Ausgabe 50
21. Dezember 2007

Liebe Sternfreunde,

dies ist die letzte Ausgabe des Newsletters in diesem Jahr und zugleich die 50. Nummer. Mit insgesamt über 5000 Abonnenten hat sich dieser elektronische Nachrichtendienst einen festen Platz in der deutschsprachigen Astroszene geschaffen. Wir möchten uns bei Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Treue ganz herzlich bedanken und hoffen, dass Sie den Newsletter auch in Zukunft lesen und weiterempfehlen. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest, ruhige Feiertage und alles Gute für das neue Jahr!

Ihr interstellarum-Team

Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 21.12.2007 – 4.1.2008
21.12. 22:35:00 MEZ Mond bedeckt Plejaden
22.12. 07:07:52 MEZ Winteranfang
23.12. 06:55:51 MEZ Jupiter Konjunktion
23.12. 18:40:31 MEZ Mars größte Helligkeit –1,6m
23.12. 20:02:07 MEZ Sternbedeckung 136 Tau (4,5m)
24.12. 02:15:34 MEZ Vollmond
24.12. 20:46:39 MEZ Mars Opposition
24.12. 04:54:50 MEZ Mond bei Mars 0° 17', streifende Bedeckung
26.12. 13:18:00 MEZ Mond bei M 44, M 44 nördlich 0° 35'
28.12. 04:48:00 MEZ Mond bei Regulus, Regulus nördlich 1° 10'
30.12. 23:00:00 MEZ 8P/Tuttle bedeckt M 33
30.12. 04:11:19 MEZ Sternbedeckung ν Leo (4,5m)
31.12. 08:50:51 MEZ Mond Letztes Viertel
1.1. 8P/Tuttle in Erdnähe (0,25AE)
4.1. 07:40:00 MEZ Quadrantiden (QUA), ZHR: 120
Auszug aus: »Das Astronomische Jahr 2007«, interstellarum-Jahrbuch. Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Marsbedeckung am 24. Dezember 2007

Die Marsbedeckung findet zu Vollmond am südlichen Mondrand statt.

Am frühen – Morgen des 24. Dezember gegen 4:45 MEZ streift der Vollmond mit seinem südlichen Rand den Mars, der zu diesem Zeitpunkt –1,6m hell ist. Das Ereignis findet in rund 30° Höhe über dem Westhorizont statt. Zugleich befindet sich Mars in Opposition zur Sonne (am Abend des 24. Dezember). Im Nordosten Deutschlands und im östlichen Österreich kommt es dabei zu einer vollständigen Bedeckung, im Südwesten und Westen dagegen läuft der Mars knapp am Mondrand vorbei. Zu einer streifenden Bedeckung kommt es auf der Linie Winterswijk (NL) – Arnsberg – Stadt-Allendorf – Bad Kissingen – Erlangen – Regensburg – Ried (A) – Graz (A). Selbst im Nordosten des deutschen Sprachraumes wird der Rote Planet jedoch nicht länger als 30 Minuten verdeckt.

Die Oppositionsstellung des Planeten am Heiligen Abend gegen 20:45 MEZ kennzeichnet die beste Sichtbarkeit von Mars 2007/2008. Er kulminiert in den Wochen vor und nach seiner Opposition gegen Mitternacht in rund 65° Höhe. Allerdings ist Mars mit einem scheinbaren Durchmesser von rund 16" ziemlich klein. Zur Opposition in Erdnähe im Jahre 2003 war Mars mit 25" deutlich größer, allerdings waren die Beobachtungsbedingungen mit Kulminationshöhen von rund 20° alles andere als ideal.

Wir blicken zum Oppositionszeitpunkt nahezu senkrecht auf den Äquator des Roten Planeten, keiner seiner beiden Pole ist uns also zugeneigt. Am 10. Dezember hat auf der Nordhalbkugel des Mars der Frühling begonnen, in dessen Verlauf die leuchtend helle Polkappe zutage treten wird. Die Südpolkappe ist mit dem gleichzeitigen Beginn des Herbstes auf der Südhalbkugel jedoch schon abgeschmolzen, so dass im Teleskop wahrscheinlich keine der beiden Polkappen zu sehen sein wird.

