Ausgabe 71
31. Oktober 2008
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 31.10. — 14.11.2008
6.11. 05:03:27 MEZ Mond Erstes Viertel
6.11. 20:06:00 MEZ Mond passiert Neptun 0° 21' nördlich
8.11. 22:41:59 MEZ Mond passiert Uranus 3° 12' nördlich
13.11. 07:17:23 MEZ Vollmond
13.11. 20:35:59 MEZ Mond bedeckt Plejaden
Auszug aus: »Das Astronomische Jahr 2008«, interstellarum-Jahrbuch. Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Mond bedeckt Plejaden am 13. November

Am Abend des 13. November kommt es zu einer zentralen Begegnung von Vollmond und Plejaden. Dabei werden zwischen 19:00 MEZ und 22:00 MEZ fast alle helleren Plejadensterne bedeckt. Die hellsten sind Maia (20 Tauri) mit 3,8m, die allerdings wie auch 16 Tauri nur für südöstliche Beobachtungsorte (Wien) bedeckt wird, Alkyone (η Tauri) mit 3,0m und Atlas (27 Tauri) mit 3,8m. Mond und Plejaden stehen im Osten und steigen im Laufe der Begegnung von etwa 15° auf über 40° über dem Horizont auf. Bei der Beobachtung mit bloßem Auge und einem Fernglas werden die Plejadensterne wegen der Vollmondhelligkeit vollkommen überstrahlt. Lediglich in größeren Teleskopen bei höherer Vergrößerung sind die Bedeckungen der einzelnen Sterne nachzuvollziehen. Die Bedeckung der Plejaden durch den Mond ist nur eines von vielen Ereignissen einer seit dem Jahr 2006 laufenden Reihe. Zu solchen Serien kommt es immer dann, wenn die Knoten der Mondbahn zur Ekliptik so positioniert sind, dass unser Trabant den richtigen Abstand zur Ekliptik aufweist. Da die Knoten selbst nicht fest sind, sondern entlang der Ekliptik wandern, finden solche Bedeckungsserien nur in mehrjährigem Abstand statt.

Peter Friedrich

Komet McNaught bei M 10

Komet C/2008 A1 (McNaught) am 20. Oktober 2008, CCD-Aufnahme mit 12"-Newton, ST2000XM, 28min. Bernhard Hubl.

Wegen seiner geringen Horizonthöhe war der Komet C/2008 A1 (McNaught) bisher kein leichtes Objekt. Im November kommt er langsam besser am Abendhimmel zur Geltung. Der Sonnenabstand liegt zwar weiterhin nur bei rund 35°, da der Schweifstern aber rasch nördlichere Deklinationen erreicht, kann er zunehmend etwas länger beobachtet werden. Die Helligkeit des Kometen liegt zur Zeit bei etwa 7,5m — Tendenz abnehmend — der Komadurchmesser beträgt ca. 5'. Am Abend des 3. November passiert der Komet auf seinem Weg durch das Sternbild Schlangenträger den 6,6m hellen Kugelsternhaufen M 10 — ein besonders reizvolles Ereignis für Astrofotografen. Die leider nur recht kurze Beobachtungsspanne reicht von etwa 18:00 bis 19:30 MEZ, wenn beide Himmelsobjekte nach Ende der astronomischen Abenddämmerung noch ausreichend hoch im Südwesten stehen.

Ein weiteres interessantes Objekt für Kometenbeobachter ist C/2006 W3 (Christensen): Von Eric Christensen (Catalina Sky Survey/USA) bereits am 18. November 2006 entdeckt, kann er noch ein ganzes Jahr über bei uns beobachtet werden. Im Perihel, das er erst im Sommer 2009 durchläuft, wird der minimale Sonnenabstand zwar beträchtliche 3,1AE ausmachen, er ist aber ein sehr großes Objekt mit einer absoluten Helligkeit zwischen 1M und 2M und könnte daher durchaus eine Helligkeit von rund 8m erreichen. Derzeit befindet sich der Komet ideal am Nachthimmel im Sternbild Cepheus, vom 6. bis 25. November wandert er durch das markante Viereck dieses Sternbildes und steht abends im Zenit. Mit einer Helligkeit von etwa 10,5m kann er schon mit kleineren und mittleren Teleskopen beobachtet werden.

