Einstieg ins Hobby Astronomie
Teil 1: Einführende Tipps
von Ronald Stoyan
Praktische Astronomie ist eine der interessantesten Freizeitbeschäftigungen, die man sich denken kann. In kaum einem anderen Hobby sind Erlebnis, Wissenschaft und Technik derart schön verbunden. Es verwundert daher nicht, dass auch hierzulande die Zahl der Hobbyastronomen ständig steigt - geschätzte 80000 Menschen im deutschen Sprachraum betreiben praktische Astronomie mehr oder weniger regelmäßig.
Doch stellen sich vielen Interessierten nach der ersten Faszination Probleme, die sich meist ohne sachkundige Hilfe nicht einfach lösen lassen und schon so manchen angehenden Hobbyastronomen zur frustrierten Aufgabe gebracht haben. In einer großen Serie wollen wir uns genau diesen Problemen zuwenden und leicht verständliche Antworten geben. Dabei werden wir die Orientierung am Nachthimmel erläutern, die Beobachtungsmöglichkeiten mit einem Fernglas aufzeigen, Ratschläge zum Kauf und zur Benutzung eines Fernrohrs geben und zeigen, wie man mit einfachen Mitteln schöne Astrofotos machen kann.

Abb. 1: Der Faszination eines dunklen Sternhimmels, wie hier in den Tiroler Hochalpen, kann kaum jemand widerstehen. Etwa 10000 Sterne sind unter einem Gebirgshimmel mit bloßem Auge allein zu sehen. Schon ein 10×50-Fernglas erhöht diese Zahl auf etwa eine Million, während ein Teleskop mit 200mm Öffnung über 20 Millionen Sterne zeigen kann. [Uwe Wohlrab]
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Im ersten Teil soll es um allgemeine Tipps gehen, die Ihnen frustrierende Erlebnisse ersparen können. Dabei empfehlen wir Ihnen Bücher und Internetseiten, die Ihnen auf dem Weg zum Amateurastronomen hilfreich sein können.
Tipp 1: Enttäuschung vermeiden
Ein rabenschwarzer Nachthimmel, übersät von tausenden Sternen: Diese Urform der Faszination der Astronomie spürt wohl jeder Mensch. Doch hat sich heute die Wahrnehmung von Natur allgemein verändert. Durch eine Übersättigung mit bunten Bildern, »unglaublichen« Zahlen und reißerischen Kommentaren buhlen die Medien um unsere Aufmerksamkeit. Das Bild, das viele Menschen heute vom Sternhimmel haben, speist sich allein aus diesen unrealistischen Eindrücken. Die Faszination des praktischen Hobbys Astronomie hat aber mit einer Fernsehsendung über Schwarze Löcher genau so wenig zu tun wie die Freude am Bergsteigen mit einer Mount-Everest-Reportage.
Der Sternhimmel lässt sich nicht wie eine Fernsehsendung beobachten, hier wird nichts »serviert«. Seine Geheimnisse wollen entschlüsselt werden, seine Schönheit ist subtiler, die Veränderungen scheinbar unmerklich – und doch bleibt diese Faszination an seinem Anblick ein Leben lang erhalten. Verbannen Sie die bunten Bilder aus Ihrem Kopf und machen Sie sich klar, dass das Hobby Astronomie wenig mit ihnen zu tun hat.
Tipp 2: Geduld haben
Astronomie ist nicht von heute auf morgen erlernt. Zur Orientierung am Sternhimmel und Beherrschung von Techniken ist Übung erforderlich. Werfen Sie die Flinte nicht ins Korn, wenn Ihnen nicht auf Anhieb alles gelingt.
Viele Einsteiger denken, dass sich Beobachtungsspaß durch besonders teure Teleskope und andere Hilfsmittel erkaufen lässt. Doch ist die Faszination und damit der Spaß beim nächtlichen Tun davon abhängig, welche innere Einstellung man hat. Ein reiner Wettlauf nach »mehr sehen«, »besser fotografieren«, »schneller aufsuchen« endet für viele mit Frust, denn einerseits wird man immer Sternfreunde finden, die gewisse Techniken besser beherrschen, zum anderen führt sie an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter: Der Wettbewerb kann nicht unendlich gesteigert werden.

Abb. 2: Die menschliche Lichtverschmutzung sorgt heute dafür, dass der Anblick eines dunklen Sternhimmels zur Seltenheit geworden ist. Im Unterschied zum Gebirgshimmel (vgl. Abb. 1) leuchten am Firmament in einer Großstadt kaum 500 Sterne – nur ein Zwanzigstel dessen, was unter einem unverschmutzten Himmel möglich wäre. Das Bild zeigt das Rhein-Main-Ballungsgebiet mit dem Frankfurter Flughafen. [Ulrich Beinert]
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Astronomie soll Hobby bleiben und nicht zum Sport werden. Jede Nacht und jedes Objekt verdient es ausgiebig genossen zu werden. Wieviel man von einer guten Nacht profitieren kann hängt davon ab, wie sehr man sich auf die Astronomie einlässt. Erst durch viel Praxis unter dem Sternhimmel wird man zum erfahrenen Sternfreund. Doch auch dann gehören Erlebnisse des Misserfolgs dazu – denn die Astronomie ist kein Erfolgserlebnis auf Knopfdruck.
