zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 16
5.5.2006

Der Astronomie-Newsletter von Daniel Fischer ist ein neuer kostenloser Service von interstellarum, Ihrer Zeitschrift für praktische Astronomie.

Sein Inhalt besteht aus aktuellen Nachrichten für Amateurastronomen und Informationen für Abonnenten. Der Newsletter wird je nach Bedarf etwa im zweiwöchigen Rhythmus versendet – bei gegebenem Anlass werden Sie auch über Neuerscheinungen und Angebote des Oculum-Verlags informiert. Beiträge aus der Leserschaft sind ausdrücklich erwünscht! Bitte senden Sie aktuelle Bilder, z.B. von Planeten, Finsternissen oder anderen astronomischen Ereignissen wie gewohnt an die interstellarum-Redaktion. Mit Ihrer Einsendung erklären Sie sich sowohl mit einer Verwendung im Newsletter als auch im gedruckten Heft für einverstanden. Um nicht auf diesem Newsletter zu stehen, folgen Sie bitte den Hinweisen unter http://www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp.

8. Mai, 5:30 MESZ Extrem enge Konjunktion des Fragments C von Komet SW3 mit dem Ringnebel, wenige Bogenminuten Abstand; in Deutschland in der hellen Morgendämmerung
9.-12. Mai Studentischer Raumfahrtkongress in Braunschweig; erstmals werden dabei auch Raketen gestartet
12. Mai, 9:45 MESZ Grösste Erdnähe des Kometen 73P/Schwassmann-Wachmann 3, Hauptfragment C, mit 0,0786 AU oder 11,76 Mio. km; siehe unten
13. Mai, ab 10:00 MESZ 22. ATT in Essen, Europas grösste Astro-Börse
17. Mai Beginn der Aktion http://stardustathome.ssl.berkeley.edu/; das Scannen der Staubfänger hat begonnen, während die Kometenteilchen bereits weltweit verschickt wurden

Aktuell beobachtet: • Die Lyriden erreichten eine (übliche) Zenitstundenrate von 17; eindeutige Zeichen spezieller Dusttrails gibt es nicht. • Jupiter steht nun in Opposition und erreicht seine Erdnähe am 6. Mai. Der Planet wird weiterhin von zwei Roten Flecken geziert; den neuen hat auch Hubble aufgenommen. Dicht unter Jupiter der helle und weite Doppelstern Alpha Librae. • Die Korona der Sonne hatte am 29. März eine Gesamthelligkeit von -10,5m (±0,5m), also deutlich weniger als der Vollmond: Das bestimmte Granslo (The Astronomer 42 #504 [2006 April] 325-6) durch Vergleich der in einem umgedrehten 60-fach vergrössernden Refraktor betrachteten SoFi mit der Venus. • RS Ophiuchi ist beinahe wieder auf Normalhelligkeit angekommen, wie eine Lichtkurve zeigt. • Und eine Strichspur der ISS vor dem Mond vom 1. Mai aus Kanada demonstriert die große; Helligkeit der Raumstation auch schon im jetzigen Ausbauzustand, während Kraut und Wittlich detailreiche Nahaufnahmen gelangen.

Schwassmann-Wachmann 3 vor der Erdnähe: Fragment B hält durch – trotz spektakulären Zerbröselns