Burkhard Leitner

Aktuelle Beobachtungen und Bilder: kometen.fg-vds.de
Detaillierte Aufsuchkarten: www.kometarium.com

Orioniden 2008 schaffen eine Zenitstundenrate von 70

So stark wie in den vergangenen Jahren ist der Meteorstrom der Orioniden diesmal nicht ausgefallen, aber immerhin trat in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober ein relativ ausgeprägtes Maximum mit einer Zenitstundenrate von rund 40 ein. Mondlicht störte viele Beobachter, und noch sind die vorliegenden Zahlen zu gering, um die genaue Form und Uhrzeit des Maximums näher einzugrenzen. Viele helle Orioniden sorgten hingegen für eine Reihe eindrucksvoller Bilder. Daniel Fischer

Das visuelle Profil, automatisch erstellt: www.imo.net/live/orionids2008
Eine beeindruckende Galerie: www.spaceweather.com/meteors/gallery_21oct08.htm
Ein Summenbild vom 17. —23. Oktober: www.cloudbait.com/science/orionid2008.html

Plutos Mond Charon mit einem 14-Zoll-Teleskop klar abgebildet!

Für seine Entdeckung hatte es 1978 noch eines 1,6-Meter-Teleskops mit Fotoplatten bedurft, und der Mond des damals-noch-Planeten Pluto hatte sich gerade einmal als kleine Beule an dessen Lichtklecks verraten. Aber fast genau 30 Jahre später ist italienischen Amateurastronomen mit einem 36cm-Spiegel und einer CCD-Kamera ein Bild von Charon 0,7" neben Pluto gelungen, welches den Mond nicht nur klar zeigt, sondern sogar viel besser vom nun-Zwergplaneten getrennt als auf den Entdeckungsbildern. Daniel Fischer

Das Amateur-Bild: blogs.discovermagazine.com/badastronomy/2008/10/28/amateur-astronomers-capture-jupiter-charon
Meldungen aus der Forschung

Musterbeispiel astronomischer Bildverarbeitung

Aufnahme der Galaxie NGC 7331 nebst kosmischem Vorder- und Hintergrund mit der Kamera LAICA, die vor dem primären Fokus des Zeiss-Teleskops des Calar-Alto-Observatoriums mit einer Öffnungsweite von 3,5m angebracht war. [Calar Alto Sternwarte, Oktober 2008]

Auch unter Weltraumenthusiasten ist die Vorstellung weit verbreitet, die farbenfrohen und detailreichen Bilder moderner Weltraumteleskope — namentlich Hubble — oder auch von Großsternwarten am Boden seien wohl eher künstlerische Darstellungen denn seriöse wissenschaftliche Resultate. Gewiss wird die Präsentation astronomischer Daten in Pressemitteilungen auch von künstlerischen Aspekten bestimmt, muss das Bild doch im Wettstreit mit zahlreichen anderen Motiven bestehen: Die Wahl von Falschfarben zum Beispiel wird oft von ihrer emotionalen Wirkung geleitet. Zuweilen sind bei den Online-Versionen astronomischer Pressemitteilungen immerhin die Rohbilder verlinkt — aber die deutsch-spanische Sternwarte auf dem Calar Alto ist nun einen großen Schritt weiter gegangen: Eine spektakuläre Aufnahme der Spiralgalaxie NGC 7331 mit dem alten 3,5m-Teleskop, aber einer modernen CCD-Kamera, wurde zusammen mit einer umfassenden Darstellung sämtlicher Verarbeitungsschritte — bis hin zu einzelnen Algorithmen — präsentiert, von denen auch mancher Amateur-Astrofotograf noch etwas lernen kann.