André Knöfel, Ronald Stoyan

Mars wird nur in einem Teil des deutschen Sprachraums bedeckt. Die Karte zeigt die besonders interessante Zone der streifenden Bedeckung. Das Marsscheibchen wird vom hier überhöht dargestellen Mondrandprofil unterschiedlich stark bedeckt. [Alfons Gabel]
Marsbedeckung am 24.12.2007
Nürnberg Bonn Zürich Hamburg Potsdam Wien
Bedeckungsbeginn k. Bed k. Bed. k. Bed. 4:40:40 MEZ 4:42:28 MEZ 4:54:24 MEZ
Dauer 60s 55s 79s
Bedeckungsende 5:07:04 MEZ 5:10:17 MEZ 5:12:58 MEZ
Dauer 58s 53s 77s
interstellarum 55, Seite 20: »Weihnachten im Zeichen des Roten Planeten«

Komet Tuttle bedeckt M 33

8P/Tuttle durchquert in den nächsten Tagen die Wintermilchstraße in der Kassiopeia und erreicht das Sternbild Andromeda. Der Komet steht also ideal am Nachthimmel, die Helligkeit nimmt jetzt rasch zu und könnte zu Weihnachten 6,5m erreichen.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember gibt es einen Höhepunkt dieser überaus günstigen Wiederkehr: Zwischen 21:00 MEZ und etwa 2:00 MEZ morgens wird der Komet über die Galaxie M 33 im Sternbild Dreieck hinwegziehen. Für die erfolgreiche visuelle Beobachtung sind sehr gute Himmelsbedingungen erforderlich, die Dreiecksgalaxie M 33 weist zwar eine Helligkeit von 5,7m auf, die Flächenhelligkeit ist aber sehr gering. Ab Mitternacht wird leider der aufgehende Mond die Beobachtung verhindern. Um einiges leichter wird es werden, dieses seltene Ereignis fotografisch festzuhalten. Die scheinbare Größe der Kometenkoma wird etwa 20' betragen, die Galaxie hat eine Ausdehnung von 60' × 40' – der Komet wird also nur einen Teil von M 33 bedecken.

Burkhard Leitner

interstellarum 55, Seite 25: »Günstige Wiederkehr für Tuttle und Wirtanen«
Aktuelle Beobachtungen: kometen.fg-vds.de
Detaillierte Aufsuchkarten: www.kometarium.com

Komet Holmes immer noch freisichtig

B17P/Holmes hält auch fast zwei Monate nach seinem Ausbruch bei einer Helligkeit von 3,5m, der Durchmesser der entsprechend ausgedünnten Koma ist auf etwa 70' angewachsen. Derzeit stört der Mond am Abendhimmel, aber unter dunklem Himmel ohne Mondlicht ist der Komet noch immer mit freiem Auge zu sehen. Am besten ist er aber nach wie vor im Fernglas und in Optiken mit großen Blickfeld zu bewundern. Holmes befindet sich weiterhin zirkumpolar im Sternbild Perseus und bewegt sich jetzt langsam in Richtung Süden auf den Stern Algol (β Persei) zu. Burkhard Leitner

Größerer Ausbruch der Ursiden vorausgesagt

Da ihr Mutterkomet 8P/Tuttle gerade durch das Perihel geht, sagt der Meteorexperte Peter Jenniskens im Central Bureau Electronic Telegram #1159 eine deutlich erhöhte Aktivität des Meteorstroms der Ursiden voraus: Am 22. Dezember könnte die Zenitstundenrate zwischen 21:00 und 23:10 MEZ auf 40 bis 80 steigen, während sie sonst bei eher 10 liegt. Wie schon bei den Aurigiden sind wieder Beobachtungen aus dem Flugzeug geplant, diesmal über dem Nordpol. Daniel Fischer

Homepage der Ursidenkampagne: ursid.seti.org
Ursiden 2007: www.space.com/searchforlife/071213-seti-ursids.html

Supernova 12. Größe in den Antennen-Galaxien

In einem der »Fühler« der bekannten Antennengalaxien NGC 4038-9 ist am 18. Dezember eine Supernova mit 12,9m entdeckt worden. Die Entdeckung erfolgte im Rahmen des Catalina Sky Survey mit einem 80cm-Teleskop. Am 20. Dezember wurde diese Beobachtung an der Sternwarte von Padua bestätigt, es handelt sich um eine Typ Ia-Supernova. Der Stern erhielt die Bezeichnung SN 2007sr und besitzt derzeit 12,8m. Daniel Fischer, Ronald Stoyan

Karte und Vergleichssterne: voeventnet.org/feeds/ATEL/CSS/712180180624111439.html
Entdeckungsmeldung: www.astronomerstelegram.org/?read=1337
Meldung der AAVSO: www.aavso.org/publications/specialnotice/84.shtml
Meldungen aus der Forschung

Begann am 11. Dezember 2007 der 24. Sonnenfleckenzyklus?

