zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 35
21.3.2007

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23.-25. März 26. Seminar des AK Meteore in Löhne: Teilnahme auch als Tagesgast möglich, für EUR 10 (EUR 25 mit Verpflegung)!
30. März morgens Der Mond bedeckt Regulus im Untergang, Details siehe Das Astronomische Jahr 2007 KW 13
31. März morgens Ein Asteroid fliegt dicht an der Erde vorbei, und 2006 VV2 könnte in 3,4 Mio. km Abstand bis zu 10. Größe erreichen

Die Helligkeit von Komet McNaught sinkt viel langsamer seit dem Perihel als sie davor angestiegen war: Die Sonnenhitze hat beim Kern doch Spuren hinterlassen, wie die Lichtkurven deutlich zeigen. Spektakuläre Bilder des Astrofoto-Spezialisten M. Druckmüller aus Südamerika sind soeben verfügbar geworden, es gibt ausgewählte Bilder – und Gedichte(!) – in einer Sammlung aus Rumänien und die schönsten Bilder aus Neuseeland in einer Galerie; auch während der Mondfinsternis wurde der Komet fotografiert.

Ein australischer Amateur hat seinen ersten Kometen entdeckt, mit einer Digitalkamera (eine Premiere in der Astronomiegeschichte). Leider dürfte Lovejoy, z.Z. mit 9m im Indus stehend, maximal nur etwa 7m erreichen, in etwa einem Monat. Ein neuer Komet Garradd wird wohl keine große; Leuchte, ist aber bereits für Astrofotografen interessant.

Der Dusttrail von Komet Encke wurde wirklich von einem Mini-Teleskop erwischt! Die Vermutung (siehe letzter Newsletter, Aktuelles) hat sich bestätigt, womit sich ganz neue Möglichkeiten auch für die professionelle Kometenforschung ergeben.

Danjon-Wert 2 bis 3: Mondfinsternis fiel eher hell aus

Die Mondfinsternis vom 3./4. März hatte einen Danjon-Wert von 2,5: Das ist sowohl der Median- wie auch der Mittelwert (±0,8) von 45 Schätzungen, die Mark Kidger (Solar Eclipse Mailing List vom 8.3.2007) gesammelt hat, wobei die Einzelangaben freilich – wie so oft – zwischen den Extremwerten der Skala 0,5 (sehr dunkel) und 4 (sehr hell) streuten (mit 77% im Bereich 2-3). Joe Rao bestimmte die Helligkeit des dunklen Mondes zu -2,5m (ibid. 3.3.2007), d.h. 12 000-mal schwächer als der Vollmond. Die MoFi war damit ziemlich hell und farbenfroh, wie auch eine Fülle beeindruckender Fotos in den Sammlungen von SpaceWeather, BAA, ESA, Sky Tonight und Space.com, als LPOD am 4., 7. und 17. und APOD am 8., 9., 10. und 17. März und ausgewählte Einzelergebnisse und Berichte (dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito, dito und dito) bezeugen. Wegen der Apogäumsnähe des Mondes schloss sich übrigens der Partialität noch eine 6-minütige totale Halbschattenfinsternis an (Berechnung F. Dorst).

Die in Deutschland totale Saturnbedeckung am zwei Nächte zuvor (o.r. sowie letzter Newsletter, Aktuelles) konnte in England übrigens streifend beobachtet werden. Saturn selbst bleibt natürlich auch fotogen, wie Bilder vom 15. (dito), 12./13. (dito) und 11. März zeigen.

Das Maximum von Mira ist vorüber: Es trat mehrere Wochen verfrüht ein, war aber mit 2,2m um den 20. Februar das zweithellste beobachtete überhaupt (der Rekord lag 1906 bei 2,1m); bis zum 11. März war die Helligkeit des prototypischen Mirasterns bereits wieder auf 2,5m gefallen. Die durchschnittliche Maximumshelligkeit beträgt nur 3,4m.

Eine Nova im Schwan verblasst rasch, auf nur noch 8,6m am 19.3.: eine Aufsuchkarte und AAVSO Special Notices vom 19. und 16. 3.

Immer mehr Details in den Venuswolken lassen sich dank guter UV-Filter in Amateurhand erwischen, so in der laufenden Abendsichtbarkeit auch schon von Gährken (mit 80-cm-Spiegel bei z.T. Super-Seeing), dem AC Radebeul, Pellier, Karrer, Pettenpaul und Kowollik.