Die zentrale Technik der Bildverarbeitung war hier die Wavelet-Methode, bei der Strukturen unterschiedlicher Größe separat bearbeitet werden können: Auf diese Weise sind Details im hellen Innenbereich der Galaxie ebenso zu erkennen wie der »galaktische Zirrus« bzw. die als »Hagensche Wolken« bekannten Vordergrundnebel unserer Milchstraße, der einen Großteil des Bildes überdeckt. Vor allem im unteren Bereich des Bildes macht er sich als kosmische »Lichtverschmutzung« bemerkbar. Dabei handelt es sich um diffuse Wolken aus Staub, organischen Molekülen und Gas in der Milchstraße, die das kombinierte Licht aller Sterne reflektieren. Ebenfalls treten durch die Wavelet-Verarbeitung die Halos von NGC 7331 und auch vieler der Galaxien im Hintergrund hervor. Auch die Farbbalance folgt hier rein wissenschaftlichen Kriterien: Es wurde angenommen, dass das Licht von NGC 7331 insgesamt weiß ist. Rötlichere und bläulichere Bereiche in der Galaxie lassen sich aber unterscheiden, und die Hintergrundgalaxien haben ebenfalls andere Farbtöne, die etwas über die Sternpopulationen verraten. Alles in diesem Bild sei echt, betont Vincent Peris, der die Daten prozessiert hat: Nur der blaue Hof um die hellsten Sterne ist ein Artefakt, dem er nicht auch noch zuleibe rücken wollte.

Daniel Fischer

Pressemitteilung des Calar Alto Astronomical Observatory: www.caha.es/ngc-7331-a-large-spiral-galaxy.html
Zum Vergleich eine gute Amateuraufnahme: www.spiegelteam.de/ngc7331.htm
Zum Vergleich ein viel gezeigtes semiprofessionelles Bild: www.noao.edu/outreach/aop/observers/n7331.html

Ein Jahr nach Holmes: verblüffend wenig gelernt

Es war in der Nacht zum 23. zum 24. Oktober 2007, als die Helligkeit des Kometen 17P/Holmes binnen Stunden um einen Faktor 500000 bis eine Million anstieg und der eben noch 17m schwache Komet am Himmel für das bloße Auge sichtbar wurde. Mit einem Schlag hatte der kleine Kometenkern eine ungeheure Menge Staub freigesetzt, die zunächst eine sehr kompakte Kugel von enormer Flächenhelligkeit bildete. Sie expandierte danach stetig, und der anfangs sternförmig erscheinende Holmes wurde zu einer immer größeren und diffuseren Scheibe am Himmel. Man sollte meinen, dass es ein Jahr nach dem Ausbruch, der alle anderen Kometeneruptionen — auch diejenige, die Holmes selbst 1892 widerfahren war — in ihrer Amplitude bei weitem übertraf, in der astronomischen Fachliteratur an Arbeiten nur so wimmelt, von detaillierten Beobachtungsberichten ebenso wie theoretischen Überlegungen zum Mechanismus des Phänomens. Aber weit gefehlt: Auch die umfassendste astronomische Bibliografie, das Astrophysics Data System, listet nur eine Handvoll größere Veröffentlichungen zu wissenschaftlichen Beobachtungen Holmes' im Ausbruch auf — und nur etwa drei der Papers wagen eine Interpretation der Ereignisse (wobei sich die Modelle jeweils gegenseitig ausschließen).

Immerhin wurden kurz vor dem Jahrestag des Ausbruchs auf einer Tagung Beobachtungen Holmes' mit dem Spitzer Space Telescope vorgestellt, die vielleicht in Richtung des Mechanismus weisen — aber selbst wieder neue Rätsel aufgeben. Der Infrarotsatellit hatte den Kometen im November 2007 und dann wieder im März 2008 beobachtet: Kurz nach dem Ausbruch wurde die Kometenkoma von feinem Silikatstaub beherrscht, der 2008 größeren Teilchen Platz gemacht hatte. Derselbe feine Staub war Kometenforschern immer dann begegnet, wenn Kometen etwas Gewaltsames widerfahren war: nach dem Einschlag des Projektils der Deep-Impact-Mission in den Kern von Tempel 1 etwa oder nach einem Ausbruch von Hale-Bopp 1995. Vermutlich werden die normalerweise größeren Kometenteilchen durch energiereiche Prozesse regelrecht zerstäubt: Im Falle von Holmes könnte es die plötzliche Umwandlung von amorphem Eis in kristallines gewesen sein, die mit großer Energieabgabe einhergeht. Viele Details der Vorgänge in Holmes' Kern und Koma sind ebenso unverstanden: So wurden bei beiden Spitzer-Beobachtungen staubige Filamente in der Koma gesichtet, die im November von der Sonne weg zeigten (wie man wegen deren Strahlungsdruck auch erwarten konnte), im März aber ihre Raumrichtung beibehalten hatten, während die Sonne längst von einer ganz anderen Seite auf den Kometen schien

