Einstieg ins Hobby Astronomie
Teil 4: Das erste Teleskop
von Stefan Seip
Wer als Hobby-Astronom gerne den Sternenhimmel beobachtet, wird bald den Wunsch nach einem eigenen Teleskop verspüren. Das Angebot an Teleskopen ist von enormer Vielseitigkeit, was sowohl die Leistung als auch den Preis betrifft. Doch nicht immer hat die seriöse Beratung des Einsteigers Vorrang vor kernigen Werbeversprechen, die beim späteren Einsatz des Gerätes nicht zu halten sind. Ohne Erfahrung ist es schwierig bis unmöglich, sich in diesem Angebotsdschungel zurechtzufinden. Um Ihnen zumindest böse Überraschungen, Enttäuschungen und sinnlose Investitionen zu ersparen, sind in diesem Artikel eine Reihe von Empfehlungen zusammengestellt, die beim Kauf des ersten Fernrohrs hilfreich sein können.

Abb. 1: Die Angebotspalette an Teleskopen ist heute schier unerschöpflich: Marken, Modelle und Angebote sind auch für Kenner der Branche nicht mehr überschaubar. Das Einholen von unabhängigem Rat sollte deshalb am Anfang jeder Teleskopwahl stehen. [Fa. Teleskop-Service]
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Welches Teleskop ist das Richtige?
Auf diese wichtige Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Schließlich hängt es von persönlichen Präferenzen ab, wie groß und schwer das Teleskop sein darf, welche Qualität die Optik und Mechanik haben soll, wie komfortabel die Bedienung sein soll und natürlich welche Summe man bereit ist auszugeben. Ohne Klärung dieser Fragen wird es weder einem Fachverkäufer noch Ihnen gelingen, ein geeignetes Instrument zu finden.
Gewicht, Volumen
Wenn Sie auf dem Land wohnen und in Ihrem Garten einen Beobachtungsplatz mit dunklem Himmel ohne störende Lichtquellen vorfinden, darf das Teleskop ruhig ein bisschen größer und sperrig sein, denn Sie müssen es ja nicht über weite Strecken transportieren. Ist Ihr Wohnort aber in einer Großstadt, sollten Sie darauf Wert legen, dass Sie das Instrument ohne allzu große Mühen im Auto verstauen können. Viele Teleskope fristen schon nach kurzer Zeit ein trauriges Dasein im Abseits, weil der Käufer die Beschwerlichkeiten beim Transport, Aufbau und der Handhabung unterschätzt hat. Sie haben wahrscheinlich mehr Freude an einem kleineren, unkomplizierten, schnell einsatzbereiten Teleskop.
Qualität
Grundlagen: Wichtige Tipps vor dem Kauf
- Informieren Sie sich vor dem Kauf so gut wie möglich.
- Nehmen Sie Kontakt mit erfahrenen Sternfreunden auf.
- Lassen Sie sich ein Rückgabe- oder zumindest ein Umtauschrecht einräumen.
- Beginnen Sie mit einer Grundausstattung ohne ein unüberschaubares Sortiment an Zubehör.
- Erwarten Sie nicht die bunten, großartigen Anblicke ähnlich den Bildern auf der Verpackung des Teleskops.
- Misstrauen Sie überzogenen Werbeaussagen (z.B.: »Refraktor mit 60mm Öffnung bis 525fache Vergrößerung zum Preis von 79 Euro«).
- Halten Sie sich aus »Glaubenskriegen« (z.B. »Refraktor oder Reflektor«) heraus.
- Denken Sie bei der Wahl von Okularen daran, dass ein Okular »die Hälfte eines Fernrohrs« ist. Qualität des Fernrohrs und die der Okulare müssen in einem sinnvollen Verhältnis stehen.
- Lassen Sie sich kein Zubehör aufschwatzen, von dessen Notwendigkeit Sie nicht überzeugt sind.
- Meiden Sie den Versandhandel und Online-Auktionen (z.B. eBay). Selbst in den 14 Tagen Rückgaberecht, die Ihnen das Fernabgabegesetz einräumt, werden Sie als Einsteiger die Mängel eines Teleskops nicht unbedingt erkennen.
- Planen Sie wichtiges Zubehör in Ihr Budget ein, wenn es nicht im Lieferumfang enthalten ist: Okulare, gegebenenfalls Zenitprisma, Taukappe, Transportboxen oder -taschen, Sucherfernrohr oder Peileinrichtung, gegebenenfalls mobile Stromversorgung, Literatur (z.B. Himmelsjahrbuch), (drehbare) Sternkarte.
