zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 38
27.4.2007

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9. Mai Venus zieht an M 35 vorbei: Grafik in Das Astronomische Jahr 2007 KW 19
Aktuell am Himmel

Ein Stern sprang plötzlich auf 8. Größe: Der kataklysmische Veränderliche GW Librae, der bisher nur ein einziges Mal, 1983, ausgebrochen war, schnellte am 12. April plötzlich um viele Größenklassen nach oben und erreichte für kurze Zeit 8m; seither ist die Helligkeit – wie leicht mit dem Lichtkurven-Generator der AAVSO festzustellen – auf 10m zurückgegangen. Erste Spektren (TA EC # 2327 vom 14.4.2007) sprechen für eine Klassifikation als Zwergnova.

Blasse Nova im Schützen: Nur etwa 10. Größe erreichte die Nova Sgr 2007 alias V5558 Sgr, die am 11.2. aufgeflammt war. Ihr Spektrum (TA EC #2329 vom 23.4.2007) passt allerdings nicht zu einer klassischen Nova – zumal keinerlei Gegenstück vor dem Ausbruch lokalisiert werden konnte und dessen Amplitude über 10m betrug. • Die beiden Komponenten von Gamma Virginis sind nach dem Periastron wieder zu trennen.

Helle Venus und Mondsichel besuchten die Plejaden

Das (schon fast beängstigend) gute Aprilwetter erlaubte zahllose Blicke auf die Annäherung der Venus an die Plejaden, so am 12. (Bild), 11. (dito, dito), 10. (dito) und 9. April – eine bemerkenswerte Konstellation für alle Beobachter. • Am 19. April kam dann noch die Mondsichel nebst Erdschein an den Plejaden vorbei, dokumentiert z.B. in Deutschland (dito), Rumänien oder dem Iran, wo der Abstand noch geringer war.

Weiterhin zahlreiche UV-Aufnahmen der Venus mit Wolkendetail kommen herein, so – mit nur 8 Zoll – von Kowollik (z.B. vom 20.4.) oder vom 15.4. aus Japan und Deutschland und vom 14., 12., 11. und 6. April und 31. März (auch nur 9 Zoll). • Die große; Helligkeit und immer bessere Sichtgeometrie haben die Venus mal wieder zu einem UFO gemacht, auch hierzulande werden Planetarien etc. mit Anrufen traktiert.

Weiterhin rasante Veränderungen auf dem Jupiter melden Beobachter, denen hierzulande allerdings die geringe Deklination zu schaffen macht: In verschiedenen Breiten tut sich etwas. Ergänzend tröpfeln auch neue Jupiter-Bilder von New Horizons herein: Sie zeigen z.B., dass es kaum Turbulenzen beim GRF gibt. • Exzellente Bilder aller Planeten laufen übrigens ständig bei der ALPO in den USA ein, wo sie einer riesigen Datenbank einverleibt werden.

Komet C/2007 E2 (Lovejoy) erreichte 8m und ist seit der 2. Aprilwoche auch in Mitteleuropa zu sehen, mässig verdichtet. Bilder gibt es z.B. vom 27., 26., 24., 21., 15. (auch ein Filmchen) und 14. April. • Extrem diffus (und daher für Feldstecher an dunklem Himmel und große; Fernrohre ein ganz unterschiedlicher Anblick) ist dagegen C/2007 E1 (Garradd), dessen Gesamthelligkeit 8 bis 9 Größenklassen erreicht haben dürfte. Fotos werden dem visuellen Eindruck nicht gerecht, z.B. am 22., 17., 16., 14., 12., 10. und 7. April.

Große; Staubteilchen in der Bahn von 2P/Encke werden auch weiterhin beiderseits des (Mitte April auf 7m geschätzten) Kometen fotografiert, so am 12. April: Die Interpretation scheint eindeutig. (Derartige »debris trails« sind ansonsten nur im Infraroten zu sehen; so hat sie der Satellit Spitzer bereits bei 27 Kometen gesichtet: Bei kurzperiodischen Kometen sind sie praktisch der Regelfall.) Weitere Encke-Bilder liegen vom 16. und 9. April vor sowie visuelle Eindrücke.