Das Profil des Mondrandes vor der Sonne konnte der japanische Sonnensatellit Hinode im Februar mit seinem scharfen optischen Teleskop mit 400 Metern Auflösung abbilden, als er – und nur er – eine partielle Sonnenfinsternis erlebte.

Eine echte partielle SoFi war am Morgen des 19. März u.a. in Goa und anderswo in Indien und Korea und auch sonst fast nur in Asien zu sehen.

Ein 2300 Jahre altes Sonnenobservatorium in Peru?

Dreizehn Türme in einer Reihe entlang eines Hügelrückens inder peruanischen Küstenwüste 400 km nördlich von Lima, die von der Seite aus wie eine Zahnreihe aussehen: Kann das ein frühes Horizontobservatorium zur Verfolgung des Sonnenlaufs über das Jahr sein? Der frischgebackene archäologische Direktor des Nationalen Kulturinstituts von Peru und der bekannteste britische Archäoastronom sind zu diesem Schluss gekommen. In entwaffender Offenheit geben sie in ihrem Paper (Ghezzi & Ruggles, Science 315 [2.3.207] 1239-43; auch 1206-7) zwar zu, dass »astronomische 'Erklärungen' notorisch leicht am vorgefundene Ausrichtungen angepasst werden können« und es »immer die Gefahr eines Zirkelschlusses gibt« – aber im Falle der Dreizehn Türme von Chankillo passe einfach alles zu gut zusammen. Denn es gibt nicht nur die ungewöhnliche Kette der massiven Türme in jeweils 5 m Abstand (oben), sondern senkrecht dazu in einigem Abstand auf beiden Seiten ungewöhnliche Gebäude, von denen aus gesehen die Turmkette genau den Horizontbogen nachzeichnet, hinter dem die Sonne im Lauf der Jahreszeiten auf- bzw. untergeht (unten). Die ausgeklügelte Geometrie der Anlage spricht für eine auch damals schon etablierte Tradition solches »landscape timekeeping«.

Die von den Türmen gezeichnete Zähnung des Horizonts könnte einerseits kalendarisch genutzt worden sein, essentiell für die Planung der Landwirtschaft in solch einer ariden Gegend: Die Sonnenwenden wären auf wenige Tage genau bestimmbar. Und das gesamte Bauwerk dürfte darüber hinaus von einem komplexen Sonnenkult zeugen, zwei Jahrtausende vor den vergleichbaren (und heute spurlos verschwundenen) Sonnenpfeilern der Inkas in Cuzco: Chankillo kann mit der C-14-Methode auf das 4. vorchr. Jh. datiert werden. Es sind vor allem die Überreste eines Gebäudes 200 m westlich der Türme, die für deren astronomische Bedeutung sprechen: Auf der Südseite des Gebäudes verläuft nämlich ein 40 m langer Korridor, der aber nirgends in es hinein führt. Am Südostende jedoch ist eine Öffnung, von der aus man genau auf die 235 m entfernten Türme blickt und die es so im ganzen Chankillo-Komplex kein zweites Mal gibt. In 5 Metern Umkreis der Öffnung wurden auch eine Menge archäologische Artefakte gefunden, ebenfalls ungewöhnlich: Das spricht für rituelle Praktiken, bei denen der Blick aus der Öffnung auf die Türme und die dahinter aufgehende Sonne eine Rolle spielte. Und auf der exakt gegenüberliegenden Seite der Turmreihe steht ein weiteres isoliertes Gebäude, d.h. auch Sonnenuntergänge scheinen beobachtet worden zu sein – im Rahmen von Sonnenritualen, die (so legen es Figuren-Darstellungen aus der Epoche nahe) die Macht einer kriegerischen Elite festigen sollten.

Superpräzise Himmelskarten der Lichtverschmutzung – über US-Nationalparks

Als die Vereinigten Staaten ihre Nationalparks ins Leben riefen, sollten sie gemäss dem National Park Service Organic Act von 1916 nicht nur »die Landschaft und die natürlichen und historischen Objekte und das Wild darin erhalten.« Die Parks sollten auch dafür sorgen, dass all dies »unbeeinträchtigt (unimpaired) für den Genuss durch künftige Generationen belassen« werden möge. In den letzten Jahren unternimmt der National Park Service verstärkte Anstrengungen, um dieses »unimpaired« auch quantitativ zu erfassen und zu konkreten Regularien zu gelangen – und zu diesem Zweck wird seit 2001 mit großer; Akribie die Dunkelheit des Nachthimmels über den Parks vermessen, mit einer Präzision, die selbst Messungen von Astronomen über ihren Sternwarten selten erreichen. Details und erste Ergebnisse dieses Natural Lightscapes Monitoring liegen nun vor: CCD-Kameras mit Normalobjektiven auf astronomischen Montierungen (oben) nehmen automatisch und wiederholt den gesamten Himmel auf, wobei gleichzeitig die großskalige Helligkeitsstruktur erfasst wird aber andererseits auch viele einzelne Sterne erkennbar sind, so dass die Helligkeitsmessungen exakt geeicht werden können.