Auf 6. bis 7. Größe waren die Fragmente C und auch B des erstaunlichen Kometen Anfang Mai schon gestiegen, schöne Feldstecherobjekte für moderat dunklen Himmel, und C konnte von ganz dunklen Orten aus sogar mit dem blossen Auge erhascht werden. B könnte derweil – nach erstaunlich langem Halten einer ähnlichen Helligkeit – der endgültige Zerfall ereilen, wie Beobachtungen und Bilder aus der vergangenen Nacht nahelegen. Leider ist das mondfreie Fenster inzwischen auf die Minuten vor der Morgendämmerung geschrumpft, und ausgerechnet die Erdnähe von Fragment C – 11,8 Mio. km am 12. Mai gegen 9:45 MESZ – findet im Schein des Vollmonds statt. Mit Teleskop und höherer Vergrösserung und erst recht mit digitalen Kameras sollte sich das weitere Schicksal von Komet 73P gleichwohl noch einige Wochen verfolgen lassen, »ein spannendes Schauspiel am Nachthimmel, welches in diesem Ausmass kaum jemand erwartet hätte« (Meyer, Schweifstern 22 # 116 [April 2006] 2). Und zunehmend kommen spektakuläre Detailaufnahmen auch aus der Fachastronomie.

Vor allem das fortwährende Zerbröseln des Fragments B ist für die enorme Winkelauflösung des Very Large Telescope (links) und erst recht des Hubble Space Telescope (rechts) ein dynamisches Spektakel geworden, war aber Anfang Mai auch für grössere Amateurteleskope aufzulösen (kleinere zeigten die Subfragmente lediglich als abgelöste Aufhellung in der Koma). Teile des Subkerns, eines der vier ursprünglichen Produkte der großen Spaltung von 73P im Jahre 1995, lösen sich ab und bilden Minikometen mit eigenem Gasausstoss: Dieser treibt sie wegen ihrer geringeren Masse vom Hauptfragment fort und dessen Schweif hinunter. Bis »BM« ist die Numerierung der Fragmente bereits gediehen, von denen rund 50 noch existieren. Visuelle Beobachtungsberichte gibt es z.B. vom 4. (dito), 3. und 1. Mai (auch G und R sind mit 11-12m bzw. 13-14m grösseren Teleskopen zugänglich) und vom 30., 28. und 27. April und Bilder z.B. vom 4. Mai (B bei M 13, dito, B mit langem Schweif & in Farbe, B mit mehreren Fragmenten!), 3. Mai (B bei M 13), 2. Mai (B global, B mit Fragmenten!), 30. April (C, B), 29. April (C+B, C+B+G, C+B+G), 27. April (B+G), 26. April (C+B), 25. April (B+C), 24. April (B, C,B,G), 22. April (C+B+G) und 21. April (B), dazu eine neuere und eine ältere Animation von C sowie eine neuere und eine ältere von B (von E. Guido & G. Sostero). Und nein, es wird natürlich kein Fragment von 73P auf die Erde stürzen – diese absurde Falschmeldung wurde sinnigerweise erst durch ein Dementi der NASA für die hiesige Müllpresse interessant ...

Abermals Ex-Begleiter einer exotischen Supernova aufgespürt

Supernovae des Typs »IIb« sind eine exotische Klasse von Sternexplosionen, bei denen erst Wasserstoffemission im Spektrum gesehen wird (was sie generell in den Typ II stellt), diese aber bald spurlos verschwindet. Schon lange wurde als Erklärung vorgeschlagen, dass ein Begleitstern dem später explodierten Partner einen Großteil seiner Wasserstoffhülle raubte, und bei der Supernova 1993J konnte schliesslich mit dem Hubble Space Telescope tatsächlich der vermutete Partner Jahre nach der Explosion dicht neben dem Überrest gefunden werden. Dieses Kunststück ist nun zum zweiten Mal geglückt und diesmal sogar mit einem Teleskop auf dem Erdboden: Mit Gemini Süd konnten Ryder et al. bei exzellentem Seeing eine Punktquelle dicht neben der Supernova 2001ig nachweisen, bei der es sich um einen Riesenstern handeln dürfte. Dieser hat nicht nur dem Partner Wasserstoff geklaut, sondern dieses Gas auch noch in einer Spirale im Raum verteilt – die dann ihrerseits Spuren in der Radiostrahlung der Supernova hinterliess.