Mangelhafte Qualität der Optik und Mechanik kann Ihre Freude beim Beobachten massiv einschränken oder gar verderben. Sie müssen am Anfang sicher kein Profiinstrument erwerben, aber auf eine gewisse Mindestqualität sollten Sie dennoch Wert legen. Fast ebenso wichtig wie die Optik ist die stabile Mechanik eines Teleskops. Vibrationen werden nämlich beim Beobachten auch vergrößert dargestellt, was dazu führen kann, dass bei einer wackeligen Montierung jede noch so leichte Berührung, jeder zarte Windhauch das Teleskop derart in Schwingung versetzt, dass Sie beim Blick durch das Teleskop nichts mehr erkennen können. Das Scharfstellen, bei dem Sie das Teleskop berühren müssen, wird dann zum Glücksspiel. Im Gegensatz zur optischen Qualität können Sie die mechanische Ausführung bei einem Händler, bei dem das Wunschmodell aufgebaut im Ausstellungsraum steht, selbst in Augenschein nehmen, beurteilen und gegebenenfalls mit anderen Modellen vergleichen. Letztlich hat Qualität aber auch etwas mit der Haltbarkeit zu tun. Ein Fernrohr mit guter Optik und solider Mechanik kann über Jahre und Jahrzehnte hinweg ein treuer Begleiter sein, der Ihnen auch einmal eine raue Behandlung verzeiht. Nicht akzeptabel sind hingegen Konstruktionen, bei denen schon nach wenigen Einsätzen Teile brechen oder durch Verschleiß unbrauchbar werden.
Komfort
Das eine Extrem sind die so genannten Dobson-Teleskope. Das sind Spiegelteleskope mit relativ beeindruckenden optischen Leistungsdaten in Relation zum moderaten Preis. Möglich ist das durch eine extrem einfach aufgebaute und preiswert herzustellende Montierung, die mit der Hand bewegt werden muss. Das bedeutet, dass der Beobachter das Fernrohr ständig händisch nachstellen muss, um die Himmelsdrehung auszugleichen und das Objekt nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Ein Dobson-Teleskop funktioniert ganz ohne Batterien oder Netzstrom. Besonders auf Reisen zu dunklen Beobachtungsorten kann das ein Vorteil sein. Doch Sie müssen sich am Himmel gut auskennen, um ein Objekt mit einem solchen Teleskop einzustellen. Zumindest die wichtigsten Sternbilder sollten Ihnen vertraut sein, um sich davon ausgehend mit Hilfe einer Sternkarte an Sternmustern entlang zu hangeln, bis das gesuchte Objekt schließlich im Blickfeld ist. Wegen des kleinen Gesichtsfeldes eines Fernrohrs ist das nicht ganz so einfach und erfordert eine gewisse Übung. Für manche ist es gerade diese Prozedur der Objektsuche, die den Reiz ausmacht, andere sind weniger geduldig und verlieren die Freude, wenn sich nicht in kurzer Zeit Erfolg einstellt.
Grundlagen: 1×1 der Teleskopdaten
Öffnung: Für die Leistungsfähigkeit (Lichtsammelvermögen, Auflösung und Vergrößerung) ist der Durchmesser der Optik, die so genannte Öffnung wichtig. Sie wird meist in Millimeter, zuweilen auch in Zoll (1" = 25,4mm) angegeben. Eingeweihte kennzeichnen Teleskope aufgrund der Öffnung. Sie sprechen auch gerne von einem »Fünfzöller« oder einem »Zehn-Zoll-Spiegel«. Aus der Öffnung lässt sich leicht die maximal sinnvolle Vergrößerung eines Teleskops errechnen: Öffnung in Millimeter mal zwei. Bei einem Teleskop mit 100mm Öffnung ist eine 200fache Vergrößerung demnach die maximal sinnvolle. Höhere Vergrößerungen bringen keinen Gewinn mehr. Doch lassen Sie sich nicht zu sehr von der Maximalvergrößerung beeindrucken. Die meisten Beobachtungen werden Sie bei Vergrößerungen von etwa 40× bis 150× durchführen, unabhängig von der Öffnung. Nur selten ist die Luft so ruhig, dass Sie über 200fache Vergrößerung gehen können.
Brennweite: Sie wird meistens auch in Millimeter angegeben. Fehlt die Angabe der Brennweite, muss Sie aus dem Öffnungsverhältnis (s.u.) errechnet werden: Brennweite = (Nenner des Öffnungsverhältnisses) mal die Öffnung.