Tipp 3: Beobachtungsort suchen
Die meisten Menschen – und damit auch diejenigen, die sich für Astronomie interessieren – leben in größeren Siedlungen. Hier haben wir uns inzwischen den Sternhimmel jedoch selbst kaputt gemacht: In Großstädten ist durch die Lichtverschmutzung nur noch wenig von der Faszination des Nachthimmels geblieben. Doch auch in den kleineren Städten und Dörfern stören überall menschliche Lichtquellen.

Abb. 3: Astronomen sind wetterabhängig. Schicksalsschläge wie aufziehende Wolken in einer schönen Beobachtungsnacht gehören zu den typischen Negativerlebnissen des Hobbys. [Sebastian Voltmer]
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Abb. 4: Um den Sternhimmel frei von Lichtverschmutzung zu genießen, nehmen viele Hobbyastronomen lange Fahrzeiten von bis zu einer Stunde einfach auf sich. Ein Auto gehört somit zum wichtigsten »Zubehör« der amateurastronomischen Ausrüstung. [Peter Wienerroither]
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Ein guter Beobachtungsplatz ist durch nichts zu ersetzen! Wer nicht das Glück hat, direkt im eigenen Garten die Milchstraße sehen zu können, sollte sich abseits von Straßen und Ortschaften ein geeignetes Plätzchen suchen. Ohne störendes Streulicht kann man hier in Ruhe den Sternhimmel genießen. Nachts alleine in Feld und Flur umherzustreifen ist nicht jedermanns Sache – man sollte sich dennoch von Anfang an bewusst machen, dass ein lichtverschmutzter Beobachtungsstandort von vornherein den Verzicht auf einen Großteil des astronomischen Erlebnisses bedeutet.
Tipp 4: Wetter verfolgen
Verlässt ein Amateurastronom das Haus, geht der erste Blick unweigerlich auch tagsüber zum Himmel: Wie wird das Wetter? Es gibt kaum ein Hobby, das derart von äußeren Umständen abhängig ist wie die Astronomie. Das bedeutet insbesondere, dass sich Beobachtungsnächte – zumindest in unseren Breiten – nicht planen lassen. Spontaneität ist deshalb eine der wichtigsten Anforderungen an einen Sternfreund: Wenn es klar ist, sollte man die Möglichkeit zu einer Beobachtung schnell ergreifen können.
Es wird insbesondere dann bewölkt sein, wenn ein besonderes astronomisches Ereignis ansteht; so lautet Murphys Gesetz für Amateurastronomen. Um die Chancen auf gutes Wetter auszuloten, gehört das Studium von Wettervorhersagen zum Alltag der Astronomen. Insbesondere im Internet hat man heute die Möglichkeit, Satellitenfilme und Vorhersagen auch mit regionalem Bezug zu erhalten. Sie ermöglichen – ebenfalls über das Internet – die Verabredung mit anderen Sternfreunden zur gemeinsamen Beobachtung.
Tipp 5: Gemeinsam beobachten
Zusammen mit Gleichgesinnten zu beobachten hat viele Vorteile: Man kann von anderen lernen und Erfahrungen austauschen, einen Blick durch andere Teleskope und Okulare werfen und fühlt sich nachts draußen sicherer.
Das alte Bild vom Sterngucker als kauzigen Einzelgänger stimmt nicht, die meisten Amateurastronomen sind sehr gesellige Leute. Überall im deutschen Sprachraum gibt es Sternfreunde, die sich zu Gruppen oder Vereinen zusammengeschlossen haben. Die Organisationsformen reichen dabei von lockeren Beobachtergruppen über Astro-Stammtische bis hin zu durchorganisierten Vereinen.
Viele der 250 Astrovereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreiben eine eigene Sternwarte, an der Mitglieder kostenlos beobachten können. Sie sind herzlich willkommen, man erwartet jedoch, dass Sie als Einsteiger selbst aktiv werden, wenn Sie mitmachen wollen. Schließlich können die lang gedienten Vereinsmitglieder Ihnen nicht von den Augen ablesen, welche astronomischen Probleme Sie gerade haben.
Auch zahlreiche überregionale Veranstaltungen werden von Hobbyastronomen für Hobbyastronomen organisiert: Das sehr große Angebot reicht von Tagungen zu Spezialthemen bis zu Teleskoptreffen und Starparties, wo sich hunderte Sternfreunde unter freiem Himmel zum gemeinsamen Beobachten zusammenfinden. Nutzen Sie dieses ehrenamtliche Angebot.
Tipp 6: Rat einholen
Auch wenn Sie allein beobachten möchten: Fragen Sie erfahrene Hobbyastronomen, eine Volkssternwarte oder einen Astronomieverein um Rat, wenn Sie nicht mehr weiterwissen. Man wird Ihnen gerne unentgeltlich helfen. Vergessen Sie dabei nicht, dass auch für die erfahrenen Sternfreunde die Astronomie ein Hobby ist – verstehen Sie Ihre Anfrage deshalb nicht als »Anspruch« auf Unterstützung.