Ein einziger Monster-Flare der Sonne würde Milliarden-Schäden verursachen

Das vergangene Maximum der Sonnenaktivität sorgte zwar für so manche Aufregung, aber keine der geomagnetischen Auswirkungen reichte an den Monstersturm von 1859 heran, der als bei weitem stärkster des technischen Zeitalters gilt. Und das ist auch gut so: Damals wurden nur die Telegrafenverbindungen auf der Welt eine Weile gestört – aber heute, so eine noch nicht einmal abgeschlossene Analyse für das nächste Maximum gegen 2012, würde ein Sonnensturm dieses Kalibers alleine durch Schäden an geostationären Satelliten Folgekosten von mindestens 70 Milliarden Dollar verursachen. Und Probleme auf niedrigeren Bahnen (z.B. an den GPS-Navigationssatelliten) dürften die Kosten noch weiter steigern, von sekundären ökonomischen Effekten ganz zu schweigen. Überdies würde sich die Erdatmosphäre erheblich aufblähen und die Bahnhöhe der Internationalen Raumstation empfindlich verringern – just zu einer Zeit, wo niemand auf der Welt (mehr) über ein Trägersystem verfügen wird, um sie energisch anzuheben.

Ein Sonnen-Frühwarnsystem konkret für die schottischen Stromnetze entsteht derweil in Zusammenarbeit von Scottish Power mit britischen Geologen und der ESA: Messungen des Sonnenwinds durch den Advanced Composition Explorer (ACE) der NASA, der im Lagrangepunkt 1,5 Mio. km näher an der Sonne stationiert ist, versprechen eine 60-minütige Vorwarnung, wenn etwas Bedrohliches anrollt. Allerdings hat der Satellit seine geplante Lebensdauer schon jetzt um drei Jahre überschritten (Space News 17.4.2006 S. 11), und Ersatz ist vorerst nicht in Sicht – unter Weltraumwetterwächtern wächst die Sorge, bald ohne diesen vielgenutzten Vorposten im Sonnenwind auskommen zu müssen.

Musik (!) auf der Basis von ACE-Daten des Sonnenwinds (und demnächst auch von entsprechenden Messungen der beiden STEREO-Satelliten, die diesen Sommer starten sollen) produziert derweil ein Komponist in Zusammenarbeit mit Weltraumforschern in Berkeley. Dabei werden die Daten nicht einfach direkt in mehr oder weniger hörenswerte Töne umgewandelt: Das Ziel von solcherlei Sonifikation ist es vielmehr, durch Einsatz musikalischer Methoden die Informationen in eine angenehme Form zu bringen, die beim Zuhören neue Einsichten vermittelt. Auf die beste »mapping strategy« zwischen Daten und Musik kommt es dabei an, auf dass Nutzen und Genuss gleichermassen zustande kommen.

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

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Zwei große; Radiointerferometer zu einem vereinigt – an einem neuen Platz

Das gibt es nicht alle Tage in der Astronomie: Zwei große; Antennenanlagen, die sich an zwei unterschiedlichen Standorten schon manche Meriten erworben hatten, werden komplett ab- und an einem dritten Platz gemeinsam wieder aufgebaut, um zu einer noch viel leistungsfähigeren Anlage zu werden. Genau das hat in den vergangenen Jahren in Kalifornien stattgefunden: Die neun 6-m-Teleskope des BIMA (Berkeley-Illinois-Maryland Association) Array und die sechs 10-m-Schüsseln des OVRO (Owens Valley Radio Observatory) Arrays bilden nun den Combined Array for Research in Millimeter-wave Astronomy (CARMA), der heute eingeweiht wird. Nicht nur stehen jetzt 15 Antennen bereit: Der neue Standort in 2200 m Höhe verspricht auch eine bessere Durchsicht bei den kurzen (Millimeter-)Wellenlägen, auf die sich CARMA konzentrieren wird. Hier strahlt kühles Gas zwischen den Sternen, aus dem neue Sterne entstehen: CARMA kann es mit neuer Empfindlichkeit wie Winkelauflösung untersuchen. Ein neues Radioteleskop auch in Deutschland wird ebenfalls Realität: In unmittelbarer Nähe des Radioteleskops von Effelsberg wird die erste von mehreren LOFAR-Stationen in Deutschland gebaut, die das primär in den Niederlanden entstehende futuristische Rieseninterferometer für sehr lange Wellen erweitern.

