Ausgabe 56
14. März 2008
In eigener Sache:
Aufgrund der Osterfeiertage erscheint die nächste Ausgabe des Newsletters erst am 4. April. Wir wünschen allen Lesern frohe Ostern!
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 14.3.2008 – 4.4.2008
14.3. 11:45:39 MEZ Mond Erstes Viertel
20.3. 06:48:21 MEZ Frühlingsanfang
21.3. 19:40:01 MEZ Vollmond
22.3. 04:58:30 MEZ Io und Ganymed gleichzeitig vor Jupiter
24.3. 14:54:00 MEZ Merkur passiert Venus 0° 58' südlich
29.3. 22:47:22 MEZ Mond Letztes Viertel
30.3. 02:00:00 MEZ Umstellung auf Sommerzeit
6.4. 05:55:21 MESZ Neumond
Auszug aus: »Das Astronomische Jahr 2008«, interstellarum-Jahrbuch. Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Heller Fleck auf Saturn

Saturn stand am 24.2. in Opposition – und pünktlich dazu herrscht Bewegung in seiner Atmosphäre. Saturnbeobachter verfolgen seit Dezember 2007 einen hellen Fleck in der Südtropischen Zone (STrZ) des Planeten, der in den letzten Wochen dramatisch an Helligkeit zugenommen hat und nun auch in kleineren Teleskopen sichtbar ist. Am 4. März wurden schließlich sogar die Kameras des Saturnorbiters Cassini auf den Sturm ausgerichtet, der an ähnliche Phänomene der Vergangenheit erinnert. Auch in der ersten Märzwoche war die Struktur noch auffällig.

Der Fleck besitzt eine leichte prograde Drift im Rotations-System III des Planeten: Von Positionen um 273° im Dezember stieg die Länge auf 281° im Januar auf ca. 300° derzeit. Wir rufen alle Planetenbeobachter auf, die weitere Entwicklung und Bewegung dieses Flecks durch Fotos und Zentralmeridianpassagen zu dokumentieren. Zentralmeridiane für Saturn sind mit täglicher Genauigkeit im interstellarum-Jahrbuch »Das Astronomische Jahr« tabelliert.

Ronald Stoyan und Daniel Fischer

Amateur-Bilder des Sturms: cosmos4u.blogspot.com/2008/03/bright-storm-observed-on-saturn-since.html

Io und Ganymed vor Jupiter

Fast gleichzeitig schieben sich am frühen Morgen des 22. März die beiden Jupitermonde Io und Ganymed vor den Riesenplaneten, der zunächst nur knapp 10° über dem Südosthorizont im Sternbild Schütze steht. Zuerst trifft Io um 4:41 MEZ auf den linken beleuchteten Rand Jupiters und schiebt sich dann vor die helle Äquatorzone. Um 4:58 MEZ berührt auch Ganymed Jupiters linken Rand, allerdings weiter nördlich. Während sich der helle Io kaum vor den Jupiterwolken abhebt, erscheint Ganymed deutlich als grauer Klecks vor dem Planeten. Insgesamt dauert der Doppel-Durchgang einige Stunden, da aber rund eine Stunde nach Beginn bereits die Sonne aufgeht, lässt sich das Ereignis nicht zu Ende verfolgen. Io wandert schneller über den Planeten als Ganymed. Hier macht sich die unterschiedliche Umlaufdauer der beiden Monde bemerkbar: Während Io Jupiter in weniger als zwei Tagen umrundet, benötigt der weiter außen laufende Ganymed eine gute Woche dazu. Als erster hat Galileo Galilei vor rund 400 Jahren die vier großen Jupitermonde gesehen und ihren Umlauf verfolgt und sah darin ein »Sonnensystem im Kleinen«. Die vier großen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto werden dem Entdecker zu Ehren auch Galileische Monde genannt.

Peter Friedrich

Nova 8. Größe im Schwan ausgebrochen

Entdeckt wurde die Nova Cygni 2008 am 7. März vom japanischen Amateur Hiroshi Kaneda bei einem fotografischen Suchprogramm, aber fast gleichzeitig wurden auch andere Novajäger fündig: Mit derzeit etwa 8m strahlt sie bei 19h 58min 33s, +29° 52' 04", nur vier Bogenminuten südlich eines Sterns mit 7,8m Helligkeit im Grenzbereich der Sternbilder Schwan und Füchschen, und hatte am 9. März dieselbe Helligkeit. Daniel Fischer

Details zu den Entdeckungen: cosmos4u.blogspot.com/2008/03/8th-magnitude-nova-erupts-in-cygnus.html
Bild vom 9. März: uk.geocities.com/martin.mobberley@btinternet.com/ncyg2008_20080309_mpm.jpg

Feuerkugel am 1. März

Um 23:44 MEZ wurde in Süddeutschland und der Schweiz eine enorm helle Feuerkugel gesehen, gehört und zumindest aufgezeichnet, wie sie die Landschaft taghell erleuchtete. Meteoritenexperten halten es für wahrscheinlich, dass etwas Restmasse – wenn auch nur in kleinen Stücken – den Boden erreichte und in der Nähe des Bodensees gelandet sein könnte – oder leider im See selbst. Daniel Fischer

Diaschau nächtlicher Überwachungskameras: www.youtube.com/watch?v=bBZLt2ken8Y
Artikel über die Meteoritensuche: www.suedkurier.de/nachrichten/bawue/art1070,3087375,0
Meldungen aus der Forschung

Erstmals Vorgänger einer Typ-Ia-Supernova aufgespürt?

Die Aufnahme des Swift-Observatoriums (unten) zeigt die Supernova 2007on, auf dem Archivbild des Weltraumteleskops Hubble (Mitte) ist derselbe Ausschnitt vor der Explosion zu sehen. Das Bild ganz oben wurde vier Jahre vor der Supernova vom Röntgenstrahlen-Observatorium Chandra aufgenommen, es zeigt eine starke Röntgenstrahlung an fast genau derselben Stelle wie die spätere Supernova. [NASA/ESA]

Zwei grundverschiedene Vorstellungen gibt es über den Mechanismus, der für die Sternexplosionen des Typs Ia verantwortlich ist: In einem Szenario wird ein Weißer Zwerg so lange mit Materie von einem normalen Sternbegleiter gefüttert, bis er die kritische Chandrasekhar-Grenze von 1,39 Sonnenmassen überschreitet, kollabiert und durch ungezügelte Kernfusion zu immer schwereren Elementen explodiert. Alternativ könnten aber auch zwei Weiße Zwerge miteinander verschmelzen und so die Massengrenze überschreiten: Während man im ersteren Bild während der Massenakkretion vom Begleiter eine Röntgenquelle erwarten würde, wäre das System im zweiten bis zur Fusion der Weißen Zwerge weitgehend unauffällig. Da die Ia-Supernovae als extrem grelle Standardkerzen – die Explosionen sind fast immer gleich hell – eine Schlüsselrolle in der Kosmologie spielen, sorgt die Unkenntnis über ihre genaue Physik für Unbehagen. Aber nun scheint es zum ersten Mal gelungen zu sein, das Vorgängersystem einer Ia-Supernova in alten Röntgendaten aufzuspüren. Es handelt sich um die Supernova 2007on in NGC 1404, die im vergangenen November 13m erreichte bzw. eine (eher geringe) Absoluthelligkeit von –18,5M: Am Ort der späteren Explosion ist auf Hubble-Aufnahmen nichts bis zu –4,5M hinab zu entdecken, doch Bilder des Röntgensatelliten Chandra zeigen eine schwache, aber eindeutige Quelle, die mit der Position übereinstimmt. Das passt gut zum Szenario der langsamen Akkretion, bei dem der Weiße Zwerg im Optischen nicht heller als –1M bis –2M aber zugleich zu einer substanziellen superweichen Röntgenquelle würde. Die Entdeckung beweist aber nicht, dass die Alternative nicht doch für einen Teil der Ia-Supernovae verantwortlich sein könnte – zumal man zu wenig superweiche Röntgenquellen findet, um die heutige Ia-Supernovarate erklären zu können. Ein weiteres Rätsel ist auch, dass die SN 2007on in einer Galaxie ausbrach, deren alte Sternpopulation mit über 4 Mrd. Jahren eigentlich keine akkretierenden Systeme mehr erwarten lassen würde.

Daniel Fischer

Pressemitteilung: www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2008/pressemitteilung20080213
Pressemitteilung: chandra.harvard.edu/press/08_releases/press_021308.html

Der größte Feldstecher der Welt

Das fertige Large Binocular Telescope auf dem Mt. Graham in Arizona. [Univ. of Arizona]

Zwei Hauptspiegel von jeweils 8,4 Metern Durchmesser, die in derselben riesigen Montierung sitzen und genau parallel schauen: Das »Large Binocular Telescope« (LBT) auf dem Mt. Graham in Arizona ist in seiner Konstruktion weltweit einmalig. Der erste Spiegel des internationalen Projekts (an dem auch Deutschland beteiligt ist) war 2003 installiert worden, der zweite 2005, und im Oktober 2005 bzw. November 2007 hatten diese ihr First Light. Als Detektoren dienen dabei zwei identische italienische Kameras mit 36 Megapixeln, die »Large Binocular Cameras«. Der nächste Meilenstein ist nun Mitte Januar erreicht worden: Erstmals wurde mit beiden Spiegeln und Kameras gleichzeitig belichtet. Da sich die Bilder aufaddieren lassen, könnte man auch sagen, dass hier mit einem Teleskop und einem äquivalenten Hauptspiegeldurchmesser von 11,8 Metern belichtet wurde, was das derzeit größte der Welt ergäbe – unter Sternfreunden wird diskutiert, ob das eine seriöse Rechnung ist. Doch die Lichtsammelleistung allein ist es gar nicht, die das Design des LBT bestimmte: Künftige Instrumente werden nämlich in der Lage sein, das Licht der beiden Spiegel wellengenau zusammen zu führen. Dank Fizeau-Interferometrie entsteht dann ein Teleskop, das in einer Achse einen Durchmesser von 22,8 Metern und eine entsprechend hohe Winkelauflösung hat und dessen Öffnung zugleich gut mit Glas »gefüllt« ist, weil die beiden großen Spiegel dicht nebeneinander stehen. Dies unterscheidet das LBT von allen optischen Interferometern rund um die Welt, wo die Basislinien zwischen den Einzelteleskopen zwar viel größer sind, die Teleskope selbst aber nur einen winzigen Teil der Grundfläche ausfüllen – was große Probleme bei der Rekonstruktion zuverlässiger Bilder zur Folge hat. Das LBT als Mittelweg zwischen einem großen Einzelteleskop und einem klassischen Interferometer verspricht gleichzeitig scharfe und artefaktarme Bilder.

Daniel Fischer

Pressemitteilung: medusa.as.arizona.edu/lbto/firstbinocularlight_press_release.htm
Homepage der Large Binocular Camera: lbc.mporzio.astro.it
Interferometrie mit dem LBT: www.mpia.de/LINC

Komet Hale-Bopp weiter aktiv!

Als er sich so weit von der Sonne entfernt hatte, war der Halleysche Komet längst zu einem toten Staub- und Eisbrocken erstarrt – aber beim größeren Hale-Bopp, der 1997 hell am Himmel stand, fanden Astronomen letzten Oktober immer noch eine 180000km große Staubkoma vor, 25,7AE oder 3,8 Mrd. km von der Sonne entfernt. Wasser ist dort draußen schon lange gefroren: Die Aktivität des Kometenkerns noch in derartiger Kälte wie auch der Verlauf der Helligkeitsabnahme Hale-Bopps (auf immer noch 20m!) im letzten Jahrzehnt sprechen klar für Kohlenmonoxid als Treibmittel seiner Koma. Daniel Fischer

Vorabdruck: arxiv.org/abs/0803.1505

Jupiter-»Zwilling« aufgespürt

Wieder ein Schritt näher zur Erkenntnis, dass unser Sonnensystem gar nicht so exotisch ist: Wie langjährige Messungen der Radialgeschwindigkeit mit dem Keck-Teleskop zeigen, besitzt der Stern HD 154345 alias GJ 651 einen Planeten mit (mindestens) 0,95 Jupitermassen, 9,2 Jahren Periode und 4,2AE Abstand von seinem Stern, der 0,9 Sonnenmassen hat. Unter all den bisher mit verschiedenen Techniken nachgewiesenen Exoplanetensystem sind solche mit einem dominanten Jupiter in großem Abstand zwar immer noch selten – aber das erscheint mehr und mehr als Auswahleffekt, da nun schon eine Handvoll solcher Systeme bekannt sind. Daniel Fischer

Vorabdruck: arxiv.org/abs/0803.1731
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 14.3.2008 – 4.4.2008
14.–16.3. 27. Seminar des Arbeitskreis Meteore, Haus »Am Backofenfelsen« in Freital Ina Rendtel, Mehlbeerenweg 5, D-14469 Potsdam, ina.rendtel@meteoros.de, www.meteoros.de/akm/seminar08.html
15.3. 6. H-alpha-Treff Rüsselsheim (HaTR), Vereinsgelände Am Schnepperberg 65468 Rüsselsheim Dietmar Sellner, 06147/936310, d.sellner@t-online.de, www.sternfreunde-ruesselsheim.de
14.–16.3. Deep Sky Treffen 2008, Hotel Sonnenblick bei Bebra/Hessen Jens Bohle, Frankenstr. 6, D-32120 Hiddenhausen, dst@fachgruppe-deepsky.de, www.deepsky.fg-vds.de/dst.htm
28.–30.3. Easter Starparty 2008, Gasthof Postl bei Maiersdorf, Naturpark Hohe Wand Wiener Astronomische Arbeitsgemeinschaft, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien, 0043/664/2561221, www.waa.at/treff/esp.html
3.–6.4. 6. Sternfreundetreffen im Harz (SFTH), Waldgasthof »Zum alten Forsthaus«, Todtenrode bei Altenbrak Jens Briesemeister, An der Lake 48a, 39114 Magdeburg, agm-ev@gmx.de, de.geocities.com/sternfreundetreffen
4.–6.4. 2. Space-Agents Teleskoptreffen (SATT), Taubensuhl, Naturpark Pfälzer Wald Michael Rastetter, www.space-agents.de
4.–6.4. Teleskop Treffen Vogelsberg (TTV), Sternenwelt Vogelsberg.e.V, 36325 Feldatal Christina Marx, 06402/809573, info@sternenwelt-vogelsberg.de, www.sternenwelt-vogelsberg.de
4.–6.4. 6. Aschberger Frühjahrs-Teleskoptreffen (AFT), Aschberg bei Ascheffel Armin Quante, Wiesenredder 5, D-24340 Eckenförde, 04351/475830, aft2008@aft-info.de, www.aft-info.de

Astronomie Heute verschmilzt mit Sterne und Weltraum

Der Spektrum-Verlag bündelt seine beiden Astronomie-Zeitschriften und führt »Sterne und Weltraum« sowie das 2003 entstandene Schwesterblatt »Astronomie Heute« zusammen. In einer Erklärung des Verlages heißt es dazu: »Wir haben uns jetzt entschlossen, Kompetenz und Know-How aus beiden Redaktionen zu bündeln, um künftig ein gemeinsames, starkes Astronomiemagazin für Deutschland, Österreich und die Schweiz unter der Marke Sterne und Weltraum herauszugeben.« Demnach soll das neue Sterne und Weltraum Elemente aus Astronomie Heute übernehmen, während astronomie-heute.de als Internet-Portal erhalten bleibt.

Messier-Marathon-Wochenende am 5./6. April

Jedes Jahr etwa um die Frühlings-Tagundnachtgleiche besteht theoretisch die Möglichkeit, alle Objekte des Messier-Katalogs innerhalb einer Nacht zu beobachten. Ziel ist es, in einer mondlosen Nacht möglichst viele davon visuell mit Fernglas oder Teleskop zu erhaschen. Im Mittel müssen dazu zehn Objekte pro Stunde gesucht, gefunden und identifiziert werden, also alle 6 Minuten ein neues Objekt! Man beginnt in der Abenddämmerung mit den Objekten des Herbsthimmels, dann beobachtet man den Winterhimmel, wendet sich später dem Frühlingshimmel und in der Morgendämmerung dem Sommerhimmel zu.

Einige Amateurgruppen laden zu gemeinsamen Versuchen ein, denen man sich anschließen kann. Wir laden Sie ein, uns über Ihren persönlichen Messier-Marathon zu berichten! Frank Gasparini

interstellarum 32, Seite 38: »Der Messier-Marathon, Daten und Hinweise für Hobby-Langstreckenläufer«

Vorbereitung

Liste nach Beobachtungs-Reihenfolge: www.teleskoptreffen.com/usersites/tipps/marathon.pdf
Programm zum Selberrechnen: www.otterstedt.de/atm/software-messier.html

Veranstaltungen

Wildpark Johannismühle bei Berlin: www.teleskoptreffen.com/index.php?show=usersites/tipps/marathon.html
Hohe Wand bei Wien: www.astronomie-hohewand.at/1.messier-marathon.html
Mitteilungen der Redaktion

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interstellarum 57 jetzt am Kiosk

interstellarum 57 (April/Mai 2008) ist ab heute am Kiosk erhältlich. Sie lesen dort unter anderem:

  • Eine Nacht in Chile: Wie Profi Astronomen beobachten
  • Mondillusion: Wie uns die Augen täuschen
  • Deep-Sky: Der Messier-Katalog der Doppelsterne
  • Astigmatismus: Ohne Brille am Okular
  • Sonne: Die H-alpha-Relativzahl
  • Astrofotografie: Nachführen mit Guidemaster
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