Daniel Fischer

Alle Fachveröffentlichungen aus der Datenbank des ADS: is.gd/4FM8
Die Spitzer-Beobachtungen: www.spitzer.caltech.edu/Media/releases/ssc2008-18/release.shtml
Holmes am 2.10.2008: pagesperso-orange.fr/fkometes/images/comets_img/17P-08100216-18x120s.JPG

Epsilon Eridani: drei staubige Scheiben und mehrere Planeten?

Mit nur 10 Lichtjahren Entfernung ist er einer der sonnennächsten ausgewachsenen Sterne — und einer der aufregendsten auch: Nachdem bei Epsilon Eridani schon länger ein ein eisiges Gegenstück des Kuiper-Gürtels unserer Sonne sowie ein Staubring weiter innen bekannt waren und es auch Hinweise auf ein oder zwei Planeten gab, haben nun weitere Beobachtungen bei 3,5µm bis 350µm Wellenlänge eine dritte staubige Scheibe noch viel näher am Stern nachgewiesen. In nur 3AE Abstand sitzt sie genau dort, wo bei der Sonne der Asteroidengürtel angesiedelt ist. Das System des Epsilon Eridani scheint aber komplizierter als das unsrige aufgebaut zu sein, und verstanden ist es noch lange nicht: Einer der beiden mutmaßlichen Planeten müsste nämlich eigentlich auf der für ihn aus Radialgeschwindigkeits-Daten berechneten elliptischen Bahn die innere Scheibe sofort zerstören.

Daniel Fischer

Das Paper mit den neuen Daten (vom Spitzer Space Telescope und dem Radiointerferometer CSO): www.arxiv.org/abs/0810.4564
Eine JPL Pressemitteilung: www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2008-197
Eine CfA Pressemitteilung: www.cfa.harvard.edu/press/2008/pr200822.html

Der Cepheid Polaris pulsiert wieder stärker

Unser Polarstern ist der hellste Vertreter der Cepheiden-Veränderlichen am Himmel, doch die Amplitude seiner Helligkeitsvariation alle etwa 4 Tage war im Laufe des vergangenen Jahrhunderts immer weiter zurückgegangen, von 0,1m (peak-to-peak) auf 0,02m — schon gab es regelrechte Nachrufe auf den Cepheiden Polaris, der den Instabilitätsstreifen zu verlassen schien. Das jedoch war verfrüht: Etwa 1995 hörte die Abnahme der Amplitude plötzlich auf, und seitdem nimmt sie wieder zu! Möglicherweise steckt ein zyklisches Phänomen auf einer Zeitskala von Jahrhunderten hinter der schwankenden Amplitude, vielleicht eine Schwebung, bei der sich zwei extrem nah beieinander liegende Perioden überlagern und zuweilen fast gegenseitig auslöschen — auf jeden Fall dürfte uns der hellste Cepheide noch lange erhalten bleiben und beim Verständnis pulsierender Sterne helfen. Daniel Fischer

Paper von einer Konferenz über kühle Sterne: www.arxiv.org/abs/0810.4371

SOFIA wieder einsatzbereit

Im Juni war er im Ames Research Center der NASA mit Aluminium bedampft worden, und seit dem 8. Oktober sitzt der Hauptspiegel wieder im 2,5-Meter-Teleskop der amerikanisch-deutschen fliegenden Sternwarte SOFIA, zur Zeit auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien geparkt. Zunächst wird das Teleskop aus dem Jumbojet heraus am Boden getestet, gefolgt von den ersten vorsichtigen Testflügen mit geöffneter Klappe im Frühjahr 2009; dabei wird auch das Teleskop erste IR-Bilder schießen. Danach kann dann bei sechs bis acht Flügen ab Frühsommer mit den ersten großen SOFIA-Instrumenten richtige Wissenschaft betrieben werden: Eines davon wird der maßgeblich in Bonn entwickelte »German Receiver for Astronomy at THz Frequencies« (GREAT) sein. Und ab Ende 2009 soll dann die astronomische Nutzung SOFIAs erheblich ansteigen, parallel zu weiteren Tests des überaus komplexen Systems Flugzeug/Großteleskop. Daniel Fischer

