie ein Modell ab, bei dem sich der Kometenkern lange mit einer gasundurchlässigen Staubschicht eingeschlossen hatte, unter der durch die Sonnenwärme im Perihel 2007 immer mehr Wasserdampf entstand und sich aufstaute. Wichtig dabei die Annahme einer porösen Struktur des Kerneises: Sehr viel freie Oberfläche trug zur Sublimation bei. 173 Tage nach dem Perihel platzte dann die Staubhülle auf, und Gas wie Staubpartikel wurden schlagartig freigesetzt. Diese »verspätete Sublimation« halten die Autoren für einen vielversprechenderen Ansatz als ein einfaches Zerbrechen des Kerns. Daniel Fischer

Die Originalarbeit: arxiv.org/abs/0901.2739

Ist der Asteroid 2006 SQ372 ein Kometenkern?

Sein Perihel liegt in 24 Astronomischen Einheiten Sonnenabstand, und die große Halbachse seiner Bahn misst gar 796 AE: Auf einer derartigen Bahn könnte sich der — inaktive — Himmelskörper 2006 SQ372 gerade einmal 200 Mio. Jahre halten. Im Prinzip könnte das Objekt ebenso aus dem Außenbereich des Kuiper-Gürtels wie der Oortschen Wolke stammen, aber dynamische Simulationen haben nun gezeigt, daß der Innenbereich der Oortschen Kometenwolke 16 Mal so viele Himmelskörper dieses Orbits »produziert« wie der Kuiper-Gürtel. Damit dürfte es sich bei 2006 SQ372 um den bei weitem sonnenfernsten langperiodischen Kometen handeln — der der Sonne nie nahe genug kommt, um messbare Aktivität zu entwickeln. Über den Aufbau der Oortschen Wolke verrät dieser Irrläufer wenig, aber künftige tiefe Himmelsdurchmusterungen sollten im kommenden Jahrzehnt weitere Exemplare aufspüren können. Daniel Fischer

Die Originalarbeit: arxiv.org/abs/0901.1690

Sedna bleibt allein

Wie das exotische Himmelsobjekt Sedna auf seine von allen anderen Bestandteilen des Sonnensystems isolierte Bahn — 76 bis 975 Astronomische Einheiten Sonnenabstand, 12000 Jahre Umlaufszeit — geraten ist, weiß man auch gut fünf Jahre nach seiner Entdeckung nicht. Und die Erwartung, bei einer intensiven Durchmusterung des äußeren Sonnensystems mit der 1,2-Meter-Schmidtkamera des Palomar Observatory bald weitere Vertreter seiner Art zu finden, hat sich auch nicht erfüllt: 53 Objekte des Kuiper-Gürtels oder Centauren zwischen diesem und dem inneren Sonnensystem wurden aufgespürt, sonst nichts. Trotz 21,3m Grenzgröße im Roten und 12000 Quadratgrad, die durchforstet wurden: Andere Sednas wären bis in 1000AE Entfernung nachzuweisen gewesen. Sehr harte Schlüsse über deren Fehlen sind angesichts der Beschränkungen der Suche allerdings nicht möglich: Da draußen kann noch manches der Entdeckung harren. Daniel Fischer

Die Originalarbeit: arxiv.org/abs/0901.4173
Nachrichten aus der Astro-Szene

Meade Instruments Europe wechselt den Besitzer

In einer Pressemitteilung vom 28. Januar 2009 teilt die Meade Instruments Europe GmbH & Co. KG mit, dass sich mit Wirkung vom 27.1.2009 die Inhaberverhältnisse der Firma verändert haben. Das Unternehmen wurde vom ehemaligen Bresser-Inhaber Rolf Bresser, dem langjährigen Hauptlieferanten Jinghua Optical Company und dem Geschäftsführer Herrn Helmut Ebbert erworben. Gleichzeitig wurde mit der bisherigen Eigentümerin Meade Instruments Corp. eine Kooperationsvereinbarung getroffen, um auch weiterhin eine enge Partnerschaft zu gewährleisten. Diese Vereinbarung sieht eine exklusive Zusammenarbeit bezüglich der Vermarktung der Meade- und Coronado-Produkte in Europa vor. Laut Aussage von Herrn Ebbert eröffnen sich mit dem Inhaberwechsel neue finanzielle Spielräume für Investitionen in neue Produkte, sowohl bei Meade in den USA, als auch bei Meade Instruments Europe, da die neue Gesellschafterstruktur Hersteller und Distributor zu einem wettbewerbsstarken Unternehmen vereint. Weiterhin betont Herr Ebbert, dass sich für den Endkunden dadurch keine Veränderungen ergeben, denn der Firmenname bleibt erhalten und der Vertragspartner dieselbe rechtliche Einheit. Nach wie vor werden Produkte von Meade, Coronado und natürlich von Bresser angeboten.

