Ausgabe 65
25. Juli 2008
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 25.7. – 8.8.2008
25.7. 20:41:38 MESZ Mond Letztes Viertel
25.7. - Südliche δ-Aquariden (SDA), ZHR: 20
29.7. 22:04:29 MESZ Merkur in Oberer Konjunktion
30.7. - α-Capricorniden (CAP), ZHR: 4
1.8. 12:12:38 MESZ Neumond
1.8. 11:35:17 MESZ Partielle Sonnenfinsternis
8.8. 22:20:17 MESZ Mond Erstes Viertel
Auszug aus: »Das Astronomische Jahr 2008«, interstellarum-Jahrbuch. Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Sonnenfinsternis am 1. August

Am 1. August kommt es zu einer Sonnenfinsternis, die auch im deutschen Sprachraum sichtbar ist - allerdings nur als partielle Finsternis, bei der nicht die gesamte Sonnenscheibe bedeckt wird. Das Ereignis findet etwa zwischen 10:40 MESZ und 12:30 MESZ statt und dauert je nach Beobachtungsort zwischen einer und zwei Stunden. Die größten Bedeckungsgrade kann man im Norden Deutschlands beobachten, auf Rügen werden knapp 25% erreicht. In der Schweiz wird die Sonne dagegen nur zu rund 5% bedeckt.

Der Pfad der totalen Verfinsterung wandert vom Nordpolargebiet kommend von Nord nach Süd durch Russland und die Mongolei, um schließlich in China zu enden. Die maximale Verfinsterung von knapp zweieinhalb Minuten wird in Nordrussland erreicht. Etwas weiter südlich in Nowosibirsk, das fast genau auf der Zentrallinie liegt, sind es aber auch noch 2 Minuten und 20 Sekunden Totalität.

Für die Beobachtung ist es unbedingt erforderlich, die Augen bzw. das Beobachtungsinstrument mit einer Sonnenfinsternis-Brille bzw. einem geeigneten Sonnenfilter zu schützen! Nicht geeignet sind CDs, Rettungsfolie, Schweißerbrillen, Sonnenbrillen und die früher verwendeten Okular-Sonnenfilter - sie können schwerwiegende Augenverletzungen zur Folge haben!

Ronald Stoyan und Peter Friedrich

interstellarum 58, Seite 34: »Schwarze Sonne über den Weiten Asiens«
interstellarum 59, Seite 34: »Risiko Sonne - wie wahrscheinlich sind Augenschäden bei Sonnenfinsternis?«

Abb.: Bedeckungsgrad der Sonnenfinsternis am 1. August im deutschen Sprachraum
Kontaktzeiten für Städte im deutschsprachigen Raum
Aachen 10:40:41,8 MESZ 11:26:56,4 MESZ 12:14:34,7 MESZ 12%
Basel 10:52:20,7 MESZ 11:29:28,3 MESZ 12:07:26,4 MESZ 5%
Berlin 10:44:06,6 MESZ 11:38:01,3 MESZ 12:32:58 MESZ 19%
Bern 10:54:49,1 MESZ 11:29:16,2 MESZ 12:04:27,0 MESZ 4%
Bonn 10:41:48,0 MESZ 11:28:29,4 MESZ 12:16:31,3 MESZ 12%
Bremen 10:38:42,8 MESZ 11:31:07,5 MESZ 12:24:58,3 MESZ 18%
Dortmund 10:40:23,7 MESZ 11:29:05,9 MESZ 12:19:12,4 MESZ 14%
Dresden 10:47:32,4 MESZ 11:39:04,2 MESZ 12:31:31,0 MESZ 15%
Düsseldorf 10:40:25,3 MESZ 11:28:02,6 MESZ 12:17:04,4 MESZ 13%
Duisburg 10:39:55,7 MESZ 11:28:01,8 MESZ 12:17:33,8 MESZ 13%
Frankfurt
(Main)
10:44:55,1 MESZ 11:31:02,1 MESZ 12:18:20,5 MESZ 11%
Hamburg 10:39:00,7 MESZ 11:32:48,2 MESZ 12:27:58,1 MESZ 20%
Hannover 10:40:48,0 MESZ 11:32:30,6 MESZ 12:25:32,8 MESZ 17%
Köln 10:41:13,7 MESZ 11:28:20,4 MESZ 12:16:49,3 MESZ 12%
Leipzig 10:45:34,2 MESZ 11:36:43,9 MESZ 12:28:56,7 MESZ 15%
Mannheim 10:46:30,6 MESZ 11:30:47,9 MESZ 12:16:12,4 MESZ 9%
München 10:53:49,7 MESZ 11:36:24,8 MESZ 12:19:48 MESZ 8%
Nürnberg 10:49:06,9 MESZ 11:35:08,5 MESZ 12:22:08,9 MESZ 10%
Stuttgart 10:49:24,9 MESZ 11:32:04,8 MESZ 12:15:44,1 MESZ 8%
Wien 10:57:54,5 MESZ 11:44:57,1 MESZ 12:32:29,4 MESZ 10%
Zürich 10:53:54,7 MESZ 11:31:10,8 MESZ 12:09:14,5 MESZ 5%