Ames Pressemitteilung: www.nasa.gov/centers/ames/news/releases/2008/08_88AR.html
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 31.10.2008 — 15.11.2008
1.11.—2.11. Tagung der VdS-Fachgruppe "Geschichte der Astronomie", Landesmuseum Kassel (Hörsaal), Brüder-Grimm-Platz 5 Wolfgang Steinicke, Gottenheimerstr. 18, D-79224 Umkirch,07665/51863, wolfgang.steinicke@vds-astro.de, geschichte.fg-vds.de
8.11.—9.11. Einblicke in das Hobby Astronomie, LWL-Museum für Naturkunde Münster LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Straße 285, 48161 Münster Sternfreunde Münster, www.sternfreunde-muenster.de/stfms.php
15.11. 27. Bochumer Herbsttagung (BoHeTa), Ruhr-Universität Bochum Universitätsstr. 150, Hörsaal HMA 10 an Gebäude MA Peter Riepe, Lortzingstr. 5, D-44789 Bochum, fg-astrofotografie@vds-astro.de, www.boheta.de

Sternwarte Hamburg-Bergedorf als Weltkulturerbe?

Die international renommierte Sternwarte Hamburg-Bergedorf feierte unlängst ihr 175jähriges Bestehen als staatliches Institut und veranstaltete daher zusammen mit weiteren Trägern vom 15. bis 17. Oktober 2008 das internationale ICOMOS (International Council on Monuments and Sites)-Symposium »Cultural Heritage: Astronomical Observatories (around 1900) — From Classical Astronomy to Modern Astrophysics«. Der Hauptgrund für die Tagung war das Ziel, generell über Sternwarten als besonderes kulturelles Erbe der Menschheit zu diskutieren und gleichzeitig die Bewerbung der Hamburger Sternwarte als offizielles UNESCO-Weltkulturerbe zu forcieren. Entgegen anders lautenden und auch inhaltlich falschen Berichten aus der Tagespresse gibt es hierzu jedoch keinen offiziellen Beschluss des Hamburger Senats, wohl aber die Zusage der Unterstützung des Vorhabens durch einzelne Senatsmitglieder. Diese wiesen in ihren Statements auf die Erhaltung der Sternwarte als Kulturdenkmal hin, die historisch-wissenschaftliche Bedeutung dieser universitären Einrichtung und den Gedanken, mit ihrer Hilfe die Geschichte der Naturwissenschaften und aktuelle Forschung gleichermaßen zu verbinden.

Gebäude der Sternwarte Bergedorf mit der Kuppel des 1m-Spiegels.

Leicht wird es auch mit der Hilfe der Politik, die vor Jahren noch die Sternwarte aus Kostengründen schließen wollte, nicht werden, das Ziel zu erreichen, das Observatorium auf die UNESCO-Tentativliste 2014 zu platzieren. In dem Jahr wird endgültig über die Vergabe des begehrten Status entschieden. Wie Prof. Dr. Michael Petzet, Präsident des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS allerdings betonte, werden »normale Bewerbungen aus Mitteleuropa praktisch keine Chance haben, anerkannt zu werden«. Die Hamburger Sternwarte entstand 1825 in den Wallanlagen, ist seit 1833 ein offizielles Staatsinstitut, wurde von 1906 bis 1912 auf dem Gojenberg in Bergedorf neu errichtet. 1996 wurde sie in die Liste Hamburger Denkmäler aufgenommen, 2008 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zum »Kulturdenkmal von nationalem Rang« erhoben. Das bietet eigentlich gute Voraussetzungen, um als bedeutende Kultur- und Naturstätte für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen zu werden. Doch das Verfahren an sich ist komplex und schwer durchschaubar: Bergedorf muss sich nicht nur gegen nationale Bewerber durchsetzen, sondern auch gegen europäische und außereuropäische, so dass in diesem Lichte betrachtet, die Chancen auf Anerkennung eher gering sind. Daher kam man auf eine andere Idee. Inzwischen hat das »World Heritage Committee« um die Übersendung einer Liste der nationalen Schwerpunkte mit Bezug auf die Initiative gebeten und die Tagung anerkennend beachtet. Der kommende World Heritage Day am 18. April 2009 unter der Überschrift »Science Heritage« soll von den Initiatoren für weitere Aktionen im Zusammenhang mit der generellen Anerkennung von Sternwarten im allgemeinen und der Sternwarte Hamburg-Bergedorf im besonderen genutzt werden.