96P/Machholz aus dem Glanz der Sonne getreten: Nach seinem sonnennahen Perihel – hier STEREO-Aufnahmen vom 6. und 1. April – konnte der verblassende 96P/Machholz am 21.4. auch von der Erde aus erwischt werden; am 13.4. war er noch auf 7m geschätzt worden. • 2003 WT42 (LINEAR) wurde am 21. April aufgenommen sowie am 18./19. April die frisch entdeckten Kometen C/2007 H1 (McNaught) und C/2007 H2 (Skiff). Von der Erscheinung des anderen McNaught gibt es jetzt auch eine detaillierte Analyse.

Vielen sahen (17) Tethys vor einem Stern vorüberziehen, am Morgen des 22. April: Aus der Vielzahl der Beobachtungen an zahlreichen Standorten liess sich schon bald die Gestalt des Asteroiden rekonstruieren. • Zweimal zogen Mitte April Kleinplaneten dicht an der Erde vorbei, erst 2007 GU1, dann der erst einen Tag zuvor entdeckte Aten 2007 HA (dito, dito), der auch an NGC 4449 vorbei kam. • Der Ende März an der Erde vorbei gewanderte 2006 VV2 hat sich derweil nach intensiven Radarbeobachtungen (IAUC # 8826 vom 5.4.2007) als Doppelkörper entpuppt, mit 1,8 und >0,3 km großen Komponenten, die mindestens 1,5 km von einander entfernt sind.

Eine Feuerkugel am 14. April um 21:07 MESZ, die offenbar nicht die einzige dieser Nacht blieb, hat für einiges Aufsehen gesorgt; es gibt Berichte und Analysen. • Eine Feuerkugel am 15.3. über Italien ist ebenfalls gut dokumentiert. • Zahlreiche detaillierte Aufnahmen der ISS gelangen während der schönen April-Abendsichtbarkeit, so am 16. (dito), 15. (dito) und 14. April – und auch vor der Sonne zog die Station her.

Konsens erreicht: Der nächste Sonnenzyklus wird höchstens durchschnittlich stark

Der Plan, alle Vorraussagen über den nächsten Sonnenzyklus unter einen Hut zu bringen, ist halb geglückt, wie das Solar Cycle 24 Prediction Panel auf einer Pressekonferenz der US-Wetterbehörde NOAA am 25. April berichten konnte: Es besteht Einvernehmen über den Zeitpunkt des nächsten Minimums und darüber, dass der 24. Sonnenzyklus nicht ungewöhnlich hoch ausfallen wird. Doch eine konkrete Prognose von Zeitpunkt und Höhe des Maximums ist noch nicht gelungen: Stattdessen legte das Panel gleich zwei »Konsense« vor, zwischen denen – so die Hoffnung – in den kommenden 6 bis 12 Monaten eine klare Entscheidung fallen kann. Das nächste Minimum der Sonnenaktivität wird im März 2008 (±6 Monate) eintreten, da stimmen alle überein: Der 23. Zyklus wird damit fast 12 Jahre dauern und damit zwar lang – aber nicht außergewöhnlich lang – ausfallen. Viele bewährte Indikatoren für das Minimum sind bisher nicht aufgetaucht, so dass es dieses Jahr wahrscheinlich noch nicht eintreten wird.

Am ungewöhnlich langen Abklingen des 23. Zyklus liegt es auch, dass derzeit zwei Prognosen für den Zyklus 24 gleich stark im Raum stehen, in die jeweils zahreiche Einzelmodelle eingegangen sind. Das vergangene Maximum erreichte einen geglätteten Flecken-Maximalwert von 120, die beiden Maxima davor lagen bei 150 bis 170, die absolute Rekordhöhe wurde in den 1950-er Jahren mit 200 erreicht, und der Mittelwert aller Maxima beträgt 150. Modellgruppe 1 sagt nun ein Maximum von 140±20 für den Oktober 2011 voraus, d.h. ein inetwa mittelmässiges Maximum, Modellgruppe 2 kommt dagegen auf nur 90±10 im August 2012. Extremprognosen wie 185 oder 42 sind verschwunden: Insbesondere haben sich die Vertreter eines sehr hohen 24. Zyklus in der Diskussion eines Besseren belehren lassen, hiess es auf der PK auf eine Frage von interstellarum hin, weil die Indizien für ein höchstens durchschnittliches Maximum, inbesondere die unverhofft lange Dauer des 23. Zyklus, einfach zu stark gewesen seien.