Amerikanische Nationalparks erforschen intensiv ihre Lichtverschmutzung

Schon seit 2001 lassen die amerikanischen Nationalparks mit einigem technischem Aufwand die Dunkelheit des Nachthimmels vermessen – den sie und ihre Besucher als eine Ressource erkannt haben, die heutzutage ebenso schützenswert ist wie andere Aspekte der Natur auch. Dazu wurden in bisher etwa 20 Parks in sieben US-Staaten automatische Digitalkameras samt Laptops aufgestellt, die systematisch den Himmel fotografieren und anhand von Sternen im Bildfeld geeicht werden können. Die Aufnahmen (durch grüne V-Band-Filter, um das Empfinden des menschlichen Auges nachzubilden) werden zu Panoramen oder Fischaugen-Ansichten kombiniert und nun ausgewertet. Zwar gibt es bereits detaillierte Lichtverschmutzungskarten aufgrund von Satellitenaufnahmen aus dem Orbit, doch die Ableitung der resultierenden Himmelshelligkeit, die ein Beobachter am Boden erlebt, gilt immer noch als heikel: Die Analysen des National Park Service werden deshalb auch in astronomischen Kreisen mit Interesse verfolgt.

Auch das noch: • Die kleinen Pluto-Monde sind vermutlich sehr finster, schliessen Stern et al. aus neuen Hubble-Beobachtungen von S/2005 P1 und P2 – denn sie zeigen keinerlei Helligkeitsvariation, sind mithin sehr groß und haben ergo viel geringere Albedos als Charon. • Ein ganz großer; Asteroid hatte ganz kurz eine ganz kleine Impaktwahrscheinlichkeit, was manche für mitteilenswert hielten – bereits am 3. Mai war 2006 HZ51 freilich nach neuer Astrometrie schon wieder von der Liste getilgt. • 45 Transneptune mit gut bestimmten Orbits sind auf einen Schlag bekanntgeworden, was insofern beachtenswert ist, weil viele Kuiperoids nur einmal beobachtet wurden und ihre Bahnen nur geraten werden. • In den Apollo-Seismogrammen könnten tausende kosmischer Impakte aufgezeichnet sein: Dieser potenzielle Schatz wird erst jetzt mit moderner Computertechnik gehoben.

Noch mehr Austausch unter Halo-Beobachtern weltweit verspricht ein neuer – und sehr bildreicher – Halo-Blog, der durch einen Blog für Atmosphärisches generell ergänzt wird. Dazu gibt es eine Datenbank seltener Halos sowie eine Galerie ausgewählter Phänomene. • Terrestrische Gammablitze kommen aus der unteren Atmosphäre und hängen möglicherweise mit dem normalen Gewittergeschehen enger zusammen als bisher vermutet – das von Satelliten registrierte Phänomen ist rätselhafter denn je. • Immer noch kein Käufer für die Yerkes-Sternwarte (mit dem dicksten Refraktor der Welt) konnte vom bisherigen Betreiber gefunden werden. • Eine Star Party kurz nach Ostern war in Österreich ein großer; Erfolg, wie es scheint – was die Frage aufwirft, warum die deutschen Astronomie-Tage immer (mit flacher Ekliptik) im September sein müssen. Ein langer Bericht von einem Astro-Urlaub La Palma im April läd zur Nachahmung ein. Und an der Sternwarte Neuenhaus fand der 4. Praktische astronomische Samstag (PaS) statt, der sich »als Fachtagung etabliert« habe.

Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer

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