Millionen Einzelmessungen und hunderte Karten der Himmelshelligkeit über mehreren westlichen Bundesstaaten sind bereits entstanden, inklusive einiger Messungen auf bekannten Sternwarten. Auch in scheinbar völlig isolierten Gebieten erwiesen sich zumindest Teile des Himmels als deutlich aufgehellt: 19,5-20 Größenklassen pro Quadratbogensekunde haben die hellsten Milchstraßenwolken, aber Werte von 17,5-18,5 traten häufig auf. Eine Detailerkenntnis ist die große; »Reichweite« des Lichtscheins von Las Vegas, der noch in 170 km Entfernung heller als die Milchstraße sein kann. Die Messungen, die noch lange fortgesetzt werden sollen, sind freilich erst der Anfang: Im Weiteren muss herausgefunden werden, wie stark der Himmelseindruck für Besucher bereits durch Lichtverschmutzung »beeinträchtigt« wird – und auch, in wie weit dadurch schon das Wild irritiert wird. GLOBE at Night, 2. Versuch: Nachdem die erste globale Erfassung der Grenzgrösse nur mässigen Rücklauf hatte, hofft das Projekt diesmal auf mehr Teilnehmer, und zusätzlich wird auch mit einfachen elektronischen Detektoren gemessen. Noch eine Sternzählung mit breiter Beteiligung fand im Winter im Vereinigten Königreich statt: Dabei kam heraus, dass nur 11% des Landes lichtverschmutzungsfrei sind.

YORP: Wie die Sonne Asteroiden immer schneller rotieren lässt

Yarkovsky-O'Keefe-Radzievskii-Paddack-Effekt oder einfach YORP-Effekt: So nennt man die Änderung der Rotationsachse- und -rate eines irregulär geformten Kleinkörpers im Sonnensystem infolge der Sonnenein- unnd Wärmeabstrahlung, der bis eben noch reine Theorie war, nun aber bei gleich zwei Asteroiden nachgewiesen wurde. Zugrunde liegt der Yarkovsky-Effekt, der erstmals 2003 an (6489) Golevka gemessen werden konnte: Ein felsiger Körper wird von der Sonne aufgeheizt und strahlt die Wärme auch wieder ab – aber weil er rotiert, in eine etwas andere Raumrichtung. Das ergibt durch den Strahlungsdruck einen kleinen Impuls, der langfristig seine Bahn um die Sonne verändert. Der Transport von Meteoriten aus dem Asteroiden-Hauptgürtel Richtung Erde wird z.B. massgeblich dem Yarkovsky-Effekt zugeschrieben (Skyweek 17 #16 [2001] 21), der von vielen Faktoren wie Masse, Oberflächenbeschaffenheit, und Rotationsverhalten des Himmelskörpers abhängt und besonders stark bei Meter-großen Körpern wirkt.

Bei den beiden erdnahen Asteroiden Nr. 54 509 (vormals 2000 PH5, noch namenlos; Animation anhand von Radarbildern oben) und (1862) Apollo gelang nun auch der klare Nachweis des YORP-Effekts: Bei ihm kommt die irreguläre Gestalt des rotierenden Körpers zum Tragen, die über asymmetrische Reflektion und thermische Reemission des Sonnenlichts zu einem Drehmoment führt. Der nur 114 m große; PH5 rotiert bereits jetzt einmal in 12,2 Minuten, und von 2001 bis 2004 ist die Periode jedes Jahr um eine Millisekunde kürzer geworden. In 550 000 Jahren wird sie sich halbiert haben und in 14 Mio. Jahren auf 20 Sekunden geschrumpft sein. Die Bahn des Asteroiden um die Sonne ist noch 35 Mio. Jahre stabil, aber ob das auch für PH5 selbst gilt? Vielleicht hat ihn seine heftige Rotation dahin längst zerrissen oder zumindest eine andere Gestalt annehmen lassen.