Öffnungsverhältnis: Öffnung geteilt durch Brennweite ergibt das Öffnungsverhältnis. Eigentlich ist es ein Bruch, der mit »Eins zu...« angegeben werden sollte. Häufig wird nur der Nenner verwendet. Aus 1:7 wird dann einfach nur 7. Bekannte Schreibweisen sind: f=1:10, F/10, f/12, F8. Für visuelle Beobachtungen spielt das Öffnungsverhältnis keine große Rolle. Sprachlich ist Vorsicht geboten: f/12 ist »kleiner« als f/7, denn es handelt sich ja um einen Bruch(teil): 1/12 ist eben kleiner als 1/7.
Vergrößerung: Einsteiger fragen oft nach der Vergrößerung eines Teleskops. Diese jedoch ist variabel, je nach verwendetem Okular. Die effektive Vergrößerung errechnet sich folgendermaßen: Brennweite des Fernrohrs geteilt durch die Brennweite des Okulars. Beispiel: Wenn Ihr Fernrohr eine Brennweite von 1000mm hat, können Sie mit einem 20mm-Okular eine 50fache Vergrößerung, mit einem 8mm-Okular eine 125fache Vergrößerung erzielen.
Das andere Extrem sind Teleskope, die automatisch die von Ihnen gewählten Objekte einstellen können. Man nennt sie auch »GoTo«-Teleskope. Nach einer einmaligen Eichroutine oder - je nach Modell - auch durch Nutzung der GPS-Ortungssignale sind diese Geräte in der Lage, zigtausende Objekte am Himmel automatisch anzusteuern. Sie brauchen dazu nur das Objekt aus der Datenbank der Handsteuerbox auszuwählen und die Taste »GoTo« zu drücken. Das Teleskop bewegt sich dann - wie von Geisterhand gesteuert - in die richtige Position. Zweifellos eine faszinierende Technik, an der alleine manch einer Gefallen findet. Sehr nützlich sind »GoTo«-Teleskope bei geplanten Sternführungen, wo das Publikum nicht so gerne darauf wartet, bis das gesuchte Objekt endlich gefunden wird. Und natürlich kann sich jeder dieser Technik bedienen, der am Aufsuchen von Objekten keinen Gefallen finden kann. Doch wer pro Nacht hundert Objekte mit »GoTo« anfährt, schnell durch das Okular schaut, um danach zum nächsten Objekt zu schwenken, der wird auf Dauer keine große Freude am Beobachten haben. Die Auseinandersetzung mit der Natur des beobachteten Objekts, die intensive Beobachtung und das Entlocken feinster Details erfordert Zeit und Ausdauer. Erst die Erfahrung und Geduld beim Beobachten, gepaart mit dem Wissen über die wahre Beschaffenheit, Größe und Entfernung des beobachteten Objekts verwandelt einen unscharfen, schwachen und strukturlosen Lichtfleck im Okular in eine großartige Beobachtung. »GoTo«-Teleskope verhindern natürlich nicht per se die notwendige Auseinandersetzung mit den Beobachtungszielen, verleiten aber dazu, eher mehr statt intensiver zu beobachten. Die für »GoTo« notwendige Elektronik und Mechanik schlägt sich im Anschaffungspreis für ein Teleskop nieder. Wenn Ihr Budget begrenzt ist, müssen Sie überlegen, ob Sie Ihr Geld darin investieren oder eher in die Qualität und das Leistungsvermögen der Optik.
Typ
Ähnlich emotional wie die Frage »GoTo oder nicht?« wird in Fachkreisen darüber debattiert, ob nun ein Linsenfernrohr (Refraktor) oder ein Spiegelteleskop (Reflektor) das bessere System ist. Eine Kombination aus beiden sind die so genannten katadioptrischen Teleskoptypen, bei denen sowohl Spiegel als auch Linsen zum Einsatz kommen. Auch auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Jeder Bautyp hat spezifische Vor-, aber auch Nachteile. Neben der Aufstellung im Kasten bleibt Ihnen keine andere Wahl, als Ihre persönlichen Vorlieben für das eine oder das andere System selbst zu entdecken. Generell schlechte Systeme gibt es nicht, doch Sie sollten wissen, in welchen Disziplinen ein bestimmter Typ seine Stärke hat. Die Qualität der Optik ist freilich völlig losgelöst vom Bautyp. Es gibt qualitativ gute Refraktoren und Reflektoren ebenso wie qualitativ schlechte Teleskope beider Fraktionen.

