| arxiv.org/abs/1004.0539 |
| arxiv.org/abs/1004.0317 |
| arxiv.org/abs/1003.5796 |
Ein Begleiter eines Braunen Zwergs, der mit nur 5 bis 10 Jupitermassen einem Planeten ähnelt, der sonnennächste Braune Zwerg in nur 9,5 Lichtjahren Entfernung, der überdies der leuchtschwächste ist – und der Verdacht, dass die drei Begleiter des Sterns HR 8799, die 2008 als erstes direkt abgebildetes Planetensystem gefeiert wurden, in Wirklichkeit Braune Zwerge sind: Die Welt dieser Beinahe-Sterne, bei denen es nicht zu anhaltender Wasserstoff-Fusion reicht, ist in den vergangenen Wochen noch vielseitiger geworden. 15 Jahre ist es erst her, dass der erste Braune Zwerg überhaupt nachgewiesen werden konnte, und heute kennt man mehrere hundert dieser Himmelskörper mit 13 bis etwa 75 Jupitermassen. Doch ein System wie 2M044144 in der Taurus-Sternbildungsregion war bisher nicht darunter: Hier hat ein Brauner Zwerg mit etwa 20 Jupitermassen in 1/10" Abstand (was projizierten 15AE entspricht) einen schwachen Begleiter, der aufgrund seiner Helligkeit – und Entwicklungsrechnungen für sehr massearme Körper – eine 5 bis 10-fache Masse von Jupiter hat.

Damit wäre er klar ein Planet, wenn er um einen richtigen Stern kreisen würde, doch bei Braunen Zwergen wird der Begriff ungern verwendet. Interessant ist das Begleitobjekt vor allem, weil der Braune Zwerg extrem jung ist: Der Quasi-Planet muss sich in weniger als einer Million Jahre gebildet haben. Für die »klassische« Sicht der Entstehung von Gasriesen aus Gasakkretion um einen festen Kern, der allmählich in einer zirkumstellaren Scheibe wuchs, sicher zu schnell. Damit bleiben nur zwei andere Erklärungen übrig: Entweder entstand der »Planet« rasch aus einer Instabilität einer Scheibe – ein Szenario, das auch für die Gasriesen unseres Sonnensystems vorgeschlagen wurde – oder aber er kondensierte direkt aus der Molekülwolke, aus der auch der Braune Zwerg entstand. Ganz in der Nähe des letzteren gibt es ein weiteres Paar massearmer Körper: Womöglich bildeten sich alle vier gleichzeitig, als ein Kern in der Wolke instabil wurde, und formen nun ein hierarchisches System. Es wäre der erste beobachtete Fall, wo ein Objekt mit weniger als 10 Jupitermassen auf diese Weise entstand.
Die zweite spannende Entdeckung ist UGPS J0722-05: Dieser Braune Zwerg in 2,9±0,4 Parsec oder 9,5±1,3 Lichtjahren Entfernung ist nicht nur der sonnennächste (und einer der zehn nächsten bekannten Himmelskörper überhaupt) sondern mit 400-500K Oberflächentemperatur auch der kühlste und leuchtschwächste. Sein Spektrum ist nicht ganz eindeutig: Entweder handelt sich es um einen Extremfall der Spektralklasse T (also T10), oder aber UGPS J0722-05 ist der erste Vertreter einer neuen Klasse noch kühlerer Brauner Zwerge, die sich an L und T anschließt und für die der Buchstabe Y vorgeschlagen wurde. Die Suche war nicht leicht: Unter 604 Millionen Objekten einer Himmelsdurchmusterung befand sich genau dieser eine späte T- bzw. Y-Kandidat.
Die dritte Entdeckung schließlich ist gewissermaßen eine negative: Die Messung von Sternschwingungen an dem Stern HR 8799 legt nahe, dass dieser nicht 30 bis 160 Mio. Jahre alt ist, wie bisher gedacht, sondern etwa 1 Mrd. Jahre. Damit wären aber seine drei direkt abgebildeten und allseits als Planetensystem gefeierten (im eigenen Licht glimmenden) Begleiter eindeutig Braune Zwerge, die länger zum Auskühlen brauchen: Echte Planeten sähe man schon lange nicht mehr.
Daniel Fischer