Das Jahr 2007 hindurch wird nun nach einer ganzen Reihe von Vorboten des neuen Zyklus Ausschau gehalten, die eine Entscheidung zwischen den beiden Modellgruppen spätestens bei der Vorlage des nächsten Berichts in einem Jahr ermöglichen sollten. Der Hauptgrund für die Diskrepanz sind unterschiedliche Annahmen über die Dauer des »Gedächtnisses« der Sonne: Wer von einer Speicherung magnetischer Spuren im Sonnenfeld von 20 bis 30 Jahren ausgeht, sagt generell einen höheren 24. Zyklus voraus, bleibt die Information dagegen nur einen 11-Jahre-Zyklus lang erhalten, folgt eine geringere Prognose. Konkrete Berechnungen des Sonnendynamos treten zunehmend an die Stelle rein mathematischer Zeitreihenanalysen der solaren Vergangenheit, und künftige Helioseismologiemissionen wie der 2008 startende Solar Dynamics Orbiter der NASA versprechen hier große; Fortschritte. Die Erwartung eines so oder so höchstens durchschnittlich starken Maximums mögen Sonnen- und Polarlichtbeobachter bedauern – aber die Nutzer der Weltraumwettervorhersage sehen es mit Freude: Allein der Wert der von Sonnenausbrüchen gefährdeten Satelliten im Orbit beläuft sich auf über 200 Mrd.$, von empfindlichen Systemen auf der Erde ganz zu schweigen.

Durchgang durch Uranus' Ringkante am 2. Mai – und hat schon Herschel den Ring gesehen?

Zufälligerweise pünktlich zur ersten irdischen Seitenansicht des Uranusrings seit 42 Jahren ist ein britischer Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass der Astronom William Herschel womöglich schon im 18. Jahrhundert den hellsten Ring des Planeten gesehen haben könnte. Weil dies aber fast zwei Jahrhunderte lang niemand anderem gelang, gilt eine Sternbedeckung vom 10. März 1977 als der Moment der Entdeckung der Uranus-Ringe – doch für Stuart Eves sind Herschels Beobachtungen zwischen 1789 und 1792 glaubwürdiger als gedacht. So stimmen Orientierung, Größe und generelle Gestalt (schmal, nicht wie beim Saturn) des von ihm gezeichneten einen dünnen Ringes (Abb.; aus einem von Eves dankenswerterweise zur Verfügung gestellten unveröffentlichten Paper) relativ gut mit dem damaligen Anblick des Epsilonrings überein. Vielleicht wurde der Ring im Laufe der Jahrzehnte immer schwächer (schliesslich verändern sich die Saturnringe zumindest im Detail auf ähnlichen Zeitskalen), während sich zugleich etwa durch aufkommende Luftverschmutzung die Sichtbedingungen verschlechterten und die steigende Qualität der Teleskope dies nicht ausgleichen konnte?

»Leider ist das eine nicht zu beweisende Hypothese,« dämpft die amerikanische Spezialistin für das äussere Sonnensystem Heidi Hammel gegenüber interstellarum Eves' Enthusiasmus: »Es hat Veränderungen [an den Uranusringen] seit Voyager [2s Vorbeiflug 1986] gegeben, aber extrem subtil. Man kann sie nur durch detaillierte Modellierung von [späteren] Keck-Aufnahmen nachweisen, wenn man sie direkt mit den Voyager-Scans vergleicht. Nichts was man mit dem Auge wahrnehmen könnte.« Herschel könnte immerhin geholfen haben, dass die Ringe der Erde seinerzeit beinahe die Kante zeigten und die Teilchendichte entlang des Sehstrahls maximiert wurde. Dies ist nun am 2. Mai (sowie erneut am 16. August 2007 und 20. Februar 2008) wieder der Fall, wie zuletzt 1965: Am 7.12.2007 ist auf dem Uranus Tag- und Nachtgleiche, Anlass für eine große; Beobachtungskampagne, die eine Fülle von Fragen angehen will. Angesprochen sind zwar überwiegend Großteleskopei wie Keck, aber gerade bei den gegenseitigen Bedeckungen der Uranusmonde von 2006-10 könnten – so Vertreter der IOTA gegenüber interstellarum – schon Teleskope ab 50 cm sinnvolle Photometrie liefern. Und wer weiss: Vielleicht gelingt ja auch die direkte Abbildung des Epsilonrings in Kantenstellung mit einem moderaten Teleskop im sichtbaren Licht?