Abb. 2: Ein Dobson-Teleskop bietet eine direkte unkomplizierte Art den Himmel zu erkunden - was aber auch bedeutet, dass man das Aufsuchen der Objekte als Teil der Beobachtung begreifen muss. [Peter Wienerroither]
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Kosten
Wenn Sie sich sicher sind, dass Ihnen die Astronomie nachhaltig Freude bereitet, sollten Sie zumindest einige hundert Euro für das erste Teleskop inklusive dem Zubehör einplanen. Mit Angeboten unter 150 oder 100 Euro werden Sie auf Dauer nicht glücklich sein. Das kommt allenfalls dann in Betracht, wenn das Gerät die oben erwähnten Mindestanforderungen erfüllt und Sie erst einmal in das Hobby Astronomie hineinschnuppern möchten, ohne sich gleich in Unkosten zu stürzen. Vermeiden Sie aber zu Beginn auch Geräte, die etliche Tausender kosten und/oder immense Ausmaße haben. Analysieren Sie bei Angeboten, was im Kaufpreis enthalten ist. Ein Stativ, eine Montierung, das Fernrohr mit Sucher nebst zwei bis drei Okularen ist das absolute Minimum für den Start. Rechnen Sie mit weiteren Kosten für Zubehör, entweder schon bei der Anschaffung oder zu einem späteren Zeitpunkt. Der Zubehörmarkt bietet allerlei nützliche und begehrenswerte Artikel an, von denen man im Laufe der Zeit einige erwerben möchte. Beginnen Sie mit einer sinnvollen und überschaubaren Grundausstattung, dann werden Sie im Laufe der Zeit selbst entscheiden können, welche Zubehörteile für Sie wirklich von Bedeutung sind.
Wo kaufen?
In Betracht kommen der Fachhandel sowie Optiker-Geschäfte, Kaufhäuser, Discount-Märkte, Versandhandel, Gebrauchtmarkt und Internet-Auktionen (z.B. eBay); von der Möglichkeit zum Selbstbau einmal abgesehen. Meiner Meinung nach ist es insbesondere beim Kauf des ersten Teleskops eine große Hilfe, wenn man auf eine fachmännische Beratung zurückgreifen kann, die sowohl vor dem Kauf wichtige Hinweise geben kann als auch nach dem Kauf bei Fragen zur Benutzung des Instruments zur Verfügung steht. Wenn Sie das auch so sehen, bleibt nur der Gang zum Fachgeschäft. Auch in manchen Optiker-Fachgeschäften werden Sie kompetent bedient, wenn der Inhaber/Verkäufer selbst Hobbyastronom ist und die Teleskope im Schaufenster nicht nur aus Gründen der Dekoration stehen. Bei allen anderen Bezugsquellen müssen Sie in der Regel auf jegliche Beratungsleistung verzichten. Einem Teleskop aus dem Discounter liegt zwar eine Anleitung bei, wie Sie das Gerät zusammenbauen müssen, nicht jedoch eine Anleitung zur Anwendung. Leider sind auch viele Angebote des Versandhandels und auf eBay nicht seriös. Sie werben mit irreführenden Aussagen und Aussagen, die zwar Käufer anlocken sollen, in Wirklichkeit jedoch Zeugnis ablegen von der Ahnungslosigkeit des Anbieters. Von Offerten, die ein »Profiteleskop mit 1000facher Vergrößerung« zum Preis einer Tankfüllung Benzin anbieten, sollte man Abstand nehmen, denn mit solchen Geräten werden Sie in aller Regel keine Freude haben. Am besten informieren Sie sich vor dem Kauf, welche Angaben und Zahlen bei der Beschreibung eines Teleskops von Bedeutung sind (siehe Kasten) und welche nicht. Das oben erwähnte Angebot können Sie dann selbst als primitive Bauernfängerei entlarven. Selbstredend werden in eBay auch hervorragende Teleskope, manchmal sogar zu einem erstaunlich guten Preis angeboten, aber als Einsteiger dürfte es schwer fallen, diesen »Weizen« von der »Spreu« zu trennen. Daher geht meine Empfehlung in die Richtung, beim Erstkauf eines Teleskops auf eBay-Angebote zu verzichten. Auch der Kauf eines gebrauchten Teleskops von Privat birgt meiner Meinung nach gewisse Risiken, die von einem Einsteiger noch nicht überblickt werden können. Bedenken Sie, dass auch ein preiswertes Fernrohr bestimmte Mindestanforderungen bezüglich der Fertigungsqualität und -toleranzen erfüllen muss, damit es seinen Zweck erfüllen kann. Ein Fernrohr ist und bleibt nun einmal ein optisches und mechanisches Präzisionsinstrument. Zugegebenermaßen können auch mit einem Teleskop aus dem Discounter schöne Beobachtungen gelingen. Meist sind dazu jedoch Verbesserungen notwendig, für die man über etwas bastlerisches Geschick und das entsprechende Werkzeug verfügen muss. Dass bei solchen Eingriffen der Gewährleistungsanspruch erlischt, versteht sich von selbst.