Manfred Holl

Pressemitteilung der Behörde für Kultur, Sport und Medien: www.bergedorf.de/fileadmin/bilder/bksm01.pdf
ICOMOS-Programm 2008: www.math.uni-hamburg.de/spag/ign/events/icomos08.htm
World Heritage-Seite der UNESCO: whc.unesco.org/en/activities/19
Förderverein Hamburger Sternwarte: www.fhsev.de/

Televue baut Ethos Okularserie aus

Jahrelang galten die Nagler-Okulare von Televue als das Maß der Dinge bei Weitwinkelokularen. Mit 82° bieten sie ein sehr großes Gesichtsfeld bei gleichzeitig angenehmem Einblickverhalten und bedingt brillenträgertauglichem Augenabstand. Auch lichtstarke Optiken »schneller« als f/5 werden am Rand noch gut korrigiert. Mit der aufsehenerregenden Einführung des Televue Ethos 13mm im Herbst 2007, dem ersten Okular mit 100° Gesichtfeld, hat die Optikschmiede selbst neue Maßstäbe gesetzt. Das 8mm-Ethos-Modell im Sommer 2008 setzte die Reihe der Ultraweitwinkelokulare fort und nun kündigt TeleVue zum Jahresbeginn 2009 zwei neue Okulare der Ethos-Reihe mit 6mm und 17mm Brennweite an. Wie die Vorgängermodelle weisen diese neuen Okulare 100° scheinbares Gesichtsfeld auf.

Die Reihe der Ethos-Okulare besteht nun aus vier Modellen.

Der Pupillenabstand wird ebenfalls mit 15mm angegeben und es besteht auch hier die Möglichkeit die Dioptrx-Korrekturlinsen zu verwenden. Das 6mm-Okular weist, wie die bisherigen Modelle, einen Steckanschluss von 2" und 1,25" auf. Die Feldblende beträgt 10,4mm, als Gewicht werden 440g angegeben. Das 17mm-Okular sprengt mit seiner Feldblende von 29,6mm den Steckdurchmesser von 1,25" und ist daher ein reines 2"-Okular, sein Gewicht beträgt 700g. Die Auslieferung der Okulare in Deutschland wird für Januar/Februar 2009 erwartet. Die endgültigen Verkaufspreise stehen aktuell noch nicht exakt fest und dürften auch von der weiteren Entwicklung des Euro im Verhältnis zum US-Dollar abhängen. Derzeit werden für das 17mm-Modell knapp 700€ und für das 6mm-Okular ca. 540€ genannt.

Frank Gasparini

Neue Ethos-Okulare von Televue: www.televue.com/engine/page.asp?ID=2

Beobachtungsstühle von Berlebach

Die in der Hobbyastronomie durch ihre Holzstative bekannte Firma Berlebach hat erstmals zur Photokina drei Beobachtungsstühle vorgestellt, die ab November 2008 lieferbar sein sollen. Laut Hersteller zeichnen sich die Stühle besonders durch ihr geringes Eigengewicht, eine einfache Bedienung mit schneller Verstellbarkeit der Sitzhöhe und platzsparende Transportmaße aus. Das kleinste Modell namens Hydra bietet bei 2,5kg Gewicht eine Sitzhöhe von 10cm bis 80cm, die stufenlos eingestellt werden kann. Das größere Modell namens Nix bietet bei 3kg Eigengewicht eine stufenlose zu verändernde Sitzhöhe von 10cm bis 110cm. Beide Modelle sind aus Eschenholz gefertigt, als Belastbarkeit werden 100kg angegeben. Als Sonderzubehör ist optional eine Fußstütze erhältlich. Das dritte Stuhlmodell mit dem Namen Charon ist aus Furniersperrholz gefertigt und ermöglicht in zwölf Stufen Sitzhöhen von 10cm bis 93cm. Der Hersteller gibt eine Belastbarkeit von 120kg bei 5,8kg Eigengewicht an. Allen drei Stuhlmodellen gemeinsam sind die gepolsterten und mit Leder überzogenen Sitzflächen. Berlebach weist darauf hin, dass die Holzquerschnitte so gewählt sind, dass die Sitze leicht federn und somit ein entspanntes, ergonomisches und gesundes Sitzen gewährleisten. Als Preise werden genannt: Hydra 135€, Nix 155€, Charon 145€.