Eine Region magnetischer Knoten mit umgekehrter Polarität: Der Beleg für den Beginn des 24. Sonnenfleckenzyklus? [ESA/NASA]

Es gibt möglicherweise erste Anzeichen für den Beginn des 24. Sonnenfleckenzyklus. Ein am 11. Dezember 2007 von der Sonnensonde SOHO aufgenommenes Bild zeigt deutlich eine aktive Region auf der Sonne im UV mit einer umgekehrten magnetischen Polarität. Und nicht nur das, die Region lag bei 24° nördlicher heliographischer Breite und damit knapp 1° unterhalb der Zone der Sonne, in der für gewöhnlich auf nördlichen und südlichen Breiten die Aktivitätsgebiete eines neuen Zyklus erscheinen.

Für David Hathaway, Sonnenphysiker am Marshall Space Flight Center der NASA, könnte es sich hier durchaus um einen ersten Hinweis auf den unmittelbar bevorstehenden Zykluswechsel sein. Ein eindeutiger Beleg wäre allerdings die Entstehung einer auch im Weißlicht sichtbaren Sonnenfleckengruppe. Doch dafür war die Ansammlung magnetischer Knoten an der bezeichneten Stelle offenbar noch nicht kräftig genug, denn ein Fleck wurde bis zum 17. November 2007 dort nicht beobachtet.

Daher ist die momentan zu verzeichnende Euphorie unter den Wissenschaftlern auch mit Vorsicht zu genießen: Erst wenn ein echter Sonnenfleck des neuen Zyklus zu beobachten wird, sind die Sonnenphysiker auch bereit, den Beginn des 24. Sonnenfleckenzyklus offiziell bekannt zu geben. Und das ist bisher eben noch nicht der Fall. In den letzten Jahren gab es immer wieder Regionen mit umgekehrter magnetischer Polarität, doch waren diese nie in hohen Breiten zu beobachten und bildeten nicht den Startpunkt für den neuen Zyklus.

Manfred Holl

Meldung der NASA: science.nasa.gov/headlines/y2007/14dec_excitement.htm

Boethin nicht zu finden: EPOXI muss zu anderem Kometen!

Künstlerische Darstellung der Kometensonde EPOXI. [NASA]

Vor solch einem Problem hatte noch keine interplanetare Mission gestanden: Ein Komet, zu dem die Reise gehen sollte, war ein Jahr vor dem geplanten Vorbeiflug trotz großer Anstrengungen mit Teleskopen auf der Erde einfach nicht wiedergefunden worden. Und seine Bahn ist überdies so schlecht bekannt, dass der Ort des Kometen im Raum nicht genau genug erraten werden kann, um trotzdem Kurs auf ihn zu nehmen. Eine Entscheidung war nötig: Am 31. Dezember fliegt nämlich das ehemalige Mutterschiff der Deep-Impact-Mission von 2005 dicht an der Erde vorbei, um deren Schwerkraft für die Umlenkung zu einem zweiten Kometenziel auszunutzen. Erst im Juli hatte die NASA grünes Licht gegeben, um die Sonde unter dem neuen Namen EPOXI zum Kometen Boethin zu schicken, der am 5. Dezember 2008 erreicht worden wäre. Schweren Herzens musste man diesen Plan Anfang November fallen lassen: »Trotz heroischer Anstrengungen« erdgebundener Astronomen – auch ein paar Amateure mit Zugang zu größeren Instrumenten hatten sich engagiert – blieb Boethin unauffindbar, der zuletzt 1986 beobachtet worden war. Als Plan B gibt es nun eine Reise zum Kometen 103P/Hartley 2: Beim Sylvester-Erdflyby in 19310 km Höhe wird EPOXI entsprechend Kurs zu nehmen, wofür die Anflugbahn der Sonde am 1.11. entsprechend modifiziert wurde. Hartley 2 wird freilich erst am 11. Oktober 2010 erreicht und die ganze Mission damit zwei volle Jahre länger: Das verursacht einige Zusatzkosten, und die NASA musste erneut beraten, ob sie EPOXI die Stange hält – aber am 30. November gab es auch für die neue Mission grünes Licht! Neue Wissenschaft wird EPOXI schon viel früher liefern: Wie ebenfalls im Juli beschlossen, wird die Sondenkamera von Januar bis Mai 2008 für die supergenaue Photometrie einer Handvoll Sterne eingesetzt, die Exoplaneten besitzen. Deren physische Eigenschaften sollen sich aus den Lichtkurven von Transits vor ihren Sternscheiben besonders präzise ableiten lassen. Bereits im Dezember wurden eine Reihe Probeaufnahmen gemacht, um hierzu die Stabilität des Kamerasystems zu überprüfen, und am 23. Januar beginnen die Beobachtungen, zunächst an HAT-P-2. Nach dem Ende der Sternbeobachtungen wird EPOXI wahrscheinlich für zwei Jahre »eingeschläfert« und erst wieder im Sommer 2010 aufgeweckt.