Abonnieren Sie eine Zeitschrift für praktische Astronomie und profitieren Sie so von den Tipps und Erfahrungen anderer Sternfreunde. Ergänzend können Sie sich auch in einer Astro-Mailingliste eintragen lassen oder ein Internet-Forum regelmäßig besuchen. Die Astronomie-Szene ist im Internet aktiv und hat sich auf zahlreichen Informations- und Hobbyseiten vernetzt.

Abb. 5: Sternfreunde sind gesellig– auf Starparties versammeln sich hunderte Amateurastronomen und feiern sich und ihr Hobby gemeinsam. Das größte Treffen dieser Art ist das Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg, das jedes Jahr im Mai stattfindet. Rotes Licht sorgt dafür, dass die Augen der Beobachter nicht zu sehr geblendet werden. [Ulrich Beinert]
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Schaffen Sie sich eine Literatur-Grundlage. Dazu gehören unbedingt eine Sternkarte, ein astronomisches Jahrbuch und ein grundlegendes Buch zum astronomischen Fachwissen. Es gibt darüber hinaus viele Buch- und Softwaretitel, die Ihnen das Erlernen von bestimmten Techniken und das Aneignen von Fachwissen wesentlich erleichtern. Oft haben selbst aktive Sternfreunde diese Bücher geschrieben, die sich einst mit denselben Fragen wie Sie jetzt beschäftigt haben.
Tipp 7: Beobachtungsbuch führen
Notieren Sie Ihre Erlebnisse. Selbst die berauschendste Beobachtungsnacht gerät in Vergessenheit, wenn man sie nicht dokumentiert. Ein Beobachtungsbuch ist praktisch, in das man Erlebnisse der Nacht und Beschreibungen der beobachteten Himmelsobjekte einträgt. Dabei hat es sich bewährt, ein Diktiergerät oder mp3-Rekorder zu benutzen, und die Aufzeichnungen dann zu Hause in schriftliche Form zu übertragen. Viele Sternfreunde nutzen das Internet als »öffentliches Beobachtungsbuch« und stellen ihre Beobachtungsnotizen jeweils aktuell auf ihrer Homepage online zur Verfügung.
Bücher und Software für den Einstieg
Allgemeine Einsteigerliteratur
- Herrmann, J.: dtv-Atlas zur Astronomie, dtv, 13,50 €
- Spix, L.: Hobby-Astronom in 4 Schritten, Oculum-Verlag, 14,90 €
- Keller, H.-U.: Astro-Wissen, Kosmos-Verlag, 14,90 €
Jahrbuch
Himmelskarte
Himmelsatlas
Fernrohre
Astrofotografie
- Seip, S.: Digitale Astrofotografie, Kosmos-Verlag, 14,90 €
- Schröder, K.-P.: Praxishandbuch Astrofotografie, Kosmos-Verlag, 29,90 €
Planetariumssoftware (deutschsprachig)
- Redshift, United Soft Media, 79,90 €
- TheSky 5 Level 2, Software Bisque, 69,90 €
Ein gutes Einsteiger-Buch ist essentiell für einen gelungenen Hobbyeinstieg. Die hier niedergeschriebenen Informationen haben den Vorteil der Überprüfung und Bearbeitung gegenüber den zahlreichen Internet-Quellen – diese Investitionen zahlen sich mehrfach aus.
Im nächsten Teil: Orientierung am Sternhimmel
Oculum-Buchempfehlung: Hobby-Astronom in 4 Schritten
 Hobby-Astronom in 4 Schritten. Ein 1×1 der praktischen Astronomie. Lambert Spix: 128 Seiten, 130 Fotos und Grafiken, 11 Tabellen, Softcover, Spiralbindung, 15cm × 21cm, durchgehend farbig, ISBN 978-3-938469-17-0, September 2007 (1. Auflage), 14,90 € |
So fällt der Einstieg in die praktische Astronomie leicht: 52 Kapitel erklären, was Hobby-Astronomen wissen wollen. Von den Grundzügen der ältesten Wissenschaft der Welt spannt sich der inhaltliche Bogen über praktische Fragen bei der Bedienung eines Teleskops bis hin zu Beobachtungsvorschlägen für die ersten galaktischen Erlebnisse. Leicht verständlich und anschaulich illustriert werden alle wichtigen Themen für einen grundlegenden Einstieg in dieses spannende Hobby thematisiert. Praxisbezogenheit und Vollständigkeit, die sich an den tatsächlichen Problemen eines Hobby-Einsteigers orientieren, unterscheiden dieses Buch von anderen Astronomie-Einführungen.
Durch die leicht navigierbare doppelseitige Struktur ist das Buch als Nachschlagewerk wie als erste Anleitung gleichermaßen geeignet. »Hobby-Astronom in 4 Schritten« bietet Informationen zu Wissen, Ausrüstung, Beobachtung und Objekttipps für Hobby-Astronomen und solche, die es werden wollen.