Ein Asteroid mit zwei Monden
Das ist (45) Eugenia, wie erst jetzt genau analysierte Beobachtungen mit dem Very Large Telescope und der NACO-Kamera mit Adaptiver Optik vom Februar 2004 zeigen (IAUC # 8817 vom 7.3.2007): Der neue Satellit S/2004 (45) 1 hat 1/8 der Helligkeit des Asteroiden und einen geschätzten Durchmesser von 6 km, aber noch keinen Namen. Der zuerst entdeckte Mond (45) Eugenia I heisst Petit Prince.

Asteroiden-Selbstzerstörung durch den YORP-Effekt könnte in der Tat die Entstehung so manches Asteroidenmondes erklären, z.B. des kleinen Begleiters von Apollo, dessen Rotation ebenfalls immer schneller wird (Kaasalainen et al., Nature Advance Publ. 5614 vom 7.3.2007). Derzeit braucht der 1,4-km-Asteroid 3,1 Stunden für eine Umdrehung, aber jedes Jahr ist es 1/230 Sekunde weniger: In den vergangenen 40 Jahren hat Apollo dank des YORP-Effekts einen vollen Extratag hinter sich gebracht. Schon früher gab es vage Hinweise auf YORP-Veränderungen von Asteroidenrotationen, aber erst jetzt wurden die Lichtkurven der beiden lange genug beobachtet (bei Apollo: 25 Jahre), um andere Erklärungen wie z.B. Kollisionen auszuschliessen. Die kontinuierliche Beschleunigung ihrer Rotation folgt dem Modell, bei Apollo z.B. für eine plausible Dichte von 2,2 g/cm3. Und bei PH5 konnte dank des präzisen Radarbildes der YORP-Effekt sogar besonders genau berechnet werden.

Optionen – aber kein Geld – für die nächste Phase der NEO-Jagd
Jede Menge Alternativen für die Katalogisierung aller erdnahen Kleinkörper bis 140 m Durchmesser hinab hat die NASA am 8. März in einer lang erwarteten Studie vorgelegt, die der US-Kongress angefordert hatte – und die auch die Aussage enthält, leider ständen derzeit keine Mittel zur Verfügung, um die 500 Mio. bis 1 Mrd. Dollar teuren Suchprogramme auf der Erde und/oder mit Satelliten auf speziellen heliozentrischen Orbits auch tatsächlich durchzuführen. Was wiederum Missfallen in der Politik zur Folge hat. Bereits 2002 waren die Spezialisten für Near Earth Objects zu der Erkenntnis gelangt, die derzeit laufende Jagd auf NEOs von 1 km und mehr Durchmesser reiche auf Dauer nicht. Von diesen großen Brocken, deren Impakt eine globale Katastrophe auslösen würde, sind bis heute 75 Prozent (750 von geschätzten 1000±50) entdeckt worden, aber auch kleinere könnten noch ganze Länder verwüsten, und ein ähnlich kompletter Katalog wäre wünschenswert. So kam es, dass der Kongress die NASA im Dezember 2005 in einer Authorization Bill (die Ziele festlegt aber kein Geld vergibt) formell anwies, sich binnen 15 Jahren um die Entdeckung von 90% aller Near Earth Objects bis 140 m Durchmesser zu kümmern, deren Zahl auf 100 000 geschätzt wird.

In der Antwort heisst es nun, es sei sinnvoller, sich auf die Potentially Hazardous Objects zu konzentrieren, d.h. NEOs, die der Erde näher als 7,5 Mio. km kommen, was für etwa jeden fünften gilt. Je nachdem, ob man die 90%-Grenze für PHOs > 140 m bis 2026, 2020 oder gar schon 2017 erreichen wolle, würde die Jagd 700 Mio. oder 1,0 oder 1,2 Mrd.$ kosten. Die preiswerteste und langsamste Lösung wäre die Nutzung eines Teils der Beobachtungszeit an den von Astronomen ohnehin geplanten – aber nach wie vor nicht finanzierten – vier PanSTARRS-Teleskopen (PS-4) und dem Large Synoptic Survey Telescope (LSST). Das 2020-Ziel wäre zu erreichen, wenn zusätzlich ein zweites LSST gebaut würde. Und 90% der kleinen PHOs schon 2017 (bzw.97% 2020) kennen könnte man mit der Beteiligung an PS-4 und LSST und einem Spezialsatelliten in der Nähe der Venus mit einem 50-cm-IR-Teleskop. Auch über Möglichkeiten der Ablenkung bedrohlicher PHOs – zugleich Gegenstand einer Tagung – macht sich die Studie Gedanken, vor allem nuklearer Art.