Daniel Fischer

Homepage der Mission: epoxi.umd.edu
Pressemitteilung der UMD: www.newsdesk.umd.edu/scitech/release.cfm?ArticleID=1564

Größte digitale Durchmusterung der Milchstraße veröffentlicht

Bereits der erste Teilkatalog hat 200 Millionen Einträge, und am Ende könnten es über 700 Millionen sein: Für die INT/WFC Photometric H-alpha Survey of the Northern Galactic Plane (IPHAS) wurde der gesamte von La Palma aus sichtbare Himmel mit einem 2,5m-Teleskop im H-Alpha-Licht aufgenommen. Sowohl der großräumigen Struktur der Milchstraße als auch den Eigenschaften einzelner Objekte galt dabei das Interesse. Daniel Fischer

Pressemitteilung: www.eurekalert.org/pub_releases/2007-12/satf-sa121007.php

Deutsche LOFAR-Station liefert erste Himmelskarte

Direkt neben dem 100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg steht das erste Antennenfeld des neuartigen Radiointerferometers Low Frequency Array (LOFAR) außerhalb der zentralen Anlage in den Niederlanden – und ihre Funktionsfähigkeit hat sie nun mit einem Schnappschuss des gesamten Himmels bei 7 Metern Wellenlänge unter Beweis gestellt. Die Milchstraße und ein paar Einzelquellen sind bereits erkennbar: natürlich nur in bescheidener Schärfe, aber bald werden zunächst 36 derartige LOFAR-Stationen gemeinsam die Radioastronomie bei langen Wellen voranbringen. Daniel Fischer

Pressemitteilung: www.mpifr-bonn.mpg.de/public/pr/pr-lofar2007.html

Ein Gamma Ray Burst mitten aus dem Nichts?

Die Klasse der langen Gammastrahlenausbrüche wird heute allgemein auf Explosionen besonders massereicher Sterne zurückgeführt, die sich – wegen ihrer kurzen Lebensdauer – in Sternentstehungsgebieten und damit klar im Inneren von Galaxien befinden sollten. Aber am Ort eines besonders hellen Gamma Ray Bursts, der am 25. Januar beobachtet wurde, konnte trotz größter Anstrengungen immer noch keine Galaxie aufgespürt werden: der verwirrendste Befund der GRB-Forschung in Jahren... Daniel Fischer

Hintergrundartikel: arxiv.org/abs/0712.2828
Artikel der NASA: www.nasa.gov/centers/goddard/news/topstory/2007/intergalatic_shot.html
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 21.12.2007 – 4.1.2008
(keine Termine bekannt)

Automatisches »Astro-Tagging« von Himmelsfotos aller Art

Geo-Tagging nennt sich ein Trend, der unter Digitalfotografen um sich greift: Jedes Bild wird – automatisch, dank eines kleinen GPS-Empfängers – mit den geographischen Koordinaten des Aufnahmeortes versehen. Tools wie Google Maps können dann diese Information verwenden, um Querverbindungen zu Bilddatenbanken herzustellen und jeden Punkt der Erde mit all jene Aufnahmen verlinken, die dort irgendwann irgendwer mit irgendeiner Technik gemacht hat. Genau dasselbe mit Himmelsaufnahmen jeder Art zu machen, ist das Ziel von Astrometry.net – und weil beim Großteil der im WWW verfügbaren Bilder genaue numerische Angaben zur Lage des Bildfelds fehlen, soll eine neuartige Software genau diese Information allein anhand der Sternmuster rekonstruieren! Die Bildinformation wird mit einem Sternkatalog verglichen und so lange probiert, bis es eine eindeutige Übereinstimmung gibt: Selbst der Aufnahmezeitpunkt soll grob rekonstruierbar sein, anhand der Eigenbewegung der Sterne. Nächstes Frühjahr wird die noch in Entwicklung befindliche Software für die Allgemeinheit freigegeben, die die gefundenen Bild-Metadaten im neuen Datenstandard VAMP ablegt, der im Zusammenhang mit dem International Year of Astronomy 2009 bereits massiv gefördert wird. Mit entsprechender Software für den Zugriff auf diese Metadaten und die Bilder selbst soll das ganze World Wide Web zu einem Virtual Observatory für jedermann werden. Dabei dürften sich nicht nur Sternfreunde mit neuer Eleganz durch die Bilderflut ihrer Kollegen bewegen, sondern auch die Fachastronomie in nie dagewesener Leichtigkeit auf den immensen Pool der Amateurastrofotografen zugreifen können.