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

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5 Erdmassen, 1,5 Erddurchmesser, 0 bis 40°C: der »erste erdähnliche Planet in der bewohnbaren Zone«

Mit dieser Schlagzeile feiert jedenfalls die ESO den Nachweis bereits eines dritten Planeten des roten Zwergsterns Gliese 581 mit dem sensiblen Spektrographen HARPS am betagten 3,6-m-Teleskop auf La Silla. Exakte Massen der drei Planeten kennt man zwar nicht, weil ihre Bahnneigung zur Sichtlinie nicht bekannt ist, aber statistisch gesehen liegen die wahren Massen nur selten dramatisch über den Minimalmassen, die der Radialgeschwindigkeitseffekt liefert. Die drei Planeten von Gliese 581 haben Minimalmassen von 15, 8 und 5 Erdmassen, womit dies schon das zweite Exoplanetensystem aus drei (Sub-)Neptunen ist. Auch wurden zwei andere Exoplaneten nachgewiesen, deren Massen ebenfalls im Bereich von 5 Erden liegen dürften, doch einer (entdeckt durch Microlensing; 5,7 Erdmassen) hat einen großen Abstand von seiner Sonne und ist sehr kalt, der andere (von Gliese 876; Minimalmasse 5,9 Erden, wahrscheinlichste Masse 7,5 Erden) wiederum hat eine Umlaufszeit von unter zwei Tagen und ist extrem heiss.

Laborexperiment: Exoplaneten abbilden ist möglich

High Contrast Imaging Testbed nennt sich ein Versuchsaufbau am Jet Propulsion Lab, mit dem spezielle Koronographen-Designs erprobt werden: Trauger & Traub (Nature 446 [12.4.2007] 771-3) ist es damit gelungen, einen simulierten Planeten mit einem Zehnmilliardstel der Helligkeit dicht neben einem Stern abzubilden. Beugung am Rand der Öffnung und Unebenheiten des Spiegels müssen dazu trickreich minimiert werden: (Nicht billige) Weltraumteleskope der Zukunft könnten das leisten. Und der Gemini Planet Imager soll ganz ähnliches mit »Extrem-Adaptiver Optik« vom Erdboden aus versuchen.

Der dritte Planet von Gliese 851 jedoch hat eine Umlaufszeit von 13 Tagen – und weil der Stern eine viel geringere Leuchtkraft als unsere Sonne hat, ist er damit trotz nur 1/14 AU Sterndistanz in der sogenannten Habitablen Zone gelandet, wo auf der Oberfläche – bei zwischen 0 und 40°C – flüssiges Wasser möglich ist. Modellrechnungen zufolge sollten Planeten dieses Formats bereits felsiger Natur sein, Supererden sozusagen, vielleicht sogar ganz von Wasser bedeckt. Auf die Anwesenheit von Wasser gibt es allerdings keine direkten Hinweise. (Und auch bei einem anderen, dickeren Exoplaneten wird der behauptete IR-Nachweis von Wasserdampf in der Atmosphäre bereits wieder angezweifelt.) Gliese 851 ist nur 20,5 Lichtjahre entfernt und könnte damit für künftige Weltraumissionen, die nach chemischen Indizien für Leben suchen, zu einem bedeutenden Ziel werden. Und dann gibt es natürlich noch die CoRoT-Mission, die einige felsige Exoplaneten mit bis zu 2 Erdmassen hinauf aufspüren sollte, gefolgt von Kepler mit den ersten echten Zweiterden. Und die (von der NASA leider bis auf weiteres eingefrorene) Space Interferometry Mission wäre vielleicht das beste Instrument überhaupt, um fremde aber nahe Erden dingfest zu machen. Allerdings bringt die Exoplanetenjagd nicht immer sicher geglaubten Erfolg: So ging z.B. eine intensive Suche per Transittechnik im metallreichen alten offenen Sternhaufen NGC 6791 völlig leer aus ...

Auch das noch ...

Was Sie schon immer über die nächste totale Sonnenfinsternis wissen wollten, steht im umfassenden NASA-Zirkular, das jetzt verfügbar geworden ist: Wie schon lange bekannt, gibt es am 1.8.2008 die mit Abstand besten Wetterchancen im Nordwesten Chinas. Auch die zugehörige Webseite wurde ausgebaut. • Eine stetig wachsende Sammlung von Links aller Art zu Sonnenfinsternissen ist jetzt im Aufbau.