Nova-Reste rund um eine typische Zwergnova gesichtet

Klassische Novae und Zwergnovae bilden zusammen die Kataklysmischen Veränderlichen: Beides sind Doppelsysteme, bei denen ein Roter Zwergstern wasserstoffreiche Materie auf einen Weissen Zwerg schüttet, wo sie sich zunächst in einer Akkretionsscheibe sammelt. Bei einer Zwergnova wird diese Scheibe immer wieder instabil und entläd sich fast vollständig auf den Weissen Zwerg, den die freigesetzte Gravitationsenergie ein paar Wochen bis Monate bis zu 100-mal heller strahlen lässt. Noch tausende Male heller aber auch viel seltener sind thermonukleare Explosionen auf der Oberfläche des Weissen Zwergs, wenn sich dort langsam aber stetig genug gespendetes Material angesammelt hat: Eine klassische Nova flammt auf, bei der gleichzeitig eine Menge Materie in den Raum geblasen wird. Die Theorie sagt voraus, dass sich bei allen Zwergnovae genug anreichern muss, dass es irgendwann zu einer klassischen Nova-Eruption kommt – wonach der Zwergnovamechanismus weiterlaufen kann.

Just bei der prototypischen Zwergnova Z Camelopardalis sind nun Spuren einer früheren Nova-Eruption entdeckt worden, erst mit dem UV-Satelliten GALEX (oben), später auch als schwache Linienemission von Wasser- und Stickstoff im Sichtbaren (Shara et al., Nature 446 [8.3.2007] 159-62). Eine offensichtliche alternative Erklärungen der Bögen und Filamente ist nicht erkennbar, stattdessen passt das leuchtende Gas mit der Masse einer typischen Nova zu einer Explosion diesen Typs vor einigen hundert bis wahrscheinlich tausend Jahren; das Gas fegt bereits interstellares Medium auf. Damit ist die 20 Jahre alte Vermutung gestärkt, dass kataklysmische Veränderliche zwischen diversen Subtypen hin- und herwechseln können, vielleicht sogar mehrfach. (Und manche wie der prototypische symbiotische Stern Z And könnten auch Zwischentypen sein.) Die Nova Z Cam müsste vor ein paar tausend Jahren ein paar Tage oder Wochen lang der hellste Stern am Himmel gewesen sein; aufgezeichnet wurde so etwas damals leider nicht.

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

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AEGIS: die umfassendste Galaxien-Durchmusterung eines großen Himmelsfelds

Noch nie wurde ein so große;s Himmelsfeld so »tief« in so vielen Wellenlängen gleichzeitig unter die Lupe genommen wie der »Groth Strip« in der Nähe des Große;n Wagens, wo man ungestört aus der Milchstraße hinaus schaut. Für die All-wavelength Extended Groth Strip International Survey (AEGIS) sind 150 000 Galaxien mit vier Teleskopen im Weltraum und vier großen auf der Erde unter die Lupe genommen worden, allein Hubble sichtete 50 000 von ihnen (oben ein Ausschnitt). Im Gegensatz zu Galaxiendurchmusterungen großer; Teile des Himmels wie der Sloan Digital Sky Survey, die etwa 2 Mrd. Lichtjahre »tief« reicht, erfasst AEGIS Galaxien bis 9 Mrd. Lj Entfernung in einem begrenzteren aber typischen Himmelsfeld.

Die Auswertung der Datenfülle hat erst begonnen, aber eine bemerkenswerte Entdeckung gibt es bereits: Für alle Arten von Galaxien, Spiralen wie Elliptischen wie Kollisionsopfern, gilt ein erstaunlich strenger Zusammenhang zwischen der Masse ihrer Sterne und einem »kinematischen Estimator«. Erstere berechnet sich aus der Leuchtkraft der Galaxie, letzterer ist die Wurzel aus der Summe des halben Quadrats ihrer Rotationsgeschwindigkeit und des Quadrats ihrer Geschwindigkeitsdispersion, d.h. der chaotischen Bewegung der Sterne in der Galaxie. Eine Erweiterung der berühmten Tully-Fischer-Beziehung zwischen Leuchtkraft und der Rotationsgeschwindigkeit allein also, die nur für geordnete Spiralen gilt. Das neue Gesetz mit dem Namen S0.5/M*TFR gilt ohne jeden Trend für 544 AEGIS-Galaxien mit Rotverschiebungen von 0,1 bis 1,2 (was Distanzen von 2 bis 8 Mrd. Lj entspricht). Und es passt zu einem Szenario der Galaxienbildung, bei dem sich zuerst Materie auf chaotischen Bahnen in einem Halo aus Dunkler Materie sammelt, aus dem erst später die geordnet rotierenden Scheiben entstehen.