Wer hilft mir?

Abb. 3: Bei einem GoTo-Teleskop reduziert sich das Einstellen eines Objektes auf einen Knopfdruck. Ohne Kenntnis des Himmels und Geduld bei der Wahrnehmung der Objekte wird man aber auch hier keine Freude haben. [Ronald Stoyan]
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Fachmännische Unterstützung können Sie in jedem guten Fachgeschäft für Teleskope und manchen Optiker-Fachgeschäften erwarten. Auch für telefonische Anfragen und Beratungen sind manche Händler gerne bereit. Dabei müssen Sie jedoch damit rechnen, dass hinter der Beratung auch ein gewisses Interesse an einem Kaufabschluss steckt. Honorieren Sie die Beratungsleistung dadurch, dass Sie das gewünschte Gerät auch bei dem Händler kaufen, der die Beratungsleistung erbracht hat, wenn er das Gerät zu einem akzeptablen Preis anbietet.
Wenn Sie eine völlig unabhängige Beratung und Hilfestellung suchen, besuchen Sie eine Volkssternwarte, einen astronomischen Verein oder Club in Ihrer Nähe. Einerseits haben Sie dort die Möglichkeit, durch verschiedene Teleskope durchzuschauen und sich selbst ein Bild von der Leistungsfähigkeit einer Optik zu machen. Andererseits werden Sie darüber erstaunt sein, wie bereitwillig viele Mitglieder solcher Organisationen ihre Erfahrungen bezüglich der Teleskope und anderer Gerätschaften mit Ihnen teilen.
Wenn Sie spezifische Fragen haben, können Sie diese auch in einem Internet-Forum stellen, um Meinungen und Ratschläge anderer Sternfreunde einzuholen. www.astrotreff.de und www.astronomie.de sind zwei der deutschsprachigen Astronomie-Foren. Generell liefert ein Forum keine moderierten, einhelligen Meinungen. Jeder, der möchte, meldet sich zu Wort und stellt seine persönliche Sicht der Dinge dar. Nicht selten sind die Antworten gegensätzlich, was zu Ihrer Entscheidungsfindung vielleicht nicht unmittelbar beiträgt, wobei aber dennoch wichtige Argumente aufgegriffen werden.
Pro Jahr finden einige Astronomie-Messen in Deutschland statt, auf denen Sie die Angebote der einzelnen Hersteller und Händler in konzentrierter Form studieren können. Für schnell Entschlossene locken viele Aussteller mit attraktiven Messepreisen. Wenn Ihnen der Blick durch ein Teleskop lieber ist, dann besuchen Sie eines der zahlreichen Teleskoptreffen. Dort treffen sich Sternfreunde, von denen viele ihre Teleskope mitbringen, um gemeinsame Beobachtungsnächte miteinander zu verbringen und dabei fleißig zu fachsimpeln. Als Besucher haben Sie die Möglichkeit, durch die aufgestellten Teleskope zu schauen und Vergleiche anzustellen. Erfahrungsgemäß beantworten die Teleskopbesitzer auch geduldig die Fragen der Gäste zu den Instrumenten.