Wer kann diesen Nebel um einen Stern erklären?

Eine außergewöhnliche Spiegelsymmetrie beherrscht einen bipolaren Nebel um den Be-Stern MWC 922, dessen Entwicklungszustand unbekannt ist: Es kann sich um einen Stern handeln, der die Hauptreihe schon verlassen oder aber noch gar nicht erreicht hat. Eine stark scharfgerechnete Aufnahme des Nebels mit dem 5-m-Palomarteleskop (Tuthill & Lloyd, Science 316 [13.4.2007] 247) enthüllt nun eine Vielzahl von Strukturen, die bei episodischen Massenauswürfen entstanden sind und teilweise auf ein Spiel von Licht und Schatten zurückgehen könnten. Offenbar schauen wir exakt von der Seite auf den Nebel, so dass viele Kanten ganz gerade erscheinen. Vielleicht besteht eine Verwandtschaft zu anderen bipolaren Nebeln oder gar den Ringen um die Supernova 1987A?

Der Weisse Zwerg mit der geringsten Masse hat einen Begleiter: Während es der Stern nur auf 0,17 Sonnenmassen bringt, wurde nun ein Begleiter entdeckt, der mindestens 0,28 Sonnenmassen hat und ihn alle 7,6 Stunden umkreist. Ein normaler Stern dieser Masse wäre zu sehen, was aber nicht der Fall ist: Also handelt es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen Weissen Zwerg – der dem anderen den Großteil der Masse stahl. Die beiden werden am Ende verschmelzen, aber frühestens in 10 Mrd. Jahren. • Ein Paar massearmer Sterne – oder Brauner Zwerge – mit extrem große;m Abstand und 500 000 Jahren Umlaufszeit stellt einen neuen Rekord für schwache Schwerkraft-Bindung auf, aber weil man die Entfernung nicht sicher kennt, ist die Massenbestimmung vage.

Ein Nationalpark in Utah hat ein Dark-Sky-Zertifikat erhalten, was man im National Bridges NP mächtig feiert, ist er doch nun der erste International Dark-Sky Park der Welt. • Mit einem Ballon bis in die Stratosphäre flog eine Kamera über Schweden, die dann die gekrümmte Erde im Blick hatte – Amateurastronomie einmal andersherum.

Ein gigantisches Mosaik des Rosettennebels im H-Alpha-Licht ist aus fast 200 Bildern des Isaac Newton Telescope erstellt worden, die im Rahmen der Himmelsdurchmusterung IPHAS entstanden: Das Bild – Vorsicht: 160 MB! – hat ein Feld von 2x2 Grad.

Eine astronomische CCD-Kamera, die bis zu 500 Bilder in der Sekunde schiesst, ist die ULTRACAM, die inzwischen an mehreren Großteleskopen den unterschiedlichsten Projekten diente. • Wie die Veränderlichen im Kugelhaufen M 3 blinken, zeigt ein ungewöhnliches Video: Es sind überwiegend RR-Lyrae-Sterne. • 2008 soll ein Sonnenteleskop mit 1,5 m Öffnung auf Teneriffa die Arbeit aufnehmen: GREGOR ersetzt ein altes 45-cm-Sonnenteleskop und besitzt natürlich Adaptive Optik, um den großen Spiegeldurchmesser auch ausnutzen zu können.

Schon acht Kometen hat der Röntgensatellit Chandra beobachtet und dabei große; Unterschiede festgestellt – aber die hatten nichts mit den Kometen sondern allein mit dem Zustand des Sonnenwinds zum Zeitpunkt der Beobachtung zu tun. Das bestätigt die führende Hypothese für kometare Röntgenemission, den Ladungsaustausch von Atomen in der Koma mit dem Sonnenwind. • Die Erde hat mal wieder einen temporären Mini-Mond, nachdem der nur Meter große; 6R10DB9 letzten September in einen weiten Orbit geraten ist, den er im Juni wieder verlassen wird. Allerdings ist – wie schon bei früheren derartigen Fällen – nicht klar, ob es sich um einen natürlichen Asteroiden oder aber eine alte Raketenstufe handelt.

Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer

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