Live-Webcasts der Sonnenfinsternis

China: www.exploratorium.edu/eclipse/2008/
sunearthday.nasa.gov/2008eclipse/
sems1.cs.und.edu/~sems/index.php
Russland: novosibirskguide.com/eclipse-2008/live-broadcasting/
Wann beginnt die Finsternis mit bloßem Auge?
Bei welcher Uhrzeit kann die erste bzw. letzte Spur des Mondrandes vor der Sonne mit blendgeschütztem freiem Auge wahrgenommen werden? Mit solchen Angaben können historische Finsternisbeobachtungen nachvollzogen werden und beurteilt werden, welche Sonnenfinsternisgrößen und Kontaktzeiten die Astronomen in vorteleskopischer Zeit erkennen konnten.
Das Astronomische Büro in Wien sammelt die Daten. Bitte unbedingt einen sicheren Sonnenfilter (z.B. eine Sonnenfinsternisbrille) verwenden! Die Beobachtung soll ohne optisches Gerät erfolgen.
Eine Beurteilung der Sichtbarkeit mit einer Lochkamera (Camera Obscura) ist ebenfalls von Interesse: Sonnenfinsternisse wurden damit in vorteleskopischer Zeit beobachtet und das Prinzip war offenbar schon im Altertum bekannt. Wolfgang Vollmann
Astronomisches Büro, Wien: members.ping.at/astbuero
Camera Obscura: http://de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura
Meldungen aus der Forschung

»Deep Impact« auf neuer Mission: Transits aller Art

Transit des Mondes vor der Erde, aufgenommen von der Raumsonde EPOXI am 29. Mai aus 50 Millionen Kilometern Entfernung [Donald J. Lindler, Sigma Space Corporation/GSFC; EPOCh/DIXI Science Teams]

Während sich das ehemalige Mutterschiff der Deep-Impact-Mission (man erinnert sich: Vor drei Jahren kollidierte ihre Tochtersonde mit dem Kometen Tempel 1) zu einem anderen Kometen weiter zieht, den sie erst 2010 erreichen wird, ist ihre Kamera nicht untätig: EPOXI heißt die gesamte Mission inzwischen, und EPOCh - Extrasolar Planet Observations and Characterization - die gerade zu Ende gehende Phase, bei der vier Sterne von Januar bis August 2008 in langen Zeitreihen photometriert werden. Es handelt sich um Sterne mit bekannten Exoplaneten, die immer wieder vor den Sternscheiben vorbeiziehen und ihr Licht spürbar verringern: Die Messreihen aus dem Weltraum sollen subtilere Effekte erkennen lassen als Beobachtungen vom Erdboden aus. So sucht man nach Licht des Sterns, das der Planet reflektiert und das fehlt, wenn er hinter dem Stern verschwindet (sekundäre Verfinsterung), man will sehen, ob sich die Zeitpunkte der Durchgänge leicht verschieben, weil ein unbekannter massearmer Planet die Bahn des bekannten stört - und vielleicht macht sich solch ein kleiner Nachbar ja auch direkt durch eigene Transits bemerkbar. Konkrete Erkenntnisse liegen noch keine vor, aber die schon präsentierten Lichtkurven von Transits vor HAT-P-4, TrES-3, XO-2 und GK436 sind von hoher Qualität - wozu auch beitrug, dass die Kamera von EPOXI etwas defokussiert ist und sich das Sternlicht auf viele Pixel verteilt.