Auch das fiel noch auf

Das Internationale Jahr der Astronomie 2009 hat jetzt ein Logo und einen Slogan (»The Universe: yours to discover«): der wichtigste Beschluss der ersten Vorbereitungstagung in Garching, von der Webcasts und Präsentationen grösstenteils konserviert sind.

Deep-Sky-Beobachtung am Tage – das geht! Zum Beispiel der Orionnebel mit einem 80-cm-Spiegel ... Piloten sahen – und fotografierten – einen Progress-Start in Kasachstan am 18. Januar und waren zunächst ratlos: bis dieses »UFO« in der Hand von Sternfreunden eine eindeutige Erklärung fand, ein Musterbeispiel seriöser Recherche.

»Strich« aus Wasserstoff neben Galaxie gibt Rätsel auf

So etwas (links) wurde noch nie im All entdeckt: ein schnurgerades Filament aus ionisiertem Wasserstoff, 200 000 Lichtjahre lang aber nur 6000 Lj breit. Der Rotverschiebung nach ist es mit der Galaxie D100 im Coma-Haufen assoziiert, die jedoch über keinen Aktiven Kern verfügt. Gleichwohl dürfte der »Strich« etwas über die Vergangenheit von D100 verraten. (Die Entdeckung war mit dem Subaru-Teleskop auf dem Mauna Kea gelungen – das die Japaner auch schon mal für schöne Bilder wie jüngst des Krebs-Nebels einsetzen, wenn die Atmosphäre für geplante Projekte nicht gut genug ist.)

Ein Galaxienhaufen zerreisst eine vorbeikommende Galaxie und verformt das Bild einer anderen durch einen besonders kuriosen Gravitationslinseneffekt: beides zu besichtigen in Abell 2667 (rechts nur der pittoreskere Linsenbogen).

Die Galaxie NGC 5011C ist kein Nachbar von NGC 5011B im Centaurus-Galaxienhaufen, wie man lange dachte, sondern eine wesentlich nähere Zwerggalaxie in der Centaurus-A-Gruppe: Erst jetzt wurde ihre viel geringere Rotverschiebung gemessen.

Extreme Gravitationslinsenbeobachtung bestätigt: Im Oktober wurde ein unbescholtener A-Stern plötzlich viel heller und dann wieder schwächer (siehe isAN 28, Aktuelles), jetzt zeigt eine genaue Modellierung, dass wirklich die Schwerkraft eines massearmenen Körpers im Vordergrund die Ursache war – und in ein paar Jahren sollte man ihn neben dem Stern ausmachen können. Ein bipolarer Ausfluss aus einem Braunen Zwerg mit nur 24 Jupitermassen stellt einen neuen Rekord für das masseärmste Objekt mit solch einem Phänomen dar: Selbst bei jungen Riesenplaneten mag es auftreten.

Erste IR-Aufnahmen von Jupiter durch New Horizons

Entstanden sind sie schon am 24. Februar, aber erst jetzt haben sie die Erde erreicht: die ersten Aufnahmen der New-Horizons-Sonde vom Jupiter, die nicht von der s/w-Kamera LORRI stammen. Sondern von LEISA, der Nah-IR-Kamera des Instruments Ralph, die 250 verschiedene Wellenlängen erfasst und so Wolken unterschiedlicher Höhe isolieren kann. Auch neu – von LORRI – verfügbar: der Ausbruch des Io-Vulkans Tvashtar aus anderer Perspektive und die Jupiterringe besonders scharf.

Ein Meteorit, der wohl keiner war, ist – trotz zunächst anderer Einschätzung – in ein amerikanisches Haus eingeschlagen. Ein Ölgemälde einer Feuerkugel vom letzten November ist ein seltenes Dokument der vergänglichen Himmelserscheinung. Und was wir über die irregulären Monde im Sonnensystem wissen (und v.a., was alles nicht), fasst ein trotz 44 Seiten lesenswerter Review zusammen.



Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer
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