Frank Gasparini

Meade-Pressemitteilung: www.meade.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=uploads%2Fpics%2FPressem_Veraend.pdf

Azimutale Montierung von GSO

Kompakte alt-azimutale Montierungen ohne Motorantrieb erfreuen sich bei Sternfreunden großer Beliebtheit. Ihre kleinen Abmessungen und das geringe Gewicht machen sie in Verbindung mit einer reisetauglichen Optik zum idealen Begleiter im Urlaub.
Aber auch aufgrund des geringen Aufwandes beim Aufbau und der intuitiven Bedienung werden sie von Sternfreunden gerne für die schnelle Beobachtung »zwischendurch« eingesetzt. Die Firma Guan Sheng Optical (GSO) stellt nun auch eine alt-azimutale Montierung vor. Bei dem Modell ATZ handelt es sich um eine Einarmgabel inklusive höhenverstellbarem Aluminiumstativ. Laut Hersteller kann die Beweglichkeit in beiden Achsen über eine Friktionsbremse eingestellt und damit den jeweiligen Anforderungen angepasst werden, eine Klemmung ist nicht nötig. Das Zielgebiet wird mit groben Schwenks erreicht und kann dann mit der Getriebefeinverstellung zentriert und nachgeführt werden, wobei die Feinverstellung auch hohe Vergrößerungen bis 300-fach problemlos bewältigen soll. Die ATZ verfügt am Gabelarm über eine Schnellkupplung (Vixen-Standard), an der mittels geeigneter Adapterschienen astronomische Teleskope, Spektive, Ferngläser und Teleobjektive befestigt werden können. Die Bauweise der Adapter ermöglicht gleichzeitig einen exakten Gewichtsausgleich der montierten Geräte. Die Montierung eignet sich damit gleichermaßen für Hobbyastronomen, Naturbeobachter und Fotografen.

Als Besonderheit der ATZ kann die Neigung des Gabelarmes verändert und mit 90°, 70° oder 45° Position den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden. Die senkrechte Stellung ist ideal für Erdbeobachtungen, die anderen Positionen ermöglichen bei astronomischer Anwendung das freie Durchschwenken von längeren Teleskopen bis in den Zenit. Der Gabelkopf ist nach Herstellerangaben mit wenigen Griffen von der Basis abzunehmen, womit die Transportierbarkeit verbessert wird. Das Gewicht der Montierung mit Stativ beträgt 6,2kg, als Belastbarkeit werden 6kg Gerätegewicht angegeben. Die Beobachtungshöhe bei waagerechtem Einblick liegt je nach Stativauszug und Gabelneigung bei 90—130cm. Als Transportlänge werden 79cm für das Stativ mit Basis genannt, für den Gabelarm 63cm. Die Montierung wird für 275€ im Handel angeboten.

Frank Gasparini

GSO-Teleskope: www.gs-telescope.com/content.asp?id=140
interstellarum Produktvergleich azimutale Montierungen, interstellarum 50, Seite 50
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
6.2. 16:30, 3 Sat ZDF History: Katastrophen der Raumfahrt (45 min.)
22:45, BR-alpha Die 4 Elemente: Die Geschichte der Kontinente (15 min.), Wdh.: 7.2.: 1:30, 9.2.: 8:15
7.2. 16:00, Eins Plus Urknall-Simulation am CERN (15 min.)
21:45, Phoenix ZDF-History: Katastrophen der Raumfahrt (45 min.)
8.2. 20:00. BR-alpha Alpha Centauri: Was ist im Zentrum von Andromeda? (15 min.)
20:15, DiscovCh Ein großer Schritt für die Menschheit: Handschlag im All (50 min.)
21:05, DiscovCh Expedition zum Mars (4) (50 min.)
11.2. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was füttert Centaurus A? (15 min.), Wdh.: 12.: 1:45, 8:15, 15.: 20:00
13.2. 22:45, BR-alpha Die 4 Elemente: Wie entstehen Planeten? (15 min.), Wdh.: 14.: 1:30, 16.: 8:15
15.2. 20:15, DiscovCh Ein großer Schritt für die Menschheit: Die Shuttle-Ära (50 min.)
18.2. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was geschah im Kambrium? (15 min.), Wdh.: 20.: 1:45, 8:15.
Mitteilungen der Redaktion

Digitale Astrofotografie: Das neue Standardwerk mit DVD

Es ist das umfangreichste Handbuch, das je in deutscher Sprache zur Astrofotografie geschrieben worden ist: Am 12.2. erscheint der Titel »Digitale Astrofotografie« im Oculum-Verlag. Die Autoren Axel Martin und Bernd Koch — wohlbekannte Experten ihres Fachs und beide als Buchautoren bewährt — behandeln auf 368 Seiten die digitale Technik mit DSLR- und CCD-Kameras. Die Themen reichen von den Sensoren, Optiken und Montierungen über die Nachführung und Scharfstellung bis zur Aufnahmepraxis. Ein besonders ausführliches Kapitel zeigt die Möglichkeiten der astronomischen Bildbearbeitung mit gängigen Programmen. Zahlreiche kommentierte Bildbeispiele aus allen Bereichen der Amateurastronomie runden das Buch ab. Dem umfangreichen Werk beigelegt ist eine DVD, die 30 Free- und Sharewareprogramme sowie Beispiel- und Übungsdateien enthält. Äußerst nützlich ist ein umfangreiches Linkverzeichnis zu wichtigen Seiten im Internet.

Digitale Astrofotografie — Kamera, Optik, Montierung, Aufnahmetechnik und Bildbearbeitung
368 Seiten, 404 Abbildungen, Hardcover, 28cm × 21cm, durchgehend farbig, ISBN 978-3-938469-27-9, Februar 2009 (1. Auflage)
49,90 Euro zzgl. Versand

Digitale Astrofotografie: www.oculum.de/oculum/titel.asp?ID=0502200910310758&Nr=31
Inhaltsverzeichnis: www.oculum.de/oculum/download/astrofoto-inhalt.pdf

Eye & Telescope 3.0: Größer, besser, preiswerter!

Deep-Sky-Beobachter haben sehnsüchtig darauf gewartet: Die Version 3.0 der einzigartigen Simulations- und Planungssoftware Eye & Telescope kommt. Neu sind u.a.:

  • mehr als 9000 meist großformatige Bilder von Himmelsobjekten
  • integrierter Bildbetrachter mit einstellbarer Orientierung und Größe
  • Einbindung vorhandener und eigener Bilder im Katalog und im Logbuch
  • überarbeiteter und wesentlich erweiterter Objektkatalog

außerdem:

  • Neue Schnellübersicht für selbst erfasste oder bearbeitete Objektdaten
  • E&T berücksichtigt nun auch Zoom-Okulare und Barlowlinsen
  • Laden von Projektdateien erheblich beschleunigt
  • Unterstützung des Planetariumsprogramms »Starry Night« ab Version 5

Eye & Telescope 3.0 kann auf mehreren Rechnern parallel installiert werden und besitzt keine Hardwarebindung. Aufgrund der zahlreichen Bilddateien (darunter alle NGC-Objekte) wird das Programm auf DVD ausgeliefert. Der Preis wurde um 25% gegenüber der Vorgängerversion gesenkt. Lizenzierte Benutzer der Versionen 1.0 und 2.0 können ein um 50% verbilligtes Upgrade bestellen. Eine Demoversion kann kostenlos getestet werden.

Neue Eye & Telescope-Website: www.eyeandtelescope.com
Was ist neu in Version 3: www.oculum.de/eundt/site/eundt.asp?content=vdoku
Kostenlose Demoversion: www.oculum.de/eundt/site/eundt.asp?content=demo
Bestellseite Vollversion: www.oculum.de/eundt/site/eundt.asp?content=vollbestellung
Bestellseite Upgrade: www.oculum.de/eundt/site/eundt.asp?content=upbestellung
Informationen zum Newsletter sowie Hinweise zur An- und Abmeldung erhalten Sie unter www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp. Schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen haben — wir helfen gerne weiter!