Noch größeres Aufsehen erregte aber eine ganz andere Transitbeobachtung, die EPOXI am 29. Mai gelungen war (vgl. Abbildung): Aus seiner Perspektive zog der Mond vor der Erde vorbei. Das lieferte nicht nur ungewöhnliche Bilder, die Erdbeobachtung aus der Ferne war auch analog zu einer Situation, zu der eine - noch rein hypothetische - künftige Generation von Weltraumteleskopen einmal führen soll. Diese werden nämlich (durch Interferometrie und/oder spezielle Koronografen) in der Lage sein, erdähnliche Planeten anderer Sterne direkt abzubilden, allerdings nur als Lichtpunkte. Welche aber mit der Rotation des Planeten aufschlussreiche Lichtkurven in verschiedenen Farben zeigen sollten, wenn Kontinente und Meere erscheinen und wieder verschwinden. Aus dem EPOXI-Film der Erde lassen sich entsprechende Lichtkurven berechnen und mit den aufgelösten Bildern der fernen Kugel vergleichen. Eine komplette Erdrotation ist mit 15 Minuten Zeitauflösung im Kasten; der vorbeiziehende Erdmond ist dabei nur ein pittoresker Bonus ohne direkten Nutzen. Eine ganze Menge ist aus dem Video schon gelernt worden, z.B. dass sich Ozeane durch punktförmig reflektiertes Sonnenlicht ("Glints") verraten können oder dass bestimmte Farbfilter Kontinente klarer hervortreten lassen. Hat man es mit einem Exoplaneten mit Kontinenten voll Vegetation zu tun, dann würde deren Erscheinen auf der Vorderseite im nahen Infraroten ein starkes Signal liefern.

Daniel Fischer

NASA-Feature mit Videos:www.nasa.gov/topics/solarsystem/features/epoxi_transit.html

Kleine Asteroiden in Erdnähe: alles halb so wild?

Wie viele Kleinplaneten einer bestimmten Größe gibt es, die im Prinzip auf die Erde stürzen könnten, und wie viele Jahre liegen typischerweise zwischen zwei Einschlägen dieser Kategorie? Dieses bisher unveröffentlichte Diagramm fasst die Ergebnisse verschiedener aktueller Studien zusammen: Gegen die Absoluthelligkeit H (die zugleich ein ungefähres Maß für den Durchmesser und die Impaktenergie ist) trägt man die Zahl der Objekte mit erdnahen Bahnen auf, deren H-Wert kleiner ist, eine kumulative Darstellung. Der Miniasteroid, der vor 100 Jahren die Tunguska-Explosion verursachte, und der 10-km-Asteroid, der das Ende des Erdmittelalters einläutete, sind markiert. Eine einflussreiche Studie nahm 2003 ein durchgehendes Potenzgesetz an, doch mehrere unabhängige Arbeiten sehen - bereits seit 2001 oder 2002 - einen mehr oder weniger markanten "Dip" zwischen etwa 50 und 500 Metern Asteroidendurchmesser. [Alan Harris, Space Science Institute]

Wie groß ist die Gefahr für die Erde durch noch nicht katalogisierte Kleinplaneten, die im Prinzip mit der Erde zusammenstoßen könnten, den NEAs (Near-Earth Asteroids)? Wenn man so will, sind wir heute viel "sicherer" als noch vor zehn Jahren, als die "Spaceguard Survey" Fahrt aufnahm, mit dem Ziel, 90% aller NEAs bis zu einer Größe von einem Kilometer hinab zu finden. Bis Mitte Juli 2008 haben mehrere Suchprogramme zusammen knapp 750 solcher Groß-NEAs aufgespürt, deren Impakt wegen viel aufgewirbelten Staubs die gesamte Zivilisation bedrohen würde. Die Gesamtzahl der infrage kommenden Asteroiden mit mehr als 1km Durchmesser liegt nach verschiedenen Hochrechnungen etwas unter 1000, womit bisher rund 80-85%entdeckt sind: Das Spaceguard-Ziel ist zum Greifen nahe. Und weil keiner dieser NEAs in den kommenden Jahrhunderten die Erde treffen wird, ist ein Großteil des von ihnen repräsentierten Risikos für die Menschheit nunmehr "in den Ruhestand geschickt" worden, wie man in der NEA-Szene sagt. Aber was ist mit den kleineren NEAs, die immer noch Großstädte und kleine Länder verwüsten könnten? Im Jahre 2003 definierten Astronomen 140 Meter als die nächste Untergrenze, bis zu der man 90% aller NEAs finden möge, und der US-Kongress machte sich dieses Ziel 2005 in einer (nicht bindenden) Resolution zu eigen.

2007 kam jedoch eine - seither heiß umstrittene - NASA-Studie indes zu dem Befund, dass die Erweiterung der Spaceguard Survey auf die drastisch mehr deutlich kleineren NEAs Milliarden von Dollars kosten würde. Alle laufenden Suchprogramme zusammen haben schließlich bis heute nur 5500 NEAs aller Größen aufgespürt, statt der (wie man damals dachte) hunderttausend bis zur neuen Untergrenze: Erheblich größere Teleskope, womöglich gar im Weltraum, könnten nötig werden. Dafür standen die Mittel nicht zur Verfügung, und das Problem der NEAs unter 1 km schien ungelöst und bedrohlich zu bleiben. Doch eine Reihe neuer Studien zur Gesamtpopulation der NEAs sieht deutlich weniger dieser Körper im kritischen Intervall: Zwei Drittel des Risikos durch Körper zwischen 50 und 500 Metern könnte sich einfach in Luft aufgelöst haben. Wenn diese Delle in der NEA-Statistik wirklich existiert: Alan Harris, der ihn jüngst in Nature betonte, gibt sich gegenüber interstellarum vorsichtig: Wenn Entscheidungen über hunderte Millionen Dollar auf dem Spiel stehen, sollte einem das schon 100000 Dollar für weitere Studien wert sein. Und die möge auch jemand anderer bekommen, der mit unabhängigen Methoden arbeitet. Man müsse sich allmählich fragen, wie weit man das Restrisiko eigentlich nach unten treiben will, findet Harris, angesichts explodierender Kosten bei sinkendem Asteroidendurchmesser: In dieser Frage gehen heute die Meinungen in der NEA-Szene erheblich auseinander. Neue riesige Himmelsdurchmusterungen nach Objekten aller Art mit den Teleskopen PanSTARRs und LSST sollten indes als Nebenprodukt einen gewaltigen NEA-Katalog liefern, so dass sich - wenn auch in Jahrzehnten statt 10 Jahren - die Frage eines Tages von selbst erledigen wird.

Daniel Fischer

PanSTARRs und die Asteroiden: www.oculum.de/newsletter/astro/000/20/6/26.98h.htm#5
Die 2007-er NASA-Studie: www.oculum.de/newsletter/astro/000/30/5/35.7f.htm#3
Statistik der NEA-Entdeckungen: neo.jpl.nasa.gov/stats

Eine helle Nova am Südhimmel - und keiner guckte

Abb.: Die Nova V598 Puppis, links im Optischen und rechts als Röntgenquelle von XMM-Newton aufgenommen. [ESA/ XMM-Newton/ EPIC (adapted from A. Read et al.)]

So etwas gab es noch nie: Da bricht am Himmel eine Nova aus, die mit mindestens 4. Größe die hellste seit fast 10 Jahren wird und leicht mit dem bloßen Auge zu sehen sein müsste - aber keinem einzigen Suchprogramm im sichtbaren Licht geht sie ins Netz, und entdeckt wird sie schließlich von einem Röntgensatelliten! Als sie am Himmel schon wieder verblasst ist und nur noch Aufzeichnungen automatischer Kameras von dem Schauspiel zeugen, das kein Mensch mitbekommen zu haben scheint. So geschehen zwischen dem 2. und 5. Juni 2007 im Sternbild Puppis, dem freilich damals die Sonne schon ziemlich nahe stand. Gleichwohl wurde die Nova, die inzwischen V598 Puppis heißt, von der automatischen Himmelsüberwachung ASAS einmal mit 4. und einmal mit 6. Größe aufgenommen, bevor die Sonne zu nahe kam und alle Beobachtungen in dieser Richtung mehrere Monate lang unmöglich machte. Leider wurde die Nova aber in den ASAS-Daten übersehen, und so schlug schließlich die große Stunde der Röntgensatelliten. Immer wenn "XMM-Newton" der ESA von einem Ziel am Himmel zu einem anderen schwenkt, sammelt er trotzdem weiter Röntgenphotonen, die Himmelskoordinaten zugeordnet werden können. Dieser "Slew Survey" hat in den vergangenen Jahren schon 30% des Himmels abgetastet, und dabei ging am 9. Oktober auch Röntgenstrahlung der Nova ins Netz, mit immerhin 50 Photonen von 0,2 bis 2 keV pro Sekunde. Diesmal wurde die neue Quelle sofort entdeckt, und XMM schaute am 30. Oktober nunmehr gezielt auf diese Stelle, sowie am 21. November der NASA-Satellit Swift. Die Röntgenstrahlung fiel jeweils deutlich um einen Faktor 2 zwischen den beiden XMM-Beobachtungen und um einen weiteren Faktor 5 bis zu Swifts Messungen. Im Optischen war der Stern am 16. November immer noch 600 Mal heller als er vor der thermonuklearen Explosion auf seiner Oberfläche gewesen war, und Spektren wiesen klar auf eine klassische Nova hin.

Daniel Fischer

ESA Pressemitteilungen: www.esa.int/esaSC/SEMH9HWIPIF_index_0.html, sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=43127
Homepage der ASAS: archive.princeton.edu/~asas

Regulus hat engen Begleiter

Die außergewöhnlich schnelle Rotation von Alpha Leonis - noch etwas rasanter, und der Stern flöge auseinander - legt nahe, dass er durch Materiefluss von einem engen Begleiter angetrieben würde, doch ein solcher war lange unauffindbar. Nicht mehr: Jahrelange Serien von Spektren zeigen nun, dass es tatsächlich einen engen Regulus-Begleiter (und nicht nur das schon lange bekannte Paar ferner Partner) gibt, mit nur etwa einer Drittel Sonnenmasse und 40 Tagen Umlaufszeit. Ein roter Zwerg kann zwar nicht ausgeschlossen werden, ein Weißer Zwerg ist aber wahrscheinlicher und käme (in seinem früheren Leben als normaler Stern) auch als der gesuchte Massenspender in Frage. Beobachtungen in kurzen Wellenlängen sollten die Emission eines Weißen Zwergs zeigen; verdächtige - aber nicht eindeutige - Daten in dieser Richtung gibt es schon. Daniel Fischer

Veröffentlichung zur Entdeckung: www.arxiv.org/abs/0806.3473

Der vierte Zwergplanet

2005 FY5 heißt nun Makemake. Betont wird jeweils das "Ma", denn das Wort ist polynesisch und bezeichnet eine Gottheit aus der Mythologie der Osterinsel: Relativ zügig haben die zuständigen IAU-Gremien dem Namensvorschlag des Entdeckers zugestimmt und das Objekt (allein ob seiner Größe) zugleich in die Klasse der Zwergplaneten verschoben, die es sich nun mit Eris, Pluto und Ceres teilt. Automatisch ist Makemake damit auch ein Plutoid. Weiter offen ist das Schicksal des vierten sehr großen Objekts im Kuipergürtel, 2003 EL61: Weil es hier immer noch Streit um die Entdecker-Ehre gibt (und vielleicht auch, weil der Körper durch extreme Rotation arg unrund ist), ziehen sich Taufe und Kategorisierung weiter hin. Kuriosum am Rande: Ceres hat es möglicherweise in der Frühzeit des Sonnensystems aus dem Kuipergürtel in den Hauptgürtel verschlagen, so dass dieser einzige Zwergplanet diesseits der Neptunbahn ein Ex-Plutoid wäre... Daniel Fischer

IAU-Pressemitteilung: www.iau.org/public_press/news/release/iau0806
Der Fall 2003 EL61: space.newscientist.com/article/dn14318.html
Der Fall Ceres: www.sciencenews.org/view/generic/id/34157/title/Ceres_may_be_an_asteroid_impersonator

Der zweithellste - oder hellste? - Stern der Milchstraße

Mit 3,2 Millionen Sonnenleuchtkräften sollte er eigentlich klar schwächer als Eta Carinae mit 4,7 Millionen sein, doch die Messungen sind gar nicht so einfach, und vielleicht sind der "Peony nebula star" und Eta Car sogar ähnlich hell. Eine neue Entdeckung ist der "Stern im Pfingstrosen-Nebel" (ein erst jetzt in die Literatur eingeführter Begriff) zwar nicht, aber nahe des Galaktischen Zentrums wird sein Licht durch so viel Staub geschwächt, dass seine Leuchtkraft (und die eines anderen Sterns in der Gegend) erst jetzt klar geworden ist. Erst Infrarotmessungen mit dem New Technology Telescope der ESO brachten die Antwort - und wer weiß, wieviele noch hellere Sterne sich in der Milchstraße komplett verborgen halten. Daniel Fischer

Veröffentlichung zur Entdeckung: arxiv.org/abs/0807.2476
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 25.7.2008 – 8.8.2008
7.–10.8. Teleskoptreffen am Selenter See, Pülsen Raffael Benner, www.teleskoptreffen.info/selent/index.htm

Das Teleskoptreffen am Selenter See

Das Teleskoptreffen am Selenter See in Schleswig-Holstein ist angenehm klein und familiär und deshalb ein schöner Kontrast zu den größeren Treffen. Es findet diesmal vom 7. bis 10. August statt. Der Organisator ist Raffael Benner - viele kennen ihn und seinen selbstgebauten 30"-Zöller mit der gelben Leiter von anderen Teleskoptreffen.

Der Selenter See liegt zwischen Kiel und Lütjenburg. Der neue Platz ist eine Badestelle mit Liegewiese und großem Sandstrand am Nordufer des Sees. Am Platz gibt es gute sanitäre Anlagen. Ein fahrender Bäcker kommt täglich vorbei, weitere Einkaufsmöglichkeiten gibt es im nahen Pülsen.

Der Weg zum Strand wurde bisher immer ausgeschildert. Eine Teilnahmegebühr wurde nicht verlangt, stattdessen ging immer ein "Klingelbeutel" herum, in den jeder hineingab, was er für angemessen hielt.

Der erste Videobeamer mit schwarzem Schwarz

Abgesehen von sündhaft teuren Laserprojektoren gelangt bei allen Videobeamern - egal ob mit DLP- oder LCD-Technik - auch bei Schwarz noch eine Menge Licht auf die Projektionsfläche: Im digitalen Kino mag das kaum stören, wohl aber in Planetarien, wenn die Videoprojektion mit dem viel knackigeren künstlichen Himmel des klassischen Projektors kombiniert werden soll. Die Firma Zeiss scheint das leidige Problem nun im Griff zu haben und fasziniert damit die Planetarier-Szene. Das VELVET genannte System soll dem Vernehmen nach nur halb so teuer wie die Laser-Lösung kommen und ab Mitte 2009 zur Verfügung stehen.

Daniel Fischer

Zeiss-Pressemitteilung: www.zeiss.de/C12567A10053133C/allBySubject/Press2
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
25.7. 21:45, ZDF doku Der Griff nach den Sternen: Der Weltraumschimpanse Ham (60 min.), Wdh.: 2:30
27.7. 9:35, Vox Die Planeten (2): Der Marsvulkan (60 min.)
12:00, Discovery Geschichte Die APOLLO 11-Mission (55 min.)
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was ist ein Cooling Flow? (15 min.)
21:10, Discovery Geschichte APOLLO 13 (95 min.)
28.7. 9:45, Phoenix Gemeinsam schweben - Deutsche und Chinesen im All (15 min.)
19:15, BR-alpha ALL-Wissen, Wdh.: 29.7.: 9:30
29.7. 23:10, Kabel 1 K1 - Discovery: Wettrennen in den Weltraum (55 min.)
30.7. 11:30, 3 Sat Woher kommt die Welt? Die Entstehung des Kosmos (45 min.), Wdh.: 6.8.: 4:05
11:45. Phoenix Gemeinsam schweben - Deutsche und Chinesen im All (15 min.)
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Wie schnell entstand die Erde? (15 min.), Wdh.: 31.7.: 1:45, 3.8.: 20:00
23:00, Vox Die Planeten (3): Kosmische Giganten (60 min.)
20:15, Arte Asteroiden - Gefahr aus dem Weltall (45 min.)
31.7. 22:45, BR-alpha Das Einstein-Projekt (3): Professor Einstein (15 min.), Wdh.: 1.8.: 1:45
2.8. 6:00, ZDF Info Labor mit Aussicht - Astronauten forschen im All (15 min.), Wdh.: 13:00, 21:00
4.8. 4:00, Phoenix Wettlauf zur Venus (45 min.)
5:30 , Phoenix Sternstunden - Die Zukunft der Milchstraße (45 min.)
17:00, 3 Sat Das Einstein-Projekt (1): Die frühen Jahre (15 min.)
6.8. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Rotieren Schwarze Löcher? (15 min.), Wdh.: 7.8.: 1:45, 8:15, 10.8.: 20:00
23:00, Vox Die Planeten (4) (60 min.), Wdh.: 10.8.: 9:35
7.8. 19:15, BR-alpha ALL-Wissen, Wdh.: 8.8.: 9:30
22:45, BR-alpha Das Einstein-Projekt (4): Die Berliner Jahre (15 min.), Wdh.: 8.8.: 1:45
Mitteilungen der Redaktion

Astro-Neuheit des Jahres 2008

Was war die wichtigste Produktneuheit für die Amateurastronomie im Jahr 2008? Diese Frage beantworten diesmal die interstellarum-Leser: Sagen Sie uns, welche von 8 im Laufe des Jahres im interstellarum-»Produktspiegel« vorgestellten Neuerungen Sie am bedeutensten finden:

  • Vixen NLV-Okulare (Heft 55)
  • Meade Deep-Sky-Imager III (Heft 56)
  • Lunt H-alpha-Filter (Heft 57)
  • Baader Steeltrack-Okularauszug (Heft 57)
  • Meade DS-2090 MAK-GT (Heft 58)
  • Gerd Neumann Multiadapter (Heft 58)
  • Meade ED-Apo 127 (Heft 59)
  • Fujinon HCF-Ferngläser (Heft 59)

Sie können kostenlos und anonym abstimmen. Das Ergebnis wird im interstellarum-Themenheft "Teleskope" vorgestellt.

Umfrage Astro-Neuheit 2008: www.umfrageprofi.de/vote/v_index.php?fbid=czo2OiIxMDAzNTAiOw==
Die Astro Neuheiten des Jahres
2004: Coronado PST-Sonnenteleskop
2005: Canon Digitalkamera EOS 20Da
2006: Meade Lightbridge Dobsons
2007: Televue Ethos-Okular

interstellarum Thema Teleskope

Verpassen Sie nicht das erste Themenheft der interstellarum-Redaktion! Zum ersten Mal überhaupt erhalten Sie eine komplette Marktübersicht zu Teleskopen, Montierungen und Zubehör - das gibt es in keiner Zeitschrift und nirgendwo im Internet!

Wir berichten außerdem ausführlich über aktuelle und angekündigte Produktneuheiten. Das Heft enthält drei Produktvergleiche in interstellarum-Qualität und die Auswertung der weltweit größten Umfrage unter Teleskopbesitzern.

Außerdem bereiten wir für Sie vor:

  • komplette Marktübersicht zu Teleskopen, Montierungen, Okularen, Zubehör
  • alle Produktneuheiten 2008/2009
  • Leserwahl zur Astro-Neuheit des Jahres
  • drei Produktvergleiche in bekannter interstellarum-Qualität zu Teleskopen und Zubehör
  • Weihnachts-Schnäppchenmarkt
  • Auswertung der weltweit größten Umfrage unter Teleskopbesitzern

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