Vor- und Nachteile der gängigsten Teleskoptypen
Achromatischer Refraktor (meist Objektive aus 2 Linsen)
 | gute Bildqualität bei langer Brennweite (= kleines Öffnungsverhältnis; siehe Kasten »1×1 der Teleskopdaten«) |
 | unkomplizierte Handhabung (Justage der Optik selten bis nie erforderlich) |
 | bei Transport aus dem warmen Zimmer ins Kalte schnell einsatzbereit |
 | auch verwendbar für terrestrische Beobachtungen am Tag |
 | Farbfehler (Blausaum), der bei großen Öffnungsverhältnissen sehr störend sein kann. Dann sind keine hohen Vergrößerungen möglich |
 | geringe Öffnung (siehe Kasten »1×1 der Teleskopdaten«) in Relation zum Preis |
 | mit zunehmender Öffnung sehr unhandlich |
Apochromatischer Refraktor (meist Objektive aus 3 Linsen)
 | extrem hohe Bildqualität durch bessere Farbkorrektur im Vergleich zum Achromaten |
 | sehr kontrastreiche Abbildungen |
 | großes nutzbares Bildfeld, dadurch ist die Beobachtung großer Himmelsareale möglich |
 | unkomplizierte Handhabung (Justage der Optik selten bis nie erforderlich) |
 | bei Transport aus dem warmen Zimmer ins Kalte schnell einsatzbereit |
 | auch verwendbar für terrestrische Beobachtungen am Tag |
 | extrem hoher Preis im Vergleich zur Öffnung (Ausnahme: Halbapochromaten / ED-Refraktoren) |
 | mit zunehmender Öffnung sehr unhandlich |
Newton-Reflektor
 | exzellente Abbildungsqualität in der Bildmitte |
 | maximal große Öffnung in Relation zum Preis |
 | »Viel Teleskop« zum Schnäppchenpreis in Form eines Dobson-Teleskops |
 | absolut farbreine Abbildung |
 | auch kurze Brennweiten erhältlich, das ermöglicht große Gesichtsfelder |
 | Justage der Optik hin und wieder notwendig, aber leicht erlernbar |
 | mittellange Auskühlzeit nach Temperaturwechsel |
 | Luftturbulenzen im Tubus können die Bildqualität beeinträchtigen |
 | Einblick vorne und seitlich am Teleskop-Tubus |
Schmidt-Cassegrain
 | durch Schmidtplatte abgeschlossener Tubus, dadurch Schutz vor Staub auf den Spiegeln |
 | Fangspiegel ist an der Schmidtplatte aufgehängt, dadurch keine Fangspiegel-Streben notwendig, die Strahlen um die hellen Sterne erzeugen |
 | relativ preiswerte Systeme und große Angebotsbreite mit zum Teil guter Optik |
 | kompakte Bauweise |
 | großes Zubehörprogramm für die Geräte der bekanntesten Hersteller |
 | längere Auskühlzeit nach Temperaturwechsel |
 | Luftturbulenzen im Tubus können die Bildqualität beeinträchtigen |
 | langbrennweitiges Design (kleine Gesichtsfelder) |
 | Justage der Optik hin und wieder notwendig |
Maksutov-Cassegrain
 | abgeschlossener Tubus, dadurch Schutz vor Staub auf den Spiegeln |
 | sehr gute Abbildungsqualität |
 | Fangspiegel ist an der Meniskuslinse angebracht, dadurch keine Fangspiegel-Streben notwendig, die Strahlen um die hellen Sterne erzeugen |
 | nicht gerade preiswert |
 | lange Auskühlzeit nach Temperaturwechsel |
 | Luftturbulenzen im Tubus können die Bildqualität beeinträchtigen |
 | langbrennweitiges Design (kleine Gesichtsfelder) |
 | hohes Gewicht durch die meist dicke Meniskuslinse |
Im nächsten Teil: Benutzung eines Teleskops
Oculum-Buchempfehlung: Fernrohrwahl für Einsteiger in 4 Schritten
 Fernrohrwahl für Einsteiger in 4 Schritten. Der Ratgeber für den Kauf eines astronomischen Teleskops. Ronald Stoyan: 160 Seiten, 110 Grafiken und Fotos, 29 Tabellen, Softcover, 21cm × 15cm, durchgehend farbig, ISBN 978-3-938469-11-8, März 2007 (1. Auflage), 17,90 € |
Jedes Jahr werden mehrere 10000 Teleskope verkauft. Unter den vielen Qualitätsanbietern gibt es jedoch immer mehr Fernrohre aus Fernost, die wenig Freude machen das Ergebnis ist ein frustrierter Sternfreund und ein Teleskop, das auf dem Dachboden verstaubt. Mit »Fernrohrwahl« liegt erstmals in deutscher Sprache ein Ratgeber für den Kauf des ersten astronomischen Teleskops vor. Ausführlich werden die einzelnen Fernrohrtypen mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt, sinnvolle Auswahlkriterien besprochen, nützliches Zubehör vorgestellt und erläutert, wie man die Qualität eines Fernrohrs schnell beurteilt. Einzigartig ist die umfangreiche tabellarische Übersicht von mehr als 500 auf dem deutschen Markt erhältlichen Teleskopmodellen, von denen die 20 beliebtesten Einsteigergeräte ausführlich besprochen werden.