Frank Gasparini

Stativhersteller Berlebach: www.berlebach.de

»Rettung« von XMM-Newton

Plötzlich war am 18. Oktober der Funkkontakt zum großen Röntgensatelliten XMM-Newton der ESA abgerissen, und es hätte ja was Schlimmes sein können: Die Bodenkontrolle in Darmstadt alarmierte sofort ein weltweites Netz von Satellitenbeobachtern, mit optischen Teleskopen oder Radaranlagen, um nach dem Rechten zu sehen. Als erste erfolgreich waren Amateurastronomen der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim: Sie konnten feststellen, dass XMM noch nicht auseinandergebrochen war (keine Fragmente in der Nähe) und auch nicht herumtorkelte, was sich durch einen Helligkeitswechsel bemerkbar gemacht hätte. Die Lageregelung funktionierte also noch — und in der Tat konnte der Kontakt zu XMM nach vier Tagen wieder hergestellt werden. Daniel Fischer

ESA-Pressemitteilung: www.esa.int/esaSC/SEM7A3RTKMF_index_0.html

Neuer Direktor des MPI für Plasmaphysik

Der Röntgenastronom Prof. Dr. Günther Hasinger gehörte zu den profiliertesten Astrophysikern Deutschlands, zeichnete für maßgebliche Entdeckungen der Astronomie bei hohen Energien verantwortlich und legte sich auch schon mal mit der Bundesregierung (oder Kollegen anderer Felder der Weltraumforschung) an, wenn es um die Förderung der Astrophysik in Deutschland ging. Aber jetzt sagt Hasinger der Astronomie adé — und wird am 1. November Wissenschaftlicher Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald! Zwar wird er nun immer noch technisch aufwändige Grundlagenforschung betreiben und koordinieren, aber jetzt mit einem sehr konkreten (wenn auch noch reichlich utopischen) Ziel am Horizont: einem funktionierenden Fusionsreaktor. Daniel Fischer

Pressemitteilung des IPP: www.ipp.mpg.de/ippcms/de/presse/pi/13_08_pi.html

Deutscher Amateur-Marsballon erneut gescheitert

Wie schon beim Vorgänger 2006 ist es — wenn auch aus anderen Gründen — deutschen Raumfahrtamateuren erneut nicht gelungen, eine kritische Missionsphase ihres erhofften Marsballons »Archimedes« bei einem Raketenexperiment in Schweden bis zu Ende durchzutesten. Zwar trennte sich am 22. Oktober die MIRIAM-Nutzlast von der in Kiruna gestarteten DLR-Rakete REXUS 4, doch dann kollidierten zwei Komponenten miteinander, als sich der Ballon gerade aufzublasen begann. Wie es mit dem Ballonprojekt nun weitergeht, das eigentlich 2011 mit einem von Funkamateuren entwickelten Marsorbiter mitfliegen sollte, dessen Realisierung selbst auch nicht als gesichert gilt, ist jetzt offener denn je. Daniel Fischer

Bericht der Mars Society Deutschland: www.marssociety.de/html/modules.php
DLR-Pressemitteilung zu REXUS 4: www.dlr.de/DesktopDefault.aspx/tabid-1/86_read-13855/
Das REGINA-Experiment von 2006: http://www.oculum.de/newsletter/astro/000/10/5/15.j7eh8.htm#2
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
1.11. 7:00, ZDF doku Abenteuer Wissen: Meteoriten — Gefahr aus dem All (30 min.), Wdh.: 14:00, 2.11.: 16:45, 3.11.: 4:45, 15:00, 19:30, 5.11.: 1:25, 9:45, 6.11.: 0:15, 12:30, 17:15
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was ist die Silk-Dämpfung? (15 min.)
2.11. 14:00, Phoenix Lise Meitner und Otto Hahn (40 min.)
14:40, Phoenix Interview mit Prof. Otto Hahn, Prof. Lise Meitner, Fritz Strassman aus dem Jahr 1960 (35 min.)
15:15, Phoenix Die Entdeckung der Uranspaltung 1938 (15 min.)
16:00, 3 Sat hitec: Jupiters geheimnisvoller Eismond (30 min.), Wdh.: 3.11.: 2:25
16:15, Phoenix e=mc2 — Einsteins große Idee (45 min.)
20:00, BR-alpha Centauri: Was sind solare Flares? (15 min.)
4.11. 12:00, HR 3 Die Erde — Unser Planet (1): Kontinente auf Wanderschaft (15 min.)
5.11. 3:45, Phoenix Der Bosumtwi-Meteorit (45 min.), Wdh.: 12.11.: 3:40
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Wie entstehen Magnetfelder? (15 min.), Wdh.: 6.11.: 1:45, 8:15, 9.11.: 20:00
7.11. 22:15, arte Der Urknall aus dem Labor (50 min.)
10.11. 20:45, Eins Plus total phänomenal: Treibhaus Erde (15 min.), Wdh.: 11.11., 0:45, 12.11.: 4:45, Wdh.: 13.11., 8:45, 14.11.: 12:45
21:30, 3 Sat hitec: Was geschah in Tunguska? (30 min.), Wdh.: 11.11., 2:25
11.11. 12:00, HR 3 Die Erde — unser Planet (2): ...von der Sonne verwöhnt (15 min.)
12.11. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Wo entsteht die kosmische Strahlung? (15 min.), Wdh.: 13.11.: 1:45, 8:15, 16.11.: 20:00
13.11. 8:05, WDR 3 Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Die Erde bebt — Emil Wiechert und der Seismograph (15 min.)
Interaktive Sternennacht im Radio
Am Freitag, dem 31.10. sendet WDR 5 eine »Sternennacht im Radio« zwischen 22:05 und 23:00 Uhr. Bei klarem Himmel erklärt Hermann-Michael Hahn die Sternbilder des Herbsthimmels. Bei schlechtem Wetter können Sie zuhören, die kostenlose WDR-5-Hotline 0800-5678-555 anrufen und Fragen stellen — ganz nach dem Motto »Was Sie schon immer über Sterne wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten.« Daniel Fischer
Mitteilungen der Redaktion

Themenheft Teleskope erschienen!

530 Teleskope, 84 Okularreihen, 64 Montierungen, 42 Neuheiten: Das sind die Eckdaten des ersten Teleskope-Hefts der interstellarum-Redaktion. Noch nie hat es in deutscher Sprache — weder gedruckt noch im Internet — eine derart ausführliche und gleichzeitig übersichtliche Zusammenstellung zum aktuellen Fernrohr-Markt gegeben. Dazu kommen drei Produktvergleiche in bekannter interstellarum-Qualität zu Einsteiger-Teleskopen, Reise-Dobsons und Astrotaschenlampen. Teleskop-Neulinge finden an verschiedenen Stellen im Heft Kästen mit Basiswissen zu Teleskop-Leistung, Teleskop-Typen, Montierungen) und sinnvollem Zubehör.

Im Heft enthalten ist außerdem die Auswertung der interstellarum-Umfrage zur Zufriedenheit von Teleskop-Besitzern. Die Umfrage ist bei 900 Teilnehmern mit 2500 Teleskopen die weltweit größte jemals durchgeführte derartige Erhebung. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Sie künden vom Ende der Achromate und der fortsetzenden Hausse der Apochromate. Newton-Teleskope bleiben populär, während die jahrzehntelang favorisierten Schmidt-Cassegrain-Teleskope schwächeln. Bei den Marken gibt es Überraschungen — lesen Sie die ausführliche Auswertung im Heft.

interstellarum Thema Teleskope gibt es ab 17.10.2008 am Kiosk oder unter www.interstellarum.de/onlineshop.asp

*Aufgrund erhöhter Nachfrage kann der Versand der Einzelbestellungen etwas länger dauern! Wir bitten um Ihr Verständnis!*

Detailierte Inhaltsangabe: www.oculum.de/interstellarum/themenhefte.asp
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