Daniel Fischer

Astrometry Projekt: www.astrometry.net
Datenstandard VAMP: www.virtualastronomy.org

Systematischer Rechenfehler in den NASA-SoFi-Zirkularen

Sie sind die Bibeln der Reisenden in Sachen Sonnenfinsternisse, für Profi- wie Amateurastromomen: Die Finsterniszirkulare von Fred Espenak, die als Technical Publications der NASA erscheinen und für praktisch jeden (und sei es indirekt) die Grundlage für die Planung von Sonnenfinsternis-Expeditionen darstellen. Mit den besten Ephemeriden und modernster Computertechnik der Weltraumbehörde werden dort als kostenlose Leistung für die Finsternisgemeinde detaillierteste Tabellen über den Verlauf von Totalitäts- und Annularitätszonen und die lokalen Umstände für zahlreiche Orte veröffentlicht, die so genau kaum jemand sonst berechnen kann. Um so überraschender kam da ein langer Artikel Espenaks auf der internationalen Solar Eclipse Mailingliste am 30. Oktober, in dem er einen systematischen Rechenfehler in sämtlichen NASA-Zirkularen für die Finsternisse von 1994 bis 2008 zugeben musste! Der war zwei anderen Finsternisrechnern aufgefallen, als sie Finsternispfade in höchster Auflösung mit Google Earth geplottet hatten: Durch einen Softwarefehler war bei der Berücksichtigung der Nutation die mittlere Greenwich-Sternzeit nicht in die scheinbare umgerechnet worden. Dadurch lagen Espenaks Finsternispfade auf der Erde um bis zu 500 Meter in geografischer Länge und die Kontaktzeiten für einen festen Ort um bis zu eine Sekunde daneben. Letzteres scheint in der Praxis nie jemand aufgefallen zu sein, während auch eine minimale seitliche Verschiebung der Finsterniszonen durchaus Beobachter betroffen haben könnte, die sich zu speziellen Zwecken sehr nah an ihren Rand zu stellen pflegen. Revidierte Berechnungen für die nächste totale Sonnenfinsternis am 1.8.2008 finden sich bereits auf Espenaks Webseite, während die PDF-Version des kompletten Zirkulars noch die alten Zahlen (und natürlich die legendäre Wetteranalyse von Jay Anderson) enthält. Müssen nun die Planungen für diese SoFi über den Haufen geworden werden? Natürlich nicht: Für das chinesische Yiwu zum Beispiel, die Stadt in der Totalitätszone mit der besten Wetterstatistik, werden die Kontakte der SoFi um gerade einmal 0,3 Sekunden früher eintreten.

Daniel Fischer

NASA-SoFi-Homepage: sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse
neue Zahlen für die Finsternis am 1.8.2008: sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/SEmono/TSE2008/TSE2008.html#PathTables
Finsterniszirkular 2008: sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/SEpubs/TP214149.html
Mitteilungen der Redaktion

Verbesserte Suchfunktion auf interstellarum.de

Mit einem neuen Feature wartet die Internet-Präsenz von interstellarum seit einigen Tagen auf. Die bekannte Suchfunktion ist nun von jeder Seite aus verfügbar (oben im Menü) und wurde deutlich verbessert. Die Titel aller interstellarum-Artikel können nun auch nach mehreren Begriffen durchsucht werden. Ganz neu aufgenommen wurden zudem alle großen Beiträge der vergangenen 50 Newsletter-Ausgaben – eine Sammlung von fast 300 astronomischen Neuigkeiten! Die Artikel aus den Newsletter-Ausgaben sind dabei im ausgegebenen Suchergebnis direkt verlinkt und öffnen sich nach einem Klick in einem neuen Fenster. Im Newsletter-Archiv bietet sich darüberhinaus die Möglichkeit alle Links zu vergangenen Newslettern vollständig nachzuschlagen.

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Teleskop-Umfrage: Schon mitgemacht?

Haben Sie schon bei der interstellarum-Teleskop-Umfrage mitgemacht? Wir wollen wissen, welche Teleskope die Amateurastronomen im deutschprachigen Raum besitzen und wie zufrieden Sie damit sind. Die Teilnahme ist natürlich anonym und kostenlos!

interstellarum-Teleskop-Umfrage: www.oculum.de/interstellarum/